Wie lange dauert ein epileptischer Anfall? Ein umfassender Überblick

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine übermäßige Aktivität von Nervenzellen im Gehirn, die zu vorübergehenden Funktionsstörungen führt. Die Dauer eines epileptischen Anfalls kann stark variieren, von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten. In diesem Artikel werden wir die verschiedenen Arten von epileptischen Anfällen, ihre Dauer, Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten sowie Verhaltensweisen im Falle eines Anfalls untersuchen.

Was ist ein epileptischer Anfall?

Ein epileptischer Anfall ist eine vorübergehende Störung der Hirnfunktion, die durch eine plötzliche, übermäßige Entladung von Nervenzellen im Gehirn verursacht wird. Diese Entladung kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, die von kurzen Bewusstseinsaussetzern bis hin zu schweren Krämpfen reichen können. Epileptische Anfälle können verschiedene Ursachen haben und in jedem Lebensalter auftreten.

Formen epileptischer Anfälle und ihre Dauer

Epileptische Anfälle lassen sich grob in zwei Haupttypen unterteilen: generalisierte Anfälle und fokale Anfälle. Die Dauer und die Symptome eines Anfalls hängen davon ab, welcher Teil des Gehirns betroffen ist und wie sich die elektrische Aktivität ausbreitet.

Generalisierte Anfälle

Generalisierte Anfälle betreffen das gesamte Gehirn und gehen oft mit Bewusstseinsverlust einher. Es gibt verschiedene Arten von generalisierten Anfällen, darunter:

  • Tonisch-klonische Anfälle (Grand-mal-Anfälle): Diese Anfälle beginnen oft mit einem Schrei, gefolgt von einer krampfartigen Anspannung der Körpermuskulatur (tonische Phase), die anschließend in Zuckungen übergeht (klonische Phase). Die Betroffenen verlieren das Bewusstsein und können sich anschließend nicht mehr an den Anfall erinnern. Weitere Symptome können eine Blaufärbung der Lippen aufgrund von Atemmuskelverkrampfungen, Einnässen und Zungenbisse sein. Grand-mal-Anfälle dauern in der Regel ein bis drei Minuten.
  • Atonische Anfälle: Bei dieser Art von Anfall lässt plötzlich die Muskelspannung in einem Teil des Körpers nach. Zum Beispiel kann das Kinn auf die Brust fallen oder die Beine können einknicken.
  • Klonische Anfälle: Große Muskelgruppen zucken in langsamem Rhythmus, etwa an den Armen oder Beinen.
  • Myoklonische Anfälle: Einzelne Muskelgruppen zucken rasch.
  • Absencen: Absencen sind kurze Bewusstseinsstörungen, bei denen die Betroffenen ihre aktuelle Tätigkeit unterbrechen. Sie dauern meist nur wenige Sekunden bis zu 30 Sekunden und können sich mehrmals am Tag wiederholen. Die Betroffenen können sich an den Anfall nicht erinnern und setzen ihre Tätigkeit nach dem Anfall unverändert fort. Absencen sind besonders bei Kindern und Jugendlichen häufig und werden anfangs oft als Träumerei oder Unkonzentriertheit wahrgenommen.

Fokale Anfälle

Fokale Anfälle entstehen in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Die Symptome hängen davon ab, für welche Funktion dieser Bereich zuständig ist. Bei einem fokalen Anfall kann es vorkommen, dass man ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen hat, anders hört, sieht, riecht oder geistig abwesend ist. Auch Schwindel, Angstzustände oder Halluzinationen sind möglich. Dies wird als Aura bezeichnet. Andere Menschen schmatzen, grimassieren, stammeln, laufen ziellos umher oder nesteln an Dingen herum. Fokale Anfälle können mit Zuckungen oder Krämpfen einhergehen.

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  • Einfache fokale Anfälle: Bei einfachen fokalen Anfällen tritt keine Bewusstseinsstörung auf. Die Betroffenen können die Symptome des Anfalls beschreiben. Je nachdem, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist, können die Symptome variieren. Liegt ein Anfall in der linken Hirnhälfte vor, so zucken vor allem die rechten Gliedmaßen. Findet der epileptische Anfall jedoch in der rechten Hirnhälfte statt, so finden die Zuckungen hauptsächlich in den linken Gliedmaßen statt. Darüber hinaus nehmen manche Betroffene Lichtblitze oder Farben wahr. Weitere Beschwerden können Beeinträchtigungen der Sinne, Angst, Schwindel, das Wahrnehmen von Stimmen oder Melodien sowie Druck im Bauchraum sein. Solche fokalen Anfälle mit sensorischen Wahrnehmungsstörungen werden auch als Aura bezeichnet. Dabei geht die Wahrnehmungsstörung dem Anfall voraus und kann von den Betroffenen als Warnung für einen bevorstehenden Anfall verstanden werden. Gleichzeitig erinnern sich die Patienten an diese Phase.
  • Komplex fokale Anfälle: Häufig beginnen diese mit den gleichen Symptomen wie einfache fokale Anfälle. Doch dann können weitere Beschwerden hinzukommen: Automatismen, Bewusstlosigkeit oder Benommenheit und Erinnerungslücken nach einem Anfall. Betroffene wiederholen immer das gleiche Wort, die gleiche Bewegung oder Handlung.

Status epilepticus

Ein epileptischer Anfall hält selten lange an. Dauert er länger als fünf Minuten, spricht man von einem „Status epilepticus“. Dabei handelt es sich um einen Notfall, der schnell mit Medikamenten behandelt werden muss. Nach ca. 30 Minuten ohne Unterbrechung eines Status epilepticus bei generalisierten Krampfanfällen drohen bleibende Schäden oder der Tod. Der Status epilepticus kann bei allen Anfallsformen auftreten.

Ursachen und Risikofaktoren

Epilepsien können durch zahlreiche Ursachen ausgelöst werden. Dazu gehören in etwa einem Drittel der Fälle strukturelle Veränderungen im Gehirn, die beispielsweise durch Verletzungen, Tumore oder einen Schlaganfall entstanden sind. Am zweithäufigsten sind genetische Ursachen. Weitere mögliche Ursachen und Risikofaktoren sind:

  • Akute Hirnerkrankungen
  • Anlageanomalien
  • Substanzmissbrauch und Substanzentzug
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt
  • Durchblutungsstörungen
  • Akute Krankheiten
  • Auslöser wie Schlafmangel, Stress, Fieber, Alkohol oder flackerndes Licht

Diagnose

Bei der Diagnose einer Epilepsie steht die Beschreibung der Anfallsereignisse ganz im Vordergrund. Neben den Schilderungen der/des Betroffenen ist es in der Regel sehr hilfreich, ergänzend auch die Beschreibung eines Anfallsbeobachters zu erfragen. Üblicherweise wird ein EEG geschrieben, um die Hirnströme abzuleiten und mögliche Anhaltspunkte für epilepsietypische Veränderungen zu erhalten. Außerdem kann mithilfe eines EEGs unter Umständen festgestellt werden, ob es sich um eine generalisierte oder um eine fokale Epilepsie handelt und in welcher Hirnregion ggf. Verschiedene Laboruntersuchungen des Blutes und evtl. auch des Nervenwassers werden ebenfalls zur Diagnostik herangezogen. Eine Kernspintomographie (MRT) zur Darstellung der Hirnstruktur ist ebenfalls wichtig, um strukturelle Veränderungen im Gehirn zu erkennen.

Behandlung

Die Behandlung einer Epilepsie beruht vorrangig auf Medikamenten, sogenannten Antiepileptika. Hierbei ist es wichtig, die individuell geeignete Wirksubstanz und die richtige Dosis herauszufinden. Das erfordert von Patientenseite oftmals Geduld, da sich der Erfolg einer Therapie erst im Verlauf beurteilen lässt und nicht selten verschiedene Medikamente ausprobiert werden müssen. Ebenso kann es sein, dass ein Medikament nicht vertragen und gewechselt wird.

Wenn Medikamente nicht ausreichend wirksam sind, können andere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden:

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  • Epilepsiechirurgie: Bei einem fokalen Ursprungsort kann geprüft werden, ob ein epilepsiechirurgischer Eingriff eine Behandlungsoption ist. Dafür müssen allerdings verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein, die durch eingehende Untersuchungen verschiedener Fachdisziplinen genau überprüft werden.
  • Neurostimulationsverfahren: Wenn Medikamente nicht ausreichend wirksam sind und eine Operation nicht in Frage kommt, bieten Neurostimulationsverfahren (v.a. die Vagusnerv-Stimulation oder die tiefe Hirnstimulation) unter Umständen eine weitere Behandlungsmöglichkeit. Mit diesen Verfahren wird häufig eine deutliche Verringerung der Anfallshäufigkeit bzw

Verhalten bei einem epileptischen Anfall

Ein einzelner epileptische Anfall ist nicht zwingend ein Notfall. Die allermeisten Anfälle hören von selbst wieder auf. Bei einem epileptischen Anfall ist es am wichtigsten, dass Helferinnen und Helfer Ruhe bewahren und Betroffene vor Verletzungen schützen. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten an oder treten mehrere Anfälle kurz hintereinander auf, sollte der Rettungsdienst (Notruf 112) informiert werden. Bei einem schweren Anfall kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein.

Hier sind einige Verhaltensweisen, die bei einem epileptischen Anfall zu beachten sind:

  • Ruhe bewahren: Ein epileptischer Anfall kann beängstigend aussehen, ist aber meist harmlos und nach wenigen Sekunden, aber meist nach höchstens zwei Minuten wieder vorbei.
  • Betroffene Person auf den Boden legen, um einem Sturz vorzubeugen (ggf.
  • Alle Gegenstände entfernen, die zu Verletzungen oder Gefahren führen könnten, z.B.
  • Gefährliche Gegenstände aus der Umgebung entfernen: Scharfe Kanten und Gegenstände in der Wohnung sichern bzw.
  • Kopf schützen: Polstern Sie den Kopf des*r Betroffenen ab. Nehmen Sie seine/ihre Brille ab.
  • Enge Kleidung lockern: Lockern Sie enge Kleidung am Hals, um die Atmung zu erleichtern.
  • Nicht festhalten: Seltsame Körperhaltungen und freie Zuckungen ermöglichen und möglichst Platz dafür schaffen, falls noch nicht geschehen, sonst drohen Verletzungen. Die Muskelspannung bei Krampfanfällen ist so hoch, dass beim Festhalten oder bei Versuchen Körperteile (z.B. Arme, Beine oder Finger) zu bewegen Knochenbrüche und andere Verletzungen sehr wahrscheinlich sind.
  • Nichts in den Mund schieben: Zungenbisse passieren wenn dann gleich zu Beginn eines Anfalls. Es ist schädlich und sinnlos zu versuchen, sie während des Anfalls zu verhindern.
  • Keine Versuche, den Anfall zu beeinflussen: Es ist sinnlos und eventuell schädlich zu versuchen einen Anfall zu beeinflussen oder zu beenden, z.B. durch kaltes Wasser oder Schütteln.
  • Auf die Uhr schauen und Beginn des Anfalls merken, ebenso wie das Ende.
  • Dauer und Begleiterscheinungen des Anfalls beobachten: Auf die Augen achten: Sind sie geschlossen, offen, starr oder verdreht?
  • Notruf wählen (112): Dauert der Anfall länger als fünf Minuten, treten mehrere Anfälle kurz hintereinander auf, kommt es zu Verletzungen oder handelt es sich um den ersten Anfall des Betroffenen, sollte der Notruf gewählt werden.
  • Nach dem Anfall: Auf einen Anfall folgt in der Regel eine kurze Schlaf- bzw. Erholungsphase. Unbedingt dabeibleiben, bis die betroffene Person wieder vollständig orientiert ist. Dies ist durch einfache Fragen, wie z.B. "Wie heißt du? Wo bist du?
  • Anfall dokumentieren: Wenn möglich den Anfall dokumentieren: Wann ist er passiert? Wie lange hat er gedauert? Wie ist er abgelaufen? Waren die Augen offen, geschlossen, starr oder verdreht?

Leben mit Epilepsie

Epilepsien haben in den meisten Fällen Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen. Manche Lebensbereiche werden durch klare gesetzliche und behördliche Vorgaben eingeschränkt, in anderen Bereichen müssen Betroffene einen eigenen Umgang mit den Herausforderungen finden. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Ergänzend kann eine Psychotherapie hilfreich sein. Sie kann dabei unterstützen, mit den Folgen der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Hilfsmittel und Unterstützung

Für Menschen mit Epilepsie gibt es verschiedene Hilfsmittel und Unterstützungsmöglichkeiten, die den Alltag erleichtern und die Sicherheit erhöhen können:

  • Epilepsie-Überwachungsgeräte: Bei einem erkannten Anfall löst das Gerät einen Alarm aus, z.B. bei den Eltern, beim Partner, anderen Angehörigen oder in einer Notrufzentrale. So ist eine sichere Betreuung möglich. Der Anfall wird zudem aufgezeichnet und mit Dauer und Stärke dokumentiert.
  • Sturzmelder: Sturzmelder können bei Anfällen mit Bewusstseinsverlust und Sturz helfen.
  • Epilepsie-Hunde: Warnhunde haben die Fähigkeit, einen kommenden Anfall zu spüren und warnen dann den Betroffenen, sodass dieser Zeit hat, sich z.B. vor Verletzungen zu schützen. Anzeigehunde lernen, einen tatsächlichen Anfall zu erkennen und dann in vorher geübter Art und Weise zu helfen, z.B.

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