Falsch-negatives MRT bei Hirntumoren: Ursachen, Konsequenzen und Handlungsoptionen

Ein falsch-negatives MRT bei Hirntumoren kann für Betroffene und ihre Angehörigen eine belastende Situation darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für solche Fehldiagnosen, die daraus resultierenden Konsequenzen und die verschiedenen Handlungsoptionen, die Patienten in dieser Situation zur Verfügung stehen.

Einführung

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein wichtiges bildgebendes Verfahren zur Diagnose und Verlaufskontrolle von Hirntumoren. Allerdings kann es in seltenen Fällen zu falsch-negativen Ergebnissen kommen, bei denen der Tumor trotz vorhandener Erkrankung nicht erkannt wird. Dies kann schwerwiegende Folgen für die Patienten haben, da eine rechtzeitige Behandlung verzögert oder sogar verhindert werden kann.

Ursachen für falsch-negative MRT-Ergebnisse

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein MRT-Scan einen Hirntumor möglicherweise nicht erkennt:

  • Tumorgröße und -lage: Kleine Tumoren oder solche, die sich in schwer zugänglichen Bereichen des Gehirns befinden (wie z.B. an der Felsenbeinspitze), können im MRT schwer zu erkennen sein.
  • Bildqualität: Eine unzureichende Bildqualität aufgrund von Bewegungsartefakten, technischen Problemen oder falscher Einstellung des Geräts kann die Erkennung von Tumoren erschweren.
  • Interpretation: Die Interpretation der MRT-Bilder ist subjektiv und hängt von der Erfahrung und Expertise des Radiologen ab. In seltenen Fällen kann ein Tumor übersehen oder falsch interpretiert werden.
  • Spezifische Tumorarten: Einige seltene Tumorarten können im MRT schwerer zu erkennen sein als andere.
  • Veränderungen des BOLDEffektes: Gliome können zu einer Veränderung des zugrunde liegenden BOLDEffektes führen und damit für den Patienten besonders gefährliche falsch negative Ergebnisse liefern.

Fallbeispiel: Meningeom an der Felsenbeinspitze

Ein konkretes Beispiel für eine solche Situation ist der Fall eines Patienten, bei dem im Februar aufgrund von Kribbelparästhesien im Gesicht ein CT angeordnet wurde. Dabei wurde ein Meningeom an der Felsenbeinspitze mit verdrängendem Wachstum gegen die Pons und den medialen Temporallappen festgestellt. Nach einer Operation in Essen im Mai, bei der laut Operateur der Tumor fast komplett entfernt wurde, zeigte eine MRT-Kontrolle im November ein Bild, das nahezu identisch mit dem MRT vor der OP war. Es stellte sich heraus, dass der Operateur aufgrund eines ungünstigen OP-Zugangs nur einen kleinen Teil des Tumors gesehen und entfernt hatte, ohne dies dem Patienten mitzuteilen.

Konsequenzen eines falsch-negativen MRT

Ein falsch-negatives MRT kann folgende Konsequenzen haben:

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  • Verzögerung der Diagnose und Behandlung: Wenn ein Tumor nicht rechtzeitig erkannt wird, kann dies zu einer Verzögerung der notwendigen Behandlung führen. Dies kann das Wachstum des Tumors begünstigen und die Prognose verschlechtern.
  • Falsche Sicherheit: Ein unauffälliges MRT-Ergebnis kann dem Patienten und den behandelnden Ärzten eine falsche Sicherheit vermitteln, was dazu führen kann, dass Warnzeichen und Symptome ignoriert werden.
  • Psychische Belastung: Die Ungewissheit und Angst, die mit einem falsch-negativen Ergebnis einhergehen, können für die Patienten und ihre Angehörigen eine erhebliche psychische Belastung darstellen.
  • Notwendigkeit weiterer Operationen: Im oben genannten Fallbeispiel führte das falsch-negative MRT dazu, dass eine zweite Operation notwendig wurde, um den verbliebenen Tumor zu entfernen.

Handlungsoptionen bei einem falsch-negativen MRT

Wenn der Verdacht besteht, dass ein MRT-Ergebnis falsch-negativ ist, sollten Patienten folgende Schritte in Erwägung ziehen:

  • Zweite Meinung: Eine zweite Meinung von einem erfahrenen Neuroradiologen oder Neuroonkologen kann helfen, das MRT-Ergebnis zu überprüfen und eine fundierte Diagnose zu stellen.
  • Weitere Bildgebungsverfahren: In einigen Fällen können zusätzliche Bildgebungsverfahren wie eine FET-PET (Fluorethylcholin-Positronenemissionstomographie) oder eine spezielle MRT-Bildgebung (z.B. Diffusions-Tensor-Bildgebung) hilfreich sein, um den Tumor besser zu erkennen und zu charakterisieren. Die präoperative funktionelle MRT-Bildgebung gewinnt ebenfalls immer mehr an Stellenwert.
  • Neuroonkologisches Zentrum: Die Vorstellung in einem spezialisierten neuroonkologischen Zentrum kann den Zugang zu Experten und modernsten Diagnose- und Behandlungsmethoden ermöglichen. Diese Zentren verfügen über eine breite Expertise in der Behandlung von Hirntumoren und können eine umfassende Betreuung gewährleisten.
  • Gespräch mit dem behandelnden Arzt: Es ist wichtig, offen mit dem behandelnden Arzt über die Bedenken und Ängste zu sprechen. Gemeinsam können die nächsten Schritte geplant und die bestmögliche Behandlungsstrategie festgelegt werden.
  • Ärztekammer: Im oben genannten Fallbeispiel wurde die Frage aufgeworfen, ob die Ärztekammer über den Vorfall informiert werden sollte. Dies ist eine persönliche Entscheidung, die von den individuellen Umständen und Zielen abhängt. Ein solches Verfahren kann jedoch zeitaufwendig und belastend sein.

Zusätzliche Diagnosemethoden und Technologien

Neben dem Standard-MRT gibt es weitere Diagnosemethoden und Technologien, die bei der Erkennung und Charakterisierung von Hirntumoren eingesetzt werden können:

  • Funktionelle MRT (fMRT): Die funktionelle MRT kann Hirnareale identifizieren, welche für die Körpermotorik und Sensorik zuständig sind. Deren anatomisches Verhältnis zu einem Hirntumor kann mit einer hohen Sensitivität und Spezifität erfasst werden.
  • Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI): Mithilfe der Technik der „Diffusions-Tensor-Bildgebung“ können größere Bahnsysteme der weißen Substanz dreidimensional und nicht invasiv dargestellt werden und deren Nähe zu einem Tumor kann erfasst werden.
  • BAT-STAT: BAT-STAT (Brain-Associated Tumor - Serum Tumor-Associated Transcript) ist ein neuartiger molekularer Tumormarker, der zur Diagnostik und Verlaufskontrolle hochmaligner Hirntumoren eingesetzt wird.
  • Diagnose-KI: Eine Diagnose-KI soll bei der Identifikation von Hirntumoren helfen. Die KI erkennt tumorfreies Gewebe sowie sechs häufige Arten von Hirntumoren: hoch- und niedriggradige Gliome, Meningeome, Hypophysenadenome, Akustikusneurinome und Hirnmetastasen.

Umgang mit der Diagnose und Therapie

Eine Hirntumordiagnose kann für Patienten und ihre Familien eine große Herausforderung darstellen. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

  • Psychologische Unterstützung: Ein Hirntumor kann erhebliche psychische Belastungen verursachen. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit Ängsten, Depressionen und anderen emotionalen Problemen umzugehen.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann Mut und Zuversicht geben. Hier können Erfahrungen ausgetauscht und wertvolle Informationen gewonnen werden.
  • Sozialdienst: Der Sozialdienst im Krankenhaus kann bei Fragen zu finanziellen Hilfen, Rehabilitation und anderen sozialen Aspekten der Erkrankung unterstützen.
  • Positive Lebenseinstellung: Eine positive Lebenseinstellung und der Wille, gegen die Krankheit zu kämpfen, können den Therapieerfolg positiv beeinflussen.

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