Hörsturz und eingeklemmter Nerv: Ursachen und Zusammenhänge

Ein Hörsturz, Tinnitus oder Schwindel, aber auch ein Taubheitsgefühl im Ohr können vielfältige Ursachen haben. Oftmals spielen Muskelverspannungen, insbesondere im Bereich der Halswirbelsäule, eine entscheidende Rolle. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen und Zusammenhänge und gibt Hinweise zu Diagnose und Behandlung.

Muskelverspannungen als Ursache von Tinnitus und Schwindel

Verspannungen der Muskulatur rund um die Halswirbelsäule können Tinnitus und Schwindel auslösen. Besonders die Muskeln am Hals und Rücken, die für das Strecken, Drehen und die Seitwärtsneigung des Kopfes zuständig sind, verspannen sich durch falsche Belastung und Fehlhaltungen. Diese Nackenverspannungen sind meist schmerzhaft und können Nervenreizungen verursachen. Es kann zu einer Art Kurzschluss im Stammhirn kommen, was wiederum die Wahrnehmung von Misstönen in den Ohren auslösen und auch zu Schwindel führen kann.

Eine vorgebeugte Haltung, etwa durch eine sitzende Tätigkeit vor dem Bildschirm oder durch massive Handynutzung, führt oft zu muskulären Verspannungen und faszialen Verklebungen im Schulter-Nacken-Bereich. Der Kopf wiegt vier bis fünf Kilo. Aber auch Kraftsport, bei dem die Brustmuskulatur übermäßig betont und der obere Rücken vernachlässigt wird, begünstigt Dysbalancen im Bereich der Halswirbelsäule. Einseitiges Krafttraining kann dem Körper ohne entsprechenden Ausgleich schaden.

Linderung durch Bewegung und Entspannung

Gezielte Bewegung löst zunächst die muskulären Verhärtungen und nimmt so den Druck vom Nerv. Ziel ist neben der Lockerung die Wiederherstellung einer gesunden Haltung und der muskulären Balance. Zunächst gilt es, die verkürzte Schulter- und Brustmuskulatur zu dehnen und zu lockern, wie in den Dehn-Videos gezeigt. Wenn die Muskulatur ausreichend gelockert ist, geht es um die Kräftigung und Ausbalancierung der Rumpfmuskulatur und insbesondere der Muskeln im Bereich des oberen Rückens. Vor allem der breite Rückenmuskel, der die Schultern nach hinten ziehen soll, muss gestärkt werden, damit sich die Haltung bessert.

In der akuten Phase besser keine Sportarten treiben, bei denen man die Schulter häufig heben, den Kopf in den Nacken nehmen oder zur Seite drehen muss. Sinnvoll sein können dagegen Entspannungsübungen wie autogenes Training und Progressive Muskelentspannung. Auch sanftes Yoga mit dem Schwerpunkt auf Schultern und Nacken kann nachhaltig zu einer Linderung der Beschwerden führen.

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Taubheitsgefühl im Ohr: Ursachen und Behandlung

Als Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Ohr wird meist ein besonderes und lästiges Gefühl bezeichnet, das zum Kratzen animiert. Hierbei verursacht das unter dem Begriff Parästhesie bekannte Gefühl von Kribbeln in den Ohren meistens ein Taubheitsgefühl im Gehörgang. Es kann in jedem Alter, auch bei Kindern, generalisiert oder lokal an einem bestimmten Bereich auftreten. Dieses Kribbeln oder Jucken im Ohr ist an sich keine Krankheit, sondern nur ein Symptom, und kann durch einer Behandlung der Ursache gelindert werden.

Oft handelt es sich hierbei um ein Anzeichen für eine Infektion, Läsion oder Beschädigung von Nerven und generell ein Symptom für eine Reihe sehr unterschiedlicher medizinischer Umstände.

Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle im Ohr

  • Mittelohrentzündung (Otitis media): Eine Virus- oder Bakterieninfektion im Mittelohr kann zu einer Entzündung führen, in deren Folge sich das Ohr mit Schleim und Flüssigkeit verschließt. Diese Entzündungen können sehr schmerzhaft sein und gehen oft mit hohem Fieber, Schwerhörigkeit, Übelkeit, einem starken Kribbeln und einem Taubheitsgefühl im betroffenen Ohr einher.
  • Verengung oder Verschluss der Eustachischen Röhre: Die Eustachische Röhre ist ein Kanal, der das Mittelohr mit dem oberen Teil des Rachens verbindet und den Druck im Mittelohr kontrolliert. Wenn sich die Eustachische Röhre aufgrund einer Entzündung verengt oder verschließt, kann sich eine Mittelohrentzündung mit gängigen Symptomen wie Schmerzen, Fieber, Kribbeln und Taubheitsgefühl entwickeln.
  • Ohrenschmalzpropf: Das Ohrenschmalz erfüllt wichtige Aufgaben; Beispiel hält es die Haut des Gehörgangs feucht und fungiert als Schutzschild zwischen dem Trommelfell und der Außenwelt. Ohrenschmalz kann jedoch zu Juckreiz im Ohr führen. Zur Behandlung eines Ohrenschmalzpropfs können Ohrentropfen aus der Apotheke verwendet werden.
  • „Surferohr“: Dies ist eine häufig auftretende Entzündung des äußeren Gehörgangs, die mit Schmerzen, Rötung und Kribbeln im Ohr einhergeht.
  • Herzerkrankungen: Der Körper liefert manchmal scheinbar ungewöhnliche, aber oft sehr nützliche Hinweise auf das Vorhandensein von Herzerkrankungen; dazu gehört zum Beispiel eine diagonale Falte am Ohrläppchen, die einigen Forschern zufolge mit den ersten Anzeichen für eine Herzkrankheit einhergeht.
  • Periphere Neuropathie bei Diabetikern: Diabetikern kann eine bestimmte Form peripherer Neuropathie auftreten; dabei handelt es sich um einen Schaden des peripheren Nervensystems, der ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Gesicht und in den Ohren verursachen kann.

Diagnose und Behandlung von Taubheitsgefühlen im Ohr

Zur korrekten Diagnose sollte der Arzt die Begleitsymptome des Kribbelns im Ohr berücksichtigen, zum Beispiel den Verschluss von Hals oder Nase, ein anhaltendes Summen in den Ohren, ein Taubheitsgefühl im Gesicht, das Vorhandensein von Übelkeit, Eiter im Ohr und viele andere Faktoren. Nur bei Betrachtung des Gesamtbild der Symptome kann die richtige Diagnose erstellt und eine geeignete Therapie eingeleitet werden.

Die Behandlung eines Taubheitsgefühls im Ohr hängt immer von der Ursache ab: diese Beschwerden werden im Falle einer Entzündung oft mit Antibiotika behandelt und können so stark sein, dass sie einen chirurgischen Eingriff erfordern. In den meisten Fällen ist das Kribbeln im Ohr nicht schwerwiegend; es kann jedoch auf ein medizinisches Problem hinweisen. Daher lohnt sich immer der Gang zum Facharzt, vor allem wenn das Problem seit einiger Zeit besteht.

Hörsturz: Plötzlicher Hörverlust und mögliche Ursachen

Ein Hörsturz ist eine plötzlich einsetzende Hörminderung, meistens einseitig, die in der Regel länger als 30 Minuten anhält. Häufig wird dieser von einem Pfeifen, dem sogenannten Tinnitus, auf der betroffenen Ohrseite begleitet. Schwindel tritt selten als Symptom hinzu und kennzeichnet eine ggf. anderweitige Störung im Bereich des Innenohres oder des zentralen Nervensystems.

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Ob es sich wirklich um einen Hörsturz handelt, kann der behandelnde Hals-, Nasen- & Ohrenarzt mittels klinischer Untersuchung und dem Hörtest der sog. Tonaudiometrie feststellen.

Mögliche Ursachen eines Hörsturzes

Die Ursachen einer plötzlichen Hörminderung scheinen multifaktoriell zu sein. Häufig berichten Patienten über ein Auftreten in besonderen Stresssituationen gepaart mit Nacken- oder Rückenschmerzen. Doch ist es der Stress? Sind es die Verspannungen? Oder lassen sich hierbei andere Ursachen finden?

  • Ohrenschmalzpfropf: Eine der häufigsten Ursachen einer einseitigen Hörminderung ist ein sog. Ohrenschmalzpfropf. Dieser kann spontan oder auch weit häufiger durch den Einsatz von Ohrenstäbchen entstehen, und je nach Ausprägung Hörsturz-ähnliche Symptome hervorrufen.
  • Organische Auslöser: Zu den organischen Auslösern zählen unter anderem die Durchblutungsstörungen des Innenohres, Lärmschäden des Innenohres oder auch ein Trauma des Kopfes mit Schädigung der Innenohrfunktion. Weiterhin können auch Tumore des Gehirns bzw. des Hirnstammes (u.a. sogenannte Akustikusneurinome) den Hörnerv, ggf. auch den Gleichgewichtsnerv oder auch die Hirnnervenkerne irritieren und diese im wahrsten Sinne des Wortes „unter Druck setzen“, was der Auslöser o.g. Beschwerden sein kann.
  • Funktionelle Störungen: Zu den funktionellen Störungen, welche einen Hörsturz triggern können, zählen u.a. Halswirbelblockierungen. Neuere Untersuchungen zeigen eine direkte nervale Verbindung der Kopfgelenke der Halswirbelsäule mit den Hör- und Gleichgewichtsnervenkernen im Hirnstamm. Die genaue funktionelle Bedeutung gibt der Schulmedizin derzeit noch Rätsel auf. Aus manualtherapeutischer und osteopathischer Sicht lässt sich jedoch ein bereits lange beobachtetes Phänomen nun auch anatomisch begründen. So könnten Störungen in der Gelenkstellung und in der umgebenden muskulären Struktur der Kopfgelenke über die o.g. Verbindung zu Hörstürzen beitragen.
  • Muskuläre Verspannungen: Muskuläre Verspannungen können hierbei lokal durch Überlastung bzw. Trauma auftreten oder sind ein Symptom einer entfernt liegenden Störung. So kann z.B. ein unerkannter Beckenschiefstand über kurz oder lang zu einer muskulären Verspannung im Nacken- und Halsbereich führen und o.g. Beschwerdebild bedingen. Durch vorgenannte Phänomene kann es ebenso zu einer Reizung des vegetativen Nervensystems führen, welches sich in unmittelbarer anatomischen Nachbarschaft zur Wirbelsäule, den Rippen und den sie begleitenden Muskeln befindet. Eine Reizung des vegetativen Nervensystems kann so z.B. über seine auch gefäßverengende Wirkung ggf. einen Hörsturz auslösen.
  • Zähneknirschen (Bruxismus): Ein weiteres häufiges Problem stellt das Zähneknirschen der sog. Bruxismus dar. Nicht nur das Knirschen kann Beschwerden hervorrufen sondern auch sogenannte Störfelder selbst (Narben, stumme Entzündungen z.B. im Zahnbereich etc.). Der genaue Wirkmechanismus bleibt hierfür noch unklar. Erklärungsansätze reichen von muskulären Verspannungen über Störungen der Mikrozirkulation bis hin zur Beeinflussung von Reflexzonen und weiteren Faktoren.
  • Psychische Faktoren: Natürlich dürfen wir in dem Gesamtbild nicht die Psyche vergessen. Eine jede Erkrankungen bedingt einen psychischen Leidensdruck und umgekehrt kann psychischer Leidensdruck zu körperlichen Symptomen führen - sei es durch stressbedingte Gefäßverengungen, Veränderungen von nervalen Reizschwellen oder auch erneut durch Muskelverspannungen.
  • Durchblutungsstörungen im Innenohr: Als wahrscheinlich gilt, dass Durchblutungsstörungen im Innenohr zu einem Hörsturz führen können. Daher wird ein Hörsturz häufiger auch als Ohrinfarkt bezeichnet.
  • Krankheitserreger: Auch Virusinfektionen oder -reaktivierungen (z.B.

Diagnose und Therapie eines Hörsturzes

Die zahlreichen möglichen Ursachen eines Hörsturzes bedürfen einer gründlichen Abklärung, um organische Ursachen zeitnah auszuschließen und Betroffene zeitnah einer adäquaten Therapie zuzuführen. Hierfür ist die klinische Untersuchung durch einen Hals-, Nasen- & Ohrenarzt zwingend notwendig. Diese beinhaltet die mikroskopische Untersuchung der Ohren sowie eine Hörtestung, um, das Ausmaß der Beeinträchtigung zu bestimmen. Weiterführende wie die Hörnervenmessung, die sog. BERA, und ggf. ein MRT des Kopfes können dem Ausschluss zentralnervöser Ursachen dienen. Zum Teil kann auch ein operatives Vorgehen, die sog. Tympanoskopie, zum Ausschluss eines Flüssigkeitsaustrittes aus dem Innenohr eine Option darstellen.

Das Auffinden funktioneller Störungen als Ursache eines Hörsturzes oder auch die Störfelddiagnostik bedürfen spezieller Ausbildungen u.a. in manueller Medizin / Chirotherapie, Osteopathie, Naturheilkunde und Akupunktur. Hierdurch können zum Teil verdeckte Probleme erkannt und einer entsprechenden Therapie zugeführt werden. Um psychische Komponenten aufzudecken bedarf es der Betreuung durch einen Psychologen bzw. Psychiaters. Auch können weitere neurologische Untersuchungen notwendig werden, um alle organischen Ursachen sicher abzuklären.

Die Therapie eines Hörsturzes richtet sich in erster Linie nach den erkannten Ursachen. In der klassischen Hals-, Nasen- & Ohrenheilkunde erfolgt die Therapie entsprechend der Leitlinienempfehlung mittels Hochdosis-Kortisontherapie. Diese kann in Tablettenform, als Infusion oder sogar als Spritze in das Mittelohr erfolgen.

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Die sehr häufig gleichzeitig auftretenden funktionellen Störungen werden hierbei jedoch meistens völlig außer Acht gelassen. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass diese häufig parallel vorliegen und das Beschwerdebild des Hörsturzes eventuell triggern oder auch aufrechterhalten können. Zu den entsprechenden Therapiemöglichkeiten gehören die manuelle Medizin / Chirotherapie, Osteopathie, Akupunktur und Neuraltherapie. Zur Behandlung innerer Anspannungen und Konfliktsituationen stehen zahlreiche Angebote von psychologischer / psychiatrischer Seite zur Verfügung.

Was Sie selbst tun können

Zunächst ist es wichtig insofern keine Nierenerkrankung vorliegt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Das heißt, das mindestens die empfohlene Tagesmenge von 1 1/2 bis 2l Flüssigkeit im Falle eines Hörsturzes ggf. Weiterhin sollten die Ohren zum Zeitpunkt des Hörsturzes und bis zu 6 Wochen nach Abklingen der Beschwerden vor Lärmeinwirkung geschützt werden. Konzerte, Diskothekenbesuche oder auch laute Menschenansammlungen etc. sollten gemieden bzw. Weiterhin sind entspannende Verfahren wie Meditation oder auch muskelentspannende Verfahren sowie Wärmebehandlung verspannter Muskelgruppen, wie z.B. durch ein warmes Vollbad, häufig wohltuend und können ggf. auslösende Faktoren reduzieren.

Weiterhin ist darauf zu achten nicht ohne Rücksprache mit einem HNO-Facharzt Medikamente einzunehmen, um vermeintlich auf die Situation einzuwirken. Denn häufig sind gängige Meinungen über sogenannte „Blutverdünner“ falsch. Ganz im Gegenteil können einige dieser Medikamente sogar eher einen Nachteil darstellen, da Sie das Innenohr schädigen also ototoxisch wirken können.

Hörgeräte bei bleibender Hörminderung

Bei bleibenden Hörbeeinträchtigungen besteht nach eingehender Kontrolle der Hörfunktion im weiteren Verlauf die Möglichkeit der Hörgeräteversorgung, um die funktionelle Störung zu mindern und Lebensqualität wiederherzustellen.

Neuritis vestibularis: Entzündung des Gleichgewichtsnervs

Die Neuritis vestibularis ist eine Entzündung des Nervs, der vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr zum Gehirn verläuft. Bei einer Entzündung des Nervs werden die Impulse (Signale) gestört, die durch den Nerv geleitet werden. Diese gestörten Signale kann das Gehirn nicht wie üblich verarbeiten. Dadurch hat die betroffene Person das Gefühl eines Drehschwindels, der Gang wird unsicher.

Symptome der Neuritis vestibularis

Klassischerweise kommt es zu einem Drehschwindel, bei dem sich die Umgebung zu drehen scheint, zu einer Fallneigung in Richtung der betroffenen Seite und Übelkeit, fast immer begleitet von Erbrechen. Unfreiwillige Bewegungen der Augen können sichtbar sein (Nystagmus). Die Augen gleiten dabei zur gesunden Seite hin und springen dann wieder zurück. Das Gehör ist bei der Entzündung des Gleichgewichtsnervs nicht beeinträchtigt. Die akute Symptomatik dauert selten länger als ein paar Tage, manchmal bis zu ein paar Wochen.

Ursachen und Häufigkeit

Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass die Erkrankung durch die Aktivierung eines Virus ausgelöst wird, den die meisten Menschen im Körper haben (Herpes-simplex-Virus), was zu einer Entzündung des Gleichgewichtsnervs (N. vestibularis) führt. Dies wiederum verursacht eine vorübergehende Störung der Nervensignale zwischen dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr und dem Gleichgewichtszentrum im Gehirn. International treten etwa 13,6 Fälle pro 100.000 Einw. auf. Neuritis vestibularis ist die dritthäufigste Ursache für einen zuordenbaren Drehschwindel nach dem gutartigen Lagerungsschwindel und M. Menière.

Diagnose und Behandlung

Die Schilderung der typischen Symptome akuter Schwindel, Übelkeit und Fallneigung zu der betroffenen Seite sind wegweisend für die Diagnose. Es können unwillkürliche Augenbewegungen (Nystagmus) beobachtet werden. Eine körperliche Untersuchung inklusive neurologischer Befunderhebung wird durchgeführt, ebenso eine Untersuchung der Gehörgänge und des Trommelfells. Das Hörvermögen muss bei HNO-Ärzt*innen durch einen Hörtest abgeklärt werden, dort erfolgen auch ggf. weitere Tests. Bei einer Neuritis vestibularis ist das Hörvermögen normal. Andere Ursachen für einen Schwindel müssen ausgeschlossen werden, insbesondere ein Schlaganfall. Dafür sind teilweise zusätzliche Untersuchungen notwendig.

Mögliche weitere Ursachen sind:

  • gutartiger Lagerungsschwindel
  • Morbus Menière
  • Labyrinthitis
  • Akustikusneurinom
  • Hörsturz
  • Verletzungen
  • Schwindel durch Medikamente
  • multiple Sklerose
  • Migräne

Eine Krankenhauseinweisung kann notwendig sein bei:

  • akutem Pflegebedarf
  • starker Übelkeit und Erbrechen
  • Sturzneigung und fehlender häuslicher Versorgungsmöglichkeit

Behandlungsziele sind:

  • Symptomlinderung
  • Verkürzung des Krankheitsverlaufs und
  • Verhindern von bleibenden Folgen

In den ersten Tagen kann die Gabe von Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit) und Antiverginosa (Medikamente gegen Schwindel) in Kombination mit Kortison sinnvoll sein. Anschließend ist es wichtig, frühzeitig ein Rehabilitationsprogramm zu beginnen:

  • Mobilisierung mit Schulung der Gleichgewichtsfunktion im Stehen und Gehen auf ebenen und unebenen Flächen
  • Training der Fähigkeiten zur Blickfixierung

Diese Aktivitäten verursachen zu Beginn erhöhtes Unwohlsein und Müdigkeit, werden aber auf längere Sicht die Symptome reduzieren, die Funktionsfähigkeit verbessern und zu einer schnelleren Heilung beitragen. Manche Patientinnen benötigen eine besondere physiotherapeutische oder gleichgewichtstherapeutische Verlaufskontrolle. Die Prognose ist im Allgemeinen sehr gut, die meisten Patientinnen erhalten ihren normalen Gleichgewichtssinn zurück. Die Mehrzahl der Patient*innen hat 1-2 Tage starke Beschwerden mit anschließend allmählicher Besserung.

Funktionelle Ohrbeschwerden: Wenn keine organische Ursache gefunden wird

Mit unerklärlichen Ohrbeschwerden wie Ohrenschmerzen, Ohrgeräuschen, Schwerhörigkeit ohne Befund, Hyperakusis, Druck auf den Ohren oder Hörsturz irren viele Patienten oft verzweifelt von Arzt zu Arzt, manchmal über Jahre. Denn allen diesen funktionellen Ohrbeschwerden gemeinsam ist, dass sich kein organmedizinischer Grund für sie finden lässt.

Die Ursache liegt oft in der Ohrumgebung

Das Rätsels Lösung liegt darin, dass all diese Ohrbeschwerden sich so anfühlen, als kämen sie von innen im Ohr - sie kommen aber von außen, aus der Ohrmuschel und den Muskeln sowie dem Hautbindegewebe in der Ohrumgebung. Die Ärzte haben also recht: da wo die Patient*innen ihre Beschwerden zeigen, ist nichts, sind die Betroffnenen gesund. Aber: außen, in der Ohrumgebung findet man sehr wohl Verspannungen, Verhärtungen, Bewegungseinschränlkungen (z.B. im Kiefer), druckschmerzhafte Punkte, von denen offensichtlich die Beschwerden ausgehen.

Ohrbeschwerden ohne organmedizinischen Befund fühlen sich zwar so an, als kämen sie direkt aus dem Ohr. Mit diesem Muskel- und Bindegewebsansatz werden die Ohrbeschwerden behandelbar und zwar ganz ohne Medikamente. Selbst bei akuten Ohrenschmerzen findet der HNO-Arzt bei seinen Untersuchungen manchmal keinen klaren Befund (wie es zum Beispiel eine Mittelohrentzündung wäre) und damit auch keine effektive Behandlungsmöglichkeit. Oder die Ohrenschmerzen lassen sich nur kurz beseitigen, kommen immer wieder und werden schließlich chronisch.

Verspannungen und Stress als Verstärker

Ist das Bindegewebe / sind die Faszien der Ohrumgebung verspannt und verfestigt, lässt sich um das Ohr herum und auf den entsprechenden Muskeln in der Ohrumgebung kaum eine Hautfalte vom Untergrund abheben. Bei manchen (nicht bei allen) Betroffenen verstärken sich die Ohrenschmerzen, wenn sie unter Leistungsdruck, unter seelischen Belastungen oder unter sonstigem Stress stehen. Das ist dadurch zu erklären, dass man sich allgemein unter jeglichem Stress stärker zusammen zieht, während man sich unbelastet und in fröhlicher Stimmung insgesamt eher lockert. Zieht man sich insgesamt stärker zusammen, können sich auch die ohnehin vorhandenen Verspannungen in Muskeln und/oder Bindegewebe / Faszien stärker bemerkbar machen.

Oft besteht bei Ohrenschmerzen eine auffallende Kälte- und Zugempfindlichkeit in der Nähe des Ohres. Das heißt, die Ohrenschmerzen verstärken sich bei Kälte, kaltem Luftzug, Wind oder Wetterwechsel, besonders bei einem Wechsel zu nasskalt hin. Wegen der Kälteempfindlichkeit tragen manche Patienten mit chronischen Ohrenschmerzen ständig Mützen oder Stirnbänder. Eine solche Kälteempfindlichkeit lässt sich auch sonst bei Verspannungen beobachten, vor allem wenn das Bindegewebe / Faszien der Haut und Unterhaut zusammengezogen ist.

Verspannungsbedingte Schwerhörigkeit

Bei manchen (nicht bei allen!) Formen von Schwerhörigkeit lässt sich eine Abhängigkeit von Verspannungen in Muskeln und Bindegewebe / Faszien außen rings um die Ohren feststellen. Eine Verspannungsabhängigkeit ist vor allem dann zu beobachten, wenn die Hörfähigkeit nicht immer gleich ist, sondern stärkeren Schwankungen unterliegt. Manchmal ist nur ein Teil der Tonfrequenzen betroffen, am häufigsten die hohen Töne. Häufig sind Mischformen. Das heißt, es liegt eine organisch bedingte Schwerhörigkeit vor, die aber von einer verspannungsbedingten Form überlagert ist. Das kommt dadurch zustande, dass man als Schwerhöriger das Hören insgesamt als mühsam erlebt und sich ständig anstrengt, mehr und besser zu hören.

Durch diese situative Abhängigkeit verspannungsbedingter Schwerhörigkeit entsteht bei Außenstehenden oft der Eindruck, die Betroffenen hörten nur das, was sie hören wollen. Sie spannen nur unwillkürlich bei solchen negativen Einflüssen Muskeln und Bindegewebe / Faszien rund ums Ohr stärker an. Dies ist umso notwendiger, als alle Formen von Schwerhörigkeit den Kontakt, die Kommunikation mit anderen beeinträchtigen (viel stärker als Sehbehinderungen). Das Tragische ist, dass die Betroffenen sich durch die hörbedingten Kontaktschwierigkeiten sich immer mehr zusammen ziehen und sich ihre Schwerhörigkeit durch die Spannungserhöhung verschlechtert. Dadurch dass sie Vieles nicht oder nur ungenau mitbekommen und vieles über ihren Kopf hinweg gesprochen wird und manche Hörgesunde den Kontakt zu ihnen auch meiden, werden Schwerhörige oft misstrauisch. Daher sollte man als Betroffener nichts unversucht lassen, eine Schwerhörigkeit apparativ oder durch Implantate zu verbessern und vorhandene Verspannungen zu behandeln.

Hyperakusis: Geräuschüberempfindlichkeit

Beispiel: Eine Patientin hatte eine Hyperakusis speziell auf Geräusche von Heizungspumpen. Oft werden auch ganz nebensächliche, leise Geräusche als ungeheuer störend empfunden. Geräuschüberempfindlichkeit entspricht den anderen Überempfindlichkeiten, die wir bei Verspannungen häufig antreffen: Berührungs- und Druckempfindlichkeit bei Schmerz (dazu mehr unter chronische Schmerzen), Lichtüberempfindlichkeit (siehe unter Migräne), manche Allergien (siehe unter Augenbeschwerden). Wie die allermeisten Überempfindlichkeiten kommt auch die Hyperakusis vor allem auch dem Bindegewebe, hier: aus dem Bindegewebe / Faszien der Haut und Unterhaut ringsum das Ohr (siehe Abb.) und dem Bindegewebe / Faszien in der Ohrmuschel.

Dabei kennen wir alle solche Phänomene in abgeschwächter Form. So kann viele das Tropfen eines Wasserhahns "an den Rand des Wahnsinns" treiben. Eine echte Hyperakusis tritt jedoch unabhängig davon auf, ob man den Verursacher des Geräuschs leiden kann oder nicht. Den von Hyperakusis Betroffenen kann ihr Zustand das Leben vergällen, zumal die Geräuschüberempfindlichkeit häufig mit einer insgesamt erhöhten Anspannung und Übererregbarkeit verbunden ist, die die Betroffenen nicht zur Ruhe kommen lässt. Sie liegen sozusagen unfreiwillig ständig auf der Lauer. Manchmal tritt sogar ausgeprägte Angst auf, die sich körperlich manifestiert und natürlich auch einer körpertherapeutischen Behandlung bedarf. Hyperakusis kann so quälend empfunden werden, kann die Betroffenen derart "nerven", dass es sie ebenso wie ein penetrant empfundener Tinnitus in die Depression bis zum Selbstmord treiben kann.

Druckgefühl im Ohr

Manche haben ein ständiges Druckgefühl im Ohr, für das sich keine organische Ursache finden lässt. Das Druckgefühl wird häufig von einem dumpfen Gefühl im Ohr und um das Ohr herum begleitet. Manchmal entsteht auch ein Fremdkörpergefühl im Ohr, als wenn etwas im Ohr drin wäre, das den Druck verursacht. Es fühlt sich zum Beispiel an, wie wenn Watte in den Ohren wäre, obgleich keine Watte da ist. Ähnliche Druckgefühle und "zugefallene Ohren" kennen die meisten aus dem Flugzeug. Hier hilft Bewegung der Kiefermuskulatur z. B. durch Kaugummi-Kauen, oder ein Durchpusten der Eustachschen Röhre (der Verbindung von Mundhöhle und Ohr) durch Druck im Mundraum. Bei gleichzeitiger Verminderung der Hörleistung kann es sich bei dem dumpfen Druckgefühl auch einfach um einen Pfropf aus Ohrschmalz handeln. Bei chronischen Druckgefühl im oder am Ohr halfen diese einfachen Maßnahmen leider nicht., denn sie kommen aus chronisch verspannten Muskel- und Bindgewebspartien, die sich ohne spezielle Behandlung meist nicht lösen lassen.

Innenohrschwerhörigkeit

In diesem Fall handelt es sich um eine Innenohrschwerhörigkeit, d.h. in Teilen des Innenohrs, seltener dem Hörnerv oder dem Gehirn, liegt eine Schädigung oder Funktionsschwäche vor. Bei der Schallempfindungsschwerhörigkeit werden die Schallsignale noch relativ gut empfangen, aber sie werden verändert wahrgenommen, da die Frequenzen -beginnend mit den hohen Tönen - unterschiedlich stark verloren gehen. Das hat Auswirkungen auf den Aufbau, das Klangbild und die Qualität der gehörten Sprache bzw Töne.

Mögliche Ursachen für Innenohrschwerhörigkeit

  • Lärm über der Schmerzgrenze von 120 dB, z.B.
  • Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten, z.B.
  • tägliche mehrstündige Lärmbelastung über 80 dB ohne Gehörschutz, z.B.
  • Stoffwechselerkrankungen, z.B.
  • Störung im Hörzentrum, meist einhergehend mit anderen neurologischen Veränderungen, z.B.

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