Fakten über das Gehirn und wie sie unser Leben beeinflussen

Einführung

Viele Menschen glauben, dass Disziplin und Willenskraft der Schlüssel zum Erfolg sind. Es wird oft gesagt: "Sie können alles erreichen, wenn Sie es nur wollen!" Doch die Realität ist komplexer. Unser Gehirn spielt eine entscheidende Rolle in unserem Handeln, oft ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Dieser Artikel beleuchtet, wie unser Gehirn funktioniert und wie dies unsere Gewohnheiten, Entscheidungen und letztendlich unser Leben beeinflusst.

Die Macht der Gewohnheit

Unterbewusste Routinen

Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis zu glauben, dass wir unser Leben ausschließlich bewusst ändern können. Der promovierte Neurowissenschaftler Henning Beck erklärt: „Es ist ein Missverständnis zu glauben, man könne sein Leben ausschließlich bewusst ändern.“ Ein Großteil unseres täglichen Handelns basiert nicht auf aktiven Entscheidungen, sondern auf automatischen Routinen und Gewohnheiten. Sich hinsetzen und einen aktiven Entschluss fassen funktioniert vor allem für einmalige Entscheidungen, wie zum Beispiel die Wahl des Wohnortes oder des Berufs.

Die Schwierigkeit der Verhaltensänderung

Gewohnheiten zu ändern, ist schwer. Wendy Wood hat die Verhaltensänderungen des Menschen und die Rolle von Gewohnheiten gründlich untersucht. In einer ihrer Studien, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über viele Tage ihre Alltagshandlungen und ihre Gedanken währenddessen akribisch in Notizbüchern festhielten, kam heraus, dass die Probanden während einer Tätigkeit ganz oft an etwas ganz anderes dachten. Ihre Forschung ergab, dass ein erheblicher Teil unserer Handlungen gewohnheitsmäßig ist:

  • 43 Prozent aller Handlungen waren gewohnheitsmäßig.
  • 88 Prozent der Körperhygiene beruhte auf Gewohnheiten.
  • Bei den Aufgaben während der Arbeit waren es 55 Prozent.
  • Sportarten wie Joggen und Ballsport: 44 Prozent.
  • Ausruhen, Entspannen, auf dem Sofa sitzen: 48 Prozent.

Oft schalten wir unseren Kopf offenbar unbemerkt aus.

Der sparsame Einsatz der Willenskraft

Wenn wir von Willenskraft Gebrauch machen, setzen wir aktiv unseren Kopf und unsere Energie ein. Im Fachjargon: unsere exekutiven Funktionen, die kognitive Kontrolle. „Weil die kognitive Kontrolle viel Aufwand bedeutet, setzen wir sie sparsam ein“, sagt Wood. Ohne automatisierte Handlungen könnten wir den Alltag nicht bewältigen. Das „Gewohnheits-Ich“ funktioniert nach dem Prinzip: Auf einen Reiz folgt eine Reaktion, über die wir nicht wirklich nachdenken.

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Die Rolle der bewussten Entscheidung

„Diese Vorstellung, dass man sich etwas vornimmt und das einfach umsetzt - das funktioniert meistens nicht“, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck. In unserer Gesellschaft schätzen wir bewusste Entscheidungen gegen den Strom. „Eine Gewohnheit zu haben, ist dagegen so ziemlich das Langweiligste, das man sich vorstellen kann. Es hört sich langweilig an, gewöhnlich zu leben.“ Beck verweist darauf, dass wir in einer technologisch definierten Welt leben, die auf Rationalität bedacht ist, ungeachtet aktueller Gegenbewegungen. „Da fällt es schwer zuzugeben, dass unser Denken in den allerwenigsten Fällen bewusst gesteuert wird.“

Die Hartnäckigkeit von Gewohnheiten

Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten

„Gewohnheiten sind das hartnäckigste, das es gibt“, stellt Henning Beck klar. Nikotinentzug zum Beispiel sei nach wenigen Wochen für den Körper durch. Das Problem besteht darin, dass unser Gehirn nicht zwischen schlechten und guten Gewohnheiten unterscheiden kann. Sie helfen uns im Straßenverkehr und morgens im Bad.

Unbewusste Erfahrungen

Wie wirkmächtig Gewohnheiten sind, zeigt sich noch an etwas anderem: Wir wissen oft nicht einmal, warum wir bestimmte Angewohnheiten entwickelt haben. Charles Duhigg erzählt in seinem Buch die Geschichte von Eugene Pauly. Der US-Amerikaner verlor nach einer viralen Enzephalitis große Teile seines Erinnerungsvermögens. Trotzdem fand er automatisch und ohne Hilfe dorthin zurück. Er konnte also nicht sagen, wo sie waren - fand sie aber trotzdem ohne großes Suchen. Paulys Fall zeigte: Gewohnheiten können auf Erfahrungen basieren, an die wir uns nicht erinnern. Sie können also auch ohne Beteiligung des Bewusstseins entstehen, schreibt Duhigg.

Störanfälligkeit von Gewohnheiten

Es gibt aber auch Hoffnung: Gewohnheiten sind störanfällig. Die Routine kann dabei körperlicher, mentaler oder emotionaler Art sein. Diese Schleifen sind so mächtig, dass Unternehmen sie überall einsetzen, um mehr zu verkaufen. Duhigg berichtet davon, wie erfolgreich der Werbeguru Claude Hopkins die Zahnpasta Pepsodent in den USA etablierte. Und dafür sorgte, dass das Zähneputzen zu einer Gewohnheit wurde. Der Werber überzeugte die Menschen von dem Wunsch, diesen Film mit seiner prickelnden Zahnpasta zu beseitigen. Als Belohnung versprach er: Sie werden schöner!

Die Bedeutung der Belohnung

Belohnung ist also wichtig, wenn wir etwas zum ersten Mal tun. „Wir schaffen uns schnell etwas drauf, wenn die Belohnung besonders positiv ist“, sagt Hirnforscher Henning Beck. Die Nervenbahnen verstärkten sich.

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Wie man Gewohnheiten ändert

Bewusstwerdung der Gewohnheiten

Vielleicht warten Sie jetzt auf die Zauberformel, mit der Sie eine Gewohnheit auf jeden Fall entwickeln oder abstellen können. „Die Schwierigkeit besteht darin, dass es eben nicht nur die eine Formel für Verhaltensänderung gibt“, schreibt Duhigg. Wir wissen, dass wir Gewohnheiten nutzen, um weniger entscheiden zu müssen. „Es klingt simpel, aber ich muss mir erst einmal über meine Gewohnheiten bewusst werden“, sagt Henning Beck. Auch Charles Duhigg weist auf diesen Punkt hin: Wir verstehen oft das Verlangen nicht, das unsere Gewohnheitsschleife antreibt.

Schritte zur Veränderung

  1. Die Routine identifizieren: Die Verhaltensweise in den Blick nehmen, die man ändern möchte. Beispiel: Ich esse ständig Kekse.
  2. Mit Belohnungen experimentieren: Statt in der Cafeteria einen Keks zu essen, einfach andere Dinge tun. Welches Verlangen treibt meine Routine wirklich an?
  3. Den Auslöser identifizieren:
    • Standort: Wo sind sie?
    • Uhrzeit: Wie spät es ist?
    • Andere Menschen: Wer ist gerade noch da?
    • Emotionaler Zustand: Wie fühle ich mich?
    • Vorausgegangene Handlungen: Was habe ich gerade getan?
  4. Beispiel: das Glas Wein nach dem Abendessen. Hier steht laut Duhigg oft das Verlangen nach emotionaler Entlastung im Vordergrund.

Einfachere Wege

Psychologin Wendy Wood empfiehlt deshalb einen anderen, gewissermaßen einfacheren Weg: Nicht die Routine ändern wollen, sondern am Anfang der Gewohnheitsschleife ansetzen - bei den Auslösereizen. Oder man unterbricht den Übergang vom Auslösereiz zur Routine - indem man Reibung erzeugt, wie Wood erklärt. Sie lassen sich ständig von Ihrem Handy unterbrechen? Lassen Sie das Gerät doch mal zu Hause. Das können Sie aus Gründen nicht? Schalten Sie den Ton und das Brummen aus. Stellen Sie alle Benachrichtigungen ab.

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