Rückenschmerzen und insbesondere Ischiasbeschwerden sind weit verbreitet und können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Viele Menschen suchen nach alternativen oder ergänzenden Behandlungsmethoden, um ihre Schmerzen zu lindern. Ein Ansatz, der dabei oft in Betracht gezogen wird, ist die Homöopathie.
Was ist Ischias?
Als Ischialgie oder Ischiassyndrom wird eine Reizung des Ischiasnervs bezeichnet, der vom unteren Rücken durch das Gesäß bis in die Beine verläuft. Diese Reizung kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie beispielsweise Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen, Tumore oder Schwangerschaft. Auch Erkrankungen der Wirbelsäule, Infektionen, Knochenbrüche, Operationen oder Nervenschädigungen können eine Rolle spielen.
Die typischen Symptome einer Ischialgie sind Schmerzen, die vom unteren Rücken in das Bein ausstrahlen, oft bis zum Fußaußenrand. Begleitend können Taubheitsgefühle, Kribbeln oder sogar motorische Lähmungen auftreten.
Homöopathie als Behandlungsansatz
Die Homöopathie ist eine alternative Behandlungsmethode, die auf dem Prinzip "Ähnliches mit Ähnlichem heilen" basiert. Dabei werden stark verdünnte Substanzen eingesetzt, um die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. In der Homöopathie wird nicht die Krankheit an sich behandelt, sondern der Mensch in seiner Gesamtheit.
Bei der Behandlung von Ischiasbeschwerden in der Homöopathie wird der Therapeut die individuellen Symptome des Patienten genau erfragen. Dabei spielen die Art des Schmerzes (z.B. stechend, ziehend, brennend), die Lokalisation, auslösende Faktoren sowie Begleitsymptome eine wichtige Rolle. Anhand dieser Informationen wählt der Homöopath das passende Mittel aus.
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Rhus toxicodendron: Ein häufig verwendetes Mittel in der Homöopathie
Eines der am häufigsten eingesetzten Mittel in der Homöopathie ist Rhus toxicodendron, das auf dem Giftsumach basiert. Es wird vor allem bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, insbesondere bei Schmerzen nach Verrenkungen, Verstauchungen und Zerrungen, eingesetzt. Auch bei einem Hexenschuss oder Arthrose kann Rhus toxicodendron helfen.
Wann ist Rhus toxicodendron angezeigt?
Rhus toxicodendron hat einige charakteristische Merkmale, die es als passendes homöopathisches Mittel kennzeichnen:
- Der Patient hat ein starkes Verlangen, sich trotz der Schmerzen ständig zu bewegen.
- Vor allem nachts findet der Patient keine Ruheposition.
- Die Zunge ist belegt und hat eine rote Spitze.
- Es besteht Durst und Verlangen nach kalter Milch.
- Trockener Husten tritt auf, wenn die Person friert, besonders nachts.
Die Beschwerden bessern sich durch:
- Fortgesetzte Bewegung
- Wärme und heiße Anwendungen
- Warmes Baden oder Reiben
Die Beschwerden verschlimmern sich durch:
- Nässe und Kälte
- Kaltes Baden
- Zugluft
- Frühjahr und Herbst
- Zu Beginn der Bewegung
- Ruhe
- Längeres Liegen oder Stehen
- Körperliche Anstrengung
- Nachts und nach Mitternacht
Anwendung von Rhus toxicodendron
Rhus toxicodendron ist als Einzelmittel in Form von Globuli, Salbe oder Tropfen erhältlich. Es ist auch in vielen homöopathischen Komplexmitteln enthalten, die zur Behandlung von Beschwerden des Bewegungsapparates oder bei grippalen Infekten eingesetzt werden.
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Bei akuten Beschwerden wird Rhus toxicodendron D6 mehrmals täglich eingenommen. Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen. Im akuten Fall kann man mit einer halbstündlichen bis stündlichen Einnahme beginnen. Bei Besserung werden die Abstände größer, und bei anhaltendem Wohlbefinden kann die Einnahme beendet werden.
Rhus toxicodendron D12, D30 oder C30 eignen sich ebenfalls zur Behandlung von akuten Beschwerden, sollten aber nur ein bis zwei Mal täglich eingenommen werden. Höhere Potenzen sollten nur nach Verordnung durch einen Homöopathen eingesetzt werden.
Typische Anwendungsgebiete von Rhus toxicodendron
- Arthritis: Steife Gelenke, Schmerzen, die sich bei Bewegung erst verschlimmern, dann allmählich nachlassen.
- Arthrose: Schmerzen und Steifheit in den Gelenken, Verschlimmerung durch Nässe und Kälte, Besserung durch Wärme und Bewegung.
- Lumbago (Hexenschuss): Starke Steifheit und Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeines, Taubheitsgefühl, Besserung durch Liegen auf dem Rücken und leichte Bewegung, Verschlimmerung durch Ruhe und feuchtkaltes Wetter.
- Ischiasbeschwerden: Reißende Schmerzen mit dem Gefühl, man habe sich verrenkt, Entstehung durch Überheben und bei feucht-kaltem Wetter, Besserung durch andauernde Bewegung, Wärme und Massage.
- Muskelkater: Reißende und ziehende Schmerzen nach körperlicher Überanstrengung, Abgespanntheit, Bewegungsdrang, Besserung durch anhaltende Bewegung und Wärme, Verschlechterung durch Kälte.
- Halswirbelsäulensyndrom: Nackenschmerzen durch falsches Liegen oder Verdrehen, rheumatische Nackenschmerzen bei nasskaltem Wetter, Besserung durch Bewegung.
- Sehnenscheidenentzündungen: Schmerzen nach Überanstrengung, anfängliche Bewegung schmerzt, danach Besserung, Verschlechterung durch Ruhe und Kälte.
- Muskel- und Sehnenzerrungen: Anfängliche Bewegung schmerzt, danach Besserung, Verschlechterung durch Kälte, Nässe und Ruhe.
- Verstauchungen, Verrenkungen, Prellungen: Heiße und geschwollene Gelenke, ziehende Schmerzen zu Beginn der Bewegung, die bei fortgesetzter Bewegung nachlassen, Besserung durch Wärme.
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Folge einer Erkältung bei nasskaltem Wetter, eitrige Verklebung der Augenlider am Morgen, Tränenfluss mit brennenden Schmerzen, geschwollenes Oberlid.
- Erkältungen, Grippe, fiebrige Infekte: Starke Gliederschmerzen, Entstehung als Folge von Kälte, Nässe oder starkem Schwitzen, Fieber mit Fieberbläschen und Schüttelfrost, trockener Mund, bräunlicher Belag auf der Zunge, Ruhelosigkeit und Benommenheit.
- Gürtelrose (Herpes zoster): Stechende Schmerzen, rote Haut mit Bläschen, Juckreiz, Besserung durch warme Auflagen, Patient fühlt sich zerschlagen und ist unruhig.
- Hautausschläge: Feuchte und geschwollene Haut, rote, juckende Bläschen, brennende Schmerzen.
- Schlafstörungen: Unruhiger Schlaf mit Herumwerfen im Bett, Müdigkeit nach dem Erwachen.
Weitere homöopathische Mittel bei Ischias
Neben Rhus toxicodendron gibt es noch weitere homöopathische Mittel, die bei Ischiasbeschwerden in Frage kommen können. Die Wahl des richtigen Mittels hängt von den individuellen Symptomen des Patienten ab. Einige Beispiele sind:
- Aconitum: Plötzlicher, dramatischer Beginn der Schmerzen, oft abends nach Einwirkung von trockener, kalter Luft oder sehr heißem Wetter.
- Nux vomica: Nackensteifheit und Schmerzen im unteren Bereich der Wirbelsäule, häufig nach Kälte oder durchnässter Kleidung, kalte Füße, Steifheit in Kreuz und Nacken, unruhiger Typus.
- Colocynthis: Hexenschussartige Beschwerden mit Verschlechterung in den frühen Morgenstunden und bei Bewegung.
- Phosphorus: Brennen im Bereich der Wirbelsäule, Typus seelisch überreizt, beruflich stark engagiert, genervt, aufbrausend, hager.
- Arnica: Akute, aber auch chronische Beschwerden durch Überanstrengung oder Verkühlung der Muskulatur. Ziehende Schmerzen, als ob Muskeln und Sehnen zu kurz wären.
Was Sie noch tun können
Neben der homöopathischen Behandlung gibt es noch weitere Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Ihre Ischiasbeschwerden zu lindern:
- Bewegung: Vermeiden Sie längere Bettruhe und bleiben Sie aktiv. Leichte Bewegung wie Spaziergänge oder gezielte Übungen können helfen, die Muskeln zu lockern und die Schmerzen zu reduzieren.
- Wärme: Wärmeanwendungen wie warme Bäder, Wärmflaschen oder Wärmepflaster können die Muskeln entspannen und die Schmerzen lindern.
- Ergonomie: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung, insbesondere beim Sitzen. Ein ergonomischer Bürostuhl und regelmäßige Pausen können helfen, Verspannungen zu vermeiden.
- Stressabbau: Chronischer Stress kann die Schmerzen verstärken. Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzen zu lindern.
- Natürliche Entzündungshemmer: Einige Lebensmittel und Gewürze haben entzündungshemmende Eigenschaften und können helfen, die Schmerzen zu lindern. Dazu gehören Kurkuma, Ingwer, Omega-3-Fettsäuren, grüner Tee und Kirschen.
Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten
Bei leichten bis mittelschweren Beschwerden, die Sie mit rezeptfreien Medikamenten, natürlichen Entzündungshemmern und Hausmitteln gut in den Griff bekommen, ist ein Arztbesuch nicht unbedingt erforderlich. Bei plötzlichen, starken Schmerzen sowie anderen Beschwerden wie Taubheits- und Kribbelgefühlen sollten Sie jedoch möglichst zügig ärztlichen Rat einholen. Insbesondere bei Störungen der Bewegungsfähigkeit (Motorik) und des Gefühlsempfindens (Sensibilität) ist es wichtig, alarmiert zu sein.
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