Hirntumoren bei Kindern in den USA: Herausforderungen, Forschung und Hoffnung

Hirntumoren stellen eine der größten Herausforderungen in der pädiatrischen Onkologie dar. In den USA, wie auch weltweit, sind sie eine der häufigsten Ursachen für Krebstod bei Kindern. Die Vielfalt der Tumortypen, ihre oft schwer zugängliche Lage im Gehirn und die potenziellen langfristigen Auswirkungen der Behandlung auf die Entwicklung des Kindes machen die Therapie zu einer komplexen Aufgabe.

Ein Hoffnungsschimmer: Heilung eines seltenen Hirntumors

Ein bemerkenswerter Fall aus Belgien gibt Anlass zur Hoffnung. Ein 13-jähriger Junge namens Lucas wurde als weltweit erster Mensch von einer besonders seltenen und tödlichen Art von Hirntumor geheilt. Diese Tumorart ist bekannt dafür, dass sie bei 98 Prozent der Patienten innerhalb von fünf Jahren zum Tode führt. Lucas' Heilung erfolgte im Rahmen einer klinischen Studie, in der er einen neuen Chemotherapie-Wirkstoff namens Everolimus erhielt. Er reagierte darauf außerordentlich gut. Nach sieben Jahren zeigt Lucas keine Spur mehr von Krebs. Seit fünf Jahren ist er offiziell in Remission.

Die Eltern von Lucas wählten für ihren Sohn eine klinische Wirksamkeitsstudie in Frankreich, die BIOMEDE-Studie, welche mit potenziellen neuen Medikamenten für die spezielle Variante des Hirntumors experimentiert. Normalerweise kann bei dieser Krebsart eine Chemotherapie das Leben nur um drei Monate verlängern. Doch bei dem jungen Belgier war das anders.

Dr. Grill, der behandelnde Arzt, vermutet, dass die Heilung wahrscheinlich auf die "biologischen Besonderheiten" des Tumors zurückzuführen ist. Der Tumor von Lucas wies eine seltene Mutation auf, die vermutlich dafür gesorgt hat, dass das Medikament bei ihm besser angeschlagen hat. Forscher versuchen nun herauszufinden, was genau Lucas' Zellen so anders macht, um diesen Erfolg medizinisch bei anderen Patienten zu reproduzieren. Dieser Prozess wird jedoch langwierig sein und durchschnittlich 10-15 Jahre dauern, bis aus einem ersten Ansatz ein Medikament wird.

Mysteriöse Häufung von Hirntumoren an einer Schule in den USA

Ein besorgniserregendes Phänomen wurde in einer Kleinstadt in den USA beobachtet. An einer High School in Woodbridge Township, New Jersey, häuften sich die Fälle von seltenen Hirntumoren. Über 100 ehemalige Schüler und Schülerinnen, die die Colonia High School im Zeitraum von 1975 bis 1995 besuchten, sind an Hirntumoren erkrankt.

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Al Lupiano, selbst ein ehemaliger Schüler der Schule und Hirntumor-Überlebender, begann Nachforschungen anzustellen, nachdem bei seiner Frau und seiner Schwester ebenfalls Hirntumore diagnostiziert wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ehepaar an derselben Art von Hirntumor erkrankt, wurde von Ärzten auf 1 zu einer Milliarde geschätzt.

Die örtlichen Behörden nahmen die Angelegenheit ernst und führten Untersuchungen auf dem Schulgelände durch, um mögliche Ursachen für die Häufung der Tumorfälle zu finden. Es wurden Messungen und Untersuchungen auf Radioaktivität durchgeführt, da radioaktive Strahlung als möglicher Umweltfaktor für die Entstehung von Hirntumoren in Betracht gezogen wird. Die Ergebnisse der Untersuchungen stehen noch aus.

Der lange Weg zurück ins Leben: Liesels Kampf gegen den Hirntumor

Die Geschichte der jungen Amerikanerin Liesel ist ein beeindruckendes Beispiel für den Kampfgeist und die Willenskraft von Jugendlichen, die mit der Diagnose Hirntumor konfrontiert werden. In ihrem letzten Highschool-Jahr erhielt Liesel die Schockdiagnose: Gehirntumor. Nach zwei schweren Hirn-Operationen kämpfte sie sich zielstrebig zurück ins Leben und studiert trotz Einschränkungen mittlerweile an der amerikanischen Elite-Uni Harvard.

Liesel war eine begabte Schülerin und Sportlerin, die in Alaska aufwuchs. Doch dann wurden die Kopfschmerzen stärker. Ein MRT offenbarte einen Tumor im Gehirn, der noch dazu an einer schwer operierbaren Stelle saß. Nach der Operation hatte Liesel mit schweren Erinnerungs- und Wahrnehmungslücken zu kämpfen. Doch sie gab nicht auf und startete drei Wochen nach ihrer zweiten OP ihr Senior-Highschool-Jahr.

Mit Ehrgeiz und Selbstvertrauen erreichte Liesel ihr Ziel, als "Valedictorian" ihre Highschool abzuschließen. Sie wurde an der Harvard Universität aufgenommen und begann dort ein Studium der Biotechnik. Trotz der bleibenden Herausforderungen, wie Gedächtnislücken und Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung von Zeit, ist Liesel entschlossen, ihr Leben zu meistern und einen Beitrag zur medizinischen Forschung zu leisten.

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Wenn die Hilfe verweigert wird: Maurice' Kampf gegen den Hirntumor

Ein tragischer Fall aus Berlin zeigt die Schwierigkeiten, mit denen Familien im Kampf gegen Hirntumoren konfrontiert werden können. Bei dem 13-jährigen Maurice wurde ein aggressiver Hirntumor diagnostiziert. Ein Medikament namens Ivosidenib könnte sein Leben retten, doch der US-amerikanische Hersteller verweigerte die Herausgabe, da es sich noch in einer späten Phase einer Studie befindet und erst für Patienten ab 18 Jahren freigegeben wird.

Die Eltern von Maurice starteten einen verzweifelten Kampf, um ihrem Sohn die Chance auf Leben zu ermöglichen. Sie verzichteten auf sämtliche rechtliche Ansprüche gegenüber den behandelnden Ärzten und der Firma Agios. Doch trotz aller Bemühungen und der Unterstützung durch Ärzte und die Öffentlichkeit blieb die Firma unnachgiebig.

Dieser Fall verdeutlicht die ethischen und moralischen Fragen, die im Zusammenhang mit der Entwicklung und Verfügbarkeit von Medikamenten für seltene und lebensbedrohliche Erkrankungen auftreten.

DIPG: Der Kampf gegen einen unheilbaren Hirntumor bei Kindern

Das diffuse intrinsische Ponsgliom (DIPG) ist ein kindlicher, nicht operabler Hirntumor, für den es bislang keine Heilung gibt. Etwa 30 Kinder pro Jahr erhalten die Diagnose in Deutschland, die allermeisten sterben binnen eines Jahres. Bestrahlung und Chemotherapie sowie ein neuartiges Medikament können das Wachstum nur etwas verzögern.

Die Geschichte des achtjährigen Lukas, der an DIPG erkrankte und kurz vor Weihnachten in einem Hospiz starb, berührt zutiefst. Seine Mutter Lisa Schmiedel setzte sich unermüdlich für ihren Sohn ein und erfüllte ihm so viele seiner Wünsche wie möglich. Sie wollte aufklären, denn DIPG ist zwar selten, aber dennoch eine der häufigsten und tödlichsten Krebsarten im Kindesalter.

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Forschung für neue Therapieansätze: Das Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ)

Das Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und der Universität Heidelberg (Uni HD). Im KiTZ sind die Ärzte darauf spezialisiert, die molekularen Eigenschaften kindlicher Krebserkrankungen zu charakterisieren, um neben Standardtherapien, weitere Behandlungsmöglichkeiten empfehlen zu können und neuartige, am Wirkmechanismus orientierte Therapien zu entwickeln.

Ein Forschungsteam des KiTZ entdeckte eine besonders auffällige erbliche Veränderung bei Kindern und Jugendlichen mit einem Hirntumor der Untergruppe Sonic Hedgehog-Medulloblastom. Durch einen angeborenen genetischen Defekt konnten diese Patienten in 15 Prozent der Fälle im Tumor das Protein Elongator Complex Protein 1 (ELP1) nicht mehr herstellen. Dieser Gendefekt ist erblich und der bislang häufigste angeborene Gendefekt, der mit dem Medulloblastom in Zusammenhang gebracht werden konnte.

Die Erkenntnisse aus der Forschung am KiTZ können dazu beitragen, die richtige Therapieentscheidung zu treffen und das Rückfallrisiko bei Kindern zu senken.

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