Die Frage, ob hochdosiertes Vitamin D eine Rolle bei der Behandlung von Hirntumoren spielen könnte, ist Gegenstand aktueller Forschung. Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel das Krebsrisiko erhöhen könnte, was zu Untersuchungen über die Auswirkungen einer Vitamin-D-Supplementierung geführt hat. Es ist wichtig zu beachten, dass viele Medienberichte über Nahrungsergänzungsmittel und Krebsrisiko oft nicht die Aussagekraft der Studienergebnisse ausreichend berücksichtigen.
Vitamin D und Krebsprävention: Ein Überblick
Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein, da es neben der Aufnahme über die Ernährung auch durch UVB-Sonnenlichtbestrahlung aus körpereigenen Vorstufen im Körper gebildet werden kann. Die Serumkonzentration von 25-Hydroxyvitamin D (25[OH]D) dient als Marker für die Beurteilung der Vitamin-D-Versorgung. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sich die analytischen Bestimmungsmethoden unterscheiden können, was bei Auswertungen und dem Vergleich von Studiendaten berücksichtigt werden muss.
Empfehlungen zur Vitamin-D-Zufuhr
Für die Knochengesundheit wird in deutschsprachigen Ländern eine 25(OH)D-Serumkonzentration von mindestens 50 nmol/l (20 ng/ml) angestrebt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) nennt als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr bei fehlender endogener Bildung eine Gabe von 20 µg Vitamin D pro Tag. Sollten diese Mengen nicht erreicht werden, sollten Supplemente eingenommen werden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt für Erwachsene eine Aufnahmehöchstmenge von 100 µg/Tag an, was 4.000 IE täglich entspricht.
Aktuelle Studien zu Vitamin D und Krebs
VITAL-Studie: Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren
Die VITAL-Studie (Vitamin D and omega-3), eine große randomisierte US-amerikanische Studie, untersuchte die primärpräventiven Auswirkungen von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren auf Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. An der Studie nahmen über 25.800 Erwachsene teil, wobei der Altersdurchschnitt bei 67,1 Jahren lag und die Studiendauer median 5,3 Jahre betrug.
Studiendesign
Die Teilnehmer wurden randomisiert und erhielten entweder täglich 2.000 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D3 (Cholecalciferol), 1 g Fischöl-Kapseln (465 mg Eicosapentaensäure [EPA] und 375 mg Docosahexaensäure [DHA]), beide Wirkstoffe oder Placebo. Der primäre Endpunkt der Studie war die Häufigkeit invasiver Krebserkrankungen oder schwerwiegender Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
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Studienergebnisse
Nach durchschnittlich 5,3 Jahren zeigte die Vitamin-D-Einnahme keinen statistisch signifikanten Vorteil. In der Vitamin-D-Gruppe erkrankten 793 von 12.927 Teilnehmern an Krebs, während in der Placebogruppe 824 von 12.944 Teilnehmern an Krebs erkrankten (HR 0,96; 95 % CI, 0,88 - 1,06). Auch die Auswertung der sekundären Endpunkte ergab keine signifikanten Unterschiede. Die tägliche Einnahme von Vitamin-D-Supplementen sowie der Omega-3-Fettsäuren (Fischöl) hat in dieser großen randomisierten Studie zur Primärprävention das Krebsrisiko und das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht verringert.
Weitere Studien
Es laufen noch weitere große Studien zur Fragestellung Vitamin D in der Krebsvorbeugung. Der "Finnish Vitamin D Trial (FIND)" wurde kürzlich beendet, die Ergebnisse stehen noch aus. In der englischen "Vitamin D and Longevity (VIDAL)"-Studie wollen Wissenschaftler den Einfluss von 100.000 IE Vitamin D pro Monat auf die Gesamtsterblichkeit und die Krebsinzidenz untersuchen. In der australischen "D-Health-Studie" wird der Fragestellung nachgegangen, wie sich die Gabe von 60.000 IE Vitamin D pro Monat auf die Gesamtsterblichkeit und Krebsinzidenz auswirkt.
Vitamin D und Krebssterblichkeit
Eine systematische Literaturrecherche untersuchte die Wirksamkeit von Vitamin D3 auf die Krebssterblichkeit in der Bevölkerung und auf das Überleben von Krebspatienten. Die Forscher berücksichtigten 14 Studien mit insgesamt knapp 105.000 Teilnehmern, die per Zufall dem Vitamin D3-Arm oder dem Placebo-Arm zugewiesen worden waren.
Ergebnisse
In der Zusammenfassung aller 14 Studien zeigten sich keine statistisch signifikanten Ergebnisse. Wurden die Studien jedoch danach aufgeteilt, ob die Vitamin D3-Einnahme täglich in niedriger Dosierung erfolgte oder aber als eine selten verabreichte, hohe Einzeldosis, zeigte sich ein großer Unterschied. In den vier Studien mit den hohen Einzeldosen zeigte sich kein Effekt auf die Krebssterblichkeit. In der Zusammenfassung der zehn Studien mit täglicher Dosierung ermittelten die Forscher dagegen eine statistisch signifikante Verringerung der Krebssterblichkeit um zwölf Prozent. Die regelmäßige Einnahme in niedriger Dosierung ist mit nahezu vernachlässigbarem Risiko und sehr geringen Kosten verbunden.
Vitamin D und Entzündungsmarker
Eine weitere systematische Literaturrecherche untersuchte die Wirkung einer Vitamin D-Supplementierung auf verschiedene Entzündungsmarker bei Patienten mit Krebs oder Krebsvorstufen. Die Forscher fanden bei Studienteilnehmern unter Vitamin D-Substitution deutlich niedrigere Serumspiegel des entzündungsfördernden Tumor-Nekrosefaktors alpha (TNF alpha). Für zwei weitere wichtige Botenstoffe, Interleukin 6 und CRP, beobachteten die Forscher ebenfalls niedrigere Spiegel unter Vitamin D-Substitution, jedoch waren die Effekte bei den insgesamt noch sehr begrenzten Patientenzahlen nicht statistisch signifikant.
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Vitamin D und fortgeschrittener Krebs
Eine randomisierte klinische Studie untersuchte, ob bei erwachsenen Personen ohne Krebsdiagnose eine Vitamin D3-Supplementierung das Risiko für die Entwicklung einer Krebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium (metastasiert oder mit tödlichem Ausgang) verringern kann, und ob der BMI möglicherweise den Effekt modifiziert.
Studienergebnisse
Die Supplementierung mit hochdosiertem Vitamin D3 über fünf Jahre reduzierte die Inzidenz von fortgeschrittenem (metastasiertem oder tödlichem) Krebs in der Gesamtkohorte von erwachsenen Probanden ohne Krebserkrankung zu Beginn der Studie. Die stärkste Risikoreduktion wurde bei Personen mit normalem Gewicht beobachtet.
Vitamin C und Hirntumorzellen
Wissenschaftler der University of Otago in Wellington, Neuseeland, haben kürzlich herausgefunden, dass Hirntumorzellen wesentlich empfänglicher für Bestrahlung sind, wenn ihnen hochdosiertes Vitamin C verabreicht wird. Hochdosiertes Vitamin C selbst verursacht DNA-Schäden und Zelltod. Ein Abtöten der Hirntumorzellen ist einfacher, wenn zuvor hochdosiertes Vitamin C verabreicht wurde. Wenn sorgfältig durchgeführte klinische Studien bestätigen, dass hochdosiertes Vitamin C in Verbindung mit Bestrahlung die Heilungschancen von Patienten erhöht, könnte es sinnvoll sein, beide Behandlungsformen bei strahlenresistenten Krebsarten, wie Glioblastoma Multiforme, zu kombinieren.
Vitamin D bei Krebspatienten: Was ist zu beachten?
Nach einer Krebsdiagnose stellen sich Betroffene häufig die Frage, ob und wie sie ihren Körper während einer Behandlung unterstützen können. Hierzu gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen für Krebspatient*innen. Wenn allerdings ein Nährstoffmangel vorliegt, z.B. ausgelöst durch eine Therapie oder eine spezielle Stoffwechselsituation, sollte dieser ausgeglichen werden.
Mikronährstoffe und Krebserkrankungen
Während einer Krebserkrankung kann es zu Appetitlosigkeit und Geschmacksveränderungen kommen und nicht selten gehen Krebstherapien mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung sowie Mundschleimhautentzündungen einher. All diese Nebenwirkungen haben Einfluss auf die Nahrungsaufnahme. Inzwischen gibt es gute und sichere Möglichkeiten, diese Nebenwirkungen zu reduzieren.
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Individuelle Bedürfnisse und ärztliche Beratung
Bevor man auf gut Glück diese und jene Vitaminpille zu sich nimmt oder einfach irgendein Multivitaminpräparat - weil da ja von allem etwas drin ist - sollte man labormedizinisch abklären lassen, wo und ob es einen Bedarf gibt. Denn nicht jeder eingenommene Mikronährstoff wird vom Körper einfach wieder ausgeschieden, wenn er nicht benötigt wird. Manches wird gespeichert und kann im Übermaß dem Körper schaden. Manches kann zu unerwünschten Neben- und Wechselwirkungen führen. Mit anderen Medikamenten und auch mit Krebstherapeutika. Auch wenn dies überwiegend für Phytotherapeutika (pflanzliche Arzneimittel) gilt und weniger für Mikronährstoffe, sollten alle - ausnahmslos alle - Nahrungsergänzungsmittel, Medikamente, regelmäßig eingenommenen Präparate am besten mit dem behandelnden Onkologen und/oder einer Ernährungsberaterin besprochen werden.
Kritische Mikronährstoffe
Neben Vitamin D und Selen nennt der Onkologe auch L-Carnitin, Vitamin A, zahlreiche B-Vitamine sowie Magnesium als kritische Mikronährstoffe, die insbesondere im Kontext einer Krebserkrankung und/ oder Krebstherapie defizitär vorliegen können.
Vitamin D-Mangel und Krebspatienten
Vitamin-D-Mangel ist weltweit verbreitet und kommt besonders häufig bei Krebspatienten vor. Über das Jahr gemittelt, liegen die Vitamin D-Blutwerte bei rund 15 Prozent der deutschen Erwachsenen unter dem Schwellenwert für einen ausgeprägten Vitamin D-Mangel. In einer Studie an Darmkrebspatienten diagnostizierten Forscher bei 59 Prozent der Teilnehmer einen Vitamin D3-Mangel, der zudem mit ungünstiger Prognose assoziiert war.
Selen und Strahlentherapie
Hier spielt das Spurenelement Selen in seiner Form als anorganisches Selen (Natriumselenit) eine wesentliche Rolle. Über den Mechanismus der DNA-Reparatur gesunder Zellen wird bei ausreichender Selenversorgung eine Art „Zellschutz“ selektiv für genetisch gesunde Zellen ermöglicht.
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