Hitzewallungen beim Mann: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Hitzewallungen sind ein Phänomen, das oft mit Frauen in den Wechseljahren in Verbindung gebracht wird. Doch auch Männer können Hitzewallungen erleben. Obwohl viele Männer nicht gerne darüber sprechen, sind Hitzewallungen ein reales Problem, das verschiedene Ursachen haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Hitzewallungen beim Mann.

Was sind Hitzewallungen?

Hitzewallungen sind plötzliche, intensive Hitzegefühle, die vor allem im oberen Körperbereich, wie im Gesicht, am Hals und in der Brust, wahrgenommen werden. Diese Episoden können von starkem Schwitzen begleitet sein und dauern oft nur wenige Minuten. Hitzewallungen können unvorhersehbar auftreten und betroffene Personen oft mehrmals am Tag, aber auch während der Nacht, stören. Sie sind ein häufiges Symptom, das besonders mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht wird, aber sie können auch andere Ursachen haben. Hitzewallungen sind individuell unterschiedlich und können von Person zu Person variieren. Manche Menschen erleben sie selten, während andere mehrmals am Tag betroffen sind.

Körperliche Veränderungen während eines Hitzeschubs

Während eines Hitzeschubs laufen im Körper verschiedene komplexe Veränderungen ab:

  1. Erweiterung der Blutgefäße: Der Hypothalamus reagiert auf den Auslöser, indem er den Blutfluss zu den Hautgefäßen erhöht. Dies bewirkt eine Erweiterung der Blutgefäße, insbesondere in der Haut.
  2. Erhöhung der Schweißproduktion: Gleichzeitig wird die Schweißproduktion erhöht, um überschüssige Wärme abzuleiten.
  3. Rückkehr zur Normalfunktion: Nachdem der Körper die überschüssige Wärme freigesetzt hat, normalisiert sich die Durchblutung, und die Schweißproduktion nimmt wieder ab.

Ursachen von Hitzewallungen beim Mann

Wenn Sie als Mann unter Hitzewallungen leiden, können hormonelle Veränderungen tatsächlich die Ursache sein. Es ist aber auch möglich, dass andere Ursachen hinter den plötzlichen Schweißausbrüchen stecken, etwa Krankheiten, Medikamente oder der individuelle Lebensstil.

Hormonelle Veränderungen

Bei Männern kommt es mit zunehmendem Alter zu hormonellen Veränderungen. Der Körper produziert weniger vom männlichen Sexualhormon Testosteron, während gleichzeitig das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) ansteigt. Nicht alle Männer spüren etwas von diesen Veränderungen, da es sich um einen schleichenden Prozess handelt, der sich über Jahrzehnte hinzieht. Da Männer jedoch kein abruptes Ende der Fruchtbarkeit wie Frauen erleben, wird dieser hormonelle Übergang als „männliche Menopause“ oder „Andropause“ bezeichnet.

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Testosteronmangel (Hypogonadismus)

Ein möglicher Grund für Hitzewallungen bei Männern sind hormonelle Veränderungen. Ähnlich wie bei Frauen kann es auch bei Männern zu einem altersbedingten Rückgang des Testosteronspiegels kommen, der als „männliche Wechseljahre“ oder „late-onset Hypogonadismus“ bezeichnet wird. Dieser Hormonrückgang kann zu Hitzewallungen führen, da ein Ungleichgewicht der Hormone das Thermoregulationssystem beeinflussen kann.

Im Zusammenhang mit Wechseljahren bei Männern geht es aber um die Frage, ob und bei wem sogenannter Altershypogonadismus, Late-onset-Hypogonadismus oder "Hypogonadismus des alternden Mannes" besteht. Laut DGE (Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie) betrifft dieser Testosteronmangel allerdings nur drei bis fünf Prozent der Männer über 60. Eine große europäische Studie kam zu ähnlichen Ergebnissen: Von Hypogonadismus waren zwei Prozent der Männer zwischen 40 bis 79 Jahren betroffen und bei Männern im Alter zwischen 70 und 79 Jahren waren es circa fünf Prozent.

Testosteron gilt als wichtigstes Androgen, also wichtigstes männliches Geschlechtshormon und wird vor allem in den Hoden gebildet. Wie viel Testosteron im Blut normal, zu wenig (Hypogonadismus) oder zu viel (Hypergonadismus) ist, wird optimalerweise durch eine Untersuchung von Blut ermittelt, das zwischen 8 und 11 Uhr morgens entnommen wurde (sofern der Mann nicht in der Nachtschicht arbeitet).

Hintergrund: Der Testosteronwert ist morgens am höchsten und nimmt über den Tag hinweg ab. Wichtig ist es außerdem das luteinisierende Hormon (LH) zu beachten. Das wird in der Hirnanhangsdrüse produziert und kommt grundsätzlich bei Männern und Frauen vor. Bei Männern über 30 Jahren, spätestens aber ab 40 nimmt das Sexualhormon bei gesunden Männern langsam und kontinuierlich ab: Der durchschnittliche Testosteronspiegel sinkt dann um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr. Zeigen niedrige Testosteronwerte einen pathologischen Mangel des Sexualhormons an, kann das verschiedene Ursachen haben.

Erkrankungen

Auch Erkrankungen können Hitzewallungen beim Mann verursachen.

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Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone (Thyroxin bzw. T4 und Trijodthyronin bzw. T3). Dadurch beschleunigt sich der Stoffwechsel und es kann zu Hitzewallungen und Schwitzen kommen.

Diabetes

Eine Unterzuckerung bei Diabetes geht mit Schweißausbrüchen einher. Sie sind ein Symptom für einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel.

Allergien

Auch durch allergische Reaktionen kann es mitunter zu Hitzewallungen kommen.

Hormonproduzierende Tumore (Karzinoide)

Was viele nicht wissen: Auch hormonproduzierende Tumore (Karzinoide) können die Ursache von Hitzewallungen und rote Flecken im Gesicht sein. Bei Krebserkrankungen des endokrinen Systems kommt es manchmal ebenfalls zu Hitzewallungen (sogenannter „Flush").

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen können ebenfalls Hitzewallungen verursachen, da sie direkt mit der plötzlichen Weitstellung von Blutgefäßen zusammenhängen.

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Medikamente

Darüber hinaus können bestimmte Medikamente Hitzewallungen bei Männern auslösen. Hierzu gehören Hormontherapien, Antidepressiva, blutdrucksenkende Medikamente und bestimmte Krebsmedikamente. Diese Medikamente können das Hormonsystem beeinflussen und zu Störungen in der Thermoregulation führen.

Lebensstilfaktoren

Auch Lebensstilfaktoren können eine Rolle spielen. Heißes Wetter, der Konsum von Alkohol oder scharfem Essen, Rauchen, Stress und intensive körperliche Anstrengung können Hitzewallungen bei Männern auslösen oder verschlimmern. Verschiedene Faktoren des Lebensstils können ebenfalls zu Hitzewallungen bei Männern führen. Dazu zählen beispielsweise:

  • Erhöhtes Körpergewicht oder Übergewicht
  • Bestimmte stark gewürzte oder heiße Speisen oder Getränke beziehungsweise bestimmte Ess- oder Trinkgewohnheiten
  • Stress
  • Falsche Kleidung (zu dick, Kunstfasern)

Stress versetzt den Körper in einen Dauer-Alarmzustand. Schon kleine Anlässe reichen dann aus, um Hitzewallungen zu verursachen.

Symptome von Hitzewallungen beim Mann

Männer, die Hitzewallungen erleben, können ähnliche Symptome wie Frauen in den Wechseljahren aufweisen, darunter:

  • Plötzliche, intensive Hitzegefühle
  • Starkes Schwitzen, insbesondere im Gesicht, am Hals und in der Brust
  • Rötung der Haut
  • Herzklopfen
  • Schlafstörungen (nächtliche Schweißausbrüche)
  • Unruhe und Reizbarkeit

Was tun gegen Hitzewallungen?

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Männer ergreifen können, um Hitzewallungen zu lindern.

Lebensstiländerungen

  • Kleidung: Ziehen Sie sich nach dem „Zwiebelprinzip“ an. Kommt der Hitzeschub, ziehen Sie einfach eine oder mehrere Lagen aus. Vermeiden Sie heiße Umgebungen und tragen Sie leichte, luftdurchlässige Kleidung.
  • Essen: Meiden Sie alles, was den Körper zusätzlich anheizt. Vermeiden Sie koffeinhaltige Getränke und Alkohol. Vermeiden Sie vor dem Schlafengehen scharfe Speisen, Alkohol und Koffein, da sie Hitze verstärken können. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist. Vermeiden Sie scharfe Gewürze und heiße Speisen.
  • Sport: Bewegen Sie sich viel, am besten im Freien. Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, den Hormonhaushalt zu stabilisieren und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
  • Stressmanagement: Praktizieren Sie Entspannungstechniken wie tiefes Atmen, Yoga oder Meditation, um Stress zu reduzieren.
  • Schlafumgebung: Stellen Sie sicher, dass Ihr Schlafzimmer kühl und gut belüftet ist. Ein Ventilator im Schlafzimmer kann für zusätzliche Luftzirkulation sorgen und die Temperatur regulieren. Tragen Sie leichte und atmungsaktive Schlafbekleidung.
  • Kühlelemente: Ein kühles Fußbad oder das Waschen des Gesichts mit kaltem Wasser kann vorübergehende Linderung bringen. Trinken Sie kalte Getränke, um Ihren Körper abzukühlen.

Medikamentöse Behandlung

Falls die Hitzewallungen trotz dieser Maßnahmen anhalten oder stark beeinträchtigen, wäre es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung, wie Hormonersatztherapie oder andere spezifische Medikamente, in Erwägung gezogen werden. Liegt bei dir ein nachgewiesener, krankhafter Hormonmangel vor, kann eine Testosterontherapie mit Hormonpräparaten sinnvoll sein.

Natürliche Testosteronproduktion ankurbeln

Werden die auftretenden Symptome nicht durch einen von der Norm abweichenden Hormonmangel ausgelöst, sondern sind eher altersbedingt, kannst du deine Testosteronproduktion selbst ankurbeln. Versorge deinen Körper mit essenziellen Nährstoffen und Vitaminen, um dich fit und gesund zu halten. Darüber hinaus ist genügend Schlaf besonders wichtig.

Schlafhygiene

Für besseren Schlaf trotz Hitzewallungen empfiehlt sich atmungsaktive Bettwäsche, leichte Nachtkleidung, kühle Raumtemperatur sowie ein Ventilator.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist wichtig zu beachten, dass Hitzewallungen nicht immer auf ein ernstes Gesundheitsproblem hinweisen, insbesondere wenn sie mit physiologischen Lebensphasen wie der Menopause verbunden sind. Halten Beschwerden jedoch wochenlang an und verstärken sich, solltest du sie ärztlich untersuchen lassen. Beeinträchtigen die Schübe und eventuell weitere Beschwerden Ihr Alltagsleben und die Lebensqualität entscheidend, ist es ratsam, sich ärztlichen Rat zu holen. Auch wenn andere Ursachen als die Wechseljahre für die Hitzewallungen in Betracht kommen, ist es wichtig, dass Sie einen Arzt aufsuchen. Es gilt, mögliche Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, Allergien oder Tumoren als Ursache auszuschließen.

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