Hirntumor Symptome, Epilepsie und Ursachen: Ein umfassender Überblick

Ein Hirntumor ist eine Wucherung im Gehirn, die sowohl gutartig (benigne) als auch bösartig (maligne) sein kann. Primäre Hirntumore entstehen im Gehirngewebe oder den Hirnhäuten, während sekundäre Hirntumore Metastasen von Krebs in anderen Körperregionen darstellen. Obwohl die meisten Hirntumore gutartig sind, können auch diese lebensbedrohlich sein, da die feste Schädeldecke eine Ausdehnung verhindert und so Gehirnmasse verdrängt wird.

Symptome von Hirntumoren

Die Symptome eines Hirntumors variieren je nach Größe, Art und Lage des Tumors. Einige häufige Symptome sind:

  • Starke Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Erbrechen
  • Sprach-, Seh- und Bewegungsstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Epileptische Anfälle

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch auf andere Erkrankungen hindeuten können.

Arten von Hirntumoren

Hirntumore werden nach der Art der Zellen unterschieden, aus denen sie entstehen. Die häufigsten Hirntumore gehen von den Gliazellen aus, den Stützzellen im Gehirn. Ein Beispiel für einen bösartigen Tumor ist das Glioblastom, während das Hypophysenadenom ein typischer gutartiger Hirntumor ist. Nach Untersuchung von Gewebeproben können histopathologisch über hundert Arten von Hirntumoren unterschieden werden.

Tumore entstehen aus entarteten, gewucherten Nervenzellen, können aus Hirn- oder Rückenmarksgewebe entstehen und werden daher primäre Tumore aus dem Zentralnervensystem genannt. Abzugrenzen sind hier wachsende, gestreute Zellstrukturen, die Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, eines anderen Tumors darstellen und zum Beispiel von einem Lungenkrebs oder Brustkrebs aus entstanden sind. Die Funktionen des zentralen Nervensystems können auch durch anderes Tumorwachstum beeinträchtigt werden. Hier können zum Beispiel die Hirnhäute eine Wucherung ausbilden, die auf Hirngewebe drückt oder frei schwimmende Tumorzellen im, die Nervenstrukturen umfließenden, Nervenwasser vorhanden sein (Meningeosis carcinomatosa). Auch das periphere Nervensystem kann eine Nervenzellentartung zeigen und Tumore ausbilden.

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Je nach Ausgangsgewebe werden die Tumore unterschiedlich bezeichnet: zum Beispiel als Gliome, wenn sie von den Stützzellen ausgehen (zum Beispiel Glioblastome, Olidgodendrogliome). Oder als Meningeome, wenn die Hirnhautzellen entarten. Ob ein Tumor ein gutartiges oder ein bösartiges, das heißt schnelles und Nervengewebe schädigendes Verhalten zeigt, kann nur mit einer Gewebsentnahme sicher geklärt werden. Über die Hälfte der primären Tumore werden als gutartig klassifiziert.

Glioblastom: Eine besonders aggressive Form

Das Glioblastom (Glioblastoma multiforme) ist ein sehr aggressiver Hirntumor, der schnell in das gesunde Gewebe hineinwuchert und es infiltriert. Eine vollständige Entfernung ist daher kaum möglich. Die Prognosen sind schlecht, und die Überlebenszeit beträgt nach der Diagnose oft nur wenige Monate. Symptome treten früh auf und umfassen heftige Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Lähmungen sowie Sprach- und Sehstörungen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, und das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt über 60 Jahren.

Die Diagnose erfolgt mittels bildgebender Verfahren wie CT und MRT. Die Behandlung umfasst eine Operation zur Verringerung der Tumormasse, gefolgt von Chemotherapie und Bestrahlung. Eine vollständige Heilung ist bisher nicht möglich.

Der Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Epilepsie

Es besteht ein bekannter Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Epilepsie. Epileptische Anfälle können das erste Anzeichen eines Hirntumors sein, insbesondere wenn sich der Tumor in einem anfälligen Bereich des Gehirns befindet, wie dem inneren Anteil des Schläfenlappens. Umgekehrt wurde bei langjährigen Epilepsiepatienten häufiger ein Hirntumor diagnostiziert als bei Personen ohne Anfallsleiden. Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken, bei Epilepsiepatienten bis zu 20-mal höher sein kann. Daher wird für Epilepsiepatienten eine MRT-Untersuchung empfohlen, um einen Tumor auszuschließen.

Epileptische Anfälle bei Hirntumorpatienten

Bei 60 Prozent der Patienten mit einem primären Hirntumor sind epileptische Anfälle das Erstsymptom der Erkrankung. Bei weiteren 10 bis 20 Prozent der Hirntumorpatienten treten im weiteren Verlauf der Erkrankung Anfälle auf. Bestimmte Hirntumoren sind häufiger mit Anfällen verbunden als andere. So sind mindestens 75 Prozent der Patienten mit Oligodendrogliomen und Gangliogliomen von epileptischen Anfällen betroffen, 60 bis 70 Prozent der Patienten mit differenzierten Astrozytomen, 15 bis 20 Prozent mit cerebralen Metastasen und 15 Prozent der Patienten mit primären ZNS-Lymphomen.

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Epileptische Anfälle bei Hirntumorpatienten sind generell fokale Anfälle, da sie von einem umschriebenen Herd (latinisch „focus“) ausgehen, dem Hirngewebe um den Tumor. Ein Anfall selbst dauert meist nicht länger als 30 bis 90 Sekunden. Da jedoch oft im Anschluss an einen Anfall eine Funktionsstörung des Gehirns bestehen kann, die z.B. eine Phase der Reorientierung oder einen „Terminalschlaf“ nach einem großen Anfall bedingt, empfinden Beobachter die Zeitdauer des Anfalls oftmals als länger.

Fokale Anfälle und ihre Erscheinungsformen

Einfach-fokale Anfälle sind z.B. motorische Zuckungen oder Kribbeln einer Extremität, Geschmacks- oder Geruchswahrnehmungen oder ein merkwürdiges Gefühl in der Magengrube. Komplex-fokale Anfälle kommen überwiegend bei einer Lokalisation des Tumors im Schläfenlappen vor. Diese Anfälle haben häufig ein typisches klinisches Erscheinungsbild: Betroffene Patienten können zunächst ein merkwürdiges Gefühl in der Bauchregion empfinden (epigastrische Aura), eine Geruchswahrnehmung haben (olfaktorische Aura) oder vegetative Symptome (z.B. Herzrasen) spüren. Mitunter führen Betroffene stereotype, wiederkehrende, unsinnige Handlungen durch und zeigen dabei unzureichende oder fehlende Reaktionsfähigkeit auf Umgebungsreize. Für diese komplex-fokalen Anfälle besteht dann häufig eine zumindest partielle Gedächtnislücke, während des Anfalls wird die Umgebung als merkwürdig fremd oder vertraut erlebt, das Zeitempfinden kann verändert sein. Diese Zeichen sind Ausdruck einer Bewusstseinsstörung.

Bei einem Hirntumorpatienten können auch episodisch Zustände auftreten, die mit einer Verwirrtheit, mit inadäquaten Reaktionen auf die Umgebung, verlangsamten Denk- und Handlungsabläufen und offensichtlich unsinnigen Handlungen einhergehen können. Bei solchen episodischen „Dämmerzuständen“ ist immer an einen Status komplex-fokaler Anfälle zu denken. Ein solcher nicht-konvulsiver (nicht krampfartiger) Status, bzw. geordneter Dämmerzustand, wird häufig durch einen Tumor im Schläfenlappen ausgelöst. Die einzige Möglichkeit, einen solchen Status komplex-fokaler Anfälle zu diagnostizieren, ist das EEG.

Wenn sich die hirnelektrische Aktivität eines fokalen Anfalls auf das gesamte Gehirn ausbreitet, kann dies zu einen sogenannten sekundären generalisierten Anfall (Grand mal) führen. Dieser zeigt sich häufig durch rhythmische Zuckungen der Arme und Beine. Der Patient ist während des Anfalls bewusstlos und nimmt den großen Anfall an sich daher weder wahr, noch kann er sich in der Regel später daran erinnern. Ein Anfall dauert meist nur wenige Minuten, danach erlangt der Patient langsam das Bewusstsein wieder, oft in einem vorerst verwirrten Zustand.

Dauern die Krampfanfälle deutlich länger an, ohne dass der Patient zwischendurch das Bewusstsein erlangt, könnte ein Grand-mal-Status vorliegen, also eine Serie der generalisierten Anfälle.

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Fallbeispiel

Die 34-jährige Angelika W. hat erstmals einen epileptischen Anfall erlitten. Ihr Ehemann beschreibt, dass zunächst ihr rechter Arm zu zucken begann und später schlaff herunterhing. Sie war jedoch stets ansprechbar. In den Monaten zuvor bemerkte er eine Wesensänderung und erhöhte Ermüdbarkeit. Sie klagte über Kopfschmerzen und verhielt sich ihren Kindern gegenüber merkwürdig. Eine Untersuchung ergab eine leichte Kraftlosigkeit im rechten Arm und Bein sowie einen hängenden rechten Mundwinkel. Diese Kombination führte zur Diagnose eines Glioblastoms.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist keine einzelne Krankheit, sondern die Folge einer Vielzahl von Hirnerkrankungen. Gemeinsames Merkmal ist eine erhöhte Neigung zu Anfällen, bei denen Nervenzellen im Gehirn gleichzeitig große Mengen elektrischer Signale senden. Epilepsien haben sehr vielfältige Erscheinungsformen, die von leichten Wahrnehmungsstörungen oder einem Kribbeln an Armen und Beinen bis hin zur Bewusstlosigkeit, Stürzen, Krampfen und Zucken der Gliedmaßen reichen können.

Je nachdem, wo die betroffenen Nervenzellen im Gehirn liegen oder wie viele Nervenzellen an diesem Geschehen beteiligt sind, unterscheiden Ärztinnen und Ärzte zwischen drei wesentlichen Anfallsarten:

  • Fokale Anfälle beginnen an einer konkreten Stelle im Gehirn und können bei vollem Bewusstsein der betroffenen Person ablaufen. Typische Merkmale sind Zuckungen der Gliedmaßen, wiederkehrende starke Missempfindungen oder Sprachausfälle. Eine spezielle Form sind die sogenannten komplex-fokalen Anfälle, bei denen für Minuten bis Stunden eine Wesensänderung mit bizarrem Verhalten auftritt, an die sich die betroffene Person nicht erinnern kann.
  • Sekundär-generalisierte Anfälle beginnen ebenfalls lokal, breiten sich dann allerdings auf das ganze Gehirn aus. Bewusstlosigkeit mit längerer anschließender Desorientiertheit sind typische Merkmale.
  • Generalisierte Anfälle zeigen sich oft in Form von Bewusstseinspausen, in denen die Betroffenen für mehrere Sekunden bis Minuten geistig abwesend sind und sich später an diesen Aussetzer nicht mehr erinnern können. Dazu zählen auch die sogenannten Grand mal-Anfälle mit Bewusstlosigkeit und Verkrampfungen des ganzen Körpers.

Ursachen und Diagnose von Epilepsie

Epilepsien können auf konkrete Ursachen zurückzuführen sein, wie Missbildungen im Gehirn, genetische Veränderungen, Narben nach Hirnverletzungen, Schlaganfälle, Hirnhautentzündungen oder Hirntumore. Oft bleibt die Ursache jedoch unklar. Wer bereits einen epileptischen Anfall erlitten hat, sollte sich gründlich untersuchen lassen. Die Hirnaktivität wird gemessen, und Aufnahmen des Gehirns per MRT oder CT werden angefertigt, um die Ursache zu ermitteln.

Therapiemöglichkeiten bei Epilepsie

Epileptische Anfälle sind medikamentös meist gut behandelbar. Die Therapie wird individuell abgestimmt und richtet sich unter anderem nach der Art der Anfälle sowie den diagnostischen Befunden. Bei etwa zwei Drittel der Patientinnen und Patienten können die Anfälle durch eine optimale medikamentöse Therapie dauerhaft unterdrückt oder zumindest befriedigend kontrolliert werden. Neben einer medikamentösen Behandlung sind Operationen oder eine gezielte Stimulation von Nerven möglich. Heilbar ist Epilepsie derzeit noch nicht.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Beim Auftreten eines epileptischen Anfalls geht es vor allem darum, anfalls-bedingte Verletzungen zu vermeiden. Gefahr droht unter anderem beim Hinfallen durch dabei entstehende Verletzungen oder durch falsche „Hilfeleistung“. Wenn ein Grand mal-Anfall länger als drei Minuten dauert, kann es gefährlich werden. Die betroffene Person muss dann unbedingt ins Krankenhaus gebracht werden.

Tipps für die Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall:

  • Ruhe bewahren!
  • Unerfahrene Ersthelfer:innen sollten den Rettungsdienst rufen
  • Die Dauer des Anfalls registrieren
  • Die betroffene Person liegend aus einer Gefährdungssituation bringen und vor Verletzungen schützen
  • Beengende Kleidungsstücke (Schal, Halstücher etc.) sollten gelockert bzw. geöffnet werden.

Behandlung epileptischer Anfälle bei Hirntumoren

Durch die Gabe von Antiepileptika wird das Wiederholungsrisiko für weitere Anfälle verringert. Häufig ist es jedoch ein langer Weg, bis der Betroffene das für ihn richtige Medikament in der optimalen Dosierung gefunden hat. Dieser Weg sollte gemeinsam mit einem erfahrenen Neurologen oder Epileptologen gegangen werden.

Ursachen von Epilepsie: Mehr als nur äußere Reize

Es ist wichtig zu verstehen, dass die wirklichen Auslöser einer Epilepsie niemals äußere Reize sind, sondern im Gehirn und Stoffwechsel der Patientinnen und Patienten zu suchen sind. Grundsätzlich gilt, dass jedes Ereignis, das einen Schaden im Gehirn verursacht, ein potenzieller Auslöser für ein epileptisches Anfallsleiden sein kann. Die Medizin unterscheidet hier zurzeit strukturelle, infektiöse, metabolische, genetische und immunologische Ursachen.

  • Strukturelle Veränderungen am Gehirn entstehen beispielsweise durch Schlaganfälle oder Tumore.
  • Infektionen des Gehirns können unter anderem durch Borreliose hervorgerufen werden.
  • Metabolische Veränderungen, also solche, die den Stoffwechsel betreffen, stehen z. B. mit seltenen Stoffwechselerkrankungen, wie der Phenylketonurie in Verbindung.
  • Bei den immunologischen Ursachen handelt es sich um Entzündungsvorgänge im Gehirn, z. B. wenn die eigene Körperabwehr (Immunsystem) das Hirngewebe angreift und es zu einer Hirnhautentzündung kommt.

Zusätzlich gibt es sogenannte kryptogene Epilepsien, die heute schlichtweg als Epilepsie mit unbekannter Ursache bezeichnet werden.

Genetische Ursachen

Genetisch bedingt haben manche Menschen eine stärkere Veranlagung zu epileptischen Anfällen als andere. Die Forschung geht heute davon aus, dass bei diesen Patienten ein oder mehrere Gene defekt sind, die als Ursache der Epilepsie anzusehen sind. Häufig sind die betroffenen Gene nicht bekannt, und es müssen bestimmte Gen-Konstellationen vorliegen, damit es zu einer Epilepsie kommt. Daher sind diese Epilepsie-Ursachen meist nicht vererbbar, auch wenn sie neuerdings als genetische Epilepsien bezeichnet werden.

Strukturelle Epilepsie

Die strukturellen Epilepsien sind eine Folge einer bekannten Ursache wie einem Schlaganfall, Hirntumor oder einer Kopfverletzung bzw. Hirnverletzung entstanden. Die strukturellen Veränderungen können mitunter zu einem erhöhten Hirndruck oder Durchblutungsstörungen führen, die dann epileptische Anfälle begünstigen.

Immunologische Epilepsie

Ihnen liegt eine chronische Entzündung des Gehirns zugrunde. Verursacht wird die Entzündung durch eine Autoimmunkrankheit, also eine Krankheit, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift.

Fehlbildungen des Gehirns

Ein Teil dieser Fehlbildungen betrifft beide Hirnhälften und manchmal die gesamte Hirnrinde (Pachygyrie, Lissenzephalie, beidseitige Polymirkogyrie, Bandheterotopie). Die Betroffenen sind meist schwer behindert und haben schwierig zu behandelnde Epilepsien. Andere Fehlbildungen sind regional begrenzt und verursachen fokale Anfälle aus dieser Region (umschriebene Polymikrogyrie, noduläre Heterotopie). Eine besondere Rolle spielen die fokalen kortikalen Dysplasien (fokal= nicht überall, umschrieben; kortikal= die Hirnrinde betreffend; Dysplasie= Fehlanlage). Diese sind eine häufige Ursache schwer behandelbarer fokaler Epilepsien im Kindesalter und entgehen häufig einer Routine-MRT-Untersuchung, vor allem im Alter unter 2 Jahren.

Genetische Diagnostik

Mittels genetischer Diagnostik (in Blutzellen) können selten Abweichungen der Chromosomenzahl (z. B. Trisomie 21) festgestellt werden. Größere Verluste von genetischem Material oder ein abnormer Zugewinn (copy number variations) können mit der sogenannten Array-CGH festgestellt werden. Meist sind dann mehrere bis viele verschiedene Gene betroffen. In aller Regel sind diese Veränderungen schicksalhaft spontan entstanden und nicht ererbt.

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