Neurologiestudium in Brüssel: Eine Übersicht über Forschung, Ausbildung und Karrierewege

Die Neurologie ist ein sich ständig weiterentwickelndes Feld, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Mit einer alternden Bevölkerung und der Zunahme neurologischer Erkrankungen wie Demenz, Alzheimer und Schlaganfall ist der Bedarf an gut ausgebildeten Neurologen größer denn je. Brüssel, als Hauptstadt Europas und Sitz zahlreicher Forschungseinrichtungen, bietet ein attraktives Umfeld für ein Neurologiestudium.

Exzellente neurowissenschaftliche Forschung in Göttingen

Göttingen hat sich längst zu einer international angesehenen Denkschule für Neurowissenschaften entwickelt und ist Anlaufstelle für Forscher aus aller Welt. Unter dem Acronym NEUREST entsteht in Göttingen ein Doktorandenausbildungszentrum für Neurowissenschaften, das von der Europäischen Union mit 1,7 Mio. Euro gefördert wird. Ziel ist es, junge Forscher zu Spitzenwissenschaftlern zu machen.

NEUREST: Ein Zentrum für die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern

Koordiniert wird "NEUREST" (Neuroscience Early Stage Training) von Prof. Reinhard Jahn, Direktor der Abteilung Neurobiologie, unterstützt von Dr. Joachim Bormann. Partner des Zentrums sind das MPI für experimentelle Medizin, die Medizinische Fakultät der Universität (Neurophysiologie, Neurologie u.a.), die Fakultäten für Biologie und Physik, das Deutsche Primatenzentrum sowie forschungsorientierte Firmen wie Biomedizinische NMR, Develogen, Synaptic Systems und iOnGen.

Forschungsschwerpunkte und Ausbildungsinhalte

Der Schwerpunkt des Forschungstrainings, an dem sich insgesamt 40 Dozenten beteiligen, liegt auf der Bearbeitung eines wissenschaftlichen Themas im Gastlabor. Zur Erweiterung der Methodenkenntnisse muss jeder Stipendiat fünf praktische Kurse in anderen Labors absolvieren, einen davon als Advanced Course außerhalb Göttingens. Eine Besonderheit des multidisziplinären Ausbildungsprogramms sind Lehrveranstaltungen zum Erwerb "komplementärer" Fertigkeiten, z.B. Verfassen wissenschaftlicher Texte, Vortrags- und Präsentationstechniken sowie Bewertung ethischer (und unethischer!) Verhaltensweisen im Wissenschaftsbereich.

Finanzierung und Bewerbung

Promotionen von ausländischen Gastwissenschaftlern können bis zu drei Jahren aus den EU-Mitteln finanziert werden. Dazu werden insgesamt 540 Stipendienmonate zur Verfügung stehen - dies entspricht 15 durchgängigen Promotionen mit einer Laufzeit von jeweils drei Jahren. In der Praxis wird es aber auch einen Bedarf für Kurzeitstipendien (sechs Monate bis zwei Jahre) geben. Ein Komitee entscheidet über die Zulassung geeigneter Kandidaten, die sich in der Regel aus dem Ausland bewerben werden.

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Die Europäische Akademie für Neurologie (EAN)

Die EAN vertritt rund 25.000 Neurologinnen und Neurologogen aus 47 europäischen Ländern in wissenschaftlichen Fragen. Sie entwickelt europäische Diagnose- und Behandlungsleitlinien mit dem Ziel, ein gleiches Niveau der Neurologie in allen europäischen Ländern zu erreichen. Darüber hinaus vertritt die EAN die Interessen von Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen und setzt sich für das Forschungsgebiet der Neurologie gegenüber der europäischen Wissenschafts- und Gesundheitspolitik in Brüssel ein.

Neurologische Erkrankungen und ihre Bedeutung

Neurologische Erkrankungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen und verursachen mehr als 30 Prozent aller Behinderungen und Einschränkungen von Lebensqualität in Europa. Neben Krankheiten wie Schlaganfall, Parkinson, Demenz oder Epilepsie kommen immer wieder neue Erkrankungen hinzu.

Internationale Auszeichnungen für Neurowissenschaftler

Der Internationale Preis für Translationale Neurowissenschaften der Gertrud Reemtsma Stiftung wird seit 1990 für herausragende Leistungen in der neurologischen Grundlagenforschung vergeben. Einige Preisträger und ihre Forschungsgebiete sind:

  • Michelle Monje: Erwarb ihren M.D. und Ph.D. in Neurowissenschaften an der Stanford University und forscht heute als Professorin für Neurologie am Howard Hughes Medical Institute in Stanford.
  • Harald Sontheimer: Promovierte an der Universität Heidelberg und gründete 2015 die erste „Schule für Neuroscience“, die nun über 1000 Studenten jährlich ausbildet. Seit 2021 ist er Abteilungsleiter der Neurowissenschaftlichen Abteilung an der Medizinischen University von Virginia.
  • Richard A. Andersen: Studierte Biochemie an der University of California, Davis, und promovierte 1979 im Fach Physiologie an der University of California, San Francisco. Seit 1993 ist er Professor für Neurowissenschaften am California Institute of Technology (Caltech), wo er seit 2017 zudem das T&C Brain-Machine-Interface Center leitet.
  • Karl J. Friston: Studierte Naturwissenschaften am Gonville and Caius College, Cambridge UK und anschließend Medizin an der King's College Medical School, London University. Seit 1994 forscht er am Institute of Neurology, UK und ist seit 2001 wissenschaftlicher Direktor des Wellcome Trust Centre for Neuroimaging.
  • Botond Roska: Studierte zunächst Cello und Mathematik in Budapest. Seit 2018 ist er einer der Gründungsdirektoren des Instituts für molekulare und klinische Ophthalmologie Basel.
  • José-Alain Sahel: Studierte Medizin in Paris und wurde 1984 Ophthalmologe am Louis Pasteur-Universitätskrankenhaus in Straßburg. Seit 2023 ist er emeritierter Professor an der Sorbonne Universität.
  • Huda Zoghbi: Studierte Biologie und Medizin an der American University of Beirut, Libanon und promovierte 1979 am Meharry Medical College, Nashville, Tennessee in Medizin. 1994 wurde sie Professorin der Abteilung für Pädiatrie, Molekular- und Humangenetik, Neurologie und Neurowissenschaften in Baylor und 1996 Wissenschaftlerin am Howard Hughes Medical Institute.
  • Adrian Bird: Studierte Biochemie an der Universität von Sussex und erlangte 1971 den PhD an der Universität von Edinburgh.
  • Hai Yan: Studierte an der Peking University Health Science Center Medizin, an der er 1991 zum Dr. med. promovierte.
  • Andreas von Deimling: Studierte Medizin in Freiburg und wurde 1998 Direktor der Neuropathologie in der Charité der Humboldt University in Berlin.

Aktuelle Forschungsergebnisse in der Neurologie

  • Mathias Jucker: Untersucht Biomarker für neurodegenerative Erkrankungen in den Flüssigkeiten, die das Gehirn reinigen. Er hat im Blut und in der Gehirnflüssigkeit genetisch veränderter Mäuse Moleküle identifiziert, mit denen sich zum Beispiel schon früh der Verlauf der Alzheimer-Erkrankung voraussagen lässt.
  • Maiken Nedergaard: Hat die Rolle der Astrozyten bei der Verteilung der Flüssigkeit im Gehirn erforscht und den Flüssigkeitstransport als „Glia-lymphatisches System“ bezeichnet.
  • Roy Weller: Hat herausgefunden, dass die Drainage des Gehirns entlang der Arterienwände erfolgt und dass dieser Transportweg im Alter schlechter funktioniert.
  • Adrian Krainer: Hat einen Molekültyp erforscht, durch den fehlerhaftes RNA-Spleißen wieder korrigiert werden kann und so zur Behandlung von spinaler Muskelatrophie beigetragen.
  • Richard Finkel: Hat in klinischen Studien die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Nusinersen untersucht und gezeigt, dass es die Bewegungseinschränkungen der Patienten deutlich mildert oder sogar verbessert und das Überleben verlängert.
  • Angela Vincent, Jerome Posner und Josep Dalmau: Haben die Erforschung von Autoimmunerkrankungen des Nervensystems maßgeblich vorangetrieben und detailliert beschrieben.
  • Steven Laureys: Konzentriert sich auf die neuronalen Grundlagen von Bewusstsein und die durch Schädigungen des Gehirns hervorgerufenen Veränderungen.

Medizinstudium in der EU: Mindestausbildungszeit verkürzt

Unterhändler der EU haben sich darauf geeinigt, die Mindestausbildungszeit für das Medizinstudium zu reduzieren. Die Richtlinie 2005/36/EC wird künftig vorsehen, dass die Mindestausbildungsdauer nur noch fünf Jahre beträgt, innerhalb derer mindestens 5.500 Unterrichtsstunden zu absolvieren sind. Diese Richtlinie ist die Grundlage dafür, das Berufsabschlüsse europaweit gelten.

Forschungsschwerpunkte in der Neurologie

Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit liegt auf der Erforschung der genetischen und molekularen Grundlagen von neurodegenerativen Erkrankungen und Bewegungsstörungen, insbesondere der Parkinson-Krankheit und der Dystonien.

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