Das Klinikum rechts der Isar bietet ein breites Spektrum an neurologischen Leistungen. Die Klinik behandelt ein weites Feld an neurologischen Erkrankungen und bietet Spezialsprechstunden für bestimmte Fragestellungen und Therapien an. Im Folgenden werden die Schwerpunkte und Spezialisierungen der Neurologischen Klinik am Klinikum rechts der Isar detailliert dargestellt.
Diagnostik und Therapie neuromuskulärer Erkrankungen
Neuromuskuläre Erkrankungen äußern sich durch eine Schwäche oder schnelle Ermüdbarkeit der Muskulatur. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und können in einer Störung der Kraftentwicklung im Muskel selbst, einer Störung des Zusammenspiels zwischen Nerv und Muskel, einer Schädigung der peripheren Nerven oder einer Schädigung der Motoneurone in Rückenmark und/oder Gehirn liegen.
Die Klinik für Neurologie am Klinikum rechts der Isar bietet umfassende Möglichkeiten zur Diagnose neuromuskulärer Erkrankungen. Dazu gehören neben speziellen Laboruntersuchungen detaillierte elektrophysiologische Untersuchungen wie Elektroneurographie (ENG) einschließlich repetitiver Stimulation, Elektromyographie (EMG) und evozierte Potentiale (EP). Ebenso werden Nervenwasseruntersuchungen und Nerven- sowie Muskelbiopsien durchgeführt.
Die Klinik ist Teil des Muskelzentrums Bayern-Süd und bietet im Rahmen dessen auch Hilfsmittel- und Sozialberatung durch Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) an. Besonders bei Muskelerkrankungen besteht eine enge Kooperation mit dem Friedrich-Baur-Institut, wo Biopsien mit modernsten Methoden aufgearbeitet werden.
Spezialsprechstunden für neurologische Autoimmunerkrankungen
Für bestimmte neurologische Erkrankungen, Fragestellungen und Therapien bietet das Klinikum rechts der Isar Spezialsprechstunden an. Diese sind auf die Beratung und Behandlung von Patienten und Patientinnen mit neurologischen Autoimmunerkrankungen ausgerichtet.
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Sämtliche diagnostischen Methoden zur Abklärung und Verlaufskontrolle neuroimmunologischer Erkrankungen stehen in der Klinik zur Verfügung. Dabei besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Abteilung für Neuroradiologie. Ziel ist es, eine individuell maßgeschneiderte Therapie zu ermöglichen, sowohl bei der Auswahl und Einleitung einer geeigneten immunmodulatorischen Therapie als auch bei der Begleitung während der Therapie. In der Ambulanz stehen alle Infusionstherapien zur Verfügung.
Um einen Termin zu vereinbaren, ist es notwendig, vorab Arztberichte, Links zu MRT-Bildern bzw. eine CD mit MRT-Bildern sowie eine Überweisung eines neurologischen Facharztes einzureichen. Das Ärzteteam entscheidet nach Sichtung aller Befunde über die Terminvergabe, welche dann per Post oder telefonisch mitgeteilt wird.
Behandlung von Bewegungsstörungen
Die Klinik behandelt das gesamte Spektrum von Bewegungsstörungen, die sich in der Regel durch eine unwillkürliche Verarmung (Hypokinese), ein Übermaß (Hyperkinese) an Bewegungen oder eine fehlerhafte Bewegungsausführung auszeichnen. Hierzu zählen beispielsweise Hemispasmus facialis und fokale Spastik.
Es erfolgt eine umfassende Diagnosestellung, die moderne bildgebende Verfahren und gegebenenfalls eine Liquordiagnostik einschließt. Patient*innen mit einem Morbus Parkinson und atypischen Parkinsonsyndromen (Multisystematrophie, Progressive Supranukleäre Blickparese, Corticobasales Syndrom und Demenz vom Lewy Körperchen Typ) sowie differentialdiagnostisch abzugrenzende Erkrankungen werden behandelt. In fortgeschrittenen Stadien der Parkinson-Erkrankung wird das gesamte Spektrum weiterführender Therapien angeboten.
Patientinnen mit unterschiedlichen Dystonieformen, wie Blepharospasmus/Meige-Syndrom, zervikale Dystonie, Schreibkrampf und andere aktionsinduzierte Dystonien, werden betreut. Therapie der Wahl ist oft eine Behandlung mit Botulinumtoxin. Weiterhin werden der Spasmus Hemifacialis und eine fokale Spastik (z.B. nach Schlaganfall, posttraumatisch/posthypoxisch, bei Multipler Sklerose) mit Botulinumtoxin behandelt. Die Klinik führt auch die Tiefenhirnstimulation bei Patientinnen mit Morbus Parkinson, Tremor-Erkrankungen (v.a. sog. essentieller Tremor) und Dystonien durch.
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Restless-Legs-Syndrom (RLS)
Die Diagnose des RLS wird primär durch die klinische Untersuchung und die Anamnese gestellt. Neben laborchemischen Untersuchungen erfolgen, falls notwendig, auch elektrophysiologische, bildgebende Untersuchungen oder eine Überwachung im Schlaflabor. Es ist wichtig, mögliche Risikofaktoren für ein RLS, z.B. in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen, rechtzeitig zu erkennen und diese wenn möglich spezifisch zu behandeln. Die Therapie umfasst Verhaltensmaßnahmen zur Symptomlinderung und Verbesserung des Schlafes sowie auch eine medikamentöse Therapie. Es wird auch über aktuelle Forschungsprojekte beraten.
Choreatiforme Bewegungsstörungen und Huntington-Erkrankung
Das Klinikum diagnostiziert und behandelt Patientinnen mit den verschiedensten Ursachen für choreatiforme Bewegungsstörungen. Bei ungeklärter Ursache wird ein breites Spektrum bildgebender, laborchemischer und genetischer Untersuchungsmethoden genutzt, um die Ursache der Erkrankung zu identifizieren. Patientinnen mit einer Huntington-Erkrankung können an diesem Zentrum auch an longitudinalen Verlaufsbeobachtungsstudien und ggf. an interventionellen Studien teilnehmen.
Schmerztherapie im Zentrum für interdisziplinäre Schmerztherapie (ZIS)
Chronischer Schmerz ist ein bio-psycho-soziales Geschehen, das biologische ebenso wie psychologische, soziale und kulturelle Komponenten hat. Da eine Schmerzkrankheit sehr vielschichtig ist, sollte deshalb auch eine ganzheitliche Therapie erfolgen. Genau hier setzt das ZIS an: Ziel ist es, alle Aspekte der Schmerzkrankheit zu erfassen. Die Einbindung verschiedener Fachdisziplinen ermöglicht im interdisziplinären Team eine optimale Behandlung. Dabei wird auf ein multimodales Konzept und eine individuell zugeschnittene Therapie gesetzt.
Neurovaskuläre Ambulanz
In der neurovaskulären Ambulanz werden insbesondere Patientinnen mit komplexen neurovaskulären Erkrankungen (Erkrankungen der Hirn- und Rückenmarksgefäße) betreut. Es werden zudem Nachuntersuchungen nach einem stationären Aufenthalt aufgrund einer neurovaskulären Erkrankung angeboten, insbesondere wenn kontrollbedürftige Befunde erhoben wurden oder erneut über Art und Dauer sekundärpräventiver Maßnahmen entschieden werden soll (z.B. Plättchenhemmertherapie). Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung niedergelassener Kolleginnen auch anderer Fachdisziplinen (wie Gefäßchirurgie, Angiologie) bei der Indikationsstellung für gefäßrekonstruktive Eingriffe.
Es besteht eine enge direkte Zusammenarbeit mit dem zertifizierten interdisziplinären Gefäßzentrum sowie der Neuroradiologie des Klinikums rechts der Isar. Ausgewählte Fälle werden zusätzlich im wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Gefäßboard besprochen. So kann im Rahmen der ambulanten Behandlung neben der initialen Diagnostik ein weiterführendes Behandlungskonzept unter Einschluss konservativer, operativer bzw. interventioneller Maßnahmen erstellt werden. Die neurovaskuläre Ambulanz verfügt über das gesamte Spektrum moderner nichtinvasiver Untersuchungsverfahren. Für die Behandlung ist ein Überweisungsschein vom Hausarzt oder der Hausärztin bzw. eines Facharztes notwendig.
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Neuroonkologie
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für Diagnostik und Therapie notwendig, um für alle neuroonkologischen Patienten und Patientinnen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Prognose individuell die Diagnostik und ein optimales Behandlungskonzept festzulegen. Neben dem Einsatz modernster tumorspezifischer Verfahren müssen der Erhalt bzw. die Verbesserung der Lebensqualität höchste Priorität besitzen.
Motoneuronerkrankungen
Motoneuronerkrankungen sind eine Gruppe von neurodegenerativen Erkrankungen, die mit dem Absterben von motorischen Nervenzellen (Motoneuronen) einhergehen. Diese Nervenzellen verlaufen vom Gehirn zum Rückenmark (1. Motoneuron) bzw. vom Rückenmark zum Muskel (2. Motoneuron). Zu der Gruppe der Motoneuronerkrankungen gehören u.a. die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und die Spinale Muskelatrophie (SMA).
Zu den Aufgaben der Ambulanz gehört zunächst die Stellung bzw. Sicherung einer Diagnose oder die Beurteilung einer geäußerten Verdachtsdiagnose ("Zweitmeinung"). Der erste Schritt ist ein ärztliches Gespräch sowie eine umfassende körperliche Untersuchung. Im Anschluss erfolgen häufig laborchemische Analysen des Blutes und ggf. des Nervenwassers, elektrophysiologische Untersuchungen (z.B. NLG, EMG, MUNIX) und bildgebende Verfahren (z.B. MRT/CT). Im Rahmen der Ursachenfindung sind in manchen Fällen zudem gezielte molekulargenetische Untersuchungen einer Blutprobe erforderlich.
Nach Diagnosestellung erfolgt eine detaillierte Beratung hinsichtlich der individuellen Prognoseabschätzung und Behandlungsmöglichkeiten. Das Therapiekonzept umfasst je nach persönlichem Bedarf den Einsatz von verschiedenen Medikamenten, Hilfsmitteln (z.B. Rollstuhl, Kommunikationshilfen, Hustenassistent) und Heilmitteln (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) sowie eine Unterstützung bei Schluck- und Atemstörungen. Wichtige Ziele sind die Verbesserung der Lebensqualität, die Verzögerung des Krankheitsfortschrittes sowie die Prävention und Behandlung von Komplikationen. Die Klinik forscht intensiv an neuen Diagnose- und Therapieverfahren.
Muskelerkrankungen
Muskelerkrankungen können erbliche Ursachen (z.B. Muskeldystrophien) und erworbene Ursachen wie z.B. Entzündungen (Myositis) zugrunde liegen. Die Diagnostik bei Verdacht auf eine Muskelerkrankung umfasst neben einer gründlichen ärztlichen Untersuchung Laboruntersuchungen und elektrophysiologische Untersuchungen (Elektromyographie und Neurographie) sowie in ausgewählten Fällen eine Kernspintomographie (MRT) der Muskeln. In manchen Fällen ist eine Muskelbiopsie (Muskelprobe) notwendig (gerade bei Verdacht auf eine Myositis), die im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes in der Klinik entnommen wird. Die Untersuchung der Probe erfolgt in Kooperation mit dem Friedrich-Baur-Institut an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach der Diagnosestellung werden die Patient*innen langfristig ambulant weiterbetreut. Neben der Mitbetreuung einer ursächlichen Therapie, die bislang nur bei manchen Muskelerkrankungen verfügbar ist, wird Unterstützung bei der symptomatischen Therapie und Verordnung von Hilfs- und Heilmitteln geboten.
Ambulanz für erbliche neurologische Erkrankungen
Erbliche Erkrankungen gewinnen in der Neurologie zunehmend an Bedeutung. Dies betrifft insbesondere Muskelerkrankungen, Motoneuronerkrankungen, Polyneuropathien und Bewegungsstörungen wie z.B. Ataxien, aber auch bei Schlaganfällen gibt es manchmal erbliche Ursachen. Daher arbeitet die Ambulanz für erbliche neurologische Erkrankungen eng mit den anderen Spezialambulanzen der Klinik zusammen. Sowohl die diagnostischen Möglichkeiten („Next-Generation-Sequencing“) als auch die kausalen Therapieoptionen (z.B. Antisense-Oligonukleotid-Therapie und Genersatztherapie) befinden sich in einer rasanten Entwicklung.
Bei Verdacht auf eine erbliche neurologische Erkrankung ist eine ausführliche Erhebung der Familiengeschichte wichtig, ggf. auch eine klinische Untersuchung von Familienmitgliedern. Bei vielen erblichen Erkrankungen kann mittlerweile durch den Fortschritt der molekulargenetischen Diagnostik ("Next-Generation-Sequencing") die Ursache in einer Blutprobe identifiziert werden. Manchmal ist zur Einordnung von Genveränderungen auch eine Untersuchung gesunder Familienmitglieder sinnvoll.
Ambulanz für Musikermedizin
Professionelle Musikerinnen und Musiker sind durch jahrelanges intensives Training sowie hohem Leistungs- und Konkurrenzdruck ganz besonderen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Dies kann zu sehr speziellen körperlichen aber auch psychischen Problemen führen. In der Ambulanz für Musikermedizin des Universitätsklinikums rechts der Isar arbeitet ein erfahrenes Team aus Ärzten und Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen zusammen und bietet Musikerinnen ein spezialisiertes Präventions-, Diagnose- und Therapieangebot. Es besteht eine Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musiker-Medizin (DGfMM). Spiel- bzw. gesangsbedingte Beschwerden werden interdisziplinär, angepasst an die Bedürfnisse der Musikerinnen und Musiker und Sängerinnen und Sänger behandelt. Die enge Zusammenarbeit mit professionellen Musikerinnen und Musikpädagogen und Musikpädagoginnen bildet eine ideale Basis zur besseren Erforschung der Ursachen und Entstehung berufsbedingter Erkrankungen bei professionellen Musiker*innen.
Forschung
Die Klinik forscht intensiv an neuen Diagnose- und Therapieverfahren. So umfassen die Forschungsaktivitäten sowohl Projekte im neurobiologischen Grundlagenlabor, auf dem Gebiet der Biomarkerforschung, im Bereich der Bildgebung als auch im Bereich klinischer Studien, in denen neue Therapieansätze geprüft werden. Im Rahmen des Kompetenznetz Parkinson und des DZNE ist die Klinik mit anderen universitären Zentren verbunden, um gemeinsam die Erforschung von Bewegungsstörungen voranzutreiben.
Prof. Dr. Marcus Deschauer
Klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt von Prof. Marcus Deschauer sind die neuromuskulären Erkrankungen, insbesondere die erblichen Formen, bei denen die genspezifische Behandlung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Er ist seit 2014 als Oberarzt an der Klinik tätig. Prof. Deschauer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit genetischen Fragestellungen nicht nur bei neuromuskulären Erkrankungen, sondern auch bei anderen neurologischen Erkrankungen. In der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist er federführender Autor der Leitlinie "Diagnostik von Myopathien" und Mitglied der Expertengruppe für die Leitlinie "Mitochondriopathien“. Er leitet die Ambulanz für Muskelerkrankungen und für erbliche neurologische Erkrankungen sowie das Elektroneuromyographie-Labor und das Zentrum für seltene neurologische Erkrankungen am Klinikum rechts der Isar.
Organisatorische Hinweise
Die Adresse der Klinikum rechts der Isar Klinik für Neurologie und Poliklinik lautet Ismaninger Str. Für einen Termin ist ein Überweisungsschein vom Hausarzt oder der Hausärztin bzw. eines Facharztes notwendig. Es wird empfohlen, genügend Zeit für den Termin einzuplanen, da eine Erstvorstellung ca. dauert. Gegebenenfalls sind Hörgerät bzw. Brille mitzubringen.
Kritik und Verbesserungspotenzial
Einige Patienten bemängeln die Qualität des Essens im Klinikum. Es wird kritisiert, dass das Essen nicht gesund sei und es unverständlich sei, wie eine so gute Klinik es nicht schaffe, ihren Patienten gesundes Essen zu reichen. Es gab auch Kritik an einzelnen Ärzten, während andere Ärzte und Teams sehr gelobt wurden.