Hirnhautentzündung nach Spinalanästhesie: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Spinalanästhesie (SPA) ist eine rückenmarksnahe Form der Regionalanästhesie, die zur zeitlich begrenzten Unterbrechung der Erregungsleitung der Spinalnervenwurzeln führt. Dabei wird ein Lokalanästhetikum in den Subarachnoidalraum injiziert. In seltenen Fällen kann es nach einer Spinalanästhesie zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Komplikation.

Was ist eine Hirnhautentzündung?

Bei einer Hirnhautentzündung, in der Fachsprache Meningitis genannt, entwickelt sich aufgrund einer Infektion mit bestimmten Bakterien oder Viren eine Entzündung der Rückenmarkshäute und/oder der Hirnhäute. Eine Meningitis kann aber auch nicht-infektiöse Ursachen haben.

Ursachen einer Hirnhautentzündung nach Spinalanästhesie

Prinzipiell siedeln sich die Erreger einer Hirnhautentzündung nicht von Anfang an im Rückenmark oder im Gehirn an. Die Erreger einer Hirnhautentzündung gelangen über das Blut in die Hirnhäute.

Eine Hirnhautentzündung nach Spinalanästhesie ist eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation. Die Ursachen können vielfältig sein:

  • Direkte Inokulation von Erregern: Während der Spinalanästhesie können Bakterien in den Subarachnoidalraum gelangen, beispielsweise durch unzureichende Desinfektion der Haut oder der verwendeten Instrumente. Insbesondere die Viridansgruppe kann eine Meningitis auslösen.
  • Kontamination des Lokalanästhetikums: Selten kann das verwendete Lokalanästhetikum bereits mit Erregern kontaminiert sein.
  • Hämatogene Streuung: In sehr seltenen Fällen können Bakterien aus einem anderen Infektionsherd im Körper über den Blutweg in die Hirnhäute gelangen.
  • Aseptische Meningitis: Eine nicht-infektiöse Meningitis kann durch Autoimmunerkrankungen oder bestimmte Medikamente ausgelöst werden. Neurotoxische Farbstoffe, die durch das Hindurchstechen von Tattoos in den Liquorraum gelangen, können ebenfalls entzündliche Reaktionen im Bereich der Dura mater bzw. auslösen.

Symptome einer Hirnhautentzündung

Die Symptome einer Hirnhautentzündung können je nach Erreger und individuellem Verlauf variieren. Typische Symptome sind:

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  • Heftige Kopfschmerzen: Diese sind oft anders als gewöhnliche Kopfschmerzen und können sehr intensiv sein.
  • (Hohes) Fieber: Achtung: Bei Kleinkindern ist auch eine zu niedrige Körpertemperatur möglich.
  • Nackensteifigkeit: Entzündungsbedingte Schmerzen machen es Betroffenen oft unmöglich, den Kopf auf die Brust zu legen. Bei Neugeborenen ist die Nackensteifigkeit oft nicht erkennbar.
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Veränderungen des Verhaltens, der Befindlichkeit und des Ess- und Trinkverhaltens (bei Kleinkindern)
  • Verwirrung und Bewusstseinsausfälle (bei älteren Personen)
  • Punktförmige Blutungen auf der Haut (bei einer Infektion mit Meningokokken)

Es ist wichtig zu beachten, dass sich eine Hirnhautentzündung nicht bei jeder Patientin / jedem Patienten gleich äußert. Wenn Sie eine starke Verschlechterung der Symptome in kurzer Zeit beobachten oder wenn Bewusstseinsstörungen und/oder Krampfanfälle auftreten, kontaktieren Sie sofort die Notärztin/den Notarzt.

Diagnose einer Hirnhautentzündung

Da eine bakterielle Meningitis durch einen raschen und schweren Verlauf gekennzeichnet ist, ist eine schnelle Diagnostik besonders wichtig. Um die richtige Behandlung einleiten und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können, ist neben der Differenzialdiagnose auch die Bestimmung der auslösenden Erreger notwendig.

Bei Verdacht auf Meningitis ist ein ausführliches Anamnesegespräch wichtig, um etwaige Ursachen der Erkrankung zu erkennen. Wichtige Fragen sind:

  • Wie ist Ihr aktueller Impfstatus?
  • Leben oder arbeiten Sie mit vielen Menschen zusammen?

Zur Diagnosestellung werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:

  • Blutuntersuchung: Die Erreger einer Hirnhautentzündung gelangen über das Blut in die Hirnhäute, daher können entsprechende Erreger auch in einer Blutprobe nachgewiesen werden.
  • Lumbalpunktion: Bei einer Lumbalpunktion entnimmt eine Ärztin / ein Arzt mit einer speziellen Nadel Flüssigkeit (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal. Der Liquor wird anschließend im Labor auf Entzündungszeichen und Krankheitserreger untersucht. Wichtige Erreger können unter dem Mikroskop identifiziert werden.
  • Bildgebende Verfahren: Insbesondere bei Bewusstseinsstörungen ist eine Untersuchung des Gehirns über MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie) erforderlich. Andernfalls kann keine Lumbalpunktion durchgeführt werden. Aber auch bei Betroffenen ohne Bewusstseinsstörungen werden bildgebende Verfahren zur Differentialdiagnose eingesetzt.
  • Weitere Untersuchungen: Je nach Patient sowie Schweregrad und Ursache der Hirnhautentzündung können weitere Untersuchungen notwendig sein, um über die richtige Behandlungsstrategie zu entscheiden und Komplikationen zu vermeiden, wie z.B. Rachenabstrich, Elektroenzephalografie (EEG) oder verschiedene Laboruntersuchungen.

Behandlung einer Hirnhautentzündung nach Spinalanästhesie

Die Behandlung einer Hirnhautentzündung richtet sich nach der Ursache.

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  • Bakterielle Meningitis: Eine bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall und muss sofort mit Antibiotika behandelt werden. Betroffene werden anfangs (bis 24 Stunden nach Beginn der Antibiose) isoliert behandelt, da die Infektion besonders ansteckend ist. Zusätzlich kann eine Therapie mit Dexamethason erfolgen.
  • Virale Meningitis: Eine durch Viren verursachte Meningitis heilt normalerweise innerhalb von zwei Wochen von allein aus. Bei einigen Viren (zum Beispiel Herpesviren) können antivirale Medikamente sinnvoll sein.
  • Aseptische Meningitis: Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Prävention einer Hirnhautentzündung nach Spinalanästhesie

Um das Risiko einer Hirnhautentzündung nach Spinalanästhesie zu minimieren, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Sorgfältige Desinfektion: Vor der Spinalanästhesie muss die Haut im Punktionsbereich sorgfältig desinfiziert werden.
  • Sterile Arbeitsweise: Bei der Durchführung der Spinalanästhesie müssen sterile Handschuhe und Instrumente verwendet werden.
  • Vermeidung von Kontamination: Das Lokalanästhetikum darf nicht kontaminiert sein.
  • Beachtung von Kontraindikationen: Bei bestimmten Vorerkrankungen oder Infektionen sollte eine Spinalanästhesie nicht durchgeführt werden.
  • Vermeidung des Hindurchstechens von Tattoos: Das Hindurchstechen von Tattoos sollte vermieden werden, da dadurch neurotoxische Farbstoffe in den Liquorraum gelangen können.

Weitere Komplikationen nach Spinalanästhesie

Neben der Hirnhautentzündung gibt es weitere mögliche Komplikationen nach einer Spinalanästhesie:

  • Liquorunterdrucksyndrom: Dieses geht mit Kopfschmerzen einher, die sich innerhalb von 15 Minuten nach Aufsitzen oder Stehen verschlechtern und sich innerhalb von 15 Minuten bessern. Ein niedriger Liquordruck im Liegen (< 60 cm H20) kann gemessen werden. Die Verwendung einer dünnen Punktionsnadel ( ≥ 25 Gauge) und eine atraumatische Punktion können das Risiko reduzieren.
  • Spinale Blutung: Diese kann zu starken radikulären Schmerzen, fortschreitenden motorischen und sensiblen Ausfällen sowie zu Blasenentleerungsstörungen führen und muss sofort neurologisch behandelt werden. Nach der Spinalanästhesie ist eine spezielle, neurologische Überwachung indiziert, da in seltenen Fällen die Möglichkeit einer Spinalblutung besteht.
  • Transiente neurologische Symptome (TNS)
  • Schlaganfall: Der Schlaganfall ist eine plötzliche Erkrankung des Gehirns, die zum Ausfall von Hirnfunktionen führt und durch eine kritische Störung der Hirndurchblutung verursacht wird. Beim Schlaganfall zählt jede Minute.
  • Schädel-Hirn-Trauma: Ein Schädel-Hirn-Trauma ist eine Verletzung des Kopfes und des Gehirns infolge einer von außen wirkenden Kraft (z.B. Verkehrsunfall, Sturz, Stoß).
  • Epilepsie: Eine Epilepsie ist eine Neigung zu (wiederholten) epileptischen Anfallen. Ein epileptischer Anfall ist eine plötzliche synchrone (gleichzeitige) Entladung von Nervenzellgruppen.

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