Hirntumoren bei Katzen: Symptome, Diagnose und Behandlungsansätze

Hirntumoren stellen leider auch bei Katzen eine nicht zu unterschätzende gesundheitliche Herausforderung dar. Diese abnormalen Zellwucherungen im Gehirn können sowohl gutartig als auch bösartig sein und vielfältige Symptome hervorrufen. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung sind entscheidend, um die Lebensqualität und Lebenserwartung der betroffenen Tiere zu verbessern.

Was sind Hirntumoren?

Ein Hirntumor bei Katzen ist eine abnormale Zellbildung im Gehirn, die entweder gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein kann. Diese Tumore können das Gehirn direkt betreffen oder durch Metastasen entstehen. Hirntumoren entstehen durch das unkontrollierte Wachstum von Zellen im Gehirn. Diese können aus den verschiedenen Zelltypen des Gehirns, wie Neuronen oder Gliazellen, hervorgehen. Es gibt auch sekundäre Hirntumore, die durch die Ausbreitung von Krebszellen aus anderen Teilen des Körpers verursacht werden. Diese Metastasen.

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren bei Katzen sind nicht vollständig verstanden, aber genetische Faktoren, Umweltfaktoren und möglicherweise virale Infektionen könnten eine Rolle spielen. Bestimmte Rassen könnten genetisch anfälliger sein.

Arten von Hirntumoren bei Katzen

Bei Katzen werden verschiedene Arten von Hirntumoren unterschieden, wobei Meningeome die häufigste Form darstellen.

Meningeome

Meningeome sind Tumore, die von den Hirnhäuten der Katze ausgehen und am häufigsten bei älteren Tieren auftreten. Sie können im Gehirn wie auch im Bereich des Rückenmarks wachsen. Da sie von den umgebenden Hirnhäuten ausgehen, liegen sie ausserhalb des Nervengewebes (extraaxial bzw. intradural-extramedullär) und haben primär kompressive Effekte auf das angrenzende Gewebe. Bei Katzen werden 56 - 59% der primären Gehirntumoren als Meningeome diagnostiziert. Multiple Meningeome sind insbesondere bei Katzen relativ häufig und kommen in 17% der felinen Patienten vor. Deutlich über 90% der intrakraniellen Meningeome wachsen im Bereich des Grosshirns. Ältere Katzen (> 10 Jahre) sind ebenfalls häufiger davon betroffen und seltener jüngere Tiere. Bei sehr jungen Tieren besteht ein gehäufter Zusammenhang mit einer Speicherkrankheit (Mukopolysaccharidose Typ 1).

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Es handelt sich meist um langsam wachsende, von aussen komprimierende Tumoren, sind auch die Symptome oft schleichend progressiv.

Andere Tumorarten

Neben Meningeomen können auch andere Tumorarten im Gehirn von Katzen auftreten, wie beispielsweise Gliome, Choroid Plexus Tumoren (Papillom oder Karzinom) oder Ependymome. In Rabaukis Fall handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Choroid Plexus Tumor (Papillom oder Karzinom) oder ein Ependymom. Beide Tumoren sind bei der Katze relativ selten (< 5 % der primären Hirntumoren), die genaue Verteilung ist unbekannt.

Symptome von Hirntumoren bei Katzen

Die Symptome eines Hirntumors bei Katzen können je nach Lage und Größe des Tumors variieren. Häufige Anzeichen sind Verhaltensänderungen, wie z.B. vermehrte Aggression oder Lethargie. Weitere Symptome umfassen Krampfanfälle, die plötzlich und ohne vorherige Anzeichen auftreten können. Katzen können auch Anzeichen von Desorientierung, Appetitverlust und Gewichtsverlust zeigen. In fortgeschrittenen Fällen können auch Lähmungen oder Schwäche in den Gliedmaßen auftreten. Auch Hautveränderungen, neurologische Symptome (Taumeln, Blindheit), Lahmheit etc. sind möglich.

Ein Hirntumor macht sich bei Katzen meist durch eine Kombination aus Verhaltens- und Bewegungsauffälligkeiten bemerkbar. Viele Katzen zeigen zudem Gangstörungen: Sie taumeln, stolpern, laufen im Kreis, stoßen sich an Möbeln oder haben Schwierigkeiten beim Springen und Landen. Die ersten Warnzeichen eines Hirntumors sind oft unspezifisch und werden leicht mit Alter, Stress oder anderen Krankheiten verwechselt. Später kommen häufig neurologische Symptome wie Krampfanfälle oder eine schiefe Kopfhaltung dazu.

Weitere mögliche Symptome sind:

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  • Veränderungen des Bewusstseins wie Teilnahmslosigkeit, Schläfrigkeit oder Koma
  • Desorientierung
  • Gleichgewichtsprobleme
  • Schmerzäußerung
  • Stolpern oder Lahmheit
  • Im Kreis laufen
  • Herunterhängen z.B. des Ohres, der Lippe
  • Schluck- oder Sehstörungen
  • Krampfhafte Anfälle

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch auf andere Erkrankungen hindeuten können. Daher ist eine gründliche tierärztliche Untersuchung unerlässlich, um die genaue Ursache der Beschwerden festzustellen.

Diagnose von Hirntumoren bei Katzen

Die Diagnose eines Hirntumors bei Katzen beginnt oft mit einer gründlichen klinischen Untersuchung und der Erfassung der Krankengeschichte. Bildgebende Verfahren, wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Computertomographie (CT), sind entscheidend für die Visualisierung von Tumoren im Gehirn. Diese Methoden ermöglichen es, die Lage, Größe und das Ausmaß des Tumors im Gehirn zu bestimmen.

MRT und CT sind wertvolle Werkzeuge zur Diagnose von Meningeomen, aber die Forschung versucht, die Genauigkeit und Auflösung dieser Technologien weiter zu verbessern.

In einigen Fällen kann eine Biopsie notwendig sein, um die Art des Tumors zu bestätigen. Dies ist ein invasiver Eingriff, bei dem eine Gewebeprobe des Tumors entnommen und mikroskopisch untersucht wird, um festzustellen, ob der Tumor gutartig oder bösartig ist. Im Falle eines intrakraniellen Tumors kann dies mit einer offenen Biopsie mittels Eröffnung der Schädeldecke (Kraniotomie) oder mittels Nadelbiopsie (oft CT- oder MRT gesteuert) erfolgen. Da die radiologischen Befunde meist recht typisch sind wird im Falle einer gut zugänglichen Läsion jedoch eine direkte, vollständige Entfernung bevorzugt. Eine endgültige Diagnose kann nur mittels histopathologischer Analyse des Gewebes erfolgen.

Zusätzlich zu den bildgebenden Verfahren kann eine Liquoruntersuchung die Diagnose unterstützen. Oft ist diese völlig unauffällig. Jedoch kann auch eine erhöhte Zellzahl (Pleozytose) vorhanden sein, welche generell auf eine Entzündungsreaktion hinweist. Insbesondere bei Meningeomen der hinteren Schädelgrube kann eine Erhöhung der neutrophilen Granulozyten gesehen werden.

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Blutwerte werden bei Verdacht auf einen Hirntumor fast immer kontrolliert, können den Tumor selbst aber in der Regel weder beweisen noch sicher ausschließen. Wichtig sind Blutwerte auch, um das Narkoserisiko für eine CT- oder MRT-Untersuchung sowie für eine mögliche Operation zu beurteilen.

Behandlung von Hirntumoren bei Katzen

Die Behandlung von Hirntumoren bei Katzen hängt von der Art, Größe und Lage des Tumors sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand der Katze ab.

Chirurgische Entfernung

Eine chirurgische Entfernung des Tumors ist oft die bevorzugte Methode, sofern der Tumor gut zugänglich ist und die Katze in einem ausreichend stabilen Zustand ist. Da Meningeome bei Katzen in der Regel gut abgegrenzt sind und das Gehirngewebe nicht infiltrieren, ist die chirurgische Entfernung nach Eröffnung der Schädeldecke die Methode der Wahl, wenn die Neoplasie an einem zugänglichen Ort im Bereich des Schädels liegt. Katzen mit Meningeomen im Bereich der hinteren Schädelgrube haben eine schlechtere Prognose und die Risiken von intraoperativen Komplikationen sind höher.

Strahlentherapie

Strahlentherapie kann ebenfalls eingesetzt werden, insbesondere wenn der Tumor nicht operativ entfernt werden kann oder eine unvollständige Entfernung erfolgte. Die Strahlentherapie wurde in 10 Fraktionen mit einer Gesamtdosis von 40 Gy durchgeführt.

Chemotherapie

In einigen Fällen kann auch eine Chemotherapie in Betracht gezogen werden, obwohl ihre Wirksamkeit bei primären Hirntumoren begrenzt sein kann.

Palliative Therapie

Unterstützende Therapien, wie Schmerzmittel, Antikonvulsiva und Steroide, können eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Katze zu verbessern. Eine palliative (untertützende) Therapie kann mittels Steroiden zur Behandlung des Gehirnoedems und in akuten Fällen mit Mannitol und mit Antiepileptika bei Tieren mit epileptischen Anfällen behandelt werden.

Prognose und Nachsorge

Die Prognose für Katzen mit Hirntumoren variiert stark und hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich der Art des Tumors, seiner Lage und Größe sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand der Katze. Gutartige Tumore, die vollständig entfernt werden können, bieten oft eine bessere Prognose. Bösartige Tumore oder solche, die nicht operativ entfernt werden können, haben in der Regel eine schlechtere Prognose.

Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind wichtig, um das Fortschreiten der Erkrankung zu überwachen und die Behandlung entsprechend anzupassen. Die neurologische Untersuchung beim Hund und bei der Katze kostet etwa 25 bis 55 Euro netto. Eine Liquor-Entnahme beläuft sich auf rund 35 bis 70 Euro und die Laboruntersuchung des Liquors kostet ungefähr 35 bis 75 Euro.

Prävention von Hirntumoren bei Katzen

Die Prävention von Hirntumoren bei Katzen ist ein komplexes Thema, da die genauen Ursachen oft nicht vollständig verstanden sind. Dennoch gibt es einige allgemeine Maßnahmen, die das Risiko für die Entwicklung von Tumoren reduzieren können:

  • Eine ausgewogene Ernährung ist entscheidend, da sie das Immunsystem stärkt und die allgemeine Gesundheit unterstützt.
  • Katzen sollten regelmäßig tierärztlich untersucht werden, um mögliche gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen.
  • Es ist wichtig, die Katze in einer sicheren Umgebung zu halten, um Verletzungen des Kopfes zu vermeiden, die möglicherweise das Risiko für Tumorentwicklungen erhöhen könnten.
  • Der Verzicht auf den Kontakt mit schädlichen Chemikalien und Umweltgiften ist ebenfalls ratsam, da diese die Gesundheit der Katze beeinträchtigen könnten.
  • Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Katze regelmäßig geimpft wird, um das Immunsystem zu stärken.

Aktuelle Forschung

Die Forschung zu Hirntumoren bei Katzen befindet sich in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess, wobei der Schwerpunkt auf der Verbesserung der Diagnosemethoden und der Behandlungsmöglichkeiten liegt. Aktuelle Studien befassen sich mit der Anwendung von fortschrittlichen bildgebenden Verfahren, wie der Magnetresonanztomographie (MRT), um die Genauigkeit der Diagnose zu erhöhen. Ein weiterer bedeutender Bereich der Forschung ist die Entwicklung von zielgerichteten Therapien, die darauf abzielen, Tumorzellen spezifisch zu bekämpfen, ohne das umliegende gesunde Gewebe zu schädigen.

Umgang mit der Diagnose Hirntumor

Die Diagnose eines Hirntumors bei der eigenen Katze ist für viele Tierhalter eine erschütternde Erfahrung. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen und eine Entscheidung zu treffen, die das Wohlbefinden der Katze in den Mittelpunkt stellt.

Viele Tierhalter stehen vor der schwierigen Frage, wann der Zeitpunkt gekommen ist, die Katze einschläfern zu lassen. Warnsignale für eine sehr eingeschränkte Lebensqualität sind zum Beispiel häufige, schwere Krampfanfälle, deutliches Leiden oder Schmerzen trotz Therapie, kaum noch Fressen oder Trinken sowie fehlendes Interesse an dir und der Umgebung.

Im Alltag geht es vor allem darum, Sicherheit und Ruhe zu schaffen. Sichere Treppen, Balkon und Fenster, entferne Stolperfallen und lege bei Bedarf Teppiche auf rutschige Böden. Füttere leicht erreichbares, hochwertiges Futter, verteile Wasserstellen und halte die Medikamentengabe so regelmäßig wie möglich. Besprich mit deiner Tierarztpraxis einen Notfallplan für Krampfanfälle und kontrolliere in regelmäßigen Abständen, wie es deiner Katze geht.

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