Ein Unfall kann das Leben von einer Sekunde auf die andere verändern. Nicht alle Unfallfolgen lassen sich mit einem Gips behandeln. Sekundäre Unfallfolgen an der Hand können Betroffene noch lange nach dem Unfall beeinträchtigen. Schmerzen oder anhaltende Bewegungseinschränkungen können die Nutzung der Hand zur Belastung machen. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Spätfolgen, die dank modernster Medizin gut behandelt werden können.
Ursachen von Handgelenkschmerzen nach Fraktur
Handgelenkschmerzen sind ein häufiges Problem, das durch viele verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann, darunter Verletzungen, Überlastungen oder Erkrankungen, die Entzündungen oder Degeneration im Handgelenk verursachen. Das Handgelenk ist eine komplexe Struktur aus Knochen, Bändern, Sehnen und Muskeln, die dazu beiträgt, die Bewegungen der Hand zu ermöglichen. Schmerzen im Handgelenk können daher in unterschiedlicher Form auftreten und verschiedene Bereiche des Handgelenks betreffen.
Nach Frakturen im Handgelenk können Knochen teilweise nicht wieder richtig zusammenwachsen, insbesondere wenn ein Knochenbruch in der Hand nicht rechtzeitig erkannt wurde. Die Behandlung bei fehlverheilten Knochenbrüchen besteht im Anfrischen der nicht verheilten Knochenfragmente. Eventuell erfolgt das Einsetzen eines Knochenstückes aus körpereigenem Gewebe von Speiche oder Becken. Für die Stabilisierung sorgen Schrauben, Platten oder Drähte. Bei einer Stellungskorrektur (Korrekturosteotomie) wird der Knochen nochmals gebrochen und richtig zusammengeführt.
Zu den häufigsten Problemen nach einem Handgelenksbruch zählen Schmerzen und der Verlust von Kraft und Beweglichkeit. Oft sind eine Beugung und Streckung des Handgelenks oder auch die Unterarmdrehung nur noch eingeschränkt möglich. Dies kann bis zur Berufsunfähigkeit führen.
Häufige Ursachen von Handgelenkschmerzen
- Verstauchung oder Zerrung: Eine Verstauchung tritt auf, wenn die Bänder des Handgelenks gedehnt oder gerissen werden, oft aufgrund eines Sturzes oder einer plötzlichen Bewegung. Eine Zerrung betrifft die Muskeln oder Sehnen im Handgelenk und kann ebenfalls durch eine Überlastung oder unnatürliche Bewegungen verursacht werden.
- Symptome: Schwellung, Schmerz, eingeschränkte Beweglichkeit.
- Karpaltunnelsyndrom: Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Mittelarmnerv, der durch den Karpaltunnel im Handgelenk verläuft, komprimiert. Dies führt zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln, die oft in den Fingern (insbesondere Daumen, Zeige- und Mittelfinger) auftreten.
- Ursachen: Häufig durch wiederholte Bewegungen, z.B. bei der Arbeit am Computer oder bestimmten Handwerkstätigkeiten.
- Symptome: Schmerzen, Taubheit und Kribbeln in den Händen, vor allem nachts.
- Arthrose (Osteoarthritis): Arthrose im Handgelenk tritt auf, wenn der Knorpel in den Gelenken abgenutzt wird, was zu einer schmerzhaften Entzündung führt. Dies betrifft häufig Menschen im höheren Alter, kann aber auch durch Verletzungen oder Überlastung früher auftreten.
- Symptome: Steifheit, Schwellung und Schmerzen, die besonders bei Bewegungen oder Anstrengungen im Handgelenk auffallen.
- Sehnenentzündungen (Tendinitis): Eine Sehnenentzündung (Tendinitis) tritt auf, wenn die Sehnen im Handgelenk gereizt oder entzündet sind, oft aufgrund von Überlastung oder wiederholten Bewegungen. Besonders häufig betroffen sind die Beugesehnen und Strecksehnen des Handgelenks.
- Symptome: Schmerz, besonders bei Bewegungen des Handgelenks, sowie Schwellung und Rötung.
- De Quervain-Tendinitis: Eine spezielle Form der Sehnenentzündung betrifft die Sehnen des Daumens, insbesondere die Sehnen des Extensor pollicis brevis und abductor pollicis longus. Diese Entzündung tritt häufig bei wiederholten Bewegungen wie Greifen oder Heben von Gegenständen auf.
- Symptome: Schmerz an der Daumenbasis, der sich bei Greifbewegungen oder beim Heben von Objekten verschlimmert.
- Frakturen (Brüche): Eine Fraktur des Handgelenks tritt häufig bei Stürzen auf, wenn das Handgelenk mit dem Boden in Kontakt kommt. Besonders häufig sind Brüche des Radius (Speiche), insbesondere der distalen Radiusfraktur.
- Symptome: Intensive Schmerzen, Schwellung, Blutergüsse und eingeschränkte Beweglichkeit.
- Ganglionzysten: Ganglionzysten sind mit Flüssigkeit gefüllte, meist gutartige Zysten, die an den Sehnen oder Gelenken des Handgelenks auftreten können. Sie verursachen oft Schmerzen oder ein unangenehmes Gefühl, besonders bei Bewegung des Handgelenks.
- Symptome: Schwellung oder Knoten an der Handgelenksoberfläche, die schmerzhaft oder druckempfindlich sein können.
- Rheumatoide Arthritis: Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Entzündungskrankheit, die das Immunsystem dazu bringt, das Handgelenk und andere Gelenke anzugreifen. Sie kann zu schmerzhaften Schwellungen, Deformitäten und Funktionsverlust führen.
- Symptome: Schwellung, Rötung, steife Gelenke und Schmerzen, die häufig morgens am schlimmsten sind.
- Ulnar- und Radial-Trigger (Syndrome): Ulnar- und Radialnerv-Kompressionen können Schmerzen und Taubheit im Handgelenk verursachen, insbesondere wenn die Nerven durch wiederholte Bewegungen oder ungünstige Handpositionen eingeklemmt werden.
- Symptome: Schmerzen und Kribbeln, die durch Bewegungen verschärft werden können.
- Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS): Das komplex-regionale Schmerzsyndrom (CRPS) ist eine mögliche Folgeerkrankung nach einer Verletzung an den Extremitäten, zum Beispiel nach einem Knochenbruch oder der Schädigung eines Nervs. Die Symptome können der Fachgesellschaft zufolge sehr unterschiedlich sein. Typisch seien Schmerzen, die der Arzt durch die eigentliche Verletzung nicht erklären kann und die sich über den ursprünglichen Verletzungsort hinaus ausbreiten. «Etwa drei Viertel aller CRPS-Patienten beschreiben einen permanenten Schmerz, der brennt, zieht oder sticht», sagt Professor Dr. Frank Birklein von der DGKN. Häufig träten Schwellungen auf, sowie übermäßiges Schwitzen, Änderungen der Hauttemperatur und -farbe, Bewegungseinschränkungen und Muskelschwund.
Diagnose von Handgelenkschmerzen nach Fraktur
Die Diagnostik einer fehlverheilten Radiusfraktur beginnt stets mit einer ausführlichen Anamnese. Hierbei sind genaue Angaben zum ursprünglichen Bruch der Speiche sowie zum aktuellen Beschwerdebild besonders wichtig. Auch alte Röntgenbilder und sonstige Befunde werden in diesem Zuge begutachtet.
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Daran schließt sich die körperliche Untersuchung an. Der gesamte Unterarm sowie das Bewegungsausmaß der Gelenke werden dabei genau erfasst. Mit verschiedenen klinischen Tests werden die einzelnen Funktionen des Radius und der Gelenke überprüft.
Auch bildgebende Verfahren liefern wichtige Hinweise zur Diagnose. Hierbei steht in erster Linie eine Röntgenuntersuchung des entsprechenden Bereiches an, je nach Befund können aber auch weitere bildgebende Verfahren wie MRT- oder CT-Untersuchungen notwendig sein. Es empfiehlt sich dabei stets der Vergleich mit der gesunden Gegenseite, um das Ausmaß der Fehlverheilung genau beurteilen zu können.
Behandlungsmöglichkeiten von Handgelenkschmerzen nach Fraktur
Oberstes Ziel der Behandlung ist es, dass die Hand wieder voll funktionstüchtig ist und keine Schmerzen mehr bestehen. Am besten erfolgt die therapeutische Intervention, wenn die Verletzungsfolgen abgeheilt sind, der Kapselapparat des Gelenks sich jedoch noch nicht zu sehr an die neuen, ungünstigen Bedingungen angepasst hat - also etwa 6 bis 18 Monate nach dem Unfall.
Je nach Ausmaß der Fehlstellung und des Beschwerdebildes sollte eine konservative oder operative Therapie angestrebt werden. Konservative Maßnahmen können dabei alleine oder in Ergänzung zu einer Operation erfolgen.
Konservative Therapie
Die Basis der konservativen Therapie von fehlverheilten Radiusfrakturen ist die Physiotherapie. Hier wird vor allem die Beweglichkeit des Handgelenkes durch gezielte Beübung der einzelnen Muskeln, Bänder und Gelenke verbessert. In den meisten Fällen fällt den Betroffenen vor allem die Umwendbewegung des Handgelenkes schwer, weshalb hierauf ein besonderer Fokus liegt.
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Ergänzend zur Physiotherapie kann auch eine Ergotherapie helfen, den Unterarm nach einer fehlverheilten Radiusfraktur im Alltag einzusetzen. Auch verschiedene Bandagen oder Orthesen können den Betroffenen Erleichterung verschaffen.
Weitere konservative Behandlungsmöglichkeiten:
- Ruhe und Schonung: Bei den meisten akuten Handgelenksverletzungen ist es wichtig, das Handgelenk zu schonen und Belastungen zu vermeiden. Schienen oder Bandagen können helfen, das Handgelenk ruhig zu stellen.
- Schmerzlindernde Medikamente: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können helfen, die Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu reduzieren. Bei entzündlichen Erkrankungen wie Sehnenentzündungen oder Arthritis kann auch ein entzündungshemmendes Medikament hilfreich sein.
- Eisbehandlungen: Das Auflegen von Eispackungen auf das Handgelenk für etwa 15-20 Minuten kann helfen, Schwellungen und Entzündungen zu verringern, besonders bei Verletzungen oder akuten Entzündungen.
- Injektionen: Bei starken Entzündungen kann der Arzt Kortisoninjektionen ins Handgelenk verabreichen, um die Entzündung zu lindern und die Schmerzen zu reduzieren.
- Stützbandagen oder Schienen: Eine Bandage oder Schiene kann helfen, das Handgelenk zu stabilisieren, vor allem während der Heilungsphase nach einer Verletzung oder bei chronischen Entzündungen wie dem Karpaltunnelsyndrom.
- Ergonomische Anpassungen: Wenn die Schmerzen durch wiederholte Bewegungen oder ungünstige Handpositionen entstehen (wie bei der Arbeit am Computer), können ergonomische Anpassungen des Arbeitsplatzes und die Verwendung von speziellen Tastaturen oder Mäusen helfen, den Druck auf das Handgelenk zu verringern.
Operative Therapie: Korrekturosteotomie
Führen die konservativen Maßnahmen zu keiner ausreichenden Verbesserung der Beschwerden, dann sollte eine operative Therapie erwogen werden. In den meisten Fällen wird bei fehlverheilten Speichenbrüchen eine operative Therapiemethode gewählt. Am häufigsten kommt dabei eine sogenannte Korrekturosteotomie zum Einsatz.
Der Begriff Osteotomie beschreibt ein Verfahren, bei dem ein Knochen gezielt durchtrennt wird. Ziel einer Korrekturosteotomie ist die Verbesserung der Fehlstellung und Wiederherstellung der korrekten anatomischen Verhältnisse.
Nach Durchtrennung des Knochens werden die Knochenenden zunächst wieder in die korrekte Stellung zueinander gebracht. Um den Spalt zwischen den auf diese Weise entstehenden Knochenfragmenten zu füllen, wird häufig ein Knochenkeil eingefügt und mit einem Draht befestigt. Dieser Knochenkeil stammt meist aus dem Beckenkamm, kann aber auch direkt aus der Speiche entnommen werden. Anschließend wird das Ergebnis mit einer Platte gesichert.
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Auf diese Weise können Fehlstellungen der Achse, beispielsweise Verdrehungen oder Verkippungen der Speiche, aber auch Verkürzungen ausgeglichen werden.
Es empfiehlt sich dabei, die Korrekturoperation durchzuführen, bevor größere Schäden entstanden sind, also beispielsweise bevor sich eine frühzeitige Arthrose entwickelt hat.
Behandlung von Weichteildefekten und Narbenkontrakturen
Weichteildefekte entstehen durch Abscherungen von Haut und Unterhautgewebe, durch Stanzverletzungen oder nach schweren Riss- oder Schnittverletzungen. Neben der Haut kann auch das Unterhautfettgewebe betroffen sein. Zur Wiederherstellung wird körpereigenes Gewebe wie Haut oder Haut mit dem darunter liegenden, durchbluteten Fettgewebe (Lappenplastik) wird entnommen. Das Gewebe wird auf die defekten Stellen transplantiert.
Unter Narbenkontrakturen versteht man Narbengewebe, das sich während des Heilungsprozesses zusammenzieht. Im Bereich der Gelenke führt dies zu Bewegungseinschränkungen bis hin zu einem Funktionsverlust der Hand. Diese Unfallfolge tritt vor allem dann auf, wenn Weichteildefekte vorhanden waren oder wenn Verletzungen längs über die Gelenke verlaufen. Auch Verbrennungen können die Ursache einer solch ausgeprägten Narbenbildung sein. Hier kann sich die bereits transplantierte Spalthaut zusammenziehen und so zu Funktionsverlusten führen. Die Behandlung besteht in der Auflösung der Narbenstränge durch Lappenplastiken. Alternativ kann auch eine Narbenkorrektur durch Transplantation von körpereigenem Gewebe erfolgen.
Nachsorge & Physiotherapie
Wie nach jeder Operation erfolgt auch nach einer Korrekturosteotomie eine engmaschige Kontrolle und Nachsorge. Dazu gehört zunächst die regelmäßige Kontrolle der Wundverhältnisse sowie die Entfernung des Fadenmaterials nach etwa 10 bis 14 Tagen. Die eingebrachte Platte muss in der Regel nicht entfernt werden.
In jedem Fall sollte der Unterarm im Rahmen einer Physiotherapie beübt werden. Es ist hierbei wichtig, möglichst frühzeitig zu beginnen, um einen möglichst großen Bewegungsumfang zu erzielen. In den ersten Wochen nach der Operation kann auch eine Lymphdrainage erfolgen, sodass sich Schwellungen schneller zurückbilden.
Die Grundlage jeder Nachsorge bildet stets die regelmäßige ärztliche Kontrolle, in der das Operationsergebnis überprüft werden kann. Nur auf diese Weise kann ein gutes Behandlungsergebnis erzielt werden.
Prävention von Handgelenkschmerzen
- Richtige Technik bei wiederholten Bewegungen: Wenn du regelmäßig mit der Hand arbeitest (z.B. am Computer, beim Handwerk oder beim Sport), achte darauf, deine Handgelenke in einer neutralen Position zu halten und häufig Pausen zu machen, um eine Überlastung zu vermeiden.
- Kräftigungsübungen: Durch regelmäßige Kräftigungsübungen für die Handgelenkmuskulatur kannst du die Stabilität des Handgelenks erhöhen und Verletzungen vorbeugen.
- Gute Ergonomie: Achte darauf, dass dein Arbeitsplatz ergonomisch eingerichtet ist. Ein ergonomischer Stuhl, Tastaturen in natürlicher Handposition und das Vermeiden von Überanstrengung bei wiederholten Bewegungen sind wichtig, um Handgelenkschmerzen vorzubeugen.
- Vermeidung von Überlastung: Achte darauf, das Handgelenk nicht über längere Zeiträume übermäßig zu belasten. Häufige Pausen, Dehnübungen und das Wechseln von Tätigkeiten können helfen, Überlastungen zu vermeiden.
- Angemessene Belastung beim Sport: Wenn du Handgelenksbelastungen durch Sportaktivitäten erfährst, achte darauf, die richtige Technik zu verwenden und die Belastung schrittweise zu steigern, um Verletzungen zu vermeiden.
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
Wenn die Schmerzen im Handgelenk stark, anhaltend oder mit Schwellungen, Blutergüssen oder einer eingeschränkten Beweglichkeit einhergehen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Bei Verdacht auf eine Fraktur, besonders nach einem Sturz, oder bei Anzeichen eines Karpaltunnelsyndroms (Taubheitsgefühle und Kribbeln) sollte ebenfalls medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Bei einer chronischen Erkrankung wie Arthrose oder rheumatoider Arthritis, die das Handgelenk betrifft, ist eine ärztliche Diagnose und Behandlung erforderlich.
Fazit
Handgelenkschmerzen können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, aber mit der richtigen Behandlung und Prävention können die meisten Probleme effektiv gemildert oder behoben werden. Es ist wichtig, die Ursache der Schmerzen zu identifizieren und einen geeigneten Behandlungsplan zu entwickeln, um die Funktion des Handgelenks wiederherzustellen und Schmerzen zu lindern.
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