Hirntumor Grad 3: Lebenserwartung, Diagnose und Therapie

ACHTUNG: Unsere Texte zum Thema Hirntumoren werden derzeit überarbeitet. Sie geben nicht den aktuellen wissenschaftlichen Stand wieder.

Hirntumoren sind eine Erkrankung, die sich durch zahlreiche Symptome äußern kann, darunter Persönlichkeitsveränderungen oder Sehstörungen. Es werden verschiedene Arten von Hirntumoren unterschieden, wobei die Art Auswirkungen auf die Behandlung und Lebenserwartung hat. Dieser Artikel konzentriert sich auf anaplastische Astrozytome (WHO-Grad 3), eine spezifische Art von Hirntumor, und beleuchtet Aspekte wie Diagnose, Therapie und Lebenserwartung.

Was ist ein Astrozytom?

Bei einem Astrozytom handelt es sich um einen Hirntumor, der den Gliomen angehört und wie diese aus Stützgewebe des Nervensystems (Gliazellen) hervorgeht. Der Name "Astrozytom" geht auf die Astrozyten zurück, diejenigen Gliazellen, aus denen sich ein Astrozytom entwickelt. Die astrozytären Gliome sind mit einem Anteil von über 60% die häufigsten Gliome.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterteilt die Astrozytome in zwei Formen und vier Schweregrade:

  1. Gutartige bis niedrigmaligne (wenig bösartige) Astrozytome:

    Lesen Sie auch: Leben mit einem Hirntumor Grad 3: Diagnose und Behandlung

    • WHO-Grad 1: Pilozytisches Astrozytom
    • WHO-Grad 2: Diffuses Astrozytom
  2. Hochmaligne (bösartige) Astrozytome:

    • WHO-Grad 3: Anaplastisches Astrozytom
    • WHO-Grad 4: Glioblastom

Sowohl die Behandlung als auch die Prognose orientieren sich an dieser Einordnung.

Anaplastisches Astrozytom (WHO-Grad 3)

Diese Tumoren zeigen feingewebliche Merkmale der Bösartigkeit (Anaplasiezeichen), die für ein rasches Tumorwachstum sprechen. Anaplastische Astrozytome können entweder aus einem vorbestehenden diffusen Astrozytom hervorgehen oder unmittelbar neu entstehen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Hierzu zählen unter anderem das anaplastische Astrozytom und das schnell wachsende anaplastische Oligodendrogliom. Die Diagnose eines bösartigen Gehirntumors wurde in Deutschland im Jahr 2014 circa 7.000 Mal gestellt. Damit machen bösartige Hirntumore einen Anteil von circa zwei Prozent an allen in Deutschland neu aufgetretenen Krebserkrankungen aus.

Symptome

Die Anzeichen für ein Astrozytom gleichen großteils denen von anderen Hirntumoren wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit und neurologische Störungen. Je nach Lage des Tumors sind Seh-, Bewegungs- und Hormonstörungen möglich. Letztere äußern sich u.a. durch Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Schnell wachsende Tumoren verdrängen nicht nur einzelne Hirnstrukturen, sondern erhöhen zudem den Hirndruck. Dadurch haben Betroffene meist Kopfschmerzen und leiden unter Übelkeit und Erbrechen. Prinzipiell ruft ein Astrozytom ähnliche Symptome wie andere Hirntumoren hervor.

Hirntumore können mit zunehmender Größe und unter anderem auch im Endstadium der Tumorerkrankung zu einem erhöhten Hirndruck führen. Dieser kann bewirken, dass wichtige Gehirnstrukturen eingeklemmt werden und ist damit potenziell lebensbedrohlich. Als Warnzeichen für einen erhöhten Druck im Gehirn können unter anderem folgende Anzeichen auftreten:

Lesen Sie auch: Hirntumorbedingter Schlaganfall

  • Bewusstseinsstörungen, die von einer abnormalen Schläfrigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit reichen können
  • Übelkeit und Erbrechen, unabhängig von der Nahrungsaufnahme (Nüchternerbrechen)
  • unterschiedlich große Pupillen der beiden Augen
  • Auftreten von Doppelbildern (Diplopie)

Kopfschmerzen im Rahmen eines Hirntumors treten meist diffus im Kopf auf, das bedeutet, dass man sie nicht genau lokalisieren kann. Außerdem treten die Kopfschmerzen bevorzugt am frühen Morgen und in der Nacht auf und bessern sich häufig im Tagesverlauf. Durch das zunehmende Wachstum des Tumors können auch die Schmerzen mit der Zeit zunehmen. Herkömmliche Schmerzmittel wirken meist nur zeitweise oder gar nicht dagegen.

Diagnose

Das wichtigste diagnostische Verfahren ist die Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels. Wenn dies nicht möglich ist, kommt die Computertomografie (CT) zum Einsatz.

Neben der körperlichen Untersuchung erfolgt die Diagnose mithilfe von Ultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT), Gewebeuntersuchungen (Biopsie) sowie Blut- und Hormonuntersuchungen. Das wichtigste diagnostische Verfahren bei einem Astrozytom ist die Magnetresonanztomografie (MRT) - ein bildgebendes Verfahren, das mithilfe von Magnetfeldern und elektromagnetischen Wellen genaue Schnittbilder des Körperinneren erzeugt. Oft erhalten Betroffene vor der Untersuchung ein Kontrastmittel in eine Vene gespritzt. Astrozytome nehmen das Kontrastmittel unterschiedlich stark auf. Im Bild entsteht dadurch ein leuchtendes Areal. Ein pilozystisches Astrozytom leuchtet stark und gleichmäßig auf, ein diffuses oder anaplastisches Astrozytom nimmt hingegen meistens kein oder wenig Kontrastmittel auf und erscheint eher dunkel. Ein Glioblastom formt mit Kontrastmittel eine charakteristische ringförmige Struktur. Wenn aus verschiedenen Gründen keine MRT möglich ist, setzt der Arzt alternativ eine Computertomografie (CT) an. Bei einem Astrozytom vom WHO-Grad 2 oder höher entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe und untersucht diese im Labor. Im Einzelfall sind weitere Untersuchungen angezeigt. So entnimmt und analysiert der Arzt in manchen Fällen zusätzlich Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquordiagnostik) oder führt eine Messung der elektrischen Hirnströme (EEG) durch. Insgesamt fallen bei einem Astrozytom die gleichen ärztlichen und apparativen Untersuchungen an wie bei anderen Hirntumoren.

Therapie

Die Therapie besteht aus einer Operation, gefolgt von einer Strahlentherapie oder Chemotherapie. Bei oligodendroglialen Tumoren kommt auch primär eine Chemotherapie mit PCV in Frage. Die Kombinationstherapie aus Strahlentherapie und Chemotherapie ist umstritten.

Generell lässt sich diese Form von Hirntumor operieren, bestrahlen und mit speziellen Medikamenten (Chemotherapeutika) behandeln. Bei einem anaplastischen Astrozytom bestrahlt der Arzt das Tumorgewebe meistens nach einer Operation sofort oder wendet Chemotherapeutika an. Neben diesen Therapiemaßnahmen gibt es zahlreiche weitere Behandlungsmaßnahmen, die zwar nicht den Tumor selbst, aber die Symptome bekämpfen. So verabreichen Ärzte beispielsweise verschiedene Medikamente gegen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Außerdem gehört meist eine professionelle Psychotherapie zum Behandlungsplan. Einige Betroffene nehmen eine Seelsorge in Anspruch. Genauere Informationen zu Untersuchung und Behandlung finden Sie im Beitrag Hirntumor. Die Therapie von Gliomen umfasst typischerweise eine Kombination aus:

Lesen Sie auch: Informationen für Patienten und Angehörige

  • Neurochirurgischer Resektion
  • Strahlentherapie (Radiotherapie)
  • Medikamentöser Therapie (Chemotherapie, zielgerichtete Behandlungen)

Die genaue Behandlung hängt vom WHO-Grad, molekularen Markern (z.B. Die Operation eines Glioms im Kopf (chirurgische Resektion) ist meist der erste Therapieschritt. Ziel ist es, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne gesunde Hirnareale zu schädigen. Nicht jedes Gliom erfordert eine Wachoperation. Ob dieser Eingriff angewendet wird, hängt maßgeblich davon ab, wo der Tumor bzw. das Gliom im Gehirn liegt - insbesondere, ob sich das Gliom in der Nähe oder innerhalb von funktionskritischen Arealen befindet. Abhängig vom WHO-Grad, dem molekularen Profil des Tumors und dem individuellen Gesundheitszustand erfolgt nach der Operation oft eine Strahlen- und/oder Chemotherapie. Bei höhergradigen Gliomen (Grad 3 oder bei progressiven Grad 2) ist die Kombination beider Verfahren häufig Teil des Behandlungsplans. Die Strahlentherapie zielt darauf ab, verbliebene Tumorzellen im Operationsgebiet zu zerstören. Die Planung erfolgt in enger Abstimmung mit unseren Fachärzten. Die Wirksamkeit der Chemotherapie hängt von molekularen Faktoren ab.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei zwei bis drei Jahren. Im Unterschied dazu hat ein Astrozytom mit WHO-Grad 2 oder 3 eine deutlich schlechtere Prognose. Zweit- und drittgradige Astrozytome sind zwar meistens operabel, kehren aber oft wieder zurück (Rezidive). In einigen Fällen entarten Tumoren beider Formen bösartig und gehen in ein Glioblastom (WHO-Grad 4) über. Dank guter unterstützender therapeutischer Maßnahmen hat sich die Lebensqualität von Erkrankten mit einem Astrozytom verbessert.

Die Gliom-Lebenserwartung ist abhängig von der Lokalisation sowie der Beschaffenheit des Hirntumors. Bei den WHO Grad 4 Tumoren - etwa einem Gliom Grad 3 oder einem Astrozytom Grad 4 - ist die Prognose deutlich schlechter.

Die Lebenserwartung bei einem Gliom hängt von vielen Faktoren ab - darunter Tumorgrad, Lage, molekulare Merkmale und individuelle Konstitution. Aufgrund dessen bewegt sich die Lebenserwartung bei Betroffenen von Gliomen zwischen acht bis zwölf und über 15 Jahren je nach individueller Diagnose. Insgesamt ist die Lebenserwartung bei niedriggradigen Gliomen deutlich höher als bei hochgradigen Gliomen. Während Betroffene von niedrigmalignen Gliomen (Grad 1) eine sehr gute Überlebenschance haben, bieten wir auch bei hochgradigen Gliomen (Grad 3 oder 4) neue Perspektiven - etwa durch klinische Studien oder zielgerichtete Therapien.

Ursachen und Vorbeugung

Ein Astrozytom geht aus sogenannten Astrozyten hervor. Diese Zellen bilden den größten Anteil der Stützzellen (Gliazellen) im zentralen Nervensystem. Sie grenzen das Nervengewebe gegenüber der Hirnoberfläche und den Blutgefäßen ab. Genau wie andere Zellen im Körper werden Astrozyten regelmäßig erneuert. Dabei treten in einigen Fällen Fehler auf, die zu einem unkontrollierten Zellwachstum und schließlich zu einem Tumor führen. Warum ein Astrozytom entsteht, ist bislang nicht ausreichend geklärt. Der einzige gesicherte Risikofaktor sind ionisierende Strahlen. Menschen sind aber meistens nur im Rahmen einer Strahlentherapie schädigenden Strahlendosen ausgesetzt. Außerdem tritt diese Form von Hirntumor bei bestimmten Grunderkrankungen gehäuft auf, die in der Regel vererbt wurden. Dazu gehören die Neurofibromatose vom Typ I (Morbus von Recklinghausen) und Typ II, die tuberöse Sklerose (Morbus Bournville-Pringle), das Li-Fraumeni-Syndrom und das Turcot-Syndrom. Diese Erkrankungen sind sehr selten und gehen meistens mit typischen Veränderungen der Haut einher.

Da die Ursachen bislang nicht eindeutig geklärt sind, gibt es keine gesicherten Maßnahmen, mit denen sich ein Astrozytom vorbeugen lässt. Mediziner empfehlen, dass Personen, die Risikogruppen angehören, möglichst regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Gibt es beispielsweise bei mehreren Personen in der Familie eine risikosteigernde Erbkrankheit, lassen sich so Anzeichen für einen Hirntumor frühzeitig ausmachen und eine gegebenenfalls notwendige Behandlung einleiten.

tags: #hirntumor #grad #3 #lebenserwartung