Substantia Nigra: Funktion, Anatomie und Rolle bei Morbus Parkinson

Die Substantia nigra, lateinisch für "schwarze Substanz", ist ein Kernkomplex im Mittelhirn, der aufgrund seines hohen Gehalts an Melanin und Eisen eine dunkle Färbung aufweist. Sie spielt eine entscheidende Rolle in der Motorik, insbesondere bei der Initiierung und Steuerung von Bewegungen, und ist eng mit der Entstehung von Morbus Parkinson verbunden.

Anatomie und Lage der Substantia Nigra

Die Substantia nigra befindet sich im Mesencephalon, dem obersten Abschnitt des Hirnstamms. Genauer gesagt liegt sie dorsal (hinter) den Hirnschenkeln (Crura cerebri), die Teil der Großhirnrinde und Bestandteil der Pyramidenbahn sind. Das Mesencephalon ist nach oben durch das Zwischenhirn (Diencephalon) und nach unten durch die Brücke (Pons) begrenzt.

Innerhalb der Substantia nigra werden zwei Hauptkomponenten unterschieden:

  • Pars compacta: Enthält dicht gelagerte Neuronen, die reich an Melanin sind.
  • Pars reticulata: Ist rötlich gefärbt und weist einen hohen Eisengehalt auf.

Funktion der Substantia Nigra

Die Substantia nigra ist ein bedeutendes motorisches Zentrum und Teil des extrapyramidalen motorischen Systems. Ihre Hauptfunktion besteht in der Anregung und Planung von Bewegungen. Dopamin, ein wichtiger Neurotransmitter, spielt dabei eine zentrale Rolle.

Neben der Motorik ist die Substantia nigra auch am Lernen und Suchtverhalten beteiligt. Die Ausschüttung von Dopamin erleichtert Lernprozesse und wird bei angenehmen Empfindungen, wie sie beispielsweise durch Suchtmittel hervorgerufen werden, aktiviert. Dies trägt zur Förderung bestimmter Verhaltensmuster bei.

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Das extrapyramidale motorische System

Das extrapyramidale motorische System umfasst neben der Substantia nigra weitere Basalganglien, den Motorkortex sowie andere Kerngebiete des Gehirns. Die Funktionsfähigkeit dieses Systems ist stark von Dopamin abhängig.

Hirnstamm: Überblick über die übergeordneten Strukturen

Der Hirnstamm verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark und besteht aus:

  • Medulla oblongata (verlängertes Mark): Übergang zum Rückenmark, enthält Ursprungsorte für die Hirnnerven IX bis XII und die Pyramidenbahn.
  • Pons (Brücke): Liegt zwischen Medulla oblongata und Mesencephalon, enthält Nervenzellkörper für die Hirnnerven V bis VIII und Teile des Atem-, Kreislauf- und Aktivitätszentrums.
  • Mesencephalon (Mittelhirn): Oberster Abschnitt des Hirnstamms, beinhaltet wichtige motorische Zentren wie die Substantia nigra und den Nucleus ruber, sowie Kerne für die Hirnnerven III und IV.

Der Hirnstamm dient als wichtige Zwischenstation für sensorische, motorische und autonome Informationen. Mit Ausnahme des N. olfactorius (I) und des N. opticus (II) haben alle Hirnnerven ihren Ursprung im Hirnstamm. Er spielt eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der Herz-Kreislauf- und Atemfunktion, des Bewusstseins und des Schlaf-Wach-Rhythmus.

Hirnnerven: Ursprung und Funktion

Die zwölf Hirnnervenpaare entspringen (mit Ausnahme von I und II) im Hirnstamm und versorgen Hirnstrukturen mit spezifischen Funktionen. Sie übertragen sensorische, motorische und autonome Informationen zu und von den intrakraniellen und perikraniellen Strukturen und stellen so die Verbindung zum Rest des Körpers her.

  • I. Nervus olfactorius (Riechnerv): Geruchswahrnehmung
  • II. Nervus opticus (Sehnerv): Sehen
  • III. Nervus oculomotorius (Augenmuskelnerv): Augenbewegung, Pupillenreaktion
  • IV. Nervus trochlearis (Augenmuskelnerv): Augenbewegung
  • V. Nervus trigeminus (Drillingsnerv): Gesichtsempfindung, Kaumuskulatur
  • VI. Nervus abducens (Augenmuskelnerv): Augenbewegung
  • VII. Nervus facialis (Gesichtsnerv): Gesichtsmimik, Geschmacksempfindung, Speichel- und Tränendrüsen
  • VIII. Nervus vestibulocochlearis (Hörnerv): Hören, Gleichgewicht
  • IX. Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv): Schlucken, Geschmacksempfindung, Speichelsekretion
  • X. Nervus vagus (Vagusnerv): Innere Organe (Herz, Lunge, Verdauungstrakt), Kehlkopfmuskulatur
  • XI. Nervus accessorius (Beinerv): Hals- und Schultermuskulatur
  • XII. Nervus hypoglossus (Zungennerv): Zungenbewegung

Arterielle Versorgung des Hirnstamms

Die arterielle Versorgung des Hirnstamms erfolgt durch verschiedene Äste der A. vertebralis und der A. basilaris:

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  • Medulla oblongata: A. spinalis anterior, A. vertebralis, A. cerebellaris posterior inferior (PICA)
  • Pons: Äste der A. basilaris, A. cerebellaris superior
  • Mesencephalon: A. cerebri posterior (A. collicularis, Aa. thalamoperforans anterior, A. chorioidea posterior)

Morbus Parkinson und die Substantia Nigra

Die bekannteste Krankheit im direkten Zusammenhang mit der Substantia nigra ist Morbus Parkinson (Parkinson-Syndrom). Diese neurodegenerative Erkrankung ist durch einen Mangel an Dopamin gekennzeichnet, der durch das Absterben dopaminerger Nervenzellen in der Substantia nigra verursacht wird.

Symptome von Morbus Parkinson

Die Hauptsymptome von Morbus Parkinson sind:

  • Bradykinese (Verlangsamung): Abnahme der Bewegungsfähigkeit, langsame Bewegungen, Schwierigkeiten beim Drehen.
  • Ruhetremor (Ruhezittern): Unwillkürliches Zittern der Hände oder Füße im Ruhezustand.
  • Rigor (Steifheit): Muskelsteifheit, vornübergebeugte Körperhaltung.
  • Posturale Instabilität (Mangelnde Stabilität der Körperhaltung): Gleichgewichtsstörungen, Unsicherheit beim Gehen und Stehen.

Weitere frühe Anzeichen können Depressionen, Schlafstörungen, Verstopfung, Störungen des Geruchssinns, eine leisere Stimme oder fehlendes Mitschwingen eines Armes beim Gehen sein.

Ursachen von Morbus Parkinson

Als Ursache für die Parkinson-Symptome gilt das Absterben von Nervenzellen in der Substantia nigra, die Dopamin freisetzen. Wie es zu diesem Nervenzellsterben kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Ein Merkmal der Erkrankung ist das Auftreten von Lewy-Körperchen in den betroffenen Zellen, Ablagerungen die einen Eiweißstoff namens Alpha-Synuclein enthalten.

Man unterscheidet zwischen:

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  • Idiopathischem Parkinson: Tritt ohne erkennbaren Auslöser auf, betrifft die Mehrheit der Patienten.
  • Genetischem Parkinson: Durch Vererbung bedingt, tritt oft in jüngerem Alter auf.
  • Sekundärem Parkinson-Syndrom: Symptome ähneln Morbus Parkinson, werden aber nicht durch Zellsterben in der Substantia nigra verursacht.

Diagnose von Morbus Parkinson

Die Diagnose von Morbus Parkinson basiert auf der klinischen Untersuchung und der Erhebung der Krankengeschichte. Bildgebende Verfahren und spezielle Tests können zur Differentialdiagnose eingesetzt werden.

Therapie von Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist bislang nicht heilbar. Die Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

  • Medikamentöse Behandlung: Gabe von Dopaminvorstufen (z.B. L-Dopa), Dopaminagonisten und anderen Medikamenten zur Beeinflussung des Dopaminhaushaltes.
  • Tiefe Hirnstimulation (Hirnschrittmacher): Chirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert werden, um die Symptome zu reduzieren.
  • Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie: Unterstützende Therapien zur Verbesserung der Beweglichkeit, Koordination, Feinmotorik und Sprache.

Forschung zu Morbus Parkinson

Die Forschung konzentriert sich auf die Ursachen des Nervenzellsterbens, die Rolle von Entzündungsprozessen und Genmutationen, sowie die Entwicklung neuer Therapien und Biomarker zur Früherkennung und Verlaufskontrolle der Erkrankung.

Entwicklung des Nervensystems

Die Entwicklung des Nervensystems ist ein komplexer Prozess, der mehrere Schritte umfasst:

  • Gastrulation und Neurulation: Bildung des Neuralrohrs, aus dem sich das zentrale Nervensystem entwickelt.
  • Auswanderung von Neuralleistenzellen: Differenzierung in verschiedene Zelltypen.

Chiari-Malformationen

Chiari-Malformationen sind strukturelle Defekte des Kleinhirns, die zu einer Kompression des Hirnstamms führen können.

Hydrozephalus

Hydrozephalus ist eine Störung des Liquor-Gleichgewichts, die zu einer Zunahme des Flüssigkeitsvolumens in der Schädelhöhle führt und den Hirnstamm beeinträchtigen kann.

Tumoren des Hirnstamms und der Hirnnerven

Tumoren im Bereich des Hirnstamms können die Funktion der Hirnnerven beeinträchtigen und zu verschiedenen neurologischen Ausfällen führen. Die Behandlung hängt von der Art, Größe und Lage des Tumors ab.

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