Die Hirnhautentzündung (Meningitis) ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die oft eine schnelle Diagnose und Behandlung erfordert. Ein zentrales diagnostisches Instrument ist dabei die Nervenwasseruntersuchung, auch Liquoruntersuchung oder Lumbalpunktion genannt. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung der Nervenwasseruntersuchung bei Hirnhautentzündungen, geht auf verschiedene Ursachen und Verläufe der Erkrankung ein und diskutiert aktuelle Therapieansätze.
Die Rolle der Nervenwasseruntersuchung bei Meningitis
Die Nervenwasseruntersuchung spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose von Hirnhautentzündungen. Da das Nervenwasser in engem Kontakt mit dem Nervensystem steht, kann seine Analyse Aufschluss über krankhafte Veränderungen geben.
Wann wird eine Nervenwasseruntersuchung durchgeführt?
Eine Nervenwasseruntersuchung wird bei Verdacht auf verschiedene Erkrankungen des zentralen Nervensystems durchgeführt, darunter:
- Akut entzündliche Hirnerkrankungen wie Meningitis
- Chronisch entzündliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose
- Ausschluss einer Hirnblutung
- Diagnostik anderer Hirnerkrankungen wie Demenzen
Ablauf einer Nervenwasseruntersuchung
Die Nervenwasserentnahme erfolgt in der Regel am sitzenden Patienten durch einen Einstich zwischen zwei Wirbeln der Lendenwirbelsäule (Lumbalpunktion). Vor dem Einstich wird der Arzt anhand von CT-Bildern oder durch Spiegelung des Augenhintergrundes prüfen, ob kein erhöhter Hirndruck vorliegt. Der Patient wird gebeten, den Rücken zu einem entspannten "Katzenbuckel" zu formen. Nach Desinfektion und lokaler Betäubung erfolgt der Einstich mit einer dünnen Nadel. Die Nadelspitze wird zwischen den Rückenmarksnerven im Liquor platziert, aus dem dann langsam fünf bis zehn Milliliter Flüssigkeit abtropfen. Das Rückenmark selbst wird dabei nicht berührt.
Die gesamte Untersuchung dauert etwa 10 bis 15 Minuten.
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Was kann im Nervenwasser festgestellt werden?
Die Analyse des Nervenwassers ermöglicht den Nachweis von:
- Blutkörperchen: Weisen auf eine Blutung im Gehirn oder Rückenmark hin.
- Entzündungszellen oder Eiweißveränderungen: Deuten auf eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems hin.
- Erregernachweis: Mittels mikroskopischer Untersuchung (Gram-Färbung) oder PCR-Technik können Bakterien, Viren oder andere Erreger identifiziert werden.
- Immunologische Untersuchungen: Antigennachweis oder Bestimmung von Antikörpern können spezifische Erreger identifizieren.
- Tumormarker: Bei Verdacht auf eine Meningeosis neoplastica können Tumormarker wie α-Fetoprotein (AFP) und humanes β-Choriogonadotrophin (β-hCG) bestimmt werden.
Risiken und Nebenwirkungen einer Lumbalpunktion
Die Lumbalpunktion ist ein relativ sicheres Verfahren. Mögliche Nebenwirkungen sind:
- Vorübergehende Kopfschmerzen: Treten bei weniger als 5 % der Patienten auf.
- Rückenschmerzen im unteren Bereich
- Nackenschmerzen
- Schwindel
- Übelkeit
In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenderen Komplikationen wie einer Nervenverletzung oder einer Infektion kommen.
Ursachen und Verläufe von Hirnhautentzündungen
Die Hirnhautentzündung kann verschiedene Ursachen haben, wobei bakterielle und virale Infektionen die häufigsten Auslöser sind.
Bakterielle Meningitis
Die bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall, der rasches Handeln erfordert. Häufige Erreger sind:
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- Streptococcus pneumoniae: In Europa und Nordamerika der häufigste Erreger.
- Neisseria meningitidis (Meningokokken): Kann zu schweren, schnell verlaufenden Erkrankungen führen.
- Haemophilus influenzae: Durch die Einführung von Impfungen seltener geworden.
- Listeria monocytogenes: Insbesondere bei immungeschwächten Patienten.
Symptome: Typische Symptome sind Fieber, Nackensteifigkeit und Bewusstseinsstörungen. Bei Kindern, älteren Menschen und immungeschwächten Patienten können die Symptome jedoch weniger ausgeprägt sein.
Diagnose: Die Diagnose erfolgt durch die Nervenwasseruntersuchung, bei der Bakterien nachgewiesen werden können.
Therapie: Die Behandlung erfolgt mit hochdosierten Antibiotika, die so früh wie möglich verabreicht werden müssen. Zusätzlich kann Dexamethason verabreicht werden, um Entzündungen zu reduzieren.
Virale Meningitis
Die virale Meningitis verläuft oft milder als die bakterielle Meningitis. Häufige Erreger sind:
- Enteroviren: Die häufigste Ursache viraler Meningitis.
- Herpesviren: Können schwere Verläufe verursachen.
- Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)-Viren: Werden durch Zecken übertragen.
Symptome: Die Symptome sind ähnlich wie bei der bakteriellen Meningitis, aber oft weniger schwerwiegend.
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Diagnose: Die Diagnose erfolgt durch die Nervenwasseruntersuchung, bei der Viren mittels PCR-Technik nachgewiesen werden können.
Therapie: Die Behandlung erfolgt in der Regel symptomatisch mit Schmerzmitteln und fiebersenkenden Medikamenten. Bei Herpesviren kann Aciclovir eingesetzt werden.
Nicht-infektiöse Meningitis
In seltenen Fällen kann eine Hirnhautentzündung auch durch nicht-infektiöse Ursachen ausgelöst werden, z. B. durch Autoimmunerkrankungen oder Medikamente.
Meningeosis neoplastica
Die Meningeosis neoplastica beschreibt die diffuse metastatische Ausbreitung von Tumorzellen in den Subarachnoidalraum bzw. in den Liquor cerebrospinales oder in die angrenzenden Hirnhäute (Leptomeningen). Die häufigsten Primärtumoren sind Mammakarzinome, Bronchialkarzinome, maligne Melanome sowie Lymphome und Leukämien. Die wichtigsten diagnostischen Maßnahmen sind Liquoranalytik und Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns mit Nachweis einer Kontrastmittelaufnahme der Meningen. Die Therapie ist palliativ und zielt auf Lebensverlängerung und Symptomkontrolle ab.
Fallbeispiele und persönliche Erfahrungen
Der Fall Isaraelu Pele
Der Fall des achtjährigen Isaraelu Pele in Australien verdeutlicht auf tragische Weise die Bedeutung einer frühzeitigen und korrekten Diagnose bei Meningitis. Trotz mehrfacher Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte wurde die Meningitis nicht erkannt, was letztendlich zum Tod des Jungen führte. Dieser Fall wirft Fragen nach den Standards im Gesundheitswesen und der Sorgfalt der Ärzte auf.
Persönliche Erfahrungen mit Lumbalpunktionen
Einige Patienten berichten von ihren Erfahrungen mit Lumbalpunktionen. Während einige keine oder nur leichte Kopfschmerzen hatten, erlebten andere unerträgliche Kopfschmerzen und Verspannungen. Es wird betont, dass es wichtig ist, vor und nach der Punktion viel zu trinken, ruhig zu bleiben und sich danach ausreichend auszuruhen.
Impfung als Prävention
Impfungen spielen eine wichtige Rolle bei der Prävention von Hirnhautentzündungen. Es gibt Impfstoffe gegen verschiedene Erreger, darunter:
- Haemophilus influenzae Typ B (Hib): Die Impfung hat zu einem deutlichen Rückgang der durch diesen Erreger verursachten Meningitiden geführt.
- Meningokokken: Es gibt Impfstoffe gegen die Serogruppen A, C, Y und W-135. Gegen die Serogruppe B, die in Europa und Nordamerika häufig vorkommt, wird derzeit an Impfstoffen gearbeitet.
- Pneumokokken: Die Impfung wird bei bestimmten Risikopatienten empfohlen.
- Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Die Impfung wird für Menschen empfohlen, die in Risikogebieten leben und dort in Kontakt mit Zecken kommen.
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