Die Lyme-Borreliose, die häufigste durch Zecken übertragenen Krankheit der nördlichen Hemisphäre, wird durch den Stich einer mit Borrelia burgdorferi infizierten Zecke verursacht. In den letzten Jahren hat das gute Wetter und die vermehrte Aktivität im Freien zu einer hohen Anzahl von Zeckenstichen geführt, was zu einem Anstieg der Borreliose-Erkrankungen führte.
Prävalenz und Risikofaktoren
Borrelien kommen überall in Deutschland vor. Die hohe Prävalenz von Antikörpern gegen Borrelia burgdorferi in der Bevölkerung, auch bei klinisch Gesunden, zeigt, dass viele Menschen im Laufe ihres Lebens mit Borrelien in Kontakt kommen. Der Prozentsatz von Borrelien-Antikörpern im Serum steigt mit zunehmendem Alter.
Risikofaktoren, die eine Erysipelinfektion wahrscheinlicher machen, sind insbesondere:
- Diabetes mellitus
- Immunsuppression
- Chronische Wunden
- Störungen der Hautbarriere
Umgang mit Zeckenstichen in der Praxis
Die hohe mediale Aufmerksamkeit für durch Zecken übertragene Erkrankungen führt dazu, dass Menschen in die ärztliche Praxis kommen, um eine festgesogene Zecke zu entfernen. Es ist sinnvoller, wenn Betroffene die Zecken sofort selbst herausziehen, da das schnelle Entfernen das Risiko einer Übertragung von Borrelien erheblich senken kann.
Das Infektionsrisiko steigt mit der Saugzeit. Entfernt man die Zecke frühzeitig, ist das Übertragungsrisiko sehr gering. Verbleibt der Stechapparat („Kopf") der Zecke in der Haut, ist dies hinsichtlich einer Übertragung von Borrelien unbedenklich. Eine prophylaktische Antibiotikagabe wird nicht empfohlen, ebenso wenig wie eine serologische Kontrolle oder eine Untersuchung der Zecke auf Borrelien. Nur ein kleiner Teil der mit Borrelien infizierten Menschen erkranken auch, weshalb von einer vorbeugenden Antibiose mit den entsprechenden Nebenwirkungen abgeraten wird.
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Ein positiver Antikörpernachweis ist nicht beweisend für eine bestehende Borreliose, denn häufig ist das Vorhandensein von Borrelien-spezifischen Antikörpern Ausdruck einer früheren Infektion. Außerdem gibt es beim Erythema migrans in den ersten Wochen noch eine „serodiagnostische Lücke!“. Die Untersuchung der aus der Haut entfernten Zecke auf Borrelien ist nicht sinnvoll, da bei positivem Nachweis nicht sicher ist, ob die Borrelien überhaupt in die Haut übertragen wurden, und ob sie im Falle der Übertragung zu einer Erkrankung führen.
Erythema migrans: Symptome und Diagnose
Da sich Borreliose in 80 bis 90 Prozent als Hauterkrankung, dem Erythema migrans (Wanderröte) manifestiert, sollen Patienten über die notwendige Nachbeobachtung der Einstichstelle in den folgenden 6 Wochen informiert werden. Dabei sollte darauf hingewiesen werden, dass die unmittelbar nach dem Stich auftretende kleine Rötung um die Einstichstelle, die einige Tage persistieren kann, eine normale Reaktion auf den Zeckenspeichel ist und kein Zeichen für eine Borreliose.
Bei der weniger häufigen Verbreitung der Borrelien über den Blutweg kann sich die Infektion - auch ohne Rötung der Haut - durch ein grippeartiges Krankheitsgefühl ohne Beschwerden in den Atemwegen bemerkbar machen. Ein erneuter Arztbesuch ist nur bei Auftreten entsprechender Symptome notwendig.
Ein Erythema migrans kann in Ausdehnung, Farbintensität und Dauer stark variieren. Für die Diagnose wird laut Leitlinie Kutane Lyme Borreliose als Richtwert ein Durchmesser des Erythems von mindestens 5 cm angegeben. Klinisch eindeutig ist ein randbetontes Erythem mit zentrifugaler Ausbreitung um den Zeckenstich herum.
Typische Merkmale des solitären Erythema migrans sind:
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- ein freies Intervall zwischen Zeckenstich und Beginn des Erythems (von 3 Tagen bis zu mehreren Wochen)
- ein randbetontes, nicht erhabenes Erythem, mit mindestens 5 cm Durchmesser
- eine zunehmende zentrifugale Ausbreitung des Erythems
- eine sichtbare Einstichstelle im Zentrum der Rötung
Liegt ein typisches Erythema migrans vor (Blickdiagnose), soll ohne weitere labordiagnostische Absicherung sofort mit der antibiotischen Therapie begonnen werden. Für atypische Erytheme ist eine weitere Diagnostik erforderlich.
Antibiotische Therapie
Die initiale Therapie der Lyme-Borreliose ist die Antibiotikatherapie. Länge und Dauer richtet sich nach dem Krankheitsstadium, insbesondere aber nach der Krankheitsmanifestation. Je länger eine Borrelieninfektion gedauert hat, umso schwieriger wird es, eine komplette Erregereliminierung der Borrelien durch Antibiose zu erreichen.
Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem Befall und der Erkrankungsform. Wenn die Borreliose nicht rechtzeitig und ausreichend behandelt wird, kann die Erkrankung fortschreiten und zu bleibenden Organschäden führen.
Empfehlungen der Leitlinie Neuroborreliose
Die Leitlinienautoren widersprechen der Theorie chronischer Spätfolgen und damit dem Sinn einer antibiotischen Langzeitbehandlung. Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für eine Langzeitbehandlung der Neuroborreliose mit Antibiotika über mehr als drei Wochen. Sie birgt aber ein großes Risiko für Nebenwirkungen.
Antibiotika-Resistenz und alternative Therapien
Es gibt Hinweise darauf, dass Borrelien im Körper Sporen bilden können, die von Antibiotika nicht erreicht werden. Daher wird die Forschung an alternativen Therapien, wie der Ganzkörper-Hyperthermie, vorangetrieben.
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Differenzialdiagnosen
Es ist wichtig, das Erythema migrans von anderen Hauterkrankungen zu unterscheiden. Zu den Differenzialdiagnosen gehören:
- Erysipel
- Phlegmone
- Nekrotisierende Fasziitis
- Beinvenenthrombose
- Herpes zoster (initial, vor dem Auftreten der Bläschen)
- Kontaktdermatitis
- Stauungsdermatitis
- Erysipeloid
Prävention
Da Hautläsionen die Voraussetzung für die Entstehung eines Erysipels darstellen, sollte die Haut zur Vermeidung von Erysipelen regelmäßig gepflegt werden. Falls schon Hautläsionen vorhanden sind, sollten diese möglichen Eintrittspforten saniert werden (z.B. Tinea pedum). Erysipel-Rezidive treten vor allem bei Patienten auf, die bestimmte Risikofaktoren aufweisen. Hierzu gehören Lymphödeme, chronisch venöse Insuffizienz, pAVK, Übergewicht und tiefe Beinvenenthrombosen. Diese Risikofaktoren sollten daher als prophylaktische Maßnahme zur Vermeidung eines Erysipel-Rezidivs kausal therapiert werden.
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