Ibuprofen und Parkinson: Eine mögliche Schutzwirkung?

Eine aktuelle Studie hat interessante Ergebnisse zu Ibuprofen und seinem Einfluss auf das Parkinson-Risiko geliefert. Die Studie deutet darauf hin, dass die regelmäßige Einnahme von Ibuprofen möglicherweise vor Parkinson schützen könnte. Jedoch warnen die Forscher eindringlich davor, das Schmerzmittel ohne ärztliche Anweisung und rein prophylaktisch einzunehmen. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Studie, mögliche Wirkmechanismen, Kritik und wichtige Hinweise zur Einnahme von Ibuprofen beleuchtet.

Parkinson: Eine unheilbare neurologische Erkrankung

Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die meistens zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr auftritt. In Deutschland sind laut dem Kompetenznetz Parkinson schätzungsweise 100.000 bis 250.000 Menschen betroffen, wobei jährlich etwa 10.000 Neuerkrankungen hinzukommen. Die Krankheit ist bis heute unheilbar.

Bei Parkinson sterben im Gehirn Zellen ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dopamin ist essentiell für die Übertragung von Informationen zwischen Nervenzellen. Durch den Dopaminmangel kommt es zu Störungen in der Informationsübertragung, was sich in typischen Symptomen wie Zittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und Bewegungsverlangsamung (Akinese) äußert. Daher wurde die Krankheit von James Parkinson in seiner Erstbeschreibung im Jahr 1817 auch als Schüttellähmung (Paralysis agitans) bezeichnet.

Die Studie: Ibuprofen und reduziertes Parkinson-Risiko

Eine US-amerikanische Studie hat untersucht, ob Ibuprofen einen schützenden Effekt gegen Parkinson haben könnte. Die Forscher analysierten die Daten von 99.000 Frauen und 37.000 Männern, die an verschiedenen Gesundheitsstudien teilgenommen hatten. Die Teilnehmer füllten regelmäßig Fragebögen zur Einnahme von Schmerzmitteln aus, darunter nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Aspirin und andere entzündungshemmende Medikamente. Auch andere Faktoren wie Alter, Ernährung und Rauchverhalten wurden berücksichtigt.

Die Analyse ergab, dass Personen, die mindestens zweimal pro Woche Ibuprofen einnahmen, ein um etwa 38 Prozent geringeres Risiko hatten, an Parkinson zu erkranken, verglichen mit Teilnehmern, die andere Schmerzmittel wie Aspirin einnahmen oder keine Schmerzmittel nutzten. Eine weitere Analyse, die zusätzliche Studien einbezog, bestätigte diesen Trend, wobei Ibuprofen das Parkinson-Risiko immer noch um 27 Prozent reduzierte.

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Mögliche Wirkmechanismen von Ibuprofen

Der genaue Mechanismus, wie Ibuprofen vor Parkinson schützen könnte, ist noch nicht vollständig geklärt. Laut Studienautor Xiang Gao könnte das Schmerzmittel Gehirnzellen schützen und so dazu beitragen, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Eine mögliche Erklärung ist, dass Ibuprofen Entzündungsprozesse im Gehirn verringert, die möglicherweise zur Entstehung von Parkinson beitragen. Es wird vermutet, dass Ibuprofen Peroxisom-Proliferator-aktivierte Rezeptoren (PPAR) aktiviert, was Stressreaktionen im Gehirn unterbinden könnte. Da der Verlust von Nervenzellen, der zu Parkinson führt, über einen langen Zeitraum fortschreitet, könnte Ibuprofen die Zellen schützen und so das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.

Warnung vor vorsorglicher Einnahme

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse warnen die Wissenschaftler eindringlich davor, Ibuprofen nun einfach vorbeugend einzunehmen. Ibuprofen kann, insbesondere bei längerer Anwendung, erhebliche Nebenwirkungen haben, wie beispielsweise Blutungen im Magen-Darm-Trakt.

Der Neurologe James Bower von der Mayo Klinik in Rochester warnt Ärzte in einem begleitenden Editorial ebenfalls davor, Patienten nun Ibuprofen zu empfehlen, da die Risiken zu groß und die Aussagekraft der Studie zu gering seien.

Kritik an der Studie

Die Studie hat auch Kritik hervorgerufen. Wolfgang Jost von der Deutschen Parkinsongesellschaft sieht in der Studie keinen großen Durchbruch. Seiner Meinung nach wird entzündungshemmenden Medikamenten zwar ein kleiner Effekt auf Parkinson zugeschrieben, dieser sei jedoch klinisch nicht relevant.

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Ein weiterer Kritikpunkt ist der relativ kurze Beobachtungszeitraum. Da die Manifestation von Parkinson bis zu 20 Jahre dauern kann, könnte der ausgewertete Zeitraum zu kurz sein, um valide Aussagen treffen zu können. Die Studie läuft jedoch weiter, um langfristige Effekte zu beobachten.

Ibuprofen: Wichtige Hinweise zur Einnahme

Ibuprofen ist ein weit verbreitetes Schmerzmittel, das zur Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber eingesetzt wird. Es gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Bei der Einnahme von Ibuprofen sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Dosierung: Die Dosierung von Ibuprofen sollte immer den Anweisungen des Arztes oder den Angaben in der Packungsbeilage entsprechen.
  • Einnahme: Ibuprofen sollte mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden. Bei einem empfindlichen Magen kann die Einnahme während oder nach einer Mahlzeit erfolgen, um Magenbeschwerden zu reduzieren.
  • Nebenwirkungen: Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Ibuprofen gehören Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Magenschmerzen. In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenderen Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Blutungen, Nierenschäden oder allergischen Reaktionen kommen.
  • Wechselwirkungen: Ibuprofen kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Es ist wichtig, den Arzt oder Apotheker über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
  • Kontraindikationen: Ibuprofen sollte nicht eingenommen werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, bei Magen- oder Darmgeschwüren, bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, bei schwerer Herzinsuffizienz und in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft.

Weitere Faktoren zur Parkinson-Prävention

Neben der möglichen Schutzwirkung von Ibuprofen gibt es weitere Faktoren, die zur Prävention von Parkinson beitragen können:

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen kann das Risiko für Parkinson senken. Bestimmte Nährstoffe wie Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren könnten ebenfalls eine schützende Wirkung haben.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann das Risiko für Parkinson reduzieren. Sportarten wie Wandern, Schwimmen, Tanzen oder Radfahren sind besonders empfehlenswert.
  • Vermeidung von Umweltgiften: Der Kontakt mit bestimmten Umweltgiften wie Pestiziden und Herbiziden kann das Risiko für Parkinson erhöhen. Es ist ratsam, den Kontakt mit diesen Stoffen so weit wie möglich zu vermeiden.
  • Nikotin und Koffein: Einige Studien deuten darauf hin, dass Nikotin und Koffein eine schützende Wirkung gegen Parkinson haben könnten. Allerdings ist die Studienlage hierzu noch nicht eindeutig, und die Risiken des Rauchens sollten nicht außer Acht gelassen werden.

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