Das HWS-Syndrom (Halswirbelsäulen-Syndrom) ist ein Sammelbegriff für verschiedene Beschwerden im Bereich der Hals-, Schulter- und Nackenregion. Es ist ein häufiges Krankheitsbild, das viele Menschen betrifft. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen dem HWS-Syndrom, der Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule und dem potenziellen Auftreten von Hirndruck.
Was ist das HWS-Syndrom?
Die Bezeichnung HWS-Syndrom umfasst unterschiedliche Beschwerden im Bereich des oberen Wirbelsäulenabschnittes und des Nackens. Eine Einteilung kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen:
Einteilung nach Lokalisation:
- Oberes HWS-Syndrom (Zervikocephalgie): Beschwerden entstehen in der Kopfregion.
- Mittleres HWS-Syndrom: Beschwerden im mittleren Bereich der Halswirbelsäule.
- Unteres HWS-Syndrom: Beschwerden im unteren Bereich der Halswirbelsäule.
Einteilung nach Verlauf:
- Akutes HWS-Syndrom: Plötzliches Auftreten der Beschwerden, z. B. durch eine "falsche" Bewegung.
- Chronisches HWS-Syndrom: Lang anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden.
Anatomie der Halswirbelsäule
Die Halswirbelsäule (HWS) besteht aus sieben Wirbelkörpern, die zwischen dem Kopf und der Brustwirbelsäule liegen. Die ersten beiden Halswirbel, Atlas (C1) und Axis (C2), haben eine spezielle Form und Funktion:
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- Atlas (C1): Trägt den Kopf und bildet mit dem Hinterhauptbein das obere Kopfgelenk. Dieses Gelenk ermöglicht Nickbewegungen des Kopfes. Der Atlas hat zwei wie Schalen geformte Gelenkflächen auf seiner Oberseite, in denen der Kopf liegt.
- Axis (C2): Besitzt einen zapfenartigen Fortsatz (Dens axis), um den sich der Atlas drehen kann. Das untere Kopfgelenk zwischen Atlas und Axis ist hauptsächlich für die Drehung des Kopfes zuständig.
Ab dem dritten Halswirbel (C3) sind alle Wirbel ähnlich aufgebaut. Sie bestehen aus einem zylinderförmigen Wirbelkörper und einem knöchernen Bogen, in dem das Rückenmark gelagert ist. Zwischen den Wirbeln (außer zwischen Atlas und Axis) befinden sich Bandscheiben. Sie dienen als Stoßdämpfer und ermöglichen der Wirbelsäule Beweglichkeit und Belastbarkeit. Durch seitlich gelegene Löcher (Foramina) treten die Spinalnerven aus dem knöchernen Wirbelkanal (Spinalkanal) aus und versorgen bestimmte Bereiche oder Gliedmaßen des Körpers.
Symptome des HWS-Syndroms
Das klassische Symptom des HWS-Syndroms sind Nackenschmerzen, die bis in die Arme ausstrahlen können. Diese gehen oft mit Verspannungen der Muskulatur im Bereich des Nackens und der Schultern einher. Weitere häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen
- Bewegungseinschränkungen des Kopfes
- Schwindel
- Sehstörungen
- Ohrengeräusche (Tinnitus)
- Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Fingern
- In schweren Fällen: Lähmungen (Paresen) in Arm, Hand und Fingern
Bei einem oberen HWS-Syndrom können Schmerzen vom Nacken über den Hinterkopf bis in die Stirn oder zu den Augen ausstrahlen. Beschwerden in den Armen oder Händen treten auf, wenn die untere Halswirbelsäule betroffen ist, da aus diesem Bereich die Nervenbahnen austreten, die die Muskulatur der Arme und Hände versorgen.
Ursachen des HWS-Syndroms
Die Ursachen für ein HWS-Syndrom können vielfältig sein:
- Muskelverspannungen: Verspannungen der Nackenmuskulatur können sowohl Ursache als auch Folge eines HWS-Syndroms sein. Sie können durch Stress, Fehlhaltungen oder Überlastungen entstehen. Verspannungen der tiefen Nackenmuskeln, insbesondere der vorderen Halsmuskulatur (z. B. M. sternocleidomastoideus, M. scalenus), können Druck auf den Rachen und die Speiseröhre ausüben.
- Wirbelblockaden: Durch Muskelverspannungen, Muskelverkürzungen, Fehlhaltung oder Fehlbelastungen kann es zu einer Blockierung oder einem "Verhaken" zweier Wirbel kommen.
- Schleudertrauma: Bei einem Schleudertrauma wird die Nackenmuskulatur erst überstreckt und anschließend gestaucht (oder umgekehrt).
- Dauer- und Fehlbelastungen: Starke Druck-, Zug- und Scherkräfte auf die Wirbelsäule, wie sie oft bei einseitiger Belastung und mangelndem Ausgleich vorkommen, können zu vorzeitigen Abnutzungserscheinungen führen.
- Bandscheibenvorfall: Ein zervikaler Bandscheibenvorfall kann ebenfalls ein HWS-Syndrom verursachen. Dabei wölbt sich die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern nach hinten in Richtung Spinalkanal hervor und das herausgetretene Gewebe kann zu einer Reizung bzw. Druckschädigung von Nervenwurzeln führen.
- Krankhafte Veränderungen an den Wirbeln und Wirbelgelenken: Spondylose, Facettensyndrom oder Spinalstenose können für ein HWS-Syndrom verantwortlich sein.
- Entzündungen: Entzündungen jeglicher Art, wie z. B. rheumatische Erkrankungen, können ein HWS-Syndrom begünstigen.
- Fehlhaltungen und Überlastungen: Langes Sitzen in ungünstiger Haltung, z. B. am Computer, kann zu einer erhöhten Spannung im Nacken- und Schulterbereich führen.
Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule
Die Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanals), in dem das Rückenmark verläuft. Im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) kann eine solche Verengung verschiedene Symptome verursachen.
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Ursachen der Spinalkanalstenose
Die häufigsten Ursachen für eine Spinalkanalstenose sind degenerative Veränderungen im Alter. Dazu gehören:
- Bandscheibenverschleiß: Die Bandscheiben verlieren an Höhe und wölben sich vor, was den Spinalkanal einengen kann.
- Knochenanbauten (Spondylophyten): An den Wirbelkörpern und Wirbelgelenken bilden sich Knochenanbauten, die den Spinalkanal zusätzlich verengen.
- Verdickung der Bänder: Die Bänder, die die Wirbelkörper verbinden, können sich verdicken und den Spinalkanal einengen.
- Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Ein Wirbelkörper verschiebt sich gegenüber dem darunterliegenden, was zu einer Verengung des Spinalkanals führen kann.
- Angeborene Spinalkanalstenose: In seltenen Fällen ist der Spinalkanal von Geburt an zu eng.
Symptome der Spinalkanalstenose im HWS-Bereich
Die Symptome einer Spinalkanalstenose im Bereich der Halswirbelsäule können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nervenwurzeln oder welches Segment des Rückenmarks betroffen sind. Mögliche Symptome sind:
- Nackenschmerzen: Oft strahlen die Schmerzen in die Schultern aus.
- Schulterschmerzen:
- Störungen der Feinmotorik: Schwierigkeiten beim Greifen kleiner Gegenstände, Zuknöpfen von Hemden oder Aufdrehen von Schraubverschlüssen.
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Armen und Händen.
- Kraftverlust: Schwäche in den Armen und Händen.
- Gangunsicherheit:
- Schwindel: Eine Spinalkanalstenose in der Halswirbelsäule (HWS) kann in der Tat zu Schwindel führen, obwohl dies nicht bei jedem Patienten der Fall ist.
- In schweren Fällen:
- Lähmungen (Paresen): In Armen und Beinen.
- Blasen- und Darmfunktionsstörungen: In seltenen Fällen.
- Myelopathie: Schädigung des Rückenmarks, die zu Gang- und Standstörungen führen kann.
Diagnose der Spinalkanalstenose
Zur Diagnose einer Spinalkanalstenose werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und die genauen Beschwerden des Patienten.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Beweglichkeit der Halswirbelsäule, die Reflexe und die Sensibilität.
- Neurologische Untersuchung: Um Hinweise auf die Höhe und Lage der Spinalkanalstenose zu erhalten. Ein Beispiel für einen klinischen Test, der häufig zur Untersuchung von Spinalkanalstenosen im unteren Rücken zum Einsatz kommt, ist der Lasègue-Test. Ebenfalls aussagekräftig im Hinblick auf die befallenen Nerven ist die Prüfung der Reflexe.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgen: Zum Erkennen von Verletzungen an knöchernen Strukturen.
- MRT (Magnetresonanztomografie): Zur Darstellung des Rückenmarks, der Nervenwurzeln, der Bandscheiben und der knöchernen Strukturen. Die MRT zeigt z. B. die einengenden Spondylophyten oder die Vorwölbung einer höhenverminderten, dehydrierten Bandscheibe in den Spinalkanal hinein. Manchmal sind auch mehrere Stenosen sichtbar. Nur durch genaue Abstimmung der radiologischen Befunde mit den Ergebnissen der neurologischen Untersuchung und der Beschwerden des Patienten lässt sich die klinische Relevanz der sichtbaren Engstellen deuten.
- CT (Computertomografie): In manchen Fällen zur Beurteilung knöcherner Strukturen.
- Elektrophysiologische Untersuchungen (EMG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
Hirndruck im Zusammenhang mit HWS-Syndrom und Spinalkanalstenose
Obwohl selten, kann es in bestimmten Fällen einen Zusammenhang zwischen HWS-Syndrom, Spinalkanalstenose und Hirndruck geben.
Mögliche Mechanismen
Veränderter Liquorfluss: Eine Spinalkanalstenose im Bereich der Halswirbelsäule kann den Fluss des Liquors (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) beeinträchtigen. Der Liquor umgibt das Rückenmark und das Gehirn und dient als Puffer und Transportmittel für Nährstoffe und Abfallprodukte. Eine Blockade des Liquorflusses kann theoretisch zu einem erhöhten Hirndruck führen.
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Nervenreizung und Muskelverspannungen: Starke Muskelverspannungen im Nackenbereich, die durch ein HWS-Syndrom oder eine Spinalkanalstenose verursacht werden, können indirekt den Hirndruck beeinflussen. Verspannungen können die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen und zu Kopfschmerzen und Schwindel führen, was fälschlicherweise als Hirndruck interpretiert werden kann.
Begleiterkrankungen: In einigen Fällen können Begleiterkrankungen, die sowohl das HWS-Syndrom als auch den Hirndruck verursachen, vorliegen. Dazu gehören z. B. Entzündungen im Nervensystem oder andere neurologische Erkrankungen.
Symptome bei Verdacht auf Hirndruck
Bei Verdacht auf Hirndruck sollten folgende Symptome beachtet werden:
- Starke, anhaltende Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Sehstörungen (z. B. verschwommenes Sehen, Doppeltsehen)
- Bewusstseinsstörungen
- Nackensteifigkeit
Bei Auftreten dieser Symptome ist eine sofortige ärztliche Untersuchung erforderlich, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von HWS-Syndrom, Spinalkanalstenose und potenziell damit verbundenem Hirndruck richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden.
Konservative Therapie
- Physiotherapie: Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit, Haltungsverbesserung, Entlastung der Wirbelsäule. Ziel der Physiotherapie ist es, die Rücken- und Bauchmuskulatur zu trainieren, denn starke Muskeln stabilisieren den Rücken und können die Lendenwirbelsäule entlasten. Das soll die Hohlkreuz-Position der Lendenwirbelsäule minimieren, damit sich der Spinalkanal weitet und die Nerven nicht mehr eingeklemmt werden. Besonders wichtig ist es, die Tiefenmuskulatur anzusprechen: Die sogenannten Musculi multifidii sind winzige Muskeln, die der Wirbelsäule Stabilität geben und dafür sorgen, dass der Spinalkanal sowie Knochen, Bandscheiben und Nerven an ihrer richtigen Position bleiben und den Kanal nicht weiter einengen. Auch ein Gleitwirbel rutscht dadurch weniger hin und her.
- Schmerzmittel: Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen. Zusätzlich können muskelentspannende Wirkstoffe die Beschwerden lindern.
- Wärme: Zur Entspannung der Muskulatur.
- Manuelle Therapie: Mobilisierung von blockierten Wirbeln.
- Injektionen: Kortison oder örtliche Betäubungsmittel in die Nähe der Nervenwurzeln oder Wirbelgelenke.
- Kinesiotaping: Kann bei HWS-Syndrom von Nutzen sein.
- Osteopathie: Bei Lumedis behandelt osteopathisch die ärztliche Osteopathin und Fachärztin für Orthopädie Dr.
- Stoßwellentherapie: Ziel der Therapie ist es, die Muskulatur mit Hilfe der Stoßwellen zu entspannen.
- Übungen: Spezielle Übungen zur Entlastung der Wirbelsäule und Stärkung der Muskulatur.
- Entspannungstechniken: Autogenes Training, Yoga oder andere Entspannungstechniken zur Reduktion von Stress und Muskelverspannungen. Yoga ist von besonderem Vorteil, da zum einen die Muskulatur entspannt und gestärkt wird, aber auch emotionaler Stress abgebaut werden kann. Denn häufig trägt auch emotionaler Stress zu einer erhöhten Körperspannung bei und fördert dadurch die Entstehung schmerzhafter Muskelverspannungen.
Operative Therapie
Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ziel der Operation ist es, den Spinalkanal zu erweitern (Dekompression) und den Druck von Rückenmark und Nervenwurzeln zu nehmen. Mithilfe eines speziellen Operationsmikroskops kann der Wirbelsäulenchirurg störendes Gewebe im Spinalkanal genau identifizieren und mit feinsten Instrumenten entfernen. Die konservativen Maßnahmen können die eigentliche Ursache, d. h. die Einengung des Rückenmarks durch meist knöcherne Elemente, nicht beseitigen. Vor allem bei einer stark ausgeprägten Stenose stoßen sie deshalb relativ schnell an ihre Grenzen. Um dauerhafte Schäden zu vermeiden, gilt: Wenn nach mehr als 12 Wochen die konservative Therapie keinerlei Schmerzlinderung bringt, sollte eine operative Behandlung in Erwägung gezogen werden. In manchen Situationen muss eine Operation der Stenose sofort erfolgen.
Vorbeugung
Um einem HWS-Syndrom und einer Spinalkanalstenose vorzubeugen, können folgende Maßnahmen helfen:
- Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung wirken sich positiv auf die Gesunderhaltung der Halswirbelsäule aus. Hierbei sollten Sportarten gewählt werden, welche gelenkschonend die Rücken- und Halsmuskulatur stabilisieren.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine gute Haltung beim Sitzen und Stehen.
- Stressmanagement: Vermeiden Sie Stress und sorgen Sie für ausreichend Entspannung.
- Gesunde Lebensweise: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf.
- Vermeidung von Fehlbelastungen: Vermeiden Sie einseitige Belastungen und sorgen Sie für Ausgleich.
- Gewichtskontrolle: Übergewicht vermeiden.
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