Hirntumor WHO Grad 3: Lebenserwartung, Diagnose und Therapie

Gliome sind die häufigsten intrinsischen Hirntumore und ihre Malignität, eingeteilt nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO), beeinflusst maßgeblich die Prognose. Diese reicht von einer normalen Lebenserwartung bei WHO Grad I bis zu einem medianen Überleben von 15 bis 20 Monaten beim Glioblastom (WHO Grad IV). Dieser Artikel beleuchtet speziell den Hirntumor WHO Grad 3, seine Charakteristika, Diagnosemethoden und die damit verbundene Lebenserwartung.

Gliome: Eine Übersicht

Gliome sind primäre hirneigene Tumore, die im Gehirn oder Rückenmark entstehen. Sie entwickeln sich aus Gliazellen, den Stützzellen, die Nervenzellen im zentralen Nervensystem umgeben. Gliome werden nach der Art der beteiligten Zellen und dem WHO-Grad eingeteilt. Die Einteilung der Gliome erfolgt in die Grade 1, 2, 3 und 4, wobei die Tumore mithilfe von molekularen Biomarkern eingestuft werden.

Die astrozytären Gliome sind mit einem Anteil von über 60% die häufigsten Gliome.

Astrozytom IDH-mutiert WHO-Grad 3: Was bedeutet das?

Das IDH-mutierte Astrozytom ist ein hirneigener Tumor, der aus Astrozyten hervorgeht. Der Zusatz „IDH-mutiert“ bedeutet, dass das Isocitrat-Dehydrogenase-Gen verändert ist. IDH-mutierte Astrozytome werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anhand mikroskopischer und molekularer Eigenschaften in unterschiedliche Grade eingeteilt. Unterschieden wird zwischen den WHO-Graden 2, 3 und 4 (ein Astrozytom, IDH-mutiert WHO-Grad 1 gibt es nicht).

Anaplastisches Astrozytom (WHO-Grad 3)

Diese Tumoren zeigen feingewebliche Merkmale der Bösartigkeit (Anaplasiezeichen), die für ein rasches Tumorwachstum sprechen. Anaplastische Astrozytome können entweder aus einem vorbestehenden diffusen Astrozytom hervorgehen oder unmittelbar neu entstehen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr.

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Diagnose des Anaplastischen Astrozytoms

Das wichtigste diagnostische Verfahren ist die Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels. Wenn dies nicht möglich ist, kommt die Computertomografie (CT) zum Einsatz.

Therapie des Anaplastischen Astrozytoms

Die Therapie besteht aus einer Operation, gefolgt von einer Strahlentherapie oder Chemotherapie. Bei oligodendroglialen Tumoren kommt auch primär eine Chemotherapie mit PCV in Frage. Die Kombinationstherapie aus Strahlentherapie und Chemotherapie ist umstritten.

Symptome von Hirntumoren

Hirntumore können sich durch vielfältige Symptome äußern, die von der Lage und Größe des Tumors abhängen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Epileptische Anfälle
  • Neurologische Auffälligkeiten (Halbseitenlähmung, Gefühlsstörungen, Sprach- oder Sehstörungen)
  • Wesensveränderungen und Gedächtnisschwäche

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Bei neu auftretenden oder sich verschlimmernden Beschwerden sollte jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose von Hirntumoren

Die Diagnose eines Hirntumors erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus neurologischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren.

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  • Neurologische Untersuchung: Hierbei werden Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexe überprüft.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomografie (MRT) ist das Standardverfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Alternativ kann eine Computertomografie (CT) eingesetzt werden.
  • Biopsie: Die Entnahme einer Gewebeprobe ermöglicht die Bestimmung des Tumortyps und des WHO-Grades.

Behandlung von Hirntumoren

Die Behandlung von Hirntumoren ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie dem Tumortyp, dem WHO-Grad, der Lokalisation und dem Allgemeinzustand des Patienten. Zu denStandardtherapien gehören:

  • Operation: Ziel ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors, wobei umliegendes gesundes Hirngewebe geschont werden soll.
  • Strahlentherapie: Sie wird eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen abzutöten oder das Wachstum des Tumors zu verlangsamen.
  • Chemotherapie: Sie kann in Kombination mit der Strahlentherapie oder als eigenständige Therapie eingesetzt werden.

Weitere Therapieoptionen umfassen zielgerichtete Therapien und Immuntherapien, die spezifisch auf die Eigenschaften des Tumors abzielen.

Lebenserwartung bei Hirntumoren WHO Grad 3

Die Lebenserwartung bei einem Hirntumor WHO Grad 3 ist stark von individuellen Faktoren abhängig. Generell liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei zwei bis drei Jahren. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass es sich hierbei um einen statistischen Wert handelt und die tatsächliche Lebenserwartung im Einzelfall deutlich abweichen kann.

Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen

  • Tumortyp: Einige Tumortypen innerhalb des WHO-Grades 3 haben eine bessere Prognose als andere.
  • Lokalisation: Die Lage des Tumors im Gehirn kann die Operabilität und somit die Prognose beeinflussen.
  • Alter und Allgemeinzustand des Patienten: Jüngere Patienten mit einem guten Allgemeinzustand haben tendenziell eine bessere Prognose.
  • Therapieansprechen: Das Ansprechen des Tumors auf die Therapie spielt eine entscheidende Rolle für die Lebenserwartung.
  • Molekulare Marker: Bestimmte genetische Veränderungen im Tumor können die Prognose beeinflussen.

Glioblastom: Ein Sonderfall

Das Glioblastom ist der häufigste und bösartigste astrozytäre Tumor und wird als WHO-Grad 4 eingestuft. Es tritt bevorzugt im Großhirn bei Erwachsenen auf, wobei der Altersgipfel zwischen dem 45. und 70. Lebensjahr liegt. Die meisten Glioblastome entstehen ohne vorherige klinische Vorgeschichte (primäre Glioblastome).

Therapie des Glioblastoms

Die Therapie umfasst die Operation mit nachfolgender lokaler Strahlentherapie. Zusätzlich wird heute eine Chemotherapie mit Temozolomid begleitend zur Strahlentherapie und anschließend, in der Regel über weitere 6 Monate, eingesetzt. Die Prognose ist trotz intensiver Therapie ungünstig.

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Lebenserwartung beim Glioblastom

Trotz aggressiver Therapie haben Patientinnen und Patienten mit Glioblastom weiterhin eine deutlich reduzierte Lebenserwartung. Aktuell liegt die Lebenserwartung bei einem Glioblastom mit der üblichen Therapie bei ca. 15 Monaten. Sie kann jedoch individuell erheblich abweichen.

Neue Therapieansätze und Studien

Die Forschung im Bereich der Hirntumore ist weiterhin sehr aktiv. In klinischen Studien werden neue Therapieansätze untersucht, um die Lebenserwartung und Lebensqualität von Patienten mit Hirntumoren zu verbessern. Ein Beispiel hierfür ist die PRIDE-Studie des Universitätsklinikums Tübingen, die einen neuen Behandlungsansatz für Glioblastome untersucht.

Unterstützende Maßnahmen und Lebensqualität

Neben denStandardtherapien spielen unterstützende Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Hirntumoren. Dazu gehören:

  • Schmerzlinderung: Medikamente zur Linderung von Kopfschmerzen und anderen Schmerzen.
  • Behandlung von Übelkeit und Erbrechen: Antiemetika zurReduktion von Übelkeit und Erbrechen.
  • Kortikosteroide: ZurReduktion von Hirnödemen und zur Verbesserung neurologischer Ausfälle.
  • Psychotherapie und Seelsorge: Zur Unterstützung der Patienten und ihrer Angehörigen bei der Krankheitsverarbeitung.
  • Physiotherapie und Ergotherapie: Zur Verbesserung derFunktion und Lebensqualität.

Zusammenfassung

Die Lebenserwartung bei einem Hirntumor WHO Grad 3 ist variabel und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine frühzeitige Diagnose und eine individualisierte Therapie sind entscheidend für den Krankheitsverlauf. Neben denStandardtherapien spielen unterstützende Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Lebensqualität. Die Forschung im Bereich der Hirntumore ist weiterhin sehr aktiv, sodass in Zukunft neue Therapieansätze zur Verfügung stehen könnten. Gliome stellen mit einer Inzidenz von circa 6/100 000/Jahr die häufigsten intrinsischen Hirntumore dar. Die Glioblastome sind mit einer Inzidenz von 3-4/100 000/Jahr die häufigste Entität unter den Gliomen. Die Diagnose eines bösartigen Gehirntumors wurde in Deutschland im Jahr 2014 circa 7.000 Mal gestellt.

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