Die Borreliose, auch bekannt als Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Zeckenstiche übertragen wird. Verursacht durch das Bakterium Borrelia burgdorferi, kann diese Krankheit verschiedene Organe befallen, darunter Haut, Gelenke, Nervensystem und Herz. In seltenen Fällen kann eine Borreliose zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) führen, insbesondere bei Kindern. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Behandlung und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit Borreliose und der daraus resultierenden Hirnhautentzündung.
Was ist Borreliose?
Die Lyme-Borreliose wurde um das Jahr 1976 in dem US-amerikanischen Ort Lyme entdeckt, wo auffällig viele Erkrankungsfälle mit Gelenkentzündungen nach Zeckenstichen auftraten. Im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die ebenfalls durch Zecken übertragen wird, kommt Borreliose im gesamten Bundesgebiet vor. Die Zahl der infizierten Zecken variiert jedoch je nach Region. Borreliose tritt gehäuft in den Monaten Juni bis August auf.
Ursachen der Borreliose
Auslöser der Lyme-Borreliose ist eine Infektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi. Borrelien werden nur durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Das bedeutet, dass die Erkrankung nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
Zecken haben einen Stechrüssel, durch den sie Blut saugen. Dabei können Krankheitserreger in die Blutbahn von Menschen und Tieren gelangen. Somit ist ein Zeckenstich und nicht - wie umgangssprachlich oft behauptet - ein Zeckenbiss für eine Borreliose verantwortlich.
Ob eine Zecke mit Borrelien infiziert ist, hängt auch von ihrem Alter ab, denn je älter die Zecke, desto mehr Wirte hat sie bereits gestochen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit dem Erreger infiziert sein könnte. Etwa einer von 100 Menschen, die von einer Zecke gestochen werden, erkrankt tatsächlich an Borreliose - das sind in Deutschland jährlich etwa 3 Krankheitsfälle pro 10.000 Personen. Die meisten Infektionen bleiben jedoch ohne Symptome.
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Symptome der Borreliose
Die Symptome der Borreliose können je nach Stadium der Erkrankung variieren. Es gibt drei Stadien, die jeweils unterschiedliche Symptome aufweisen können:
Stadium 1: Lokale Infektion
Wenige Tage bis Wochen nach dem Zeckenbiss kann eine kreis- oder ringförmige rote Hauterscheinung auftreten, die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Im Schnitt beträgt die Inkubationszeit 7 bis 10 Tage, es kann jedoch bis zu 28 Tage dauern, bis die Rötung sichtbar ist. Die Größe der Hautrötung kann stark schwanken, ist scharf abgegrenzt und schmerzt oder juckt nicht. In der Mitte ist sie oft aufgehellt. Die Wanderröte breitet sich allmählich aus und verschwindet meist spontan wieder. Sie ist für Lyme-Borreliose so typisch, dass ein Arzt anhand des Anblicks ziemlich sicher andere Erkrankungen ausschließen kann.
Neben der Wanderröte können im ersten Borreliose-Stadium weitere, allgemeine Symptome wie Schwäche, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Fieber, Lymphknotenschwellungen oder Bindehautentzündung auftreten.
Stadium 2: Ausbreitung im Organismus
Das zweite Borreliose-Stadium stellt sich wenige Monate nach dem Zeckenbiss ein. Es treten oft grippeähnliche Symptome auf und die Infektion kann nun neben der Haut auch weitere Organe betreffen.
Sofern das Nervensystem betroffen ist, kann eine Gesichtslähmung, eine Nervenwurzel- oder eine Hirnhautentzündung auftreten. Diese Form der Borreliose wird auch als “Neuroborreliose” bezeichnet.
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Weitere Symptome im zweiten Stadium können akute Gelenkentzündungen (Arthritis), z. B. am Kniegelenk sein. Darüber hinaus kann die Lyme-Borreliose das Herz befallen und dann zu einer Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung führen und Herzrhythmusstörungen auslösen. Auch Entzündungen der Augen (z. B. die mittlere Augenhaut, auch Uveitis genannt) können entstehen.
Eher selten ist hingegen das Auftreten einer zusätzlichen Hauterscheinung, die sogenannte Lymphadenosis cutis benigna.
Stadium 3: Organmanifestation
Im dritten Stadium chronifizieren die Erkrankungen, vor allem wenn erst spät oder keine Behandlung erfolgt. Dadurch kann es zu Herzproblemen, Lähmungen und mentalen Beeinträchtigungen kommen.
Darüber hinaus berichten Betroffene von Muskelschmerzen, Magen-Darm-Störungen, Rückenschmerzen, Schlafproblemen, Müdigkeit, Krämpfen, Sehstörungen, Kopfschmerzen sowie Taubheit und Prickeln in Händen und Füßen.
Neuroborreliose und Hirnhautentzündung
Eine Verlaufsform der Lyme-Borreliose ist die Neuroborreliose. Sie entwickelt sich, wenn sich nach einem Zeckenbiss die Borrelien-Bakterien im Körper ausbreiten und dabei das Hirn oder die Nervenbahnen befallen. Da dies zu verschiedensten Symptomen führen kann, ist die Diagnose möglicherweise erschwert.
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Insbesondere bei Kindern kann die Neuroborreliose als Hirnhautentzündung (Meningitis) auftreten. Typische Symptome sind starke Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit.
Symptome einer Hirnhautentzündung
Die ersten Anzeichen einer Meningitis ähneln oft denen einer Grippe. Typisch sind starke Kopfschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit. Zusätzlich kommt es bei der Hirnhautentzündung häufig zu einem schmerzenden und steifen Nacken (Nackensteifigkeit). Bei Kindern unter zwei Jahren können die Symptome sehr unspezifisch sein. Die typische Nackensteifigkeit tritt bei ihnen seltener auf als bei Erwachsenen. Zu beobachten ist häufig ein schrilles Schreien oder Wimmern in Verbindung mit allgemeiner Schwäche, Appetitlosigkeit, Berührungsempfindlichkeit und starker Schläfrigkeit. Die Fontanelle, die bei Säuglingen noch nicht fest geschlossene Lücke zwischen den Schädelplatten, kann gewölbt oder hart sein.
Diagnose der Borreliose
Ein Verdacht auf Lyme-Borreliose ergibt sich, wenn Patienten einige der oben genannten Symptome aufweisen, von einem zurückliegenden Zeckenbiss berichten bzw. Darüber hinaus können spezifische Borrelien-Antikörper im Blut oder Liquor (Gehirn-/Rückenmarksflüssigkeit) nachgewiesen und untersucht werden. Für eine sichere Diagnose müssen sich auch entzündliche Veränderungen wie eine erhöhte Anzahl von Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und eine Erhöhung des Gesamteiweißes im Liquor nachweisen lassen.
Die Diagnose der Neuroborreliose kann durch eine Lumbalpunktion erfolgen. Mit einer dünnen Nadel wird Nervenwasser, der sogenannte Liquor, aus der Umgebung des Rückenmarks entnommen und im Labor untersucht. Der Nachweis von Erregern könnte die Diagnose Neuroborreliose sichern. Das Verfahren ist jedoch unsicher. Deshalb konzentrieren sich Mediziner auf indirekte Hinweise wie einen Anstieg der Entzündungszellen und die Eiweißmenge im Liquor. Sie machen eine Erkrankung wahrscheinlich. In unklaren Fällen können die Ärzte das Protein CXCL13 im Liquor bestimmen lassen. Es ist bei einer Neuroborreliose fast immer erhöht.
Behandlung der Borreliose
Sowohl die Lyme-Borreliose, als auch die Neuroborreliose und Lyme-Arthritis werden mit Antibiotika behandelt. Diese werden entweder in Form von Tabletten (z. B. Doxycyclin - Achtung: Nicht für Schwangere und Kinder unter 9 Jahren geeignet) oder als Infusion (z. B. Cephalosporine oder Penicillin) verabreicht. Welches Antibiotikum der Arzt auswählt, hängt von individuellen Patientenaspekten ab. Eine Rolle spielt, wie alt der Patient ist, ob er bereits allergisch auf ein Antibiotika reagiert hat oder ob eine Schwangerschaft vorliegt.
Die Borreliose-Therapie setzt auf Antibiotika. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin verordnet in der Regel ein Antibiotikum mit dem Wirkstoff Doxycyclin oder Amoxicillin, das Sie zwei bis vier Wochen lang einnehmen müssen. In bestimmten Fällen kommt auch eine intravenöse Gabe eines Antibiotikums in Frage. Mitunter ist der Wechsel zu einem anderen Antibiotikum notwendig, falls das erste Mittel nicht ausreichend wirkt. Meist heilt eine Borreliose folgenlos ab.
Bei einer Behandlung mit Doxycyclin ist es wichtig, die Patienten darüber zu informieren, dass der Verzehr von Milchprodukten, die gleichzeitige Einnahme von Magnesium oder Medikamenten zur Neutralisierung der Magensäure die Wirksamkeit des Antibiotikums einschränkt.
Prävention der Borreliose
Da es keine Impfung gegen Borreliose gibt, ist die Prävention von Zeckenstichen von entscheidender Bedeutung. Hier sind einige vorbeugende Maßnahmen:
- Vermeiden Sie Zeckengebiete: Halten Sie sich möglichst auf befestigten Wegen auf und meiden Sie hohes Gras und Unterholz.
- Tragen Sie schützende Kleidung: Tragen Sie lange Hosen, langärmlige Hemden und geschlossene Schuhe, wenn Sie sich in der Natur aufhalten. Stecken Sie die Hosenbeine in die Socken, um zu verhindern, dass Zecken auf die Haut gelangen.
- Verwenden Sie Insektenschutzmittel: Tragen Sie Insektenschutzmittel auf Haut und Kleidung auf, die DEET enthalten.
- Suchen Sie Ihren Körper nach Zecken ab: Untersuchen Sie Ihren Körper und den Ihrer Kinder nach jedem Aufenthalt im Freien gründlich auf Zecken. Achten Sie besonders auf Hautfalten, Achseln, Kniekehlen und den Haaransatz.
- Entfernen Sie Zecken sofort: Entfernen Sie Zecken so schnell wie möglich mit einer Zeckenzange oder Pinzette. Fassen Sie die Zecke dabei möglichst nah an der Haut und ziehen Sie sie langsam und gerade heraus. Vermeiden Sie es, die Zecke zu quetschen, da dies das Risiko einer Infektion erhöhen kann. Desinfizieren Sie die Stichstelle nach dem Entfernen der Zecke.
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