Hirntumor Behandlungsmöglichkeiten nach der Operation

Hirntumore stellen eine heterogene Gruppe von Erkrankungen dar, die sowohl gutartige als auch bösartige Formen umfassen. Bei Erwachsenen sind sie eher selten, bei Kindern jedoch die zweithäufigste Krebserkrankung. Die Behandlung von Hirntumoren ist komplex und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Behandlungsoptionen, die nach einer Operation zur Verfügung stehen, und geht dabei auf spezifische Tumorarten und deren individuelle Therapieansätze ein.

Überblick über Hirntumore

Hirntumore sind Wucherungen im Gehirn, die entweder direkt im Gehirngewebe (primäre Hirntumore) oder durch Absiedlungen von Krebszellen aus anderen Körperregionen (sekundäre Hirntumore oder Hirnmetastasen) entstehen können. Die Symptome variieren je nach Größe, Art und Lage des Tumors und können Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Sprach-, Seh- und Bewegungsstörungen, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche und epileptische Anfälle umfassen. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren wie CT und MRT.

Therapieoptionen nach der Operation

Die Behandlung nach einer Hirntumoroperation hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art des Tumors, sein Grad (WHO-Klassifikation), die Vollständigkeit der Resektion und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Zu den wichtigsten Therapieoptionen gehören:

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist eine lokale Behandlung, bei der hochenergetische Strahlen eingesetzt werden, um Krebszellen zu schädigen und ihr Wachstum zu verhindern. Sie wird häufig nach einer Operation eingesetzt, um verbleibende Tumorzellen abzutöten oder das Wachstum von Tumoren zu kontrollieren, die nicht vollständig entfernt werden konnten. Die Strahlentherapie kann als externe Strahlentherapie (Bestrahlung von außen) oder als Brachytherapie (Bestrahlung von innen) durchgeführt werden.

Die Strahlentherapie ist nach der Operation die zweitwichtigste Therapiemöglichkeit bei Tumoren des ZNS. Sie wirkt zielgenau auf die vom Tumor betroffenen Regionen und verursacht so weniger Schaden bei gesunden Zellen und somit weniger Nebenwirkungen. Hochenergetische Röntgenstrahlen werden verwendet, die auch in tiefere Regionen vordringen können. Die Strahlen schädigen das Erbgut der Tumorzellen und verhindern so das weitere Wachstum.

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Bei der Strahlentherapie unterscheiden Expertinnen und Experten die Lokalbehandlung (die erweiterte Tumorregion wird bestrahlt), die Ganzhirnbestrahlung und die Bestrahlung des gesamten Liquorraums. Denn Tumorzellen können sich auch über das Nervenwasser (Liquor) verteilen und können dann nicht durch eine Operation entfernt werden.

Chemotherapie

Die Chemotherapie ist eine systemische Behandlung, bei der Medikamente eingesetzt werden, um Krebszellen im ganzen Körper abzutöten oder ihr Wachstum zu verlangsamen. Sie wird häufig in Kombination mit einer Operation und/oder Strahlentherapie eingesetzt, insbesondere bei bösartigen Hirntumoren. Da jedoch Zytostatika im ganzen Körper (systemisch) wirken, beeinträchtigen sie auch sich schnell teilende gesunde Zellen. Deswegen kommt es zu mehr Nebenwirkungen als bei einer Strahlentherapie.

Da Zytostatika meist per Infusion in die Vene verabreicht werden, verteilen sie sich über das Blut im Körper. Hier kommt es zu einer Herausforderung bei Hirntumoren: Das Gehirn ist durch die Blut-Hirn-Schranke vor schädlichen Substanzen geschützt. Nur wenige Medikamente, darunter auch einige Zytostatika, können diese Barriere überwinden. Vereinfachend kommt hinzu, dass die Blut-Hirn-Schranke bei bösartigen Tumoren häufig nicht mehr intakt ist.

Zielgerichtete Therapien

Zielgerichtete Therapien sind Medikamente, die spezifische Moleküle oder Signalwege in Krebszellen angreifen, um deren Wachstum und Ausbreitung zu verhindern. Sie werden häufig bei Tumoren eingesetzt, die bestimmte genetische Mutationen oder andere molekulare Veränderungen aufweisen. So können beispielweise BRAF/MEK-Hemmer bei einer BRAF V600-Mutation angewendet werden. Die ersten Ergebnisse einer klinischen Studie mit Kindern mit einem Gliom sind vielversprechend und zeigen ein dauerhaftes Ansprechen sowie gute Überlebensaussichten.

Klinische Studien

Klinische Studien sind Forschungsstudien, in denen neue Behandlungen oder Behandlungskombinationen für Krebs erprobt werden. Die Teilnahme an einer klinischen Studie kann eine Option für Patienten sein, bei denen andere Behandlungen nicht erfolgreich waren oder für die es keine Standardbehandlung gibt.

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Spezifische Hirntumorarten und ihre Behandlung

Die Behandlung von Hirntumoren wird stark von der spezifischen Art des Tumors beeinflusst. Im Folgenden werden einige der häufigsten Hirntumorarten und ihre typischen Behandlungsansätze beschrieben:

Glioblastom

Das Glioblastom (WHO Grad IV) ist der häufigste und aggressivste Hirntumor bei Erwachsenen. Die Standardtherapie umfasst eine Operation zur maximalen Tumorentfernung, gefolgt von einer Radiochemotherapie mit Temozolomid und einer anschließenden zyklischen Chemotherapie mit Temozolomid. In der Rezidivsituation können weitere Operationen, intensivierte Temozolomid-Schemata, die Gabe von Bevacizumab oder eine erneute Bestrahlung in Betracht gezogen werden. Der Methylierungsstatus des MGMT-Promotors ist ein wichtiger molekulargenetischer Marker, der bei der Therapieentscheidung berücksichtigt wird.

Anaplastische Astrozytome und Oligodendrogliome

Anaplastische Astrozytome und Oligodendrogliome (WHO Grad III) werden in der Regel postoperativ bestrahlt. Bei Oligodendrogliomen hat sich jedoch die Chemotherapie als der Bestrahlung ebenbürtig erwiesen und wird aktuell als primäre postoperative Therapie der Bestrahlung vorangestellt. Im Rezidivfall wird dann die jeweils andere adjuvante Therapie eingesetzt.

Astrozytome und Oligodendrogliome Grad II

Astrozytome und Oligodendrogliome vom WHO Grad II (niedergradige Gliome) werden aufgrund ihrer niedrigeren Wachstumsgeschwindigkeit zurückhaltender therapiert. Wenn die soliden Tumoranteile in ihrer Gesamtheit entfernt werden können, ist die Operation die Therapie der ersten Wahl. Wenn dies nicht so ist, werden über eine stereotaktisch geführte Biopsie verschiedene Parameter bestimmt, darunter die histologische Diagnose, der WHO-Grad, der Proliferationsindex, der Methylierungsstatus des MGMT-Promotors und der Allelverlust der Chromosomenabschnitte 1p und 19q (LOH 1p/19q). Anhand dieser Informationen kann ein individuelles Risikoprofil erstellt und Aussagen über das Ansprechen von Chemotherapien getroffen werden.

Seltene Hirntumoren

Zu den seltenen Hirntumoren gehören unter anderem die sogenannten Oligodendrogliome. Sie machen 1,3 Prozent der hirneigenen Tumore aus. Zu ihnen zählen gut- und bösartige Formen. Sie wachsen zwar langsam, aber stetig über Jahre oder gar Jahrzehnte. Die Gefahr: Die Tumore können sich bösartig verändern und aggressiv weiterwachsen. Wie bei allen Hirntumoren führen zunehmende Zellveränderungen zu einem ungehemmten Wachstum. Zu den Ursachen gehören zum Beispiel genetische Faktoren, Viren, Entzündungen und viele andere Mechanismen.

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Innovationen in der Hirntumorbehandlung

Die Forschung im Bereich der Hirntumorbehandlung schreitet stetig voran und es gibt eine Reihe vielversprechender neuer Ansätze, die in klinischen Studien untersucht werden. Dazu gehören:

  • Immuntherapie: Die Immuntherapie zielt darauf ab, das Immunsystem des Körpers zu aktivieren, um Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Es gibt verschiedene Arten von Immuntherapien, darunter Checkpoint-Inhibitoren, adoptive Zelltherapie und Impfstoffe.

  • Gezielte Medikamente: Gezielte Medikamente greifen spezifische Moleküle oder Signalwege in Krebszellen an, um deren Wachstum und Ausbreitung zu verhindern. Es gibt eine wachsende Zahl von gezielten Medikamenten, die für die Behandlung von Hirntumoren entwickelt werden.

  • Gentherapie: Die Gentherapie beinhaltet die Einführung von Genen in Krebszellen, um deren Wachstum zu stoppen oder sie anfälliger für andere Behandlungen zu machen.

  • Präzisionschirurgie: Ein neuer Ansatz für die personalisierten Präzisionschirurgie ermöglicht eine molekulargenetische Klassifizierung des Hirntumors in Echtzeit. Die intraoperative Identifikation des Tumortyps könnte neue Möglichkeiten für eine direkte Anpassung der operativen Strategie an die spezifische Biologie des Tumors eröffnen.

Unterstützung und Nachsorge

Die Behandlung eines Hirntumors kann sowohl für den Patienten als auch für seine Angehörigen eine große Belastung darstellen. Es ist wichtig, sich während des gesamten Behandlungsprozesses Unterstützung zu suchen. Dies kann in Form von Beratungsgesprächen, Selbsthilfegruppen oder psychoonkologischer Betreuung erfolgen.

Nach der Therapie sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig, um ein Wiederauftreten des Tumors frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Nachsorge umfasst in der Regel regelmäßige neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren wie MRT.

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