Hirntumor: Auswirkungen auf Emotionen und Persönlichkeit

Ein Hirntumor kann für Betroffene und Angehörige eine beängstigende Diagnose sein. Das Gehirn, als Sitz der Persönlichkeit und Emotionen, scheint unmittelbar bedroht. Die Angst vor Wesensveränderungen, Kontrollverlust und Beeinträchtigungen der Lebensqualität ist groß. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Auswirkungen von Hirntumoren auf Emotionen und Persönlichkeit und zeigt Möglichkeiten der Bewältigung auf.

Die Angst vor dem Unbekannten: Hirntumoren als Bedrohung der Persönlichkeit

Viele Menschen empfinden Hirntumoren als besonders unheimlich, da das Gehirn als Sitz der Seele und der Persönlichkeit gilt. Patienten mit einem Hirntumor haben oft Angst vor Persönlichkeitsveränderungen oder davor, als veränderte Persönlichkeit wahrgenommen zu werden. Professor Wolfgang Wick, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuroonkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), betont jedoch, dass es nur in seltenen Fällen tatsächlich zu solchen Veränderungen kommt.

Symptome und Wesensveränderungen

Ein Hirntumor, insbesondere in der Stirnregion, kann Symptome wie Wesensveränderungen, Verhaltens- und Antriebsstörungen verursachen. Betroffene können teilnahmslos, schnell erregbar oder sogar aggressiv werden. Es ist wichtig zu beachten, dass solche Wesensveränderungen häufiger auf psychische Erkrankungen zurückzuführen sind. Dennoch können Hirntumoren die Psyche beeinflussen, insbesondere wenn sie auf bestimmte Hirnareale drücken.

Fallbeispiele und persönliche Erfahrungen

In verschiedenen Foren und Selbsthilfegruppen berichten Betroffene von ähnlichen Erfahrungen. Ein Vater, der an einem Meningeom operiert wurde, zeigte in den zwei Jahren vor der Operation einen veränderten Charakter. Er lachte nicht mehr richtig, wurde schnell aggressiv und kam mit seiner Familie nicht mehr klar. Auch nach der Operation können Symptome wie Orientierungslosigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten auftreten.

Eine Betroffene schildert, dass sie in den Monaten vor ihrer Meningeom-OP aggressiv, depressiv und verlangsamt war. Nach der OP verschwanden die Depressionen jedoch. Eine andere Patientin berichtet von Orientierungslosigkeit und Schwierigkeiten, sich in vertrauten Umgebungen zurechtzufinden. Diese Erfahrungen zeigen, dass Hirntumoren und ihre Behandlung vielfältige Auswirkungen auf die Psyche haben können.

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Neuropsychologische Auswirkungen und kognitiver Verfall

Maligne Gliome, eine besonders aggressive Form von Hirntumoren, können zu einem fortschreitenden kognitiven Verfall führen. Dies beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen zusätzlich. Gliome können die Funktionsfähigkeit des Gehirns auf verschiedene Weise beeinträchtigen, beispielsweise durch das Eindringen ins Hirngewebe, den ausgeübten Druck, Schwellungen oder die Beeinträchtigung der Blutversorgung.

Forscher haben herausgefunden, dass Gliome die neuronalen Schaltkreise des Gehirns verändern, indem sie die Neuroplastizität durch synaptische Umstrukturierung missbrauchen. Dadurch bilden sich aktive Synapsen zwischen Tumor und Neuronen, was das Wachstum der Krebszellen fördert.

Emotionale Bewältigung und der Wendepunkt im Leben

Carmen Uth, Gründerin von Chancemotion, erlebte durch ihre Hirntumor-OP einen Wendepunkt in ihrem Leben. Die wenig ermutigenden Aussichten vor der OP ließen sie in Ängsten und Depressionen versinken. Sie überwand diese existentielle Krise jedoch durch bewussten Umgang mit ihren Emotionen und startete beruflich neu durch.

Uth betont, wie wichtig es ist, die "Fremdsprache Emotion" zu verstehen und die Macht der Emotionen für sich zu nutzen. Sie lernte, ihre Emotionen zu steuern und ihre Emotionsenergie für ihr Ziel "Gesundheit" einzusetzen. Nach ihrer Genesung beschloss sie, ihre Erfahrungen weiterzugeben und anderen Menschen zu zeigen, wie sie die Macht der Emotionen für ihre Ziele nutzen können.

Therapiemöglichkeiten und ihre Auswirkungen

Die Therapiemethoden bei Hirntumoren sind vielfältig und hängen vom Gewebetyp, dem Alter und Allgemeinzustand des Patienten sowie von der Größe und Lage des Tumors ab. Grundsätzlich gilt: Je früher ein Hirntumor erkannt wird, desto günstiger ist die Prognose.

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Operation

Im Idealfall kann der Hirntumor vollständig operativ entfernt werden. Häufig gelingt es jedoch nur, einen Großteil des Tumors zu entfernen. In manchen Fällen ist aufgrund des Allgemeinzustands des Patienten oder einer ungünstigen Tumorlage nur die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) möglich.

Strahlentherapie

Da in den meisten Fällen keine vollständige Entfernung der Tumorzellen möglich ist, wird häufig eine Strahlentherapie mit oder ohne Chemotherapie eingesetzt. Die Strahlentherapie zielt darauf ab, die verbleibenden Tumorzellen zu zerstören und ein erneutes Tumorwachstum zu verhindern.

Chemotherapie

Eine Chemotherapie alleine zeigt bei den meisten Hirntumoren eine nur geringe Wirkung. In Kombination mit der Strahlentherapie kann sie jedoch die Wirkung der Strahlentherapie verbessern.

Persönlichkeitsveränderungen durch die Erkrankung

Krebs verändert nicht nur das Leben, sondern manchmal auch die Persönlichkeit der Betroffenen. Tumoren in der Schilddrüse oder den Nebennieren können den Hormonspiegel beeinflussen. Bei Hirntumoren können neurologische Ausfallerscheinungen und Veränderungen in der Persönlichkeit auftreten.

Wolfgang Wick berichtet von einem Patienten mit einem bösartigen Hirntumor im Stirnlappen, der zuvor bodenständig und zurückhaltend war und nun zu Kaufrausch und gesteigertem Sexualtrieb neigte. Im Zuge einer Krebserkrankung kann es auch passieren, dass das Immunsystem gesundes Gewebe angreift, was zu Depressionen, Aggressivität oder Gedächtnisstörungen führen kann.

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Unterstützung und Bewältigungsstrategien

Marie, eine junge Frau mit Schilddrüsenkrebs, erlebte nach erfolgreicher Behandlung eine tiefe Antriebslosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Sie fand Hilfe in einer Krebsberatungsstelle, einer Psychologin und einer Selbsthilfegruppe. Der Austausch mit anderen Betroffenen half ihr, wieder ins Leben zurückzufinden.

Gute Anlaufstellen für Krebskranke und ihre Angehörigen sind ambulante Krebsberatungsstellen. Dort erhalten sie schnell psychologische Unterstützung und können Antworten auf brennende Fragen finden.

Die Bedeutung der Neuropsychologie

Je nach Art des ZNS-Tumors und des Therapieprotokolls sind regelmäßige neuropsychologische Testungen vorgesehen. Diese Testungen ermöglichen es, Hirnleistungen zu erfassen und den Verlauf von Störungen zu überwachen. Ehemalige ZNS-Tumorpatienten sollten die empfohlenen Termine unbedingt wahrnehmen.

Solche Testungen können dazu beitragen, Überforderungen abzuwenden, Rückstände aufzuholen, aktuelle Anforderungen zu bewältigen und dem Risiko weiterer Hirnleistungsstörungen vorzubeugen.

Ursachenforschung und der Einfluss der Psyche

Ein Großteil der Bevölkerung ist davon überzeugt, dass ein Zusammenhang zwischen psychischen Faktoren und Krebs besteht. Die Forschung konnte dies bislang jedoch nicht nachweisen. Die charakterliche Veranlagung hat keinen Einfluss auf die Erkrankung. Seelische Probleme und Stress können jedoch indirekt zu Krebs führen, wenn sie sich in erhöhtem Alkoholkonsum, Kettenrauchen oder ungesunder Ernährung manifestieren.

Eine kämpferische Grundhaltung und positive Einstellung können die Krankheitsbewältigung unterstützen. Die Forderung nach einer positiven Haltung kann Patienten jedoch auch unter Druck setzen. Die Diagnose Krebs löst eine Vielzahl an Gefühlen aus, und ein Patentrezept zum Umgang mit Krebs gibt es nicht.

Künstlerische Therapien und die Verbesserung der Lebensqualität

Im Vordergrund von künstlerischen Therapien steht die Verbesserung der Lebensqualität des Patienten. Durch eigenes kreatives Ausleben soll die Krankheitsverarbeitung unterstützt und das Wohlbefinden gesteigert werden.

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