Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren und ihre Auswirkungen auf Migräne

Die Wechseljahre, auch Perimenopause oder Klimakterium genannt, sind eine natürliche Phase im Leben einer Frau, in der sich der Hormonhaushalt um die Menopause (die letzte Menstruation) herum verändert. Diese Zeit ist oft von hormonellen Schwankungen begleitet, die sich in Zyklusstörungen äußern können. Gerade während der Perimenopause sind diese starken Hormonschwankungen besonders ausgeprägt. Viele Frauen leiden zu Beginn der Wechseljahre unter östrogenmangelbedingten Beschwerden wie Hitzewallungen, depressiven Verstimmungen oder urologischen Problemen, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können.

Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren

In den Wechseljahren stellt sich der Hormonhaushalt des weiblichen Körpers um die Menopause herum um. Dies geschieht aufgrund des nachlassenden Vorrats an Eibläschen, was zu Hormonschwankungen führt, die sich als Zyklusstörungen äußern. Insbesondere während der Perimenopause sind diese starken Schwankungen der Hormone zu beobachten.

Östrogenmangel und seine Folgen

Mit Beginn der Wechseljahre leiden Frauen nicht selten an östrogenmangelbedingten Beschwerden wie Hitzewallungen, depressiven Verstimmungen oder urologischen Beschwerden, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können.

Hormonersatztherapie (HRT)

In manchen Fällen kann eine Hormonersatztherapie (HRT) zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden sinnvoll sein. Dabei stehen sowohl die orale Einnahme (Tabletten) von Östrogen-Gestagen-Präparaten als auch die transdermale Gabe von Östrogen zur Verfügung, wobei das Gel über die Haut aufgenommen wird.

Bei der Auswahl der passenden Therapie müssen insbesondere bei gleichzeitiger Migräne die individuellen kardiovaskulären Risikofaktoren berücksichtigt werden, aber auch die Zeit seit Beginn der Menopause spielt eine wichtige Rolle. Während der Perimenopause haben Hormonersatztherapien häufig einen positiven Einfluss auf die Wechseljahrbeschwerden, allerdings nicht auf die Migräne.

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Bei der HRT gibt es immer Ausschlusskriterien. Ein wichtiger Punkt ist das Schlaganfallrisiko. Bei bestimmten Formen der Migräne ist das erhöht. Daher stellt sich die Frage, ob Frauen, die eine Migräne mit Aura (Sinnesstörungen, meist Sehstörungen) haben, eine HRT bekommen dürfen. Für die hormonelle Verhütung gilt Migräne mit Aura als Kontraindikation. Bei der HRT scheint das Schlaganfallrisiko, insbesondere wenn die Hormone transdermal verabreicht werden, jedoch nicht erhöht zu sein. Dennoch gilt: Vor dem Beginn einer HRT sollten die Frauen mit ihren behandelnden Ärzt:innen die Vor- und Nachteile der Behandlung ausführlich diskutieren. Aber das ist immer eine gute Idee.

Migräne und hormonelle Schwankungen

Kopfschmerzen in den Wechseljahren, insbesondere Migräne, können durch Schwankungen im Östrogenspiegel ausgelöst werden. Ein plötzlicher Abfall des Östrogenspiegels, wie er typischerweise vor der Menstruation und während der Perimenopause auftritt, kann zu einer erhöhten Anfälligkeit für Kopfschmerzen führen.

Die Rolle von Östrogen

Der prämenstruelle Abfall von Östrogen kann Migräneanfälle verstärken. Studienergebnisse deuten darauf hin, dass dabei nicht die Menge der zirkulierenden Hormone entscheidend ist, sondern Migräneattacken insbesondere durch hormonelle Schwankungen verursacht werden. Die aktuelle Studienlage zeigt, dass perimenstruelle Migräneattacken länger und intensiver ausfallen und mit akzentuierter Photophobie und Phonophobie verbunden sind. Außerdem stehen sie in Zusammenhang mit einem schlechteren Ansprechen auf medikamentöse Therapien. Beispielsweise weisen perimenstruelle Attacken höhere Rezidivraten von Attacken nach der Behandlung mit Triptanen auf.

Menstruelle Migräne

Will man den zeitlichen Zusammenhang zwischen Menstruation und Migräne definieren, so macht es Sinn, den Zeitraum auf die Zeit der Regelblutung selbst, sowie drei Tage davor und danach festzusetzen. Setzt man dieses Kriterium, so ergibt die Statistik, dass maximal eine von zwanzig migränekranken Frauen zu dieser Gruppe gehört. Aus klinischen und experimentellen Studien wissen wir, dass der auslösende Faktor in einem Absinken des Östrogenspiegels zu finden ist. Aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs mit der Menstruation lag es nahe, hormonelle Therapieverfahren einzusetzen. Doch es zeigte sich, dass weder Hormonpflaster noch Östrogene in Tablettenform die Attacken verhindern konnten. Auch der Einsatz von Östrogen in Form eines auf die Haut auftragbaren Gels führt nicht zu zuverlässigen Behandlungsergebnissen.

Schwangerschaft und Migräne

Die Migräne ist von besonderer Bedeutung für eine mögliche oder bestehende Schwangerschaft. Zum einen ergibt sich die Frage, wie eine Migräne während der Schwangerschaft zu behandeln ist, insbesondere welche Medikamente indiziert oder kontraindiziert sind. Zum anderen sorgen sich betroffene Patientinnen, ob die Schwangerschaft durch die Migräneerkrankung bedroht wird. Bei mehr als 70% der betroffenen Frauen zeigen sich während der Schwangerschaft entweder keine Migräneattacken oder sie sind weniger intensiv. Besonders in den letzten beiden Trimestern erleben viele Frauen eine signifikante Reduktion oder sogar das vollständige Ausbleiben von Migräneanfällen. Frauen, die unter menstrueller Migräne leiden, profitieren während der Schwangerschaft vom Ausbleiben der Menstruation und einer konstanten Erhöhung der weiblichen Sexualhormone. Der hormonelle Abfall nach der Geburt führt bei etwa der Hälfte der Frauen zu einem erneuten Anstieg von Migräneattacken, die oftmals häufiger und intensiver auftreten.

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Migräne nach der Menopause

Die Studien zeichnen ein positives Bild für die Zeit nach der Menopause. Migräne, die durch hormonelle Schwankungen getriggert wird, scheint sich bei vielen Frauen zu bessern. Nach der Menopause, wenn die Hormonspiegel dauerhaft niedrig und stabil sind, bessern sich die Beschwerden bei sehr vielen der betroffenen Frauen.

Therapieansätze bei Migräne in den Wechseljahren

Bei der Auswahl der Migränetherapie müssen neben dem steigenden kardiovaskulären Risiko auch die Risiken anderer altersgebundener Erkrankungen berücksichtigt werden. So können im Alter beispielsweise Betablocker (bei arterieller Hypertonie) und Acetylsalicylsäure (ASS) eingesetzt werden. Der Einsatz von z. B. trizyklischen Antidepressiva zur Migränetherapie muss ebenfalls je nach Vorerkrankung abgewogen werden und kommt bei Herzrhythmusstörungen nur eingeschränkt in Frage. Auch Triptane zur Akuttherapie sind in Deutschland nur bis zu einem Lebensalter von 65 Jahren zugelassen, wohingegen moderne monoklonale Antikörper zur Migräneprophylaxe auch im höheren Alter eingesetzt werden dürfen, wobei aber dazu aktuell noch wenig Erfahrungen vorliegen. Sollte sich die Migräne unter Behandlung mit den verfügbaren Standardtherapien nicht bessern, kann auch nach der Menopause eine hormonelle Therapie gewählt werden.

Medikamentöse Therapie

Migräne ist auch mit Medikamenten behandelbar. Es gibt neue und spezifische Therapien, die sehr gut helfen, sowohl bei der Prophylaxe als auch im akuten Fall. Hier kann und sollte sich jede Betroffene Hilfe holen, wichtige Anlaufpunkte sind dabei der Hausarzt, aber auch der Gynäkologe.

Triptane und monoklonale Antikörper

Triptane zur Akuttherapie sind in Deutschland nur bis zu einem Lebensalter von 65 Jahren zugelassen, wohingegen moderne monoklonale Antikörper zur Migräneprophylaxe auch im höheren Alter eingesetzt werden dürfen, wobei aber dazu aktuell noch wenig Erfahrungen vorliegen.

CGRP-Inhibitoren

Aufgrund der zentralen Funktion von CGRP in der Migräneentstehung sind in den letzten Jahren neue Medikamente entwickelt worden, die sich gegen den Botenstoff richten - sogenannte CGRP-Inhibitoren. Auf Basis einer Studie stellt sich nun die Frage: Haben CGRP-Inhibitoren bei verschiedenen hormonellen Zuständen eine unterschiedliche Wirkung? Wäre es also zum Beispiel sinnvoll, diese Medikamente zyklusabhängig zu verabreichen?

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Nicht-medikamentöse Therapieansätze

Nicht für jede Frau ist eine medikamentöse Prophylaxe geeignet oder erwünscht, insbesondere während Schwangerschaft und Stillzeit. Hier treten alternative, nicht-medikamentöse Prophylaxen in den Fokus. Zu den nicht-medikamentösen Ansätzen zählen beispielsweise Physiotherapie, Ernährungstherapien, Neuraltherapie oder Akupunktur. Diese Verfahren sollten möglichst ergänzend zu den etablierten Standardtherapien eingesetzt werden.

Entspannungstechniken und Stressmanagement

Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, autogenes Training oder achtsamkeitsbasierte Programme wie MBSR können helfen. Auch regelmäßiger Ausdauersport wirkt nachweislich günstig. Da sich in dem Alter bei Frauen oft Belastungen häufen, ist Stressmanagement wichtig. Das autonome Nervensystem ist aus dem Gleichgewicht geraten - durch Methoden wie Meditation oder gezielte Entspannungsverfahren lässt es sich wieder beruhigen und stabilisieren.

Ernährung und Mikronährstoffe

Magnesium, ein essenzielles Mineral, das in der Muskel- und Nervenfunktion eine Rolle spielt, kann bei der Vorbeugung und Behandlung von Kopfschmerzen, insbesondere Migräne, hilfreich sein. Studien zeigen, dass Magnesiummangel mit einer erhöhten Anfälligkeit für Migräne in Verbindung gebracht werden kann. Neben Magnesium können auch andere Vitamine und Nährstoffe bei der Vorbeugung und Behandlung von wechseljahresbedingten Kopfschmerzen hilfreich sein. Dazu gehören Vitamin B2 (Riboflavin), das in Studien mit einer Verringerung der Migränehäufigkeit in Verbindung gebracht wurde, sowie Coenzym Q10, ein Antioxidans, das die Zellfunktion unterstützt und ebenfalls positive Effekte auf Migräne zeigen kann. Ein innovativer und nebenwirkungsfreier Ansatz bietet hierbei die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für Migräne - sinCephalea, die ergänzend aber auch als stand-alone Prophylaxe eingesetzt werden kann. Der ernährungsmedizinische Ansatz setzt vor allem auf die Stabilisierung des Blutzuckerspiegels durch eine personalisierte niedrig-glykämische Ernährung.

Pflanzliche Mittel

Bestimmte Heilpflanzen und Kräuter können unterstützend bei der Behandlung von Kopfschmerzen in den Wechseljahren eingesetzt werden. Pfefferminzöl, auf die Stirn und Schläfen aufgetragen, kann kühlend wirken und bei Spannungskopfschmerzen Linderung verschaffen. Ingwer, bekannt für seine entzündungshemmenden Eigenschaften, kann bei der Reduzierung von Kopfschmerzintensität und Übelkeit hilfreich sein. Auch Weidenrinde, die Salicin enthält, eine Substanz, die ähnlich wie Aspirin wirkt, kann zur Linderung von Kopfschmerzen beitragen.

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)

Einen innovativen und nebenwirkungsfreien Ansatz bietet hierbei die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für Migräne - sinCephalea, die ergänzend aber auch als stand-alone Prophylaxe eingesetzt werden kann. Die Migräne-App kann besonders Frauen in der Schwangerschaft und Stillzeit unterstützen, wenn medikamentöse Therapien abgelehnt werden. sinCephalea ist die weltweit erste stoffwechselbasierte DiGA zur Migräneprophylaxe und kann budgetneutral auf Rezept verordnet werden.

Forschung und Ausblick

Ein Forschungsteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat eine mögliche Erklärung für den Zusammenhang zwischen Menstruation und Migräne gefunden. Der im Fachmagazin Neurology* veröffentlichten Studie zufolge bilden betroffene Frauen während der Menstruation besonders große Mengen an CGRP. Die Forschenden planen, auch den CGRP-Spiegel bei Männern unterschiedlicher Altersgruppen genauer in den Blick zu nehmen. Künftig wird das Forschungsteam untersuchen, welche weiteren körperlichen Prozesse durch den Menstruationszyklus beeinflusst werden und zur Entstehung von Migräneattacken beitragen könnten - zum Beispiel die Funktion der Blutgefäße oder die Erregbarkeit des Gehirns.

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