Schlaganfall-Nachsorge: Lebensstil und Ernährung zur Rezidivprophylaxe

Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen von einem Tag auf den anderen verändern kann. Umso wichtiger ist eine umfassende Nachsorge, die nicht nur auf die Rehabilitation der körperlichen Funktionen abzielt, sondern auch auf die Prävention eines erneuten Schlaganfalls. Dabei spielen der Lebensstil und die Ernährung eine entscheidende Rolle.

Was ist ein ischämischer Schlaganfall?

Der ischämische Schlaganfall, umgangssprachlich auch als Hirninfarkt bezeichnet, ist die häufigste Form des Schlaganfalls. Er entsteht durch eine plötzliche Unterbrechung der Durchblutung des Gehirns, meist durch den Verschluss eines Blutgefäßes. Ursachen können beispielsweise Blutgerinnsel sein, die sich im Herzen gebildet haben und ins Gehirn verschleppt werden, oder Verengungen der hirnversorgenden Gefäße.

Die Auswirkungen eines ischämischen Schlaganfalls sind vielfältig und hängen von der betroffenen Hirnregion und dem Ausmaß der Schädigung ab. Mögliche Folgen sind Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Aufmerksamkeits- und Orientierungsstörungen oder Gedächtnisdefizite.

Eine Sonderform ist die transitorische ischämische Attacke (TIA), bei der die Durchblutungsstörung nur kurzzeitig besteht und keine bleibenden Schäden hinterlässt. Dennoch ist die TIA ein Warnsignal und sollte umgehend abgeklärt werden, da sie das Risiko für einen nachfolgenden Schlaganfall deutlich erhöht.

Bedeutung der Sekundärprophylaxe

Die Sekundärprophylaxe, auch Sekundärprävention genannt, zielt darauf ab, das erneute Auftreten einer Erkrankung zu verhindern. Nach einem überstandenen Schlaganfall ist es daher von großer Bedeutung, die Risikofaktoren zu identifizieren und zu behandeln, die zu dem ersten Ereignis geführt haben. Dazu gehören neben der medikamentösen Therapie auch Maßnahmen zur Veränderung des Lebensstils und der Ernährung.

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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) haben in ihrer Leitlinie zur Sekundärprophylaxe des ischämischen Schlaganfalls neun Empfehlungen zum Lebensstil formuliert. Diese basieren zwar überwiegend auf Studien zur Primärprävention, sind aber auch für Schlaganfallpatienten relevant, um das Rezidiv-Risiko zu senken.

Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil nach Schlaganfall

Die folgenden neun Empfehlungen der Leitlinie sollen helfen, das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu minimieren:

  1. Regelmäßig Sport und Gymnastik: Körperliche Aktivität stärkt das Herz-Kreislauf-System, senkt den Blutdruck und verbessert die Cholesterinwerte. Empfohlen werden mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche, verteilt auf mindestens vier Tage, sowie zweimal wöchentlich Krafttraining für alle großen Muskelgruppen. Auch bei Einschränkungen durch den Schlaganfall ist es wichtig, aktiv zu bleiben und sich regelmäßig zu bewegen. Rehasport, Physio- und Ergotherapie können dabei helfen, Kraft und Beweglichkeit zu stärken.
  2. Auf kardioprotektive Mischkost achten: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Fisch und gesunden Fetten (z.B. Olivenöl) kann das Risiko für einen erneuten Schlaganfall senken. Dabei sollte auf eine begrenzte Zufuhr von Salz, Zucker und gesättigten Fetten geachtet werden.
  3. Keine Supplementierung mit B-Vitaminen: Eine zusätzliche Einnahme von B-Vitaminen hat laut Studien keinen positiven Effekt auf das Schlaganfallrisiko.
  4. Fisch ja, Fischöl eher nicht: Fisch, insbesondere fettreicher Seefisch wie Lachs, Hering oder Makrele, enthält wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die sich positiv auf die Gefäßgesundheit auswirken können. Fischölkapseln hingegen werden nicht generell empfohlen, da die Studienlage zur Schlaganfallprävention nicht eindeutig ist.
  5. Alkoholkonsum reduzieren: Ein übermäßiger Alkoholkonsum kann den Blutdruck erhöhen und das Schlaganfallrisiko steigern. Daher sollte der Alkoholkonsum möglichst reduziert werden. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen gibt Empfehlungen für einen moderaten Alkoholkonsum.
  6. Mind. 3 Portionen Obst und Gemüse am Tag: Obst und Gemüse sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen und sollten einen festen Bestandteil der täglichen Ernährung bilden.
  7. Mit Rauchen komplett aufhören: Rauchen schädigt die Gefäßwände und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel. Ein Rauchstopp ist daher eine der wichtigsten Maßnahmen zur Schlaganfallprävention. Es gibt verschiedene Angebote zur Raucherentwöhnung, wie z.B. telefonische Beratung oder Kurse.
  8. Den BMI (Body-Mass-Index) checken: Übergewicht, insbesondere Adipositas, erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle. Eine Gewichtsabnahme kann daher sinnvoll sein, um das Schlaganfallrisiko zu senken. Allerdings sollte die Gewichtsabnahme auf gesunde Weise erfolgen, z.B. durch eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung.
  9. Weniger ist bei Kochsalz mehr: Eine salzreiche Ernährung kann den Blutdruck erhöhen. Daher sollte die Salzzufuhr möglichst reduziert werden, z.B. durch den Verzicht auf stark gesalzene Fertiggerichte und das Würzen mit Kräutern und Gewürzen statt Salz.

Ernährungstipps zur Schlaganfall-Nachsorge

Neben den allgemeinen Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil gibt es auch spezielle Ernährungstipps, die bei der Schlaganfall-Nachsorge helfen können:

  • Mediterrane Ernährung: Diese Ernährungsweise, die sich an der traditionellen Küche der Mittelmeerländer orientiert, ist reich an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen, Olivenöl, Vollkornprodukten, Fisch und Geflügel. Sie liefert viele wichtige Nährstoffe und kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle senken.
  • Ballaststoffreiche Ernährung: Ballaststoffe sind wichtig für eine gesunde Verdauung und können helfen, den Cholesterinspiegel zu senken. Sie sind vor allem in Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten enthalten.
  • Salzarme Ernährung: Eine Reduzierung der Salzzufuhr kann den Blutdruck senken und das Risiko für einen erneuten Schlaganfall verringern.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig für eine gute Durchblutung und kann helfen, Verstopfungen vorzubeugen. Empfohlen werden mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag.

Unterstützung bei der Umsetzung

Die Umsetzung eines gesunden Lebensstils und einer ausgewogenen Ernährung kann eine Herausforderung sein, insbesondere nach einem Schlaganfall. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, sich dabei unterstützen zu lassen:

  • Online-Präventionskurse: Diese Kurse bieten Informationen und praktische Tipps zur gesunden Ernährung und Lebensweise. Sie sind oft von den Krankenkassen zertifiziert und werden teilweise oder sogar vollständig erstattet.
  • Professionelle Ernährungsberatung: Eine individuelle Ernährungsberatung kann helfen, die Ernährung auf die persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben abzustimmen und langfristig gesunde Gewohnheiten zu entwickeln.
  • Schlaganfall-Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine wertvolle Unterstützung sein, um mit den Folgen des Schlaganfalls umzugehen und sich gegenseitig zu motivieren.
  • Rehabilitationsmaßnahmen: Im Rahmen der Rehabilitation können verschiedene Therapien in Anspruch genommen werden, die helfen, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen und den Alltag besser zu bewältigen. Dazu gehören beispielsweise Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.

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