Hornissenstich und Epilepsie: Ein umfassender Überblick

Stiche von Insekten wie Wespen, Bienen, Hummeln oder Hornissen können bei manchen Menschen unangenehme Schwellungen, Rötungen und Juckreiz verursachen. In Europa und Amerika entwickeln jedoch schätzungsweise zwei bis 19 Prozent der Bevölkerung gesteigerte lokale Reaktionen und 0,8 bis fünf Prozent sogar systemische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock. Es ist wichtig, die Risiken und Vorsichtsmaßnahmen im Zusammenhang mit Insektenstichen zu verstehen, insbesondere im Hinblick auf mögliche Komplikationen und bestehende Erkrankungen wie Epilepsie.

Epilepsie: Eine Funktionsstörung des Gehirns

Epilepsie, auch bekannt als Fallsucht, ist eine neurologische Erkrankung, die durch vorübergehende, plötzlich einsetzende Fehlfunktionen des Gehirns gekennzeichnet ist. Diese Fehlfunktionen äußern sich in Krampfanfällen, die von leichten Muskelzuckungen bis hin zu schweren Krampfanfällen mit Bewusstseinsverlust, unkontrolliertem Kot- und/oder Urinabgang oder Dauerkrämpfen reichen können. Die Anfälle können anfangs in großen zeitlichen Abständen auftreten (alle 3-6 Monate) und mit der Zeit häufiger werden.

Ursachen von Epilepsie

Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig und können funktionelle Störungen im Gehirn, hirnorganische Erkrankungen oder genetische Veranlagung umfassen.

  • Funktionelle Störungen im Gehirn: Veränderungen in der Erregungsübertragung können zu epileptischen Anfällen führen.
  • Hirnorganische Erkrankungen: Hirntumoren, Stoffwechselstörungen und Sauerstoffmangel können ebenfalls Epilepsie verursachen.
  • Genetische Veranlagung: Bei manchen Rassen, wie zum Beispiel Golden Retriever oder Berner Sennenhund, ist Epilepsie vererbbar.

Therapie und Selbsthilfe bei Epilepsie

Nach Ausschluss von Grunderkrankungen werden bei häufig auftretenden Anfällen lebenslang antiepileptisch wirkende Medikamente eingesetzt. Während eines Krampfanfalls sollte man alle Gegenstände wegräumen, an denen sich die betroffene Person verletzen könnte.

Mögliche Symptome von Epilepsie

Die Symptome von Epilepsie können vielfältig sein und umfassen:

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  • Unruhe
  • Verhaltensveränderungen
  • Zittern/Zucken
  • Augenbeschwerden
  • Maulprobleme
  • Stuhlveränderungen/Durchfall/Verstopfung
  • Urin verändert
  • Bewegungsstörungen

Insektengiftallergie: Eine Gefahr für sensibilisierte Personen

Für Personen, die gegen Insektengift sensibilisiert sind und durch lebensbedrohliche Reaktionen gefährdet sind, steht eine sehr wirksame Hyposensibilisierung zur Verfügung. Allen Menschen, die wissen, dass sie auf Insektengifte schwere Reaktionen entwickeln, wird die Mitnahme einer Notfallapotheke empfohlen, mit der sie sich zum Beispiel im Urlaub selbst behandeln können.

Inhalt einer Notfallapotheke für Insektengiftallergiker

Eine Notfallapotheke sollte zum sofortigen Einsatz bei befürchteter oder beginnender Reaktion nach Insektenstichen folgendes enthalten:

  • Ein Antihistaminikum: Zum Beispiel Loratadin (Lisino®). Es wird empfohlen, frühzeitig ein bis zwei Tabletten des Antihistaminikums zu zerkauen. Oral appliziert, tritt die Wirkung frühestens nach 15 bis 30 Minuten ein.
  • Kortisonpräparate: Als Tabletten oder Flüssigpräparate. Oral gegeben wirken sie ebenfalls erst nach etwa einer halben Stunde. Es wird empfohlen, zusätzlich zu dem Antihistaminikum etwa eine halbe Flasche Celestamine zu trinken.
  • Adrenalin: Am besten als Spray - oder zur intramuskulären Injektion bei Kreislaufbeschwerden und Atemnot. Zunächst ein bis zwei Hübe inhalieren (Primatene MIST® oder Infecto Krupp Inhal®) und dann die Dosis so lange steigern, bis eine Tachykardie auftritt. Adrenalin-Spray kann über die Internationale Apotheke beschafft werden.

Cave Betablocker

Allergiker mit schweren Anaphylaxien auf Nahrungsmittel oder Insektenstiche sollten beachten, dass BetaBlocker (auch in Augentropfen!) und ACE-Hemmer die Reaktionen verstärken und deshalb kontraindiziert sind.

Risikofaktoren für einen anaphylaktischen Schock bei Insektengiftallergikern

Es gibt Risikofaktoren, die eine Anaphylaxie begünstigen können.

  • Alter: Offenbar ist das 40. Lebensjahr eine Grenze, ab der das Risiko für schwere allergische Reaktionen ansteigt, unabhängig von anderen Faktoren und selbst dann, wenn bisher gar keine Insektengiftallergie bestand.
  • Vorerkrankungen: Asthma bronchiale und kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen das Risiko für einen schweren allergischen Schock.
  • Medikamente: Betablocker, ACE-Hemmer und bestimmte Schmerzmittel (NSAR) können den Schweregrad einer Anaphylaxie verstärken.
  • Mastozytose: Eine seltene Erkrankung, die mit einem erhöhten Anaphylaxierisiko verbunden ist.
  • Stress und körperliche Anstrengung: Können allergische Reaktionen verstärken.

Diagnose und Behandlung einer Insektengiftallergie

Die Diagnose einer Allergie auf Bienengift oder Wespengift ist immer das Ergebnis aus dem Zusammensetzen mehrerer Puzzleteile. Die Frage nach dem „Verursacher“ ist ein wichtiges Puzzleteil bei der Diagnostik.

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Erste Maßnahmen nach einem Insektenstich

Die allererste Maßnahme, wenn ein Bienengiftallergiker oder ein Wespengiftallergiker gestochen wird, ist es, den Stachel zu entfernen, falls dieser noch in der Haut steckt. Bei Bienenstichen ist dies meist der Fall und dann hängt oft die Giftblase noch am Stachel und pumpt weiter Gift in den Körper.

Anaphylaxie-Notfallset

Bei nachgewiesenen Allergien auf Bienengift oder Wespengift ist ein Stichereignis durch das relevante Insekt eine Alarmsituation und dann sollte der Patient sofort sein Anaphylaxie-Notfallset nutzen und eine Akuttherapie einleiten. Ein Anaphylaxie-Notfallset besteht aus flüssigem Kortison, einem flüssigen Antihistaminikum und einem Adrenalin-Autoinjektor, dem EpiPen.

Behandlung einer Anaphylaxie

Der wichtigste Arzneistoff in der Akuttherapie der Anaphylaxie ist das auch im EpiPen enthaltene Adrenalin. Wenn ein Patient nicht reanimationspflichtig ist, dann ist die sofortige intramuskuläre Injektion einer Dosis von 0,15 mg bis 0,6 mg in die Außenseite des Oberschenkels angezeigt. Die Dosis hängt vom Körpergewicht des Patienten ab. Bei unzureichender Wirkung kann die intramuskuläre Gabe nach 5 bis 10 Minuten wiederholt werden.

Zusammenhang zwischen Hornissenstich und Epilepsie

Es gibt keine direkten Beweise dafür, dass ein Hornissenstich Epilepsie verursachen kann. Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann, wie bereits erwähnt. Ein Insektenstich kann jedoch bei sensibilisierten Personen eine allergische Reaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen. Ein anaphylaktischer Schock kann zu Sauerstoffmangel im Gehirn führen, was in seltenen Fällen einen epileptischen Anfall auslösen kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass dies ein indirekter Zusammenhang ist und nicht bedeutet, dass jeder Hornissenstich bei einer Person mit Epilepsie einen Anfall auslöst. Das Risiko ist höher, wenn eine Person eine bekannte Insektengiftallergie hat und nicht rechtzeitig behandelt wird.

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Vorbeugende Maßnahmen und Verhaltenstipps

Um das Risiko von Insektenstichen und allergischen Reaktionen zu minimieren, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Wissen über Insekten: Mehr Wissen über das Insekt, auf dessen Gift man allergisch ist, bedeutet höhere Sicherheit. Die vier Hauptauslöser einer Insektengiftallergie sind Wespe, Biene, Hornisse und Hummel.
  • Vermeidung von blühenden Pflanzen: Am effektivsten ist der komplette Verzicht auf blühende Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon.
  • Ruhe bewahren: Fühlen sich Wespen nicht bedroht, stechen sie auch nicht zu. Bewahren Sie in ihrer Nähe Ruhe und vermeiden Sie hektische Bewegungen. Zu Wespennestern und Bienenstöcken sollten Sie Abstand halten.
  • Helle Kleidung tragen: Insekten werden vom Geruch und den bunten Farben der Blüten angelockt. Tragen Sie am besten helle, dezente Farben und achten Sie darauf, keine stark parfümierten Pflegeprodukte zu verwenden.
  • Essen und Getränke abdecken: Um keine lästigen Wespen beim Essen im Freien anzulocken, ist es ratsam, Essen und Getränke zuzudecken. Trinken Sie aus Gläsern, um ein hineingefallenes Insekt sofort zu entdecken.
  • Notfallmedikamente mitführen: Insektengiftallergiker sollten stets ihr Anaphylaxie-Notfallset mit sich führen und ihr Umfeld über ihre Allergie informieren.

Die Asiatische Hornisse: Eine invasive Art

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist eine invasive Art, die ursprünglich aus Südostasien stammt. Seit einigen Jahren breitet sie sich rasant in Europa aus. Die Asiatische Hornisse besitzt einen besonders langen und kräftigen Stachel und kann ihr Gift sogar spritzen.

Hornissen: Friedfertige Insektenfresser

Hornissen gehören zur Gattung der sozialen Faltenwespen und bauen ihre Nester bevorzugt in natürlichen und künstlichen Hohlräumen. Sie sind nachtaktiv und werden von Licht angezogen. Hornissen sind friedfertige Insektenfresser, die dem Esstisch fernbleiben.

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