Primäre Hirntumoren entstehen direkt aus Gehirngewebe und sind von Hirnmetastasen zu unterscheiden, welche Absiedlungen eines Krebses in einem anderen Organ darstellen. Es gibt zahlreiche verschiedene Formen von Hirntumoren, wobei die Beschwerden vor allem von der Größe und der Lage des Tumors im Gehirn abhängen. Die Behandlung umfasst Operation, Bestrahlung, Chemotherapie oder zielgerichtete Medikamente, abhängig von der individuellen Erkrankungssituation. Manche Patienten können auch an neuen experimentellen Therapien im Rahmen klinischer Studien teilnehmen. Die notwendige Unterstützung und Kontrolluntersuchungen nach der Behandlung richten sich nach der jeweiligen Situation.
Was ist ein Hirntumor?
Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des Gehirns, wobei verschiedene Arten von unterschiedlichen Zelltypen ausgehen können. Sie können gutartig oder bösartig sein. Zusammen mit Tumoren in Rückenmark, Hirn- und Rückenmarkshäuten und Hirnnerven werden sie auch als Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) bezeichnet.
Gutartige und bösartige Hirntumoren
Aus den verschiedenen Gewebetypen können gutartige und bösartige Hirntumoren entstehen. Bösartige Hirntumoren wachsen im Vergleich zu den gutartigen Tumoren in umliegendes Gewebe, was ihre vollständige Entfernung meist unmöglich macht.
Beispiele für bösartige Tumoren des zentralen Nervensystems:
- Glioblastom
- Diffuses Astrozytom
- Diffuses Oligodendrogliom
- Medulloblastom
- Auch bösartige Tumoren des Lymphsystems (maligne Lymphome) können im Gehirn auftreten.
Gutartige Hirntumoren können durch ihr Wachstum ebenfalls Beschwerden verursachen, wachsen aber gut begrenzt und können meist vollständig entfernt werden.
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Beispiele für gutartige Tumoren des zentralen Nervensystems:
- Meningeom
- Neurinom/Schwannom
- Pilozytisches Astrozytom
Hypophysen-Adenome sind ebenfalls häufige gutartige Tumoren im Bereich der Hirnanhangdrüse, werden aber formal den Tumoren des Hormonsystems zugeordnet (endokrine Tumoren).
Einteilung von Hirntumoren
Hirntumoren unterscheiden sich in:
- ihrem Ursprungs-Zelltyp: Am häufigsten gehen Hirntumoren von Stützzellen des Gehirns, sogenannten Gliazellen, aus. Mediziner bezeichnen solche Tumoren als Gliome.
- ihren genetischen Veränderungen (Mutationen): Diese sind für Ärzte oft entscheidend, um den Krankheitsverlauf einzuschätzen und die Therapie zu planen. Bei Gliomen sind das zum Beispiel Veränderungen im sogenannten IDH-Gen.
- ihrem Wachstumsverhalten und ihrer Prognose: Wie schnell (aggressiv) ein Hirntumor wächst und wie das den wahrscheinlichen Krankheitsverlauf beeinflusst, beschreiben Experten mit dem sogenannten ZNS-WHO-Grad von 1 (langsam und örtlich begrenzt wachsender Tumor) bis 4 (schnell und aggressiv wachsender Tumor).
Wenn Ärzte von "Metastasen" im Gehirn sprechen, handelt es sich nicht um einen primären Hirntumor, sondern um Hirnmetastasen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns ausgehen. Diese werden in der Regel anders behandelt als primäre Hirntumore.
Häufige Tumortypen im Überblick
Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirn und können sich aus verschiedenen Zellen entwickeln, am häufigsten aus den Gliazellen (Gliome). Gliome umfassen verschiedene Arten, je nachdem, aus welchem Zelltyp der Gliazellen sie sich entwickelt haben, wie Astrozyten, Oligodendrozyten und Ependym-Zellen. Daraus können sich Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome entwickeln. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.
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Weitere häufige Hirntumoren sind:
- Meningeome (aus Zellen der Hirnhaut)
- Neurinome/Schwannome (aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen)
- Medulloblastome (aus unreifen Zellen im Kleinhirn)
Sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt, bilden sich aus Krebszellen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben.
Hirntumoren: Häufigkeit
Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen, sind selten, können aber in jedem Lebensalter auftreten. Im Jahr 2020 erkrankten in Deutschland etwa 7.300 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen bei 66 Jahren und bei Männern bei 63 Jahren. Der häufigste bösartige primäre Hirntumor ist das Glioblastom. Bei Kindern machen Hirntumoren etwa ein Viertel aller Tumorerkrankungen im Kindesalter aus, wobei am häufigsten Astrozytome auftreten.
Jährlich erkranken in Deutschland rund 8.000 Menschen neu an einem primären Gehirntumor. ZNS-Tumoren können jedoch in jedem Lebensalter auftreten.
Symptome von Hirntumoren
Hirntumoren können vielfältige Beschwerden verursachen, die vereinzelt oder in Kombination auftreten können und von der Lage des Tumors abhängig sind. Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit können auch bei anderen harmlosen Erkrankungen vorkommen. Neu auftretende oder sich verändernde Kopfschmerzen sollten jedoch abgeklärt werden.
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Die Symptome von Hirntumoren sind individuell unterschiedlich und vielfältig:
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Sehstörungen
- Lähmungserscheinungen
- Taubheitsgefühle
- Epileptische Anfälle
- Sprachstörungen
- Schluckstörungen
- Schwindel
- Schwerhörigkeit
- Hormonstörungen
- Konzentrationsstörungen
- Vergesslichkeit
- Depression
- Persönlichkeitsveränderungen
Besonderheiten einiger Symptome
Die genannten Symptome können auch bei vielen anderen Erkrankungen des zentralen Nervensystems auftreten. Bei einem Hirntumor können einige von ihnen folgende Besonderheiten aufweisen:
- Neu auftretende Kopfschmerzen werden im Laufe der Zeit immer heftiger und treten vor allem nachts oder in den frühen Morgenstunden auf, nehmen beim Liegen zu und können tagsüber besser werden. Übliche Schmerzmittel helfen immer weniger.
- Neu auftretende epileptische Anfälle
- Übelkeit und Erbrechen treten häufig am frühen Morgen auf leeren Magen und ohne Magen-Darm-Erkrankung auf
- Eine neu auftretende Ungeschicklichkeit ohne bekannte Ursache
Wie sich ein Hirntumor auf das Leben und den Alltag auswirkt
Die Einschränkungen eines Betroffenen mit einem Hirntumor hängen von der Art des Tumors, der Lage im Gehirn, der Phase der Erkrankung, dem allgemeinen Gesundheitszustand, der Art der Behandlung und den Behandlungsfolgen ab. Nicht nur der Verlauf der Tumorerkrankung kann eine Belastung darstellen, sondern auch mögliche Störungen der Gehirnfunktionen, wie Beeinträchtigungen in der Wahrnehmung, beim Lernen, Erinnern, Denken, Sprechen oder der Koordination von Sinneswahrnehmung und Bewegung. Diese Störungen können durch die Erkrankung selbst oder die durchgeführte Therapie ausgelöst werden.
Ein Hirntumor kann eine gutartige (benigne) oder bösartige (maligne) Geschwulst im Gehirn sein. Einige Gehirntumoren lösen schon wenige Tage bis Wochen nach ihrer Entstehung Symptome aus, andere erst nach Monaten oder Jahren. Wann sich erste Anzeichen bemerkbar machen, richtet sich danach, wie schnell der Krebs voranschreitet und wie schwerwiegend er ist. Die Beschwerden resultieren daraus, dass sich die Geschwulst im Gehirn ausbreitet und dabei Nervenstrukturen einengt oder zerstört. Die meisten Symptome von Gehirntumoren sind sehr unspezifisch und kommen auch bei unterschiedlichsten anderen Erkrankungen vor.
Ursachen und Risikofaktoren
Bisher sind die Ursachen für die Entstehung verschiedener Hirntumoren weitgehend unklar. Trotz umfangreicher Forschung ist bisher auch nur wenig darüber bekannt, was Hirntumoren begünstigt. Experten vermuten daher, dass Hirntumoren überwiegend zufällig entstehen, aufgrund von Fehlern bei der Zellteilung einzelner Zellen im Gehirn.
Das Risiko für Hirntumoren steigt:
- bei bestimmten genetischen Krankheitsbildern: Dazu zählen erbliche Tumorsyndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom oder auch Erkrankungen wie Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
- bei familiärer Belastung: Die Verwandten ersten Grades von jung erkrankten Patienten haben ein leicht erhöhtes Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken.
- bei therapeutischer Bestrahlung: Bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die eine Bestrahlung des Schädels oder im Kopf-Hals-Bereich erhalten haben, ist das Risiko für einen Hirntumor erhöht. Die Hirntumoren treten meist aber erst viele Jahre nach der Bestrahlung auf.
- bei einer Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
Forschung: Worüber kann man noch keine verlässliche Aussage treffen?
Ob eine Infektion mit bestimmten Viren, schädigende Substanzen, Rauchen oder Alkohol das Risiko für Hirntumoren erhöhen, ist bisher unklar. Bisher haben Wissenschaftler keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und der Entstehung von Hirntumoren festgestellt. Auch ob ein langer und häufiger Gebrauch von Mobiltelefonen das Risiko für Gehirntumoren erhöht, ist bisher noch nicht eindeutig belegt.
Ursachen von Hirntumor
Gehirntumoren werden in primäre und sekundäre Tumoren eingeteilt. Erstere können gutartig oder bösartig sein. Als primär werden Hirntumoren bezeichnet, die sich direkt aus den …
Risikofaktoren im Überblick
Über Risikofaktoren ist bei Gehirntumoren bisher nicht viel bekannt. Auch die durch Studien belegten Risikofaktoren sind nur vereinzelt bei Erkrankten in der Vorgeschichte zu finden: Das Risiko für einen Hirntumor ist erhöht bei bestimmten erblichen Krankheitsbildern, nach einer Strahlentherapie, bei familiärer Vorbelastung und bei einer Computertomografie (CT) im Kindesalter.
Diagnostik von Hirntumoren
Bei Verdacht auf einen Hirntumor stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung. Zu Beginn erfolgt in der Regel eine Anamnese, gefolgt von klinischen Untersuchungen, um die Sinneswahrnehmung, die Aufmerksamkeit oder das Gedächtnis des Patienten zu beurteilen. Die bildgebende Untersuchung der Wahl ist eine Magnetresonanztomographie (MRT). Um die Diagnose zu sichern, muss in aller Regel Tumorgewebe entnommen werden (Biopsie). Im Labor begutachten Fachärzte die Gewebeprobe unter dem Mikroskop und stellen den Tumortyp fest. Sie untersuchen das Erbgut der Tumorzellen außerdem auf verschiedene Genveränderungen hin.
Folgende Arten einer Biopsie kommen infrage:
- Eine gezielte Gewebeentnahme, die sogenannte stereotaktische Biopsie
- Eine Entnahme von Tumorgewebe während der Tumoroperation
Bildgebende Verfahren
Die Computertomographie (CT) ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die den Körper im Querschnitt zeigt und darüber informiert, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist. Die Positronenemissionstomographie (PET) ist ein bildgebendes Verfahren, das die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar macht. Mit der PET lassen sich beispielsweise Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel von solchen mit weniger aktiven Zellen unterscheiden. Da Krebszellen schnell wachsen, benötigen sie meist viel Energie. Sie nehmen zum Beispiel Traubenzucker oder Sauerstoff oft viel rascher auf als gesundes Gewebe.
Die Rolle der MRT
Bei Verdacht auf einen Hirntumor ist die bildgebende Untersuchung der Wahl eine Magnetresonanztomographie (MRT). Die MRT-Untersuchung ist ein nicht-invasives Verfahren, bei dem Magnetfelder und Radiowellen verwendet werden, um detaillierte Bilder des Gehirns und des umgebenden Gewebes zu erstellen. Im Gegensatz zur Computertomographie (CT) kommt die MRT ohne ionisierende Strahlung aus, was sie zu einer schonenderen Untersuchungsmethode macht. Eine MRT kann auch zusätzliche Informationen liefern, die bei der Planung der weiteren Behandlung hilfreich sind, wie z.B. In einigen Fällen kann während der MRT-Untersuchung ein Kontrastmittel injiziert werden, um bestimmte Tumorarten besser sichtbar zu machen und die Abgrenzung von gesundem Gewebe zu erleichtern.
Die Gewebeuntersuchung
Die pathohistologische Untersuchung des verdächtigen Gewebes ist notwendig, um die Diagnose Hirntumor sicher zu bestätigen. Sie ist auch nötig, um die Art des Tumors und den Tumorgrad festzustellen. Dieses Wissen ist unbedingt erforderlich, um die bestmögliche Therapie für dendie Patientin auszuwählen. Die nötigen Gewebeproben werden mittels Biopsie oder im Rahmen einer Operation in einer entsprechenden Klinik gewonnen.
Bei einigen Hirntumoren (etwa dem Medulloblastom) können sich Tumorzellen ablösen und über den Liquorraum im Rückenmarkkanal verteilen. Bei der Liquorpunktion oder Lumbalpunktion wird im Bereich der Lendenwirbelsäule der Rückenmarkkanal mit einer feinen Nadel zwischen zwei Lendenwirbelkörpern punktiert. Der Neuropathologe untersucht dann das entnommene Nervenwasser unter dem Mikroskop auf Tumorzellen.
Behandlung von Hirntumoren
Welche Behandlung infrage kommt, unterscheidet sich bei den verschiedenen Formen von Hirntumoren. Abhängig von den genannten Faktoren entfernen Ärzte in der Regel den Hirntumor während einer Operation, soweit dies möglich ist. Liegt ein bösartiger Hirntumor vor, folgt für Betroffene in der Regel eine weitere Behandlung: Meist ist das eine Strahlentherapie, Chemotherapie oder eine Kombination aus beidem. Manche Patientinnen und Patienten können auch eine zielgerichtete Therapie mit Medikamenten erhalten. Das sind Medikamente, die sich gegen bestimmte Eigenschaften der Krebszellen richten.
Abhängig von der Erkrankungssituation kann ein Patient oder eine Patientin auch neue, noch experimentelle Therapien erhalten. Sie können das Fortschreiten der Erkrankung gegebenenfalls bremsen, sind aber noch nicht zugelassen. Experten raten daher, diese Therapien aktuell bevorzugt im Rahmen einer klinischen Studie einzusetzen.
Zusätzlich zur Behandlung des Hirntumors erhalten Betroffene auch eine unterstützende Behandlung (Supportivtherapie). Sie lindert oder beugt Beschwerden vor, die durch die Behandlung oder die Krebserkrankung auftreten können. Durch die Behandlung dieser Symptome kann sich die Lebensqualität eines Patienten oder einer Patientin verbessern. Die Behandlung von Hirntumoren ist sehr komplex und individuell unterschiedlich. Prognose, Beschwerden und Therapienebenwirkungen können sich zwischen einzelnen Betroffenen sehr unterscheiden.
Meistens werden Hirntumoren durch Operationen, Strahlentherapie und Chemotherapie behandelt. Seit einigen Jahren werden auch zielgerichtete Therapien und Immuntherapien eingesetzt. Sie zielen auf spezielle Eigenschaften des jeweiligen Tumors ab. Häufig werden verschiedene Therapien kombiniert.
Die Therapie eines Hirntumors richtet sich danach, aus welchen Ursprungszellen der Tumor entstanden ist (Tumorart), welche genetischen Eigenschaften er hat (zielgerichtete Therapien), wo er im Gehirn sitzt, wie groß er ist und wie seine Prognose ist, welches Alter, welchen Allgemeinzustand und welche Begleiterkrankungen derdie Patientenin hat. Hirnmetastasen müssen mit Medikamenten behandelt werden, die gegen den Ursprungskrebs und im Gehirn wirken.
Kurative und palliative Therapien
Wenn es möglich ist, wird ein Hirntumor per Operation oder Strahlentherapie vollständig entfernt. Die vollständige und dauerhafte Entfernung entspricht einer Heilung des Tumors. Behandlungen, die eine Heilung zum Ziel haben, nennt man kurative Therapien. Palliative Therapien werden eingesetzt, wenn eine Heilung nicht möglich erscheint. Sie haben das Ziel, die Beschwerden zu lindern, das Krebswachstum aufzuhalten und die Lebenserwartung der Patient*innen zu verlängern.
Immuntherapie
Immuntherapie ist ein relativ neuer Ansatz in der Behandlung von Hirntumoren, bei dem das körpereigene Immunsystem dazu angeregt wird, Krebszellen zu bekämpfen. Die Studienlage zur Immuntherapie bei Hirntumoren ist vielversprechend, aber noch im Wandel. Fortschritte in der Immuntherapie könnten in Zukunft zu wirksameren und weniger toxischen Behandlungsoptionen für Hirntumorpatienten führen.
Zielgerichtete Therapie
Bei einigen Hirntumoren können gezielte Therapieansätze eingesetzt werden, die speziell auf genetische oder molekulare Veränderungen im Tumor abzielen.
Unterstützende Behandlung
Zusätzlich zur Behandlung des Hirntumors erhalten Betroffene auch eine unterstützende Behandlung (Supportivtherapie). Sie lindert oder beugt Beschwerden vor, die durch die Behandlung oder die Krebserkrankung auftreten können. Solche Beschwerden sind beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, epileptische Krampfanfälle, Hirnschwellung (Hirnödem). Durch die Behandlung dieser Symptome kann sich die Lebensqualität eines Patienten oder einer Patientin verbessern.
Zugang zu neuen Therapien
Abhängig von der Erkrankungssituation kann ein Patient oder eine Patientin auch neue, noch experimentelle Therapien erhalten. Sie können das Fortschreiten der Erkrankung gegebenenfalls bremsen, sind aber noch nicht zugelassen. Experten raten daher, diese Therapien aktuell bevorzugt im Rahmen einer klinischen Studie einzusetzen.
Rehabilitation und Nachsorge
Bei Patientinnen und Patienten mit neurologischen Beschwerden prüfen Ärzte bereits frühzeitig, ob und wie diese gebessert werden können. Betroffene und ihre Angehörigen können außerdem eine psychoonkologische Unterstützung in Anspruch nehmen. Nach der Therapie dienen Kontrolluntersuchungen dazu, einen Rückfall der Erkrankung (Rezidiv) und Folgen der Behandlung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Wurde der Hirntumor mit dem Ziel der Heilung behandelt, empfehlen Experten eine strukturierte Nachsorgeuntersuchung. Sie besteht aus Befragung des Patienten (Anamnese) und körperlicher Untersuchung sowie Magnetresonanztomographien (MRT) in regelmäßigen Abständen.
Je größer das Risiko ist, dass der Hirntumor erneut wächst oder neue Beschwerden auftreten, desto engmaschiger erfolgen in der Regel die Kontrollen. Konnte nicht mit dem Ziel der Heilung behandelt werden, helfen Verlaufskontrollen dabei, das Fortschreiten der Erkrankung im Blick zu behalten. Eine regelmäßige Betreuung stellt zudem sicher, dass belastende Symptome frühzeitig erkannt und gelindert werden können.
Rehabilitation nach der Therapie
In der Reha nach der Akuttherapie des Hirntumors werden die Folgen der Tumorerkrankung und der Tumortherapie und - falls der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte - auch der Hirntumor in Kliniken für Rehabilitation behandelt. Patientinnen, die einen Hirntumor hatten oder haben, leiden häufig unter neurologischen Ausfallerscheinungen (bspw. Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Beeinträchtigungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration und Orientierung). Daher sollten die Patientinnen während der Rehabilitation nicht nur onkologisch sondern unbedingt auch neurologisch behandelt werden.
Aufgrund der großen Vielfalt der Krankheitsbilder und den unterschiedlichen Verläufen bei einem Hirntumor, muss bei jedemr Patientenin die Nachsorge individuell geplant werden. Grundsätzlich unterscheidet man auch bei der Reha kurative und palliative Therapien.
Ziele der Rehabilitation
Die kurative Behandlung soll Sie dabei unterstützen, sich wieder in Ihren privaten und beruflichen Alltag einzufinden, die Folgen der Tumortherapie behandeln, Ihre Lebensqualität verbessern und Ihre Selbstständigkeit wiederherstellen. Ziele einer palliativen Behandlung sind das Fortschreiten der Erkrankung einzudämmen, Ihre Beschwerden lindern, Ihre Lebensqualität verbessern und die häusliche Versorgung klären.
Diagnostik in der Reha
Mögliche Diagnosemaßnahmen sind: medizinische Untersuchung, neurologische Untersuchung (Muskelkraft, Ausdauer, Muskelreflexe), psychiatrische Untersuchung (formales und inhaltliches Denken, Stimmung, Antrieb, Anpassungsvorgänge, Orientierung), neuropsychologische Diagnostik (kognitive Basisfunktionen, Sehstörungen, Orientierungsstörungen), logopädische Diagnostik (Sprach- und Sprechstörungen, Schluckstörungen), Computertomografie, Magnetresonanztomografie, Elektroenzephalografie, Nervenwasseruntersuchung.
Therapien in der Reha
An einer onkologischen und neurologischen Rehabilitation sind neben Ärztinnen auch viele andere Fachkräfte, wie Pflegerinnen, Physiotherapeutinnen, Ergotherapeutinnen, Logopädinnen, Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen beteiligt. Da die Beschwerden und Funktionsstörungen durch einen Hirntumor oder die Tumortherapie von Patientin zu Patient*in sehr unterschiedlich sind, wird für Sie ein individueller Therapieplan erarbeitet. Dieser kann je nach Fall folgende Behandlungen und Maßnahmen beinhalten: Ärztliche Therapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Physikalische Therapie, Sporttherapie.
Nachsorge: So geht es nach Therapie und Rehabilitation weiter
Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen.
Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht. Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.
Zunächst fragt die behandelnde Ärztin oder der Arzt nach vorhandenen Beschwerden. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei prüfen Ärzte unter anderem die Muskelreflexe, die Muskelkraft und die Koordination. Patienten müssen dabei zum Beispiel die Stirn runzeln oder bekommen Licht in ihre Augen geleuchtet. Zur Nachsorge gehören für eine Patientin oder einen Patienten auch regelmäßige Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT).
Ansprechpartner bei Hirntumoren
Bei der Behandlung von Hirntumoren arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen eng zusammen. Krankenhäuser, die besonders viel Erfahrung bei der Behandlung von Patienten mit Hirntumoren haben, können sich dies durch eine Zertifizierung als Onkologisches Zentrum mit dem Modul Neuroonkologie bestätigen lassen. Die Deutsche Krebsgesellschaft prüft dabei regelmäßig die Einhaltung bestimmter fachlicher Anforderungen. Die Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft (NOA) in der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. kann bei der Suche nach einem geeigneten Behandlungszentrum unterstützen.