Sexuelle Lust und Migräne: Ein komplexer Zusammenhang

Der Satz "Schatz, ich habe Kopfschmerzen" bekommt im Zusammenhang mit Migräne eine neue Bedeutung. Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit Migräne ein stärkeres sexuelles Verlangen verspüren können. Dieser Artikel beleuchtet den komplexen Zusammenhang zwischen sexuellem Verlangen, Migräne und Kopfschmerzen im Zusammenhang mit sexueller Aktivität.

Die Rolle von Serotonin

Dem Gehirnbotenstoff Serotonin wird eine Schlüsselrolle sowohl bei der Steuerung der Libido als auch bei der Entstehung von Migräne zugeschrieben. Amerikanische Wissenschaftler um Timothy Houle von der Wake-Forest-Universität in Winston-Salem untersuchten in einer kleinen Studie das sexuelle Verlangen bei Migräne-Patienten mit dem von Menschen mit anderen Kopfschmerzen. Bei einem hohen Serotoninspiegel ist das sexuelle Verlangen vermindert. Patienten mit Migräne haben dagegen häufig einen sehr niedrigen Serotoninspiegel. Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass die Lust auf Sex bei Migränepatienten stärker sein müsste.

Um zu überprüfen, ob sich dieser Zusammenhang direkt nachweisen lässt, untersuchten die Forscher 68 Freiwillige, die mindestens zehn Mal im Jahr unter Kopfschmerzen litten. Je nachdem, ob es sich dabei hauptsächlich um Migräne oder um Spannungskopfschmerzen handelte, wurden die Probanden in zwei Gruppen eingeteilt. Außerdem sollte jeder Teilnehmer in einem Fragebogen Angaben über Stärke und Häufigkeit seines sexuellen Verlangens machen. Die Probanden in der Migräne-Gruppe berichteten tatsächlich über ein stärkeres sexuelles Verlangen als die Angehörigen der anderen Gruppe, zeigte die Auswertung. Dieser Unterschied schien den Migränepatienten auch bewusst zu sein, kommentiert Studienleiter Houle: Sie stuften ihre Libido als höher ein als die ihrer Alters- und Geschlechtsgenossen. Obwohl die Studiengruppe mit ihrem geringen Durchschnittsalter von 24 Jahren und der mäßigen Gruppengröße keine allgemeingültigen Aussagen zulasse, deuteten die Ergebnisse doch auf einen direkten Zusammenhang zwischen Libido und Migräne hin, schreiben die Forscher. Sie erhoffen sich von den Ergebnissen neue Erkenntnisse über die Ursache von Migräne und anderen Erkrankungen wie Depressionen, die ebenfalls vom Serotoninspiegel beeinflusst werden.

Sexualkopfschmerz: Wenn Sex zur Qual wird

Nicht immer sind Kopfschmerzen beim Sex eine Ausrede. Es gibt eine Kopfschmerz-Art, die ausschließlich während der sexuellen Aktivität auftritt: der sogenannte Sexualkopfschmerz. Dass ein Orgasmus Kopfschmerzen bereitet, beschrieb bereits Hippokrates im alten Griechenland. Einer von 100 Menschen ist in seinem Leben einmal vom Sexualkopfschmerz betroffen. Bei Männern kommen diese Kopfschmerzen etwa zwei bis drei Mal häufiger vor als bei Frauen. Migränepatienten haben ebenfalls eine höhere Wahrscheinlichkeit, Sexualkopfschmerzen zu entwickeln als Menschen ohne Migräne. Der Sexualkopfschmerz tritt meist bei Patienten zwischen 20 und 45 Jahren erstmals auf. Bei den meisten Betroffenen tritt der Sex-Kopfschmerz nur über einen relativ kurzen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten auf und verschwindet anschließend. Es besteht aber die Möglichkeit, dass der Sexualkopfschmerz nach einer beschwerdefreien Zeit wiederkehrt.

Arten von Sexualkopfschmerz

Der Sexualkopfschmerz - auch primärer Kopfschmerz bei sexueller Aktivität genannt - tritt insbesondere beim Orgasmus auf. Die Schmerzsymptome können sich jedoch in unterschiedlichen klinischen Erscheinungsbildern äußern.

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  • Plötzlich heftige Kopfschmerzen beim Orgasmus: Betroffene beschreiben den Schmerz als blitzartig und einschießend. Die Schmerzattacke dauert zwischen einer Minute und drei Stunden.
  • Dumpfer Schmerz im Nackenbereich: Bei einigen Patienten halten die Kopfschmerzen nach dem Sex noch eine Weile an und bleiben als leichter, dumpfer Schmerz in der Nackenregion spürbar. Symptome wie Übelkeit, Sehstörungen, Erbrechen und Licht-Überempfindlichkeit sind Hinweise auf eine andere Ursache des Kopfschmerzes. Sie gehören nicht zu den Symptomen, die typisch für Sexualkopfschmerzen sind.
  • Schmerz vom Nacken bis zur Stirn: Der Schmerz kann sich auch vom Nacken und Hinterkopf über den gesamten Kopf bis zur Stirn ausbreiten. Mit steigender Erregung nimmt auch der Schmerz zu. Betroffene beschreiben diese Art des Sexualkopfschmerzes als dumpf und drückend.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für den Sexualkopfschmerz sind bislang weitgehend ungeklärt. Eine Theorie zur Entstehung beschreibt, dass die Mechanismen zur Stressregulation im Gehirn bei den Betroffenen verändert sind. Ähnlich wie bei Migränepatienten reagiert der Körper dann auf belastende Situationen mit Kopfschmerzen. Auch wenn die meisten Menschen Sex nicht als unangenehme oder stressige Aktivität empfinden, handelt es sich für den Körper um (positiven) Stress. Beim Geschlechtsverkehr steigen zum Beispiel Herzfrequenz und Blutdruck an und belasten kurzfristig den Kreislauf. Eine weitere Theorie besagt, dass beim Sexualkopfschmerz der Blutdruck erregungsbedingt erhöht ist, wodurch die Schmerzen entstehen. Möglicherweise weiten sich auch die Blutgefäße in der Situation nicht ausreichend. Da der Sexualkopfschmerz auch im Nacken lokalisiert ist, gibt es einen weiteren Erklärungsansatz für die Entstehung solcher Kopfschmerzen: Man vermutet, dass Kopf- und Nackenmuskulatur eine erhöhte Muskelspannung aufweisen und sich beim Orgasmus die Muskulatur regelrecht verspannt. Diese Verspannung drückt wiederum auf die Nervenstränge, was Schmerzen hervorruft.

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die Sexualkopfschmerz begünstigen: Dazu gehören ein erhöhter Blutdruck, vermehrter Stress, männliches Geschlecht, Müdigkeit und häufiger Sex innerhalb kurzer Zeit. Migränepatienten und die Altersgruppe zwischen 20 und 45 Jahren haben ein höheres Risiko für Sexualkopfschmerzen.

Diagnose und Behandlung

Wer beim Sex vermehrt Kopfschmerz-Symptome bemerkt, sollte sich ärztlich untersuchen lassen. Ein Facharzt oder eine Fachärztin für Neurologie ist die richtige Ansprechperson, um Kopfschmerzen abzuklären. Die aktuellen Beschwerden und Vorerkrankungen (Anamnese) liefern wichtige Informationen über Ihre Beschwerden. Im Rahmen der Diagnose erfolgt das Anamnesegespräch, bei dem der behandelnde Arzt dem Patienten Fragen zu den Symptomen stellt. Im Folgenden veranlasst der Mediziner meist eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels. Mithilfe dieses bildgebenden Verfahrens kann er Läsionen (Verletzungen, Störungen oder krankhafte Veränderungen) des Gehirns feststellen.

Man muss nicht auf Sex verzichten, um den Sexualkopfschmerz erfolgreich zu behandeln. Oft verschwindet der Sexualkopfschmerz mit der Zeit von alleine wieder. Auch wenn Betroffene aus Angst vor den Schmerzen ihre sexuelle Aktivität eventuell stark einschränken, gibt es auch die These, dass Sex möglicherweise hilfreich ist. Beim Orgasmus schüttet der Körper das sogenannte „Glückshormon“ Serotonin aus. Diesem wird ein schmerzstillender Effekt auf den Sexualkopfschmerz nachgesagt. Serotonin führt außerdem dazu, dass sich die Gefäße im Gehirn zusammenziehen. Bekannte Migränemedikamente, die sogenannten Triptane, wirken ebenfalls auf diese Art.

Treten Sexualkopfschmerzen häufig auf, ist es für manche Betroffene hilfreich, etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr ein leichtes Schmerzmittel wie Indometacin einzunehmen. Nach drei Monaten sollten Sie prüfen, ob der Sexualkopfschmerz sich bereits gebessert hat, sodass eine medikamentöse Prophylaxe nicht mehr nötig ist. Einige Betroffene berichten außerdem, dass sich der Sexualkopfschmerz im Stehen oder Sitzen verschlimmert, dafür aber im Liegen bessert. Sind die auslösenden Faktoren bekannt, ist es empfehlenswert, Stress mit gezielten Entspannungsübungen zu mindern. Eine übermäßig schnell ansteigende sexuelle Erregung ist außerdem ein möglicher auslösender Faktor des Sexualkopfschmerzes. Ein ausgedehnteres Vorspiel mit Kuscheleinheiten hilft dabei, den Blutdruck nur langsam ansteigen zu lassen. Das Gehirn hat dadurch mehr Zeit, sich auf die Reizverarbeitung einzustellen und wird nicht überlastet. Sofern kontrollierbar, sollte auch der Orgasmus so „schonend“ wie möglich ablaufen, um Blutdruckspitzen zu vermeiden.

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Prognose und Umgang mit Sexualkopfschmerzen

Die Prognose bei Sexualkopfschmerz ist normalerweise gut. Der Schmerz tritt meistens in kurzen Episoden auf und verschwindet nach einigen Wochen oder Monaten wieder. Es besteht aber die Möglichkeit, dass der Sexualkopfschmerz nach Jahren erneut auftritt. Eine chronische Verlaufsform von Kopfschmerzen beim Sex ist äußerst selten. Dann entwickeln die Betroffenen einen Verlauf ohne kopfschmerzfreie Phasen. Sexuelle Aktivität ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheit. Sexuelle Funktionsstörungen sind in der Gesellschaft allerdings häufig noch ein Tabuthema. Tritt Sexualkopfschmerz auf, hängt es von der Intensität und eventuellen weiteren neurologischen Beschwerden ab, ob eine ärztliche Untersuchung erforderlich ist. Ist der Sexualkopfschmerz nur gering ausgeprägt, ist es auch möglich, erst einmal abzuwarten und die Schmerzen zunächst zu beobachten. Oft ist der Sexualkopfschmerz nach wenigen Attacken schon wieder vorbei.

Sex als Therapie gegen Kopfschmerzen?

Neurologen der Universität Münster haben herausgefunden, dass sexuelle Aktivität gegen Kopfschmerzen helfen kann - zumindest bei bestimmten Migränepatienten. Anke Hambach verteilte für ihre Doktorarbeit Fragebögen an Patienten der Klinik für Neurologie der Uniklinik Münster, die unter Migräne oder Clusterkopfschmerz (der sich durch extreme Schmerzattacken auszeichnet) leiden. Die meisten der Antwortenden verzichten auf sexuelle Aktivität, während sie Kopfschmerzen haben - wer aber sich darauf einlässt, verspürt häufig eine Besserung.

„Ein Drittel der Migränepatienten hat Erfahrung mit sexueller Aktivität während einer Kopfschmerzphase“, sagt Hambach: „Bei 60 Prozent von ihnen verringert sich der Schmerz durch Sex, bei 33 Prozent wird er schlimmer.“ Gegen Migräne kann Sex also helfen - mögliche Ursachen dafür sind die Ablenkung vom Schmerz und die Ausschüttung von Endorphinen. Ein Partner ist laut der Studie für den positiven Effekt nicht nötig: Die Art sexueller Aktivität, Masturbation eingeschlossen, hat bei den Interviewten keinen Einfluss auf die schmerzlindernde Wirkung. Von den Patienten, die unter Clusterkopfschmerz leiden, hat ebenfalls rund ein Drittel Erfahrung mit Sex unter Kopfschmerzen - von ihnen profitierten aber nur 37 Prozent, während sich der Schmerz bei der Hälfte noch verschlimmerte. „Der Kopfschmerz bei Clusterattacken ist viel intensiver“, erläutert Professor Dr. Stefan Evers, der die Studie betreut hat: „Die Stimulation reicht häufig vermutlich nicht aus, um den Schmerz zu verringern. Außerdem dauern Migräneattacken länger, dadurch ist die Wahrscheinlichkeit höher, den richtigen Zeitpunkt für Sex zu erwischen.“ Bei beiden Formen des Kopfschmerzes profitieren Männer stärker als Frauen, die schmerzlindernde Wirkung tritt häufiger und in höherem Maße auf. 36 Prozent der männlichen Migränepatienten, die den Fragebogen zurückgesandt haben, setzen Sex sogar bewusst als „therapeutisches Werkzeug“ zur Schmerzlinderung ein, von den Frauen tun das nur 14 Prozent. Insgesamt kamen 400 Bögen zurück - von den Migränepatienten antworteten 38 Prozent, von den Cluster-Patienten 48 Prozent.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist weit mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Jährlich leiden Millionen von Menschen weltweit an Migräneanfällen, die nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigen, sondern auch zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen können. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die in der Regel mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einhergeht. Diese Schmerzen sind oft pulsierend oder pochend und können mehrere Stunden bis zu mehreren Tagen andauern. Doch Migräne umfasst weit mehr als nur Kopfschmerzen. Eine Migräne ist meist in Phasen unterteilt: Zunächst beginnt sie mit einer Vorphase (Prä-Migräne), in der Betroffene oft gereizt oder besonders empfindlich auf Reize reagieren. Danach folgt die eigentliche Schmerzphase mit den charakteristischen, intensiven Kopfschmerzen. Migräne-Symptome können je nach Person und Schweregrad der Attacke variieren. Diese Symptome können von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen anhalten und stark belastend sein. Die Ursachen für Migräne sind noch nicht vollständig erforscht, jedoch gibt es eine Vielzahl von Auslösern, die Migräneanfälle begünstigen können. Diese Auslöser können sowohl körperlicher als auch umweltbedingter Natur sein. Bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Alkohol, Koffein oder auch zuckerhaltige Produkte können Migräneanfälle begünstigen.

Vorbeugende Maßnahmen bei Migräne

Es gibt eine Vielzahl von vorbeugenden Maßnahmen, die Migräneanfällen vorbeugen oder deren Häufigkeit und Intensität verringern können.

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  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ohne bekannte Migräneauslöser, wie zum Beispiel zu viel Zucker, Koffein oder Alkohol, kann helfen.
  • Medikamentöse Prophylaxe: In einigen Fällen empfehlen Ärzte die langfristige Einnahme von Medikamenten, um die Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen zu reduzieren.
  • Regelmäßige Bewegung: Leichte, regelmäßige Bewegung kann dazu beitragen, die Migränefrequenz zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.

Sexuelle Gesundheit und chronische Schmerzen

Sexualität kann im Leben eine besondere Bedeutung haben. Sie ist ein wesentlicher Aspekt der Verbundenheit in der Partnerschaft und Intimität und geht für viele Menschen mit einer größeren Befriedigung im persönlichen, beruflichen und emotionalen Bereich einher. Sexuelle Gesundheit ist damit ein wichtiger Lebensaspekt. Das sexuelle Erleben geht mit Lust einher, welche häufig im Zusammenhang mit Schmerz, Angst, Trauer beeinträchtigt sein kann. So berichten viele Patienten mit chronischen Schmerzen von unterschiedlichen sexuellen Beeinträchtigungen, die sie selbst als sehr belastend erleben.

Sexuelle Beeinträchtigungen bei chronischen Schmerzen

Leider kommt es recht häufig besonders bei rheumatischen Erkrankungen, dem Fibromyalgie-Syndrom, Schmerzen am ganzen Körper, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Unterbauchschmerzen und Schmerzen im Becken und Genitalbereich zu den unterschiedlichsten sexuellen Beeinträchtigungen.

  • Mangelndes sexuelles Verlangen: Männer sind hiervon etwas weniger betroffen als Frauen. Die sexuelle Aktivität wird seltener initiiert/gewünscht und der Geschlechtsverkehr eher resignativ geduldet. Schmerz und der damit verbundene Stress, aber auch die Wirkung von Medikamenten kann die sexuelle Lust mindern.
  • Veränderungen der Schleimhaut in der Scheide (Vulvodynie): Diese Störung wird auch in Verbindung mit Ängsten vor einer erneuten Infektion beschrieben und vermehrt von Patientinnen mit einem Fibromyalgie-Syndrom beschrieben.
  • Störung der sexuellen Erregung: Die Störung der sexuellen Erregung geht mit der Unfähigkeit bei der Frau einher, eine Befeuchtung der Scheide und Anschwellung der äußeren Genitale zu erlangen oder aufrechtzuerhalten. Der Geschlechtsverkehr ist möglich, dabei werden aber weniger Lustgefühle und weniger Orgasmen empfunden. Die Erektionsstörung beim Mann geht mit der Unfähigkeit eine adäquate Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten einher. Auch diese Problematik tritt vermehrt als Nebenwirkung von Medikamenten auf. Insgesamt kann die sexuelle Erregung aber auch durch den Schmerz vermindert werden.
  • Dyspareunie: Bei der Dyspareunie treten Schmerzen, Irritationen, Jucken, Brennen beim Sexualverkehr auf. Dies kann die äußeren und inneren Genitalien betreffen. Zu beobachten sind dabei häufig Entzündungen und Verkrampfungen des Beckenbodens bei beiden Geschlechtern. Verkrampfungen treten häufig als Folge der Schmerzen vor allem bei Rücken-, Bauch- und Beckenschmerzen auf.
  • Vaginismus: Beim Vaginismus kommt es zu Krämpfen (Spasmen) der Muskulatur des äußeren Drittel der Scheide und auch in der Beckenbodenmuskulatur. Dies macht das Eindringen des Penis, eines gynäkologischen Untersuchungsinstrumentes (Spekulum) oder auch Tampon zum Teil nicht möglich. Die Frauen können aber sexuell erregbar sein und Orgasmen haben, kommen aber nicht selten erst bei einem bestehenden Kinderwunsch in Behandlung.
  • Orgasmusstörung: Die Verzögerung oder das Ausbleiben vom Orgasmus wird als Orgasmusstörung bezeichnet. Dieser tritt auch nicht beim Petting oder der Masturbation auf und geht häufig mit einer Hemmung und Angst einher, sich fallen zu lassen. Die Angst vor der Schmerzverstärkung bei Bewegungen kann zu einer Hemmung der Orgasmusfähigkeit führen. Die Aufmerksamkeit ist mehr bei der Kontrolle der Bewegung und weniger bei dem sexuellen Lusterleben.
  • Frühzeitige Ejakulation: Bei der frühzeitigen Ejakulation kommt es kaum zur Kontrolle über die Ejakulation, welche auch vor dem Eindringen in die Scheide und ohne Erektion erfolgen kann. Dies kann bei minimaler Stimulation auftreten. Hier gibt es die Vermutung, dass es durch den Schmerz zu einer Übererregbarkeit des Nervensystems kommt.

Einflussfaktoren auf die Sexualität bei chronischen Schmerzen

Vielfältige körperliche und psychosoziale Faktoren haben einen Einfluss. Die Folgen der Schmerzerkrankung können einen wesentlichen Einfluss auf die Sexualität haben: z.B. die Steifigkeit in der Bewegung, Verspannung der Muskulatur, Erschöpfung, Schlafstörung, Gewichtszunahme. Der Einfluss von Medikamenten ist ebenfalls bedeutsam und muss in der Therapie unbedingt berücksichtigt und mit dem Arzt besprochen werden. Vor allem Antidepressiva, die zur Behandlung von depressiven Verstimmungen, zur Verbesserung der Schmerzverarbeitung oder bei Schlafstörungen eingesetzt werden, können die sexuelle Lust und Erregbarkeit beeinträchtigen. Aber auch Antikonvulsiva (Medikament gegen Krampfanfälle, die häufig auch bei Schmerzen eingesetzt werden) und opioidhaltige Medikamente beeinträchtigen häufig die sexuellen Funktionen/Lust und können auch zu einem Testosteronmangel beim Mann führen. Körperliche Faktoren der Erkrankung wie Entzündungen, Nervenschädigung, aber auch Veränderungen im Stoffwechsel und Gefäßsystem, Hautprobleme, hormonelle Veränderungen sind wichtige Einflussfaktoren. Eine erhöhte Empfindlichkeit bei Schmerzreizen kann mit einer schmerzhaften Sexualität einhergehen. Psychologische Faktoren können z.B. Angst vor der Bewegung und ein allgemeines Schonungsverhalten, mangelndes Vertrauen in den eigenen Körper, aber auch Scham (z.B. weil sich der Körper nach einem Unfall oder Gewichtszunahme verändert hat), ein verringertes Selbstwertgefühl oder auch depressive Stimmung sein. Der mit der Schmerzerkrankung einhergehende Stress wie berufliche Veränderungen, finanzielle Sorgen können die Lust auf Sexualität mindern. Aber auch Veränderungen in der Partnerschaft verhindern eventuell weiterhin einen genussvolle Sexualität zu erleben: der Partner ist evtl. auch verunsichert, das Paar findet keinen Weg mit der Problematik umzugehen.

Therapieansätze bei sexuellen Beeinträchtigungen

In einer umfassenden Schmerztherapie sollten alle Aspekte der Beeinträchtigung der Lebensqualität beachtet werden. Auch wenn der Schmerztherapeut kein Sexualmediziner ist, kann er die Betroffenen an den Gynäkologen, Urologen, Sexualmediziner, Sexualtherapeuten und Physiotherapeuten weiter überweisen. Bei sexuellen Beeinträchtigungen ist wie bei chronischen Schmerzen eine Zusammenarbeit mehrerer Fachbereiche deshalb sinnvoll und erfolgversprechend.

Tipps für den Umgang mit Sexualkopfschmerzen

Patienten mit Sexualkopfschmerzen sollten grundsätzlich eine passivere Rolle beim Geschlechtsverkehr einnehmen. Bei etwa 50 Prozent der Betroffenen trägt das zur Reduzierung der Kopfschmerzen bei. Treten die Schmerzen beim Sex auf, empfiehlt es sich, die sexuelle Aktivität abzubrechen. So lässt sich in circa 40 Prozent der Fälle eine Verschlechterung der Beschwerden verhindern. Wer einige Zeit nach dem Sex noch unter leichtem Kopfweh leidet, sollte ebenso zunächst auf Geschlechtsverkehr verzichten, da das Risiko einer erneuten Attacke erhöht ist. Vorbeugend können zusätzlich Schmerzmittel Anwendung finden - jedoch nicht ohne die Absprache mit einem Arzt. Stellt der Mediziner eine schwere, gefährliche Ursache hinter den Sexualkopfschmerzen fest, wie etwa eine Subarachnoidalblutung, leitet er eine entsprechende Behandlung ein.

Ein enthaltsames Leben ist trotz Sexualkopfschmerzen nicht nötig. Die Beschwerden verschwinden nach einiger Zeit von selbst wieder. Zusätzlich können Sie während des Geschlechtsverkehrs Pausen für Entspannungsübungen einlegen. Diese kurze Auszeit hilft bei bis zu 40 Prozent der Betroffenen. Auch ein langes, ausgedientes Vorspiel kann dazu dienen, dass die Kopfweh gar nicht erst auftreten. Wichtig ist, das Liebesspiel erst fortzusetzen, wenn alle Schmerzen oder starken Verspannungen verschwunden sind, da sonst der Sexualkopfschmerz umgehend wieder auftreten kann. Verschaffen diese Möglichkeiten keine Linderung oder wollen Sie keine Pausen einlegen, so können Schmerzmittel kurzfristig Abhilfe verschaffen. Acetylsalicylsäure oder Paracetamol sollten dann etwa 30 Minuten vor dem Vorspiel eingenommen werden. Auch Koffein soll helfen, da es die Gefäße erweitert und somit die Durchblutung verbessert. Denken Sie allerdings daran, dass es sich hierbei nur um eine Zwischenlösung handelt und keine dauerhafte Handlungsoption ist.

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