HWS-Fraktur: Neurologische Ausfallerscheinungen, Ursachen, Symptome und Therapie

Das Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom) ist ein Sammelbegriff für Beschwerden im Nacken-, Schulter- und Armbereich. Es umfasst alle Schmerzen und Probleme, die im Bereich der Halswirbelsäule auftreten oder von dort ausgehen. Ein HWS-Syndrom kann akut oder chronisch sein.

Was ist ein HWS-Syndrom?

Das Halswirbelsäulen-Syndrom, auch Zervikalsyndrom genannt, zählt zu den häufigsten Problemen rund um die Wirbelsäule. Als beweglichster Teil unserer Wirbelsäule ermöglicht sie dir, den Kopf in fast alle Richtungen zu drehen und zu neigen. Gleichzeitig muss sie deinem etwa 4-5 Kilogramm schweren Kopf zuverlässig tragen und stabilisieren. Die sieben Halswirbel sind kleiner und leichter als die übrigen Wirbel. Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich elastische Bandscheiben, die meistens wie kleine Stoßdämpfer agieren können. Dabei unterstützt dich ein komplexes System aus Muskeln, Sehnen und Bändern, das für Stabilität sowie kontrollierte Bewegungen sorgen soll. Besonders wichtig sind die Nervenwurzeln entlang der Halswirbelsäule. Hier verlassen die Spinalnerven den Wirbelkanal und versorgen die gesamte Schulter-Nacken-Partie, die oft Ursachen für Probleme sein könnten, die bis in deinen Arm oder die Finger reichen. Teile deiner Gesichtsmuskulatur sowie wichtige Sinnesorgane sind über die Wirbelsäule miteinander verbunden, sodass dadurch unterschiedliche potentielle, neurologische Störungen in dem Bereich begünstigt werden könnten.

Ursachen eines HWS-Syndroms

Die Ursachen für ein HWS-Syndrom sind vielfältig. Ein akutes HWS-Syndrom lässt sich sehr gut und effektiv durch verschiedene, konservative Therapien behandeln.

Akutes HWS-Syndrom

Bei einem akuten HWS-Syndrom handelt es sich meistens um Verletzungen der Halswirbelsäule, die durch eine plötzliche Überbeanspruchung entstehen, wie zum Beispiel bei Verkehrsunfällen (HWS Distorsion, auch Schleudertrauma genannt) und ungewohnten Belastungen bei starker körperlicher Betätigung. Ein Schleudertrauma wird häufig durch Verkehrsunfälle ausgelöst und kann zu starken Beschwerden im Nacken- und Schulterbereich führen. Dabei kommt es zu einer Dehnung und Überdehnung der Muskeln und Bänder im Nackenbereich, was zu starken Schmerzen führen kann.

Eigentlich beschreibt der Begriff "Schleudertrauma" kein Krankheitsbild, sondern vielmehr den Unfallhergang, der zu eben dieser Beschleunigungsverletzung führt: die Halswirbelsäule wird durch eine ruckartige Bewegung des Kopfes kurzfristig überstreckt und im Anschluss sehr stark gebeugt. Dies ist vor allem bei Auffahrunfällen der Fall, aber auch Sportverletzungen (insbesondere beim Kampfsport) oder ein Sturz können dazu führen. Etwa 80 Prozent aller Personen, die in einen Autounfall verwickelt sind, erfahren ein Schleudertrauma. In mehr als 90 Prozent der Fälle handelt es sich um eine leichtere Form des Traumas.

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Risikofaktoren für ein Schleudertrauma sind:

  • Eine fehlende oder falsch eingestellte Kopfstütze
  • Bereits vorhandene Nackenschmerzen und/oder Steifheit im Nackenbereich vor dem Unfall
  • Ein höheres Lebensalter

Chronisches HWS-Syndrom

Dauern die Beschwerden länger als drei Monate an, spricht man von einem chronischen HWS-Syndrom. Chronische HWS-Syndrome basieren meistens auf degenerativen Veränderungen der tragenden Strukturen im Bereich der Halswirbelsäule. Entsteht ein HWS-Syndrom durch langfristige Abnutzung der knöchernen Halswirbelsäule, spricht man von einem chronischen HWS-Syndrom.

Funktionelles HWS-Syndrom

Neben unfall- und abnutzungsbedingten HWS-Syndromen (posttraumatisches und degeneratives HWS-Syndrom), gibt es noch Halswirbelsäulensyndrome, die durch eine Fehlhaltung entstehen (funktionelles HWS-Syndrom). Regelmäßiges langes Sitzen und mangelnde Bewegung gehören zu den Hauptursachen beim funktionellen HWS-Syndrom. Vor allem das Sitzen am PC und eine übermäßige Handynutzung führen zu einer Vorkopfhaltung, bei der der Hals viele Kilos an zusätzlicher Last trägt. Einige Muskeln sind dadurch permanent angespannt, andere werden geschwächt. Es resultiert eine muskuläre Dysbalance, die zu Verspannungen und Durchblutungsstörungen führt und Schmerzen verursachen kann.

Weitere Ursachen

Weitere Ursachen sind Tumore die auf Nerven oder Muskeln der HWS drücken, Verspannungen der Halsmuskulatur, bei denen der Muskel Nerven einklemmen kann, HWS-Operationen, seltene Bandscheibenvorfälle der HWS und schlecht durchblutete Regionen der HWS (aseptische Knochennekrose).

HWS-Fraktur

Ein Genickbruch ist die Folge einer Krafteinwirkung auf die Halswirbelsäule. Häufig ist die Ursache ein Straßenverkehrsunfall, Arbeits- oder Sportunfall. Allerdings können auch weniger dramatische Unfälle bereits zu einem Genickbruch führen. Nicht in jedem Fall muss ein dramatischer Unfall verantwortlich sein. So kann zum Beispiel eine Überstreckung der Halswirbelsäule durch Aufprall nach einem Sturz aus geringer Höhe bei Senioren oder Menschen mit Osteoporose (Knochenschwund) bereits einen Genickbruch verursachen. Die häufigsten Ursachen von Genickbrüchen sind Straßenverkehrsunfälle (40 Prozent), Arbeitsunfälle und Sportunfälle (je etwa 25 Prozent).

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Risikofaktoren für Genickbrüche sind Vorerkrankungen wie verschleißbedingte Veränderungen von Bandscheiben und Wirbeln (Osteochondrose), Osteoporose, Tumorerkrankungen (Metastasen) und versteifte Gelenke im Bereich der Halswirbelsäule (zum Beispiel durch Morbus Bechterew).

Symptome eines HWS-Syndroms

Bei einem Halswirbelsäulensyndrom können ganz unterschiedliche Symptome auftreten. Oft kommt es außerdem zu einer verspannten Schulter- und Nackenmuskulatur. In manchen Fällen kann es zudem zu einem Kribbeln in den Händen oder einem Taubheitsgefühl kommen, da im Bereich der Halswirbelsäule viele Nerven abgehen.

Das HWS-Syndrom kann die Knochen und die daneben oder darin verlaufenden Nerven betreffen. Je nachdem wohin die Nerven aus der betroffenen Halswirbelsäule ziehen, können der Nacken, die Schultern, die Arme oder sogar der Kopf betroffen sein. Die Symptome sind dementsprechend vielseitig.

Typisch für ein HWS-Syndrom sind Nackenschmerzen, die in die Arme ausstrahlen. Gleichzeitig lassen sich Verspannungen und Verhärtungen in der Muskulatur von Hals und Nacken sowie angrenzenden Bereichen feststellen. Die Schmerzen können nicht nur in die Arme, sondern auch in den Kopf ausstrahlen und zu starken Kopfschmerzen, Schwindel bis hin zu Sehstörungen und Tinnitus führen.

Einige häufige Anzeichen und Symptome eines Schleudertraumas können sein:

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  • Nackenschmerzen
  • Steifheit im Nacken
  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Müdigkeit oder Erschöpfung
  • Schwierigkeiten beim Konzentrieren oder Gedächtnisprobleme
  • Taubheitsgefühl in Armen und Händen
  • Seh- und Hörstörungen
  • Schluckbeschwerden
  • Kiefergelenkschmerzen
  • Schlafstörungen

Je nach Ausstrahlung der Beschwerden kann man ein oberes von einem mittleren und unteren HWS-Syndrom unterscheiden:

  • Beim oberen HWS-Syndrom verspüren betroffene Patienten oft ausstrahlende Schmerzen im Hinterkopf, z. T. bis über die Ohren in die Stirnregion ziehend. Ursächlich kann eine Uncovertebralarthrose sein.
  • Beim mittleren HWS-Syndrom äußern sich die Beschwerden typischerweise durch ausstrahlende Schmerzen zwischen den Schulterblättern und über die Schulter hinaus. Es kann auch zu Störungen der Nervenfunktion mit entsprechender Symptomatik in den Armen kommen.
  • Beim unteren HWS-Syndrom kommt es ähnlich wie beim mittleren HWS-Syndrom zu Störungen in den Armen. Neben den bekannten Armschmerzen strahlen die Schmerzen charakteristischerweise bis in die Hand aus. Jedem Halswirbel wird ein bestimmter Arm- oder Handabschnitt zugeordnet. C steht dabei für Zervikalwirbel. Anhand der Schmerzen und Ausfallerscheinungen in Arm oder Hand kann der Arzt auf das betroffene Segment der Halswirbelsäule schließen.

Symptome eines Genickbruchs

Nicht jeder Genickbruch macht sich mit eindeutigen Symptomen bemerkbar. Ein Genickbruch kann daher sogar manchmal übersehen werden. Symptome eines Genickbruchs sind:

  • akuter Nackenschmerz mit Kopfschmerzen
  • Schmerzen beim Bewegen des Halses, bis hin zur Bewegungsunfähigkeit
  • Schwierigkeiten, den Kopf zu halten
  • Schluckstörungen

Treten in Verbindung mit einem Sturz oder Unfall neurologische Ausfallerscheinungen auf, kann das auf einen Genickbruch mit Verletzung des Rückenmarks hindeuten. Anzeichen für Rückenmarksverletzungen sind:

  • Lähmungserscheinungen
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Beinen oder Armen

Rückenmarksverletzungen können allerdings auch ohne Wirbelbrüche entstehen. Weiterhin kann auch ein Schädelhirntrauma Lähmungen verursachen. In jedem Fall müssen Betroffene unverzüglich notärztlich versorgt werden.

Diagnose eines HWS-Syndroms

Wichtig ist, dass bei dem Verdacht auf ein HWS-Syndrom zuerst eine Nervenwurzel- oder Halsmarkschädigung ausgeschlossen wird. Das heißt, der Patient muss klinisch und neurologisch gründlich untersucht werden. Außerdem sollte eine elektromyographische Diagnostik und eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) erfolgen, um mögliche Veränderungen der Halswirbelsäule auszuschließen.

Nach einer ausführlichen Anamnese führt der Arzt die körperliche Untersuchung durch. Hierbei prüft er die Beweglichkeit und Funktionalität der Wirbelsäule und der einzelnen Zwischenwirbelgelenke. Die Muskulatur wird auf Verspannungen, Verhärtungen und druckschmerzhafte Stellen abgetastet. Außerdem testet der Rückenspezialist Gefühl, Kraft und Reflexe in den Armen. Sind diese krankhaft verändert, kann eine Untersuchung durch einen Neurologen zusätzlich nötig sein.

Beim HWS-Syndrom muss der Arzt eine Nervenwurzel- oder Halsmarkschädigung ausschließen. Das bedeutet, dass insbesondere beim wiederkehrenden HWS-Syndrom das gesamte Spektrum der klinischen wie radiologischen und neurologischen Diagnostik genutzt werden muss. Hierunter fällt neben dem Röntgen unter Umständen auch die elektromyografische Untersuchung (EMG) und eine Magnetresonanztomographie (MRT) zum Nachweis von Veränderungen an der Halswirbelsäule.

Methode der Wahl für die bildgebende Diagnostik bei Verdacht auf Genickbruch sind Computertomogramme (CT) der Halswirbelsäule. Röntgenaufnahmen sind weniger gut geeignet, da Verletzungen der Halswirbelsäule dort oft nicht deutlich genug zu erkennen sind. Zusätzliche Informationen kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) liefern. Zur Diagnostik gehört auch eine sorgfältige neurologische Untersuchung. Dabei wird der Körper unter anderem auf Empfindungsstörungen und/oder Störungen der Muskelfunktion getestet.

Therapie eines HWS-Syndroms

Besteht kein Grund zu einer Operation, kann das HWS-Syndrom mit verschiedenen, konservativen Methoden behandelt werden. Die Therapien können sich ergänzen und richten sich nach der jeweiligen Ursache des HWS-Syndroms. Außerdem kann das Tragen einer Halskrause bzw. Cervicalstütze kurzfristig zur Ruhigstellung und Entlastung der Halswirbelsäule sinnvoll sein.

Ärztinnen und Ärzte sind sich heute weitestgehend einig, dass die Therapie eines Halswirbelsäulensyndroms multimodal ausgerichtet sein sollte. Das heißt, es sollen verschiedene Behandlungen miteinander kombiniert werden, um die Ursachen anzugehen.

Konservative Therapie

  • Manuelle Therapie: Ein akutes HWS-Syndrom lässt sich sehr gut und effektiv durch verschiedene, konservative Therapien behandeln. Dazu gehören zum Beispiel die Manuelle Therapie.
  • Wärmebehandlung: Dazu gehören zum Beispiel die Wärmebehandlung. Wärme (Rotlicht, Wärmeflasche) fördert die Durchblutung und löst Verspannungen. Zudem helfen sanfte Massagen mit entsprechenden Salben (z. B. Arnika, Tigerbalsam).
  • Medikamente: Dazu gehören zum Beispiel das Einnehmen von schmerzlindernden oder muskelentspannenden Medikamenten. Wie bei anderen Schmerzzuständen auch sind Medikamente (Schmerzmittel) zur Akut-Hilfe sehr beliebt. Allerdings gilt es zu beachten, dass Schmerzmittel als langfristige Therapie bei chronischen HWS-Schmerzen in der Regel nicht dauerhaft verwendet werden sollten.
  • Übungen: In der Regel lassen sich die Schmerzen bei einem HWS-Syndrom am besten mit konservativen Maßnahmen behandeln. Dazu zählen beispielsweise Übungen zur Kräftigung der Muskeln im Nackenbereich oder physikalische und manuelle Therapie. Spezielle Übungen können die Muskulatur der Halswirbelsäule stärken und Nackenschmerzen vorbeugen. Folgende Nackenübungen eignen sich bei akuten und chronischen Nackenschmerzen. Im Vorfeld sollten Sie unbedingt mit einem Arzt Rücksprache halten, ob bei Ihnen bestimmte Einschränkungen bestehen. Zur Mobilisation eignen sich leichte Übungen wie Nackenkreisen, Schulterkreisen oder vorsichtige Seitneigungen des Kopfes.
  • Akupunktur: Zahlreiche Studien belegen, dass Akupunktur bei Bewegungsschmerzen an der Halswirbelsäule zur Schmerzreduktion beitragen könnten.
  • Ätherische Öle: In einigen Fällen können Betroffene versuchen, mit ätherischen Öle aus Eukalyptusblättern, Fichten- oder Kiefernadeln, die Durchblutung zu fördern und die Muskulatur zu entspannen.
  • Physikalische Therapie: Im Rahmen der physikalischen Therapie könntest du beispielsweise Schulter-Arm-Wickel, heiße Bäder und Saunagänge setzen. Elektrotherapeutisch vertrauen einige Patienten auf Rotlicht, Ultraschall, NSM (Neurostimulation = die Stimulation von Nerven mittels Stromimpulsen) oder Iontophorese (die Aufnahme von Arzneimitteln durch die Haut unter Anwendung eines schwachen elektronischen Gleichstroms).
  • Quaddeltherapie: In der klinischen Praxis ist die Quaddeltherapie bei der Behandlung eines hartnäckigen HWS-Syndroms besonders beliebt. Bei dieser Maßnahme spritzt der Arzt geringe Mengen eines Betäubungsmittels unter die Haut einer schmerzhaft überspannten Stelle.
  • Injektionstherapie (MIT): Die minimal-invasive Injektionstherapie (MIT) geht noch einen Schritt weiter. Sie gilt bei chronischen HWS-Syndromen als Herzstück der multimodalen Therapie.

Operative Therapie

Kann der Arzt eine Operationsindikation ausschließen, so lässt sich beim HWS-Syndrom ein breites Spektrum von konservativen Therapiemethoden nutzen. In Einzelfällen kann die Injektion von Lokalanästhetika mit neurotrophen (auf die Nerven wirkenden) Medikamenten in die schmerzhafte Muskulatur oder - radiologisch gesteuert - bis an die Wirbelgelenke erforderlich sein. Eine Bandscheibenprothese kann die Bandscheibe des Patienten in der Halswirbelsäule ersetzen.

Bei komplizierten Brüchen mit gleichzeitiger Verletzung von stabilisierenden Strukturen wie Bändern und Muskeln sowie bei fortschreitenden neurologischen Ausfällen muss ein Genickbruch operativ behandelt werden. Während der Operation bringt der Chirurg die Halswirbel wieder in die richtige Position. Zudem repariert und stabilisiert er den gebrochenen Wirbel. Das kann zum Beispiel durch Verschraubung oder durch Auffüllen mit Knochenzement (Ballonkyphoplastie) geschehen oder durch Verblockung mit benachbarten Wirbeln (Spondylodese). Im Anschluss an die OP wird die Halswirbelsäule in der Regel wie bei der konservativen Behandlung mit einer starren Halswirbelsäulenschiene (auch Zervikalstütze oder HWS-Orthese genannt) für mehrere Wochen ruhiggestellt.

Behandlung eines Genickbruchs

Genickbrüche sind immer ein medizinischer Notfall. Bei Verdacht auf Genickbruch stabilisieren Notärzte den Hals am Unfallort mit einer Halswirbelsäulenschiene. Für den schonenden Transport ins Krankenhaus kommt eine Vakuummatratze zum Einsatz.

Auf der Notaufnahme wird unverzüglich ein CT oder Röntgenbild angefertigt. Bestätigt sich der Verdacht auf Genickbruch, muss die Halswirbelsäule möglichst rasch wieder korrekt positioniert werden. Das gilt insbesondere, wenn neurologische Ausfallerscheinungen (Lähmungen beispielsweise) darauf hindeuten, dass das Rückenmark verletzt ist.

In den Fällen, in denen keine Operation erforderlich ist, tragen Betroffene eine starre oder halbstarre Zervikalstütze, um die Halswirbelsäule zu stabilisieren. Eine heute nur noch sehr selten eingesetzte Alternative dazu ist der Minerva-Gips, ein kragenartiger Gipsverband. Bei komplizierten Frakturen, vor allem im Bereich der oberen Halswirbelsäule, kommt ein Halo-Fixateur zum Einsatz. Der Halo-Fixateur ist ein auf dem Schädelknochen abgestützter Ring, der über Stäbe mit einem Kunststoffkorsett verbunden ist.

Die Halswirbelsäule muss in der Regel zwischen 6 und 12 Wochen ruhiggestellt werden. Zeigt die Bilddiagnostik, dass die Heilung abgeschlossen ist, empfiehlt sich das sogenannte „Ausschleichen“ der Immobilisierung durch zunächst stundenweises Weglassen der Stütze: Die Halsmuskulatur ist durch die lange Immobilität geschwächt. Wenn nötig, kann danach eine weiche Orthese (die sogenannte Halskrause) dem Hals zusätzlichen Halt geben.

Rehabilitation nach Genickbruch

Nachdem der Knochen geheilt ist, ist eine sogenannte Anschlussheilbehandlung (Rehabilitationsbehandlung) erforderlich, um Haltung und Beweglichkeit der Halswirbelsäule bestmöglich wiederherzustellen. Die je nach Ausgangslage ambulante oder stationäre Reha dauert mehrere Wochen bis Monate und umfasst Ergo- und Physiotherapie. Auch eine Schmerztherapie kann noch für einige Zeit notwendig sein.

Prognose

Normalerweise klingen die Beschwerden bei einem akuten HWS-Syndrom nach entsprechender Behandlung innerhalb weniger Tagen wieder ab. Liegt ein chronisches HWS-Syndrom aufgrund von degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule vor, ist die vollständige Heilung oft nicht mehr zu erreichen bzw. der Patient muss mit dem Wiederkehren der Beschwerden rechnen.

Bei gutem Allgemeinzustand vor der Fraktur und umfassender Rehabilitation ist die Prognose eines Genickbruchs ohne schwere Rückenmarksverletzungen in der Regel gut. Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen kann ihr Leben weitgehend wie vor dem Unfall fortsetzen.

Je nach Ort und Schwere des Bruchs können längerfristig leichte bis schwerere Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Nackensteife, Heiserkeit, Schluckstörungen und verschiedene Einschränkungen bei Tätigkeiten des Alltags zurückbleiben. So schränkt zum Beispiel die operative Verblockung mehrerer Wirbel der oberen Halswirbelsäule häufig die Beweglichkeit des Halses ein.

Ältere Menschen mit Begleiterkrankungen erholen sich weniger gut von einem Genickbruch.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Bestimmte Alarmzeichen deuten auf eine ernste Ursache der Beschwerden hin und erfordern das umgehende Aufsuchen eines Arztes:

  • Fieber und starke Nackenschmerzen
  • Manche Ursachen des HWS-Syndroms führen dazu, dass es zu Druck auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln im Bereich der Halswirbelsäule kommt.
  • So können degenerative Veränderungen auf Nervenwurzeln drücken oder stark verspannte Nackenmuskeln Gefäße oder Nerven einklemmen. Je nachdem, welches Nervengewebe dabei komprimiert wird, resultieren verschiedene Beschwerden.
  • Bandscheibenvorfälle im Bereich des 6. Halswirbels können Kribbeln im Daumen oder Zeigefinger auslösen, im Bereich des siebten oder achten Halswirbels drohen Missempfindungen im Mittelfinger oder am Ring- und Kleinfinger.

Bei einfachen Verspannungen reicht es meist, zunächst den Hausarzt aufzusuchen. Der kann mögliche Alarmzeichen erkennen und den Betroffenen zum Orthopäden oder zum Neurologen überweisen. Für die Diagnose und Therapie struktureller HWS-Probleme ist der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie zuständig, bei anstehender Operation auch der Wirbelsäulenchirurg.

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