Homöopathie bei Demenz: Studien und Erfahrungen

In der Bundesrepublik Deutschland leben derzeit etwa 1,2 Millionen Menschen mit einer Form von Demenz, und die Tendenz ist steigend. Studien belegen, dass bei 1 bis 2 % aller 65-Jährigen Demenzerkrankungen diagnostiziert werden. Bei den 80-Jährigen betrifft es bereits jeden Fünften, und bei den über 90-Jährigen sogar jeden Zweiten. Es ist deutlich erkennbar, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die mit dem Alter an Häufigkeit zunimmt. Die hohen Erkrankungszahlen machen Angst.

Was ist Demenz?

Demenz ist keine einheitliche Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für krankhafte Vergesslichkeit unterschiedlicher Ursachen. Psychiater Frank Jessen erklärt: "Demenz ist eine Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit, die fortschreitet und in ein paar Jahren so ausgeprägt ist, dass man nicht mehr selbstständig zurechtkommt und nach weiteren Jahren vollständig pflegebedürftig ist."

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für Demenz liegen oft im Dunkeln. Eine genetische Komponente konnte bisher weder bewiesen noch wirklich ausgeschlossen werden. Im Gehirn können sich Plaques ablagern und zum Untergang von Nervenzellen führen.

Prävention

Viele Menschen, die unter ihrer eigenen Vergesslichkeit leiden, fragen nach Möglichkeiten der Demenz-Prävention. Eine weitgehend mediterrane Ernährungsweise mit viel Fisch, Obst und Gemüse kann das Erkrankungsrisiko reduzieren. Dieser Meinung schloss sich auch die „Medical Tribune Deutschland“ mit ihren „Ernährungstipps für das Gehirn“ an, die insbesondere das Olivenöl hervorhebt. Auch regelmäßige geistige Forderung kann die geistige Gesundheit fördern.

Es gibt Hinweise darauf, dass Bewegung, Ernährung und ein soziales Umfeld wichtige Faktoren für die Vorbeugung sind. Durch einen gesunden, aktiven Lebensstil hat jeder die Möglichkeit, sein Demenzrisiko zu verringern. Auch frühzeitiges Gedächtnistraining wird empfohlen, allerdings kann das Fortschreiten der Demenz damit nur verlangsamt werden.

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Früherkennung

Noch vor zehn Jahren dachten die Fachleute, dass Demenz schicksalhaft ist. Heute gehen sie davon aus, dass 40 Prozent des Risikos, eine Demenz zu bekommen, veränderbar sind. Riechstörungen können frühe Anzeichen von Demenz sein.

Um diese Anzeichen richtig interpretieren zu können, sollte man vor allem auf Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens achten. Treten erste Anzeichen für eine Demenz auf, dann sollte die betreffende Person möglichst rasch von einem Spezialisten untersucht werden.

Diagnose

Bei der Diagnose von Demenz kommen psychometrische Tests zum Einsatz, wie sie auch von Neurologen angewendet werden. Häufig wird der Mini-Mental-Status-Test (MMST) angewandt. Mit diesem Test kann nicht nur eine erste Einschätzung vorgenommen werden, sondern es kann auch eine Verlaufskontrolle durchgeführt werden. Für die richtige Erledigung der einzelnen Aufgaben gibt es Punkte, die am Ende addiert werden. Je niedriger die Gesamtpunktzahl, umso größer ist der Verdacht auf eine vorliegende Störung. Wenn Angehörige wegen der Vergesslichkeit eines Familienmitglieds in die Praxis kommen, geht man ähnlich vor, nur dass die Anamnese über den Angehörigen durchgeführt wird. Anschließend wird dann der möglicherweise Erkrankte in die Praxis bestellt.

Schulmedizinische Behandlung

Auch die Pharmaindustrie hat inzwischen die verschiedensten Wirkstoffe getestet, um die Demenzerkrankung zu beeinflussen und den Verlauf hinauszuzögern. Hier kommen durchblutungsfördernde Medikamente wie z.B. Ginkgo-Präparate zum Einsatz. Laut Leitlinie profitieren Personen mit leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vasculärer Demenz von der Kraft des Ginkgo- Baumes.

Allerdings werden zu viele Neuroleptika und Benzodiazepine verordnet. Ein Drittel aller Patienten mit Alzheimer-Demenz bekommen Neuroleptika. Im stationären Bereich sind es sogar 54 Prozent, die Neuroleptika bekommen. Zwischen 2017 und 2019 bekam zum Beispiel etwa ein Drittel der Betroffenen dauerhaft Wirkstoffe wie Risperidon oder Haldol, die üblicherweise bei Schizophrenie und Psychosen angewendet werden. Gerade die längere Vergabe führt dazu, dass Demenzpatienten ein 1,7-fach erhöhtes Risiko haben, früher zu sterben als gleichaltrige Menschen, die keine Demenz haben.

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Naturheilkundliche und homöopathische Ansätze

Neben der Schulmedizin gibt es auch naturheilkundliche und homöopathische Ansätze zur Behandlung von Demenz.

Organpräparate

Einige Therapeuten setzen auf Injektionspräparate, die eine Wirkung auf den ganzen Körper haben sollen. Diese enthalten Organpräparate (z.B. Herz, Schilddrüse, Thymusdrüse etc.), die den gesamten Stoffwechsel aktivieren sollen, um die Vitalität des Patienten spürbar zu erhöhen.

Sauerstofftherapie

Eine weitere Möglichkeit ist die Sauerstofftherapie, bei der der Patient eine Stunde lang über eine Atemmaske ionisierten Sauerstoff einatmet. Ziel ist es, dass mehr Sauerstoff in alle Körperzellen eingeschleust wird.

Aktivierende Pflegekonzepte

Da in absehbarer Zeit kein Medikament auf den Markt kommen wird, Präventionsprogramme keine Allheilmittel sind und für die Versorgung bereits Erkrankter zu spät kommen, sind aktivierende Pflegekonzepte die Zukunft bei der Versorgung von Demenzkranken. Grundlage dieses Pflegekonzeptes ist die "Silviahemmet®- Pflegephilosophie". Sie geht auf die schwedische Königin Silvia zurück, deren Mutter an Alzheimer erkrankt war. Ziel ist es, eine möglichst hohe Lebensqualität für die dementen Menschen zu erreichen.

Homöopathie

Wer auf Naturmedizin setzt, kann zusätzlich auch einen Homöopathen zu Rate ziehen. So berichteten mehrere Medien Anfang 2012 beispielsweise über die Erfahrungen des Arztes und Homöopathen Dr. Johannes Wilkens an der Humboldtklinik in Bad Steben, der Aurum compositum bei demenzkranken Patienten einsetzte und damit nach eigenen Angaben positive Erfahrungen gemacht hat.

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Heilpflanzen

Die Heilpflanzen-Forschung liefert zuversichtliche Erkenntnisse für die begleitende Behandlung von Demenzerkrankungen. Zu Ginkgo biloba, insbesondere dem standardisierte Extrakt EGb 761, liegen mittlerweile eine Reihe von Forschungsergebnissen vor. Die jüngste Version der derzeit revidierten S3-Leitlinie „Demenzen“ stellt eine Erwägung der Behandlung mit Ginkgo biloba bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskuläre Demenz sowie nicht -psychotischen Verhaltenssymptomen in Aussicht.

Auch Salbei, vor allem die beiden Arten Salvia officinals (Echter Salbei) und Salvia lavendulaefolia (Spanischer Salbei) könnten sich als unterstützend bei leichter bis moderater Alzheimer-Erkrankung erweisen. Der besonders im asiatischen Raum verbreitete Ginseng, allen voran der Rote Ginseng, der einen besonders hohen Anteil an wertvollen Ginsenosiden aufweist, steht wegen seiner potenziellen neuroprotektiven Eigenschaften ebenfalls im Fokus der Alzheimer-Forschung.

Eher unbekannt ist, dass Gewürzpflanzen wie Curcuma (Curcuma aromatica) und Safran (Crocus sativus) ebenfalls ein Potenzial für die begleitende Behandlung von Demenzerkrankungen zeigen könnten. Relativ jung ist die Forschung zu Huperzin A, einem Alkaloid der Pflanze Huperzia serrata (Qian Ceng Ta). Interessante Forschungsergebnisse zur Prävention von Demenzerkrankungen offenbart eine japanische Studie zu grünem Tee.

Unter Berücksichtigung der jeweiligen Demenzform kann eine begleitende Therapie mit pflanzlichen Mitteln versucht werden. Vor allem vor dem Hintergrund enttäuschender Wirkprofile gängiger Medikamente in der Alzheimer-Therapie, die zudem teils starke Nebenwirkungen verursachen, erscheint eine Behandlung mit gut verträglichen Heilpflanzenpräparaten zur Verbesserung der Symptomatik sowie Verzögerung der neurodegenerativen Prozesse überlegenswert.

Herausforderungen und Chancen

Die Behandlung von dementen Patienten stellt besondere Herausforderungen dar. Häufig leiden sie auch unter Depressionen, die jedoch schwer zu behandeln sind, da Demenzkranke eine regelmäßige Einnahme von Medikamenten oft nicht bewältigen. Hier ist die Zusammenarbeit mit den Angehörigen unerlässlich.

Dennoch gibt es auch Chancen, die Lebensqualität von Demenzkranken zu verbessern und ihre Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten. Wichtig ist, dass sie in ihrem Alltag unterstützt werden und Erfolgserlebnisse haben.

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