Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Frauen sind dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer. Manche Frauen werden besonders oft zum Zeitpunkt der Menstruation damit geplagt, oder beim Eintritt in die Wechseljahre. Diese Form von Kopfschmerzen verstärkt sich bei körperlicher Anstrengung und wird meist als abrupt beginnend, pulsierend und halbseitig auftretend beschrieben. Oft treten gleichzeitig Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit auf, die sich jedoch bei Dunkelheit und Ruhe bessern. Bei solchen Kopfschmerzen handelt es sich um Migräne, die zyklusabhängig auftritt. Die Schmerzen entstehen, wenn der Spiegel des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen im Blut abfällt. Ein Forschungsteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat jetzt eine mögliche Erklärung dafür gefunden. Der im Fachmagazin Neurology* veröffentlichten Studie zufolge bilden betroffene Frauen während der Menstruation besonders große Mengen an CGRP.
Was ist hormonelle Migräne?
Hormonell bedingte Migräne tritt bei den meisten Frauen kurz vor, während oder nach der Periode auf. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. geht davon aus, dass sieben Prozent aller Migräne-Patientinnen an einer sogenannten menstruellen Migräne leiden.
Gemäß internationaler Kopfschmerz-Klassifikation wird die menstruelle Migräne folgendermaßen definiert: Bei mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen tritt bei der Frau eine Migräneattacke auf und zwar innerhalb von zwei Tagen vor Einsetzen der Regelblutung bis drei Tage danach. Mit dieser strikten zeitlichen Fixierung trifft das aber nur auf einige Patientinnen mit Migräne zu. Ereignen sich die Kopfschmerzanfälle zusätzlich auch noch zu anderen Zeitpunkten im Zyklusverlauf, lautet der medizinisch korrekte Begriff „menstruell assoziierte Migräne“.
Menstruelle Migräne vs. Normale Migräne
Eine hormonell bedingte Migräne dauert oft länger und schmerzt stärker als andere Migräneformen. Auch die Begleitsymptome sind ausgeprägter: Betroffene reagieren empfindlicher auf Licht und Geräusche, leiden häufiger unter Übelkeit oder Erbrechen.
Die Abgrenzung zwischen einer Migräne ohne Aura und Spannungskopfschmerz kann schwierig sein. Deshalb soll die Diagnose „menstruelle Migräne“ laut der ärztlichen Leitlinien frühestens nach fünf erlittenen Attacken erfolgen. Zumal betroffene Frauen auch oft einen Zusammenhang zwischen Menstruation und Migräne sehen, den es gar nicht gibt. Das zeigen wissenschaftliche Studien, in denen die Teilnehmerinnen ein Kopfschmerztagebuch führten.
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Symptome der menstruellen Migräne
Zu den Symptomen zählen:
- Kopfschmerzattacken, die mehrere Tage anhalten können
- oft einseitiger, pulsierender oder pochender Schmerz
- mittlere bis starke Schmerzen, die bei Aktivität zunehmen
- Übelkeit und Erbrechen
- erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen und Geräuschen
Manche Frauen erleben die menstruelle Migräne auch mit einer Aura. So werden neurologische Ausfallerscheinungen und Störungen bezeichnet, die kurz vor der Migräneattacke auftreten. Dazu zählen Sehstörungen wie Lichtblitze, Sprachstörungen, Missempfindungen, Lähmungen oder Schwindel.
Ursachen der hormonellen Migräne
Die Ursachen für Migräne sind bis heute nicht genau bekannt. Neben der Veranlagung zu Migräne und damit verbundenen neurophysiologischen Besonderheiten scheint es äußere und innere Triggerfaktoren zu geben, die dann konkrete Beschwerden auslösen. Dazu können Stress, emotionale Belastungen, ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, Alkohol oder Zigaretten gehören.
Bei der Entstehung der menstruellen Migräneattacken scheint der - vor der Periode einsetzende - Abfall zuvor hoher Hormonkonzentrationen (Östrogen, Gelbkörperhormone) im Blut eine auslösende Rolle zu spielen. Es gibt außerdem Hinweise auf Störungen in der Schmerzregulierung und im Prostaglandin- und Serotoninstoffwechsel. Inwiefern diese Störungen und die hormonellen Veränderungen aber im Detail für die Schmerzen verantwortlich sind, ist noch unklar. Die Genetik dürfte auch ein Wörtchen mitzureden haben. Ebenso die Epigenetik, also die Umstände, die das Ablesen der Erbinformation beeinflussen. Hier sind unter anderem psychosomatische Aspekte relevant, bei denen es um die Beziehung zwischen Körper und Seele geht - etwa beim Stressverhalten, das individuell sehr unterschiedlich gelebt wird.
Hormonschwankungen und CGRP
In der Woche vor der Menstruation sinkt bei Frauen der Östrogenspiegel. Aus dem Tiermodell gibt es Hinweise, dass Schwankungen von weiblichen Hormonen - insbesondere von Östrogen - zu einer verstärkten Freisetzung des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn führen.
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Das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) spielt eine zentrale Rolle bei Migräne. Es erweitert die Blutgefäße im Gehirn und löst eine Entzündungsreaktion aus - die Ursache für die typischen pulsierenden Kopfschmerzen.
Hormonelle Veränderungen in verschiedenen Lebensphasen
- Menstruationszyklus: Verantwortlich für die Kopfschmerzattacken während der Monatsblutung ist wahrscheinlich das Hormon Östrogen. Die Produktion dieses Botenstoffs schwankt im Verlauf des monatlichen Zyklus, der bei den meisten Frauen durchschnittlich 28 Tagen dauert. Mediziner vermuten, dass das plötzliche Absinken des Östrogenspiegels auch den Serotoninspiegel beeinflusst.
- Schwangerschaft: Bei etwa 80 Prozent der Migränepatientinnen bessert sich das Migräneleiden im Laufe der Schwangerschaft und Stillzeit vorübergehend. Grund dafür ist die Veränderung des Hormonhaushalts. Während einer Schwangerschaft ist der Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen konstant hoch.
- Wechseljahre: Mit zunehmendem Alter bleibt öfter ein Eisprung aus, die Produktion von Östrogen und anderen weiblichen Geschlechtshormonen in den Eierstöcken sinkt. Ein starker Abfall der Östrogenkonzentration innerhalb weniger Tage kann, neben den bekannten Symptomen der Wechseljahre wie Hitzewallungen, auch eine hormonelle Migräne mit sich bringen. Deswegen ist eine Verschlechterung der Migräne meist auch während der Wechseljahre zu beobachten, bei der die Hormone stark schwanken können.
Behandlung und Vorbeugung der hormonellen Migräne
Die Migräne selbst ist nicht heilbar, aber die Kopfschmerzen und begleitenden Symptome können behandelt werden. Grundsätzlich gilt: Akute menstruell bedingte Migräneattacken werden genauso behandelt wie andere Migräneattacken. Dabei liegt der Fokus auf einer möglichst effektiven und individuellen Schmerzlinderung. Auch haben viele Frauen bei leichten Beschwerden positive Erfahrungen mit nicht-medikamentösen Methoden gesammelt.
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. Gegen Übelkeit und Erbrechen empfiehlt die Leitlinie Medikamente, die als Wirkstoff Metoclopramid oder Domperidon enthalten. Die beiden sogenannten Antiemetika bessern nicht nur die Begleitsymptome von hormonellen Kopfschmerzen, sondern regen auch die Peristaltik des Magen-Darm-Traktes an. Eine wichtige Säule in der Behandlung von hormonellen Kopfschmerzen ist die vorbeugende Behandlung.
Akuttherapie
Bei starken Beschwerden helfen Medikamente, um den Anfall zu unterbrechen und durchzustehen. Dazu zählen Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein, die möglichst am Anfang der Attacke eingenommen werden sollten. Darüber hinaus gibt es auch spezielle Migränemittel wie Triptane. Helfen diese Medikamente nicht, werden sie nicht vertragen oder können sie aus anderen Gründen nicht eingenommen werden, können auch sogenannte CGRP-Inhibitoren in Betracht gezogen werden. Opioide sollten nicht verwendet werden. Zu beachten ist, dass ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln dazu führen kann, dass Kopfschmerzen chronisch werden. Deshalb sollte die Einnahme von Medikamenten immer mit den behandelnden Expertinnen und Experten abgeklärt werden.
Kurz erklärt: Triptane
Triptane sind Medikamente, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie verengen gezielt die Blutgefäße in den Hirnhäuten und unterbrechen damit den Migräneanfall. Dabei wirken sie nicht nur gegen die Schmerzen, sondern auch gegen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Medikamente sind als Tabletten, Zäpfchen, Nasenspray und Injektion erhältlich. Bei anderen Kopfschmerzarten sind sie meist wirkungslos.
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Vorbeugende Maßnahmen
Es ist bekannt, dass bestimmte Auslöser eine Migräne begünstigen können. Folgende Tipps können helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder sie abzuschwächen:
- Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten.
- Auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten. Also möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
- Stress vermeiden. Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
- Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
- Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.
- Bei der menstruellen Migräne stehen therapeutisch aber auch ein paar Extraoptionen zur Verfügung. „Eine Möglichkeit wäre, während dieser prämenstruellen Phase vorbeugend ein Medikament über etwa sieben Tage einzunehmen. Beispielsweise ein lang wirksames Triptan oder ein lang wirksames Schmerzmittel wie Naproxen“, so die Expertin. „Das ist eine Option, die es nur bei der menstruellen Migräne gibt.“
Hormonelle Behandlungen
- Pille: Als Migräne-Vorbeugung kann bei menstrueller Migräne auch die Einnahme eines oralen Kontrazeptivums, also einer Pille, in Betracht gezogen werden. „Wir haben verschiedene Möglichkeiten, Zyklus-, also Hormonschwankungen, die eine Migräne auslösen können, zu verhindern“, erklärt die Gynäkologin Prof. Oppelt. Das funktioniert zum Beispiel mit einer Gestagenmonotherapie, also einer östrogenfreien Pille. Auch ein Kombinationspräparat aus Östrogen und Progesteron kann helfen - allerdings nur, wenn es ohne Pillenpause eingenommen wird.
- Hormonpflaster oder Östrogene in Tablettenform: Aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs mit der Menstruation lag es nahe, hormonelle Therapieverfahren einzusetzen. Doch es zeigte sich, dass weder Hormonpflaster noch Östrogene in Tablettenform die Attacken verhindern konnten.
Wichtiger Hinweis: Bei Patientinnen mit Migräne mit Aura ist allerdings Vorsicht geboten. Diese Patientinnen haben ohnehin ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Östrogenhaltige Präparate würden dieses Risiko noch steigern. Warum bei Patientinnen mit Aura das Schlaganfallrisiko höher ist, wissen die Forschenden noch nicht genau. Sie vermuten eine Störung des Endothels, also der Innenschicht der Gefäße im Gehirn.
Alternative Ansätze
Auch mit einem veränderten Lebensstil kannst du oft viel dafür tun, dass deine Migräne-Anfälle weniger und schwächer werden. Wichtige Ansatzpunkte sind insbesondere:
- Stressreduktion: Mit Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation (PMR), Meditation oder Yoga sorgst du für Ausgeglichenheit und beugst Migräne vor.
- Andere Methoden und Therapien: Ein möglicher Ansatzpunkt ist auch eine kognitive Verhaltenstherapie, in der du deine eigenen Schmerzstrategien entwickeln kannst. Auch die Biofeedbackmethode wird für Migräne-Patienten empfohlen. Hier lernst du mithilfe von Sensoren zum Beispiel, aktiv deine linke oder rechte Schläfenarterie zu verengen.
- Gut hydrieren: Wenn du immer genug Wasser trinkst, sorgst du für eine gute Durchblutung und reduzierst du dein Migränerisiko.
- Ernährungsumstellung: Wenn du bemerkst, dass bestimmte Lebensmittel dir nicht guttun und deine Migräne begünstigen, solltest du sie von deinem Speiseplan streichen. Viele Betroffene berichten, dass ihnen das Weglassen von Schokolade, Fertiggerichten und Käse geholfen hat. Insgesamt ist es gut, deine Gesundheit mit einer regelmäßigen und ausgewogenen Ernährung zu stärken - auch auf die regelmäßige Einnahme von Omega-3-Fettsäuren solltest du achten.
- Schlafqualität verbessern: Gehe möglichst jeden Tag zur selben Zeit schlafen und finde heraus, mit welcher Schlafmenge du dich optimal erholt fühlst. Schlafmangel und ein unregelmäßiger Schlafrhythmus können Migräne-Attacken auslösen und so die menstruelle Migräne verstärken.
Was du selbst tun kannst
- Ruhe, Dunkelheit, Schlaf: Dass diese Kombination bei einer Migräne-Attacke guttut, weißt du bestimmt schon selbst. Besonders wenn du schlafen kannst, kann das die Symptome oft gut lindern.
- Kälte oder Wärme: Ein Kältepack auf der Stirn oder im Nacken kann deine Schmerzen reduzieren. Vielleicht magst du aber lieber eine warme Dusche oder einer Wärmflasche testen? Vor der Periode ist der Körper oft sehr angespannt, auch das kann deine Migräneattacken verstärken.
- Aromatherapie: Einige Tropfen Pfefferminzöl auf die schmerzende Stirn oder die Schläfen wirken angenehm kühl und entspannend.
- Ingwertee: Hilft gut gegen Übelkeit
- Kaffee: Hier sind die Erfahrungen sehr gespalten. Etwas Koffein kann guttun oder sogar Kopfschmerzen auslösen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Frauen, die mit heftigen Migräneanfällen rund um ihre Menstruation kämpfen, sollten dies mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen. Ärztinnen und Ärzte beider Fachrichtungen können betroffenen Frauen helfen. Wenn es darum geht, eine hormonelle Therapie durchzuführen, ist der Gynäkologe oder die Gynäkologin der richtige Ansprechpartner. Wer aber beispielsweise nicht dauerhaft Hormone einnehmen möchte, könnte es zunächst auch mit einer Akuttherapie probieren und schauen, was die Triptane bewirken. Letztlich sollte jede Betroffene selbst entscheiden und ausprobieren, mit welcher Behandlung sie sich wohler fühlt.
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