Nackenschmerzen und Symptome eines Bandscheibenvorfalls beeinträchtigen viele Erwachsene. Der Fachausdruck für den Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS) lautet „cervicale Diskushernie“. Hierbei reißt die Bandscheibe auf, wodurch Flüssigkeit gegen die umgebenden Nerven in der Halswirbelsäule drückt. Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule, oft als zervikaler Bandscheibenvorfall bezeichnet, ist eine häufige Erkrankung, die starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen kann. Er tritt auf, wenn die Bandscheiben, die als Puffer zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule dienen, beschädigt werden und auf die umliegenden Nerven drücken. Dieser Zustand kann durch verschiedene Faktoren, einschließlich Alter, Verletzungen und degenerative Erkrankungen, beeinflusst werden.
Anatomie und Funktion der Halswirbelsäule
Die Halswirbelsäule (HWS) besteht aus 7 Zervikalwirbeln, die mit C1 bis C7 bezeichnet werden (C steht für cervix, was Hals bedeutet). Der 1. Halswirbel (C1) heißt Atlas, der 2. Halswirbel Axis. Zwischen den Halswirbeln C2 bis C7 liegen die Bandscheiben der Halswirbelsäule wie flüssigkeitsgefüllte Kissen und sorgen für ein reibungsloses Gleiten der Halswirbel. Die Halswirbelsäule weist in der Seitenansicht eine leichte Krümmung nach vorne Richtung Bauch auf (Lordose). Diese ventrale Biegung im Hals- und Lendenbereich ergibt mit der entgegengesetzten Biegung nach dorsal (Kyphose) der Brustwirbelsäule und des Kreuzbeins die typische geschwungene S-Form der Wirbelsäule.
Die Bandscheiben ermöglichen Drehbewegungen in alle Richtungen und puffern Erschütterungen ab. Sie bestehen aus einem inneren, weichen Gallertkern (Nucleus pulposus) und einem festen Faserring aus Bindegewebe (Anulus fibrosus). Die Wirbel formen Richtung Rücken (dorsal) die Wirbelbögen, die in ihrer Mitte den knöchernen Wirbelkanal (Spinalkanal) bilden.
Was ist ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule?
Ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule (zervikaler Bandscheibenvorfall) ist eine Erkrankung, bei der die Bandscheibe zwischen den Wirbeln der Halswirbelsäule beschädigt ist. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt der innere Kern durch Risse im Faserring nach außen, was zu einer Vorwölbung oder gar einem Austritt in den Spinalkanal führt. Dieser Vorfall kann Druck auf die umliegenden Nervenwurzeln oder das Rückenmark ausüben.
Der Alterungsprozess und die Abnutzung der Wirbelkörper können zu einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule führen. Ein Bandscheibenvorfall kann auch durch eine ständig wiederkehrende Bewegung oder eine Verletzung der Wirbelsäule ausgelöst werden.
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Bandscheibenprotrusion vs. Bandscheibenvorfall
Ab dem mittleren Lebensalter kann sich die Feinstruktur des Faserrings degenerativ verändern. Im zähen Faserknorpel bilden sich feine Risse und er verliert an Elastizität. Wenn der Gallertkern in die Risse eindringt, kann das Stadium der Bandscheibendegeneration in eine Vorwölbung des Bandscheibenkerns (Bandscheibenprotrusion) übergehen. Die Faserhülle ist bei einer Protrusion noch intakt. Bei einem Bandscheibenvorfall (Prolaps) durchbricht der Gallertkern den Faserring vollständig und das nach hinten ausgetretene Kernmaterial kann auf das Rückenmark oder den Spinalnerven des jeweiligen Segments drücken.
Ursachen eines HWS-Bandscheibenvorfalls
Bei den meisten Patienten mit einem Bandscheibenprolaps der Halswirbelsäule (HWS) finden sich degenerative Verschleißerscheinungen, die mit einem geschwächten Bindegewebe einhergehen. Der Faserring wird mit dem Alter weniger stabil und elastisch und kann dem Druck des inneren Gallertkerns nicht mehr ausreichend standhalten. Stabilisierende Bänder im Bereich der Bandscheiben werden porös, womit die Wirbel nicht mehr stabil übereinander orientiert sind. Hinzu können berufliche oder sportliche Fehlbelastungen der Halswirbelsäule über einen längeren Zeitraum kommen, die zu Abnutzungsprozessen an Bandscheiben und Wirbelkörpergelenken (Facettengelenken) führen.
Weitere Risikofaktoren und Ursachen sind:
- Alterungsprozesse: Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben an Flexibilität und Elastizität.
- Verletzungen: Ein Trauma oder eine Verletzung der Halswirbelsäule kann einen Bandscheibenvorfall verursachen.
- Wiederholte Bewegungen: Ständig wiederkehrende Bewegungen oder Belastungen der Halswirbelsäule können zu einem Bandscheibenvorfall führen.
- Genetische Veranlagung: Eine angeborene Schwäche des Bindegewebes kann das Risiko erhöhen.
- Übergewicht: Zusätzliches Gewicht belastet die Bandscheiben.
- Bewegungsmangel: Eine schwache Rumpfmuskulatur stabilisiert die Wirbelsäule nicht ausreichend.
- Fehlhaltungen: Langes Sitzen oder ungünstige Körperhaltungen belasten die Bandscheiben einseitig.
- Rauchen: Rauchen beeinträchtigt die Durchblutung der Bandscheiben.
Symptome eines HWS-Bandscheibenvorfalls
Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann zu Nackenschmerzen, ausstrahlenden Schmerzen im Arm, Schulterschmerzen und Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Arm oder Hand führen. Die Stärke und Art der Schmerzen reichen von dumpf, ziehend und schwer zu lokalisieren bis zu scharf, brennend und genau zu lokalisieren.
Häufige Symptome sind:
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- Nackenschmerzen: Oft verbunden mit einer Steifheit im Nackenbereich.
- Ausstrahlende Schmerzen: Schmerzen, die in Schulter, Arm, Hand oder Finger ausstrahlen.
- Taubheitsgefühl und Kribbeln: Diese Empfindungen können in Arm, Hand oder Fingern auftreten.
- Muskelschwäche: Schwäche in den Armmuskeln kann ein Warnzeichen sein.
- Kopfschmerzen: Insbesondere im Hinterkopfbereich.
- Schwindel: In seltenen Fällen kann Schwindel auftreten.
Schmerzen in den Armen und im Nacken sind üblicherweise ein erstes Anzeichen dafür, dass die Nervenwurzeln durch ein Problem im Nacken gereizt werden. Symptome wie Taubheit, Kribbeln und insbesondere Schwäche der Armmuskeln sind Warnzeichen dafür, dass dieses Problem etwas ernster sein könnte. Wenn Sie Schwäche in den Armen verspüren, ist es höchste Zeit, einen Arzt aufzusuchen und den Schmerzen in Ihrer Halswirbelsäule auf den Grund zu gehen.
Schmerzlokalisation und betroffene Nervenwurzeln
Jeder vom Rückenmark abzweigende Spinalnerv besitzt motorische und sensible Anteile, die Reize in definierte Segmente von Schulter, Arm und Fingern leiten. Aus diesem Grund kann der Wirbelsäulenspezialist sensible Missempfindungen auf der Hautoberfläche und motorische Ausfallerscheinungen einem ganz bestimmten Halswirbelabschnitt zuordnen. Empfindet der Patient zum Beispiel Schmerzen über den gesamten Arm bis in den Daumen hinein, weist dies den Arzt auf eine Beteiligung des 6. Spinalnerven hin. Zeige- und Mittelfinger sind dagegen bei Wurzelkompression des 7. Spinalnerven beteiligt. Starke Nackenschmerzen werden durch eine Reizung des 3. und 4. Spinalnerven verursacht und das Heben des Arms wird für Patienten unmöglich, bei denen die Wurzel des 5.
- C5-Nervenwurzel: Schwäche beim Heben des Arms.
- C6-Nervenwurzel: Schmerzen, die bis in den Daumen, Zeigefinder und Ringfinger ausstrahlen.
- C7-Nervenwurzel: Beschwerden im Mittelfinger.
Diagnose eines HWS-Bandscheibenvorfalls
Die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls beginnt mit einer vollständigen Untersuchung des Nackenbereichs, der Arme und Beine. Ihr Arzt testet Ihren Nacken auf Flexibilität, Bewegungsradius und Anzeichen für eine Belastung Ihrer Nervenwurzeln oder des Rückenmarks durch einen Bandscheibenvorfall. Sie werden eventuell gebeten, in einem Diagramm anzugeben, wo Sie Schmerzen, Taubheitsgefühl, Kribbeln und Schwäche verspüren.
Die Anamnese und neurologische Untersuchung sind entscheidend. Der Arzt erfasst die Krankheitsgeschichte des Patienten, um den Beginn und den Verlauf der Symptome zu verstehen. Besonders geachtet wird auf die genaue Lokalisation und Art der Schmerzen, sowie auf neurologische Symptome wie Missempfindungen, Kribbelparästhesien und Taubheitsgefühle.
Bildgebende Verfahren
Röntgenuntersuchungen oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) können der nächste Schritt sein. Wenn der klinische Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall besteht, wird dieser durch moderne bildgebende Verfahren bestätigt.
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- Röntgen: Dient zur Darstellung der knöchernen Strukturen der Wirbelsäule.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Ermöglicht eine detaillierte Beurteilung der Bandscheiben, Nervenwurzeln und des Rückenmarks. Sie ist bei einem Bandscheibenvorfall die Bildgebung der Wahl.
- CT (Computertomographie): Konzentriert sich stärker auf knöcherne Strukturen.
- Myelographie: Kommt in seltenen Fällen zum Einsatz.
- EMG (Elektromyographie): Kann bei Muskelschwäche eingesetzt werden, um die Nervenfunktion zu überprüfen.
Differenzialdiagnose
Wenn die Symptome und der Bildbefund nicht übereinstimmen, sollten andere mögliche Ursachen in Betracht gezogen werden.
Mögliche Differenzialdiagnosen sind:
- Spinalkanalstenose: Einengung des Wirbelkanals, in dem das Rückenmark und die Spinalnerven verlaufen.
- HWS-Distorsion (Schleudertrauma): Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule, beispielsweise nach einem Auffahrunfall.
- Unspezifischer Kreuzschmerz: Schmerzen im unteren Rückenbereich ohne identifizierbare Ursache.
- Spondylosis deformans: Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule mit Knochenauswüchsen (Spondylophyten).
- Osteochondrose: Verdichtung der Knochen an den Enden der Wirbelkörper aufgrund von Degeneration der Bandscheiben.
- Rheuma oder Morbus Bechterew: Chronische Erkrankungen, die zu einer Wirbelkanalstenose führen können.
Behandlung eines HWS-Bandscheibenvorfalls
In den meisten Fällen reicht eine konservative Behandlung der Patienten. Dadurch können sie ihre Schmerzen deutlich verringern. Der HWS-Bandscheibenvorfall bildet sich von allein nach einiger Zeit zurück, wobei Physiotherapie, Wärmeanwendungen und Schmerzmedikamente den Heilungsprozess unterstützen.
Das Hauptziel der Therapie ist, die Symptome zu lindern und den Patienten wieder in sein soziales und berufliches Umfeld zu integrieren.
Konservative Therapie
Die konservative Therapie kombiniert verschiedene Behandlungsmethoden und wird oft als erste Behandlungsoption in Betracht gezogen, insbesondere wenn keine schwerwiegenden Symptome vorliegen.
- Schmerzmittel: Medikamente zur Schmerzlinderung, oft nach einem Schema der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Häufig kommen NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz.
- Muskelrelaxanzien: Bei starken muskulären Verspannungen können Muskelrelaxanzien sinnvoll sein.
- Periradikuläre Therapie (PRT): Injektion von schmerzlindernden Medikamenten direkt an die betroffene Nervenwurzel.
- Physiotherapie: Krankengymnastik und Wärmetherapie zur Verbesserung der Beweglichkeit und Reduzierung von Schmerzen.
- Halskrause (Zervikalstütze): Kann für die ersten Tage nach einem HWS-Bandscheibenvorfall helfen, die Muskelverspannungen aufzulösen.
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Zur Linderung von Verspannungen und Schmerzen. Klassische Kälteanwendungen wie Kühlpads, kühlende Schmerzgele, Eiskompressen oder Kältesprays können sich positiv auf einen akuten Bandscheibenvorfall auswirken, da sie die Durchblutung reduzieren, einen abschwellenden und schmerzlindernden Effekt haben und entzündlichen Prozessen entgegenwirken. Wärmeanwendungen wie Wärmepflaster, Infrarotlicht oder eine heiße Rolle fördern die Durchblutung im Gewebe, wirken schmerzlindernd und unterstützen die Muskulatur.
Operative Therapie
Der behandelnde Orthopäde zieht einen operativen Eingriff in Betracht, wenn die konservativen Behandlungsmaßnahmen auch nach einigen Wochen ohne spürbaren Erfolg bleiben. Auch bei neurologischen Ausfällen (z.B. Schwäche im Triceps) kann eine Operation erforderlich sein.
- Ventrale Fusion: Entfernung der Bandscheibe von vorne und Stabilisierung der Höhe C6/C7 mit einem Implantat.
- Dorsale Foraminotomie nach Frykholm: Entfernung des Bandscheibenvorfalls von hinten. Diese Technik wird seltener angewendet.
- Einsatz einer Bandscheibenprothese: Erhält die Beweglichkeit der Halswirbelsäule.
Die Operation von Bandscheibenvorfällen der Halswirbelsäule fällt in den Bereich von Fachärzten für Orthopädie/Unfallchirurgie oder Neurologie/Neurochirurgie, die sich auf Wirbelsäulenchirurgie spezialisiert haben.
Minimalinvasive Verfahren
Wenn konservative Maßnahmen bei einem Bandscheibenvorfall nicht ausreichend wirken oder die Beschwerden wiederkehren, können minimalinvasive Verfahren eine schonende Alternative zur offenen Operation darstellen.
- Wirbelsäulenkathetertechnik: Ein dünner, flexibler Katheter wird in den Wirbelkanal eingeführt, um Entzündungen oder Verklebungen im Epiduralraum zu behandeln.
- Mikrolasertherapie: Ein Laserstrahl wird über eine feine Kanüle in die Bandscheibe geleitet.
Rehabilitation und Physiotherapie
Zwischen der Entlassung aus dem Krankenhaus und der ersten ärztlichen Kontrolle sind ein- bis zweimal pro Woche Physiotherapie-Einheiten empfohlen. Während des Krankenhausaufenthalts erhält der Patient ein Übungsprogramm, das vom Physiotherapeuten erklärt wird. Dieses besteht aus isometrischen Spannungsübungen, die die stabilisierenden Muskeln der Halswirbelsäule aktivieren.
Physiotherapeutische Behandlung vermittelt zusätzlich rückenschonende Bewegungsmuster im Alltag, z. B. beim Bücken, Tragen oder Sitzen.
Prognose
Erfahrungsgemäß bestehen gute Aussichten für kleinere, wenig umfangreiche Bandscheibenvorfälle der HWS, dass diese sich über den normalen Heilungsprozess vollständig zurückbilden. Die Prognose für einen Bandscheibenvorfall ist in der Regel gut, insbesondere wenn die richtige Therapie gewählt wird.
Vorbeugung
Viele Faktoren, die zu einem Bandscheibenvorfall führen, lassen sich aktiv beeinflussen.
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Achten Sie auf eine korrekte Haltung beim Sitzen und Arbeiten.
- Regelmäßige Bewegung: Fördern Sie die Durchblutung und stärken Sie die Muskulatur.
- Rückenschule: Erlernen Sie rückenschonende Hebetechniken und Bewegungsmuster.
- Gewichtsmanagement: Vermeiden Sie Übergewicht, um die Bandscheiben zu entlasten.
- Stressmanagement: Reduzieren Sie Stress, um Muskelverspannungen zu vermeiden.
- Nichtrauchen: Vermeiden Sie das Rauchen, um die Durchblutung der Bandscheiben nicht zu beeinträchtigen.
Wann zum Arzt?
Warten Sie nicht, bis die Schmerzen unerträglich werden. Es ist wichtig, frühzeitig auf Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule zu reagieren, um weitere Schäden zu vermeiden.
- Starke Nackenschmerzen, die nicht nachlassen.
- Ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Hände.
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Arme oder Hände.
- Muskelschwäche in Arme oder Hände.
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang.
Der behandelnde Arzt wird schnellstmöglich bildgebende Untersuchungen durchführen. Sieht er im MRT oder Röntgen einen massiven Bandscheibenvorfall mit deutlicher Kompression des Rückenmarks, wird er mit Ihnen über die Möglichkeiten einer operativen Therapie sprechen.
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