Migräne und Kopfschmerzen sind weit verbreitete Leiden, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Viele Patienten suchen nach wirksamen und zuverlässigen Behandlungsmethoden, um ihre Symptome zu lindern. Eine vielversprechende Option ist die Kombination von Ibuprofen und Koffein, die in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Forschung gerückt ist. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten dieser Kombinationstherapie.
Die Herausforderung Migräne und Kopfschmerzen
Laut einem RKI-Gesundheitsbericht leiden in Deutschland fast 30 Prozent der Frauen und 12 Prozent der Männer punktuell oder regelmäßig unter Migräne. Von nicht näher definierten Kopfschmerzen sind sogar zwei Drittel der Frauen und 53 Prozent der Männer betroffen. Migräneanfälle gehen oft mit starken, pochenden Kopfschmerzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen einher. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass akute Migräne die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen kann.
Migränepatienten müssen mitunter lange suchen, bis sie eine wirksame und zuverlässige Behandlung für ihre Symptome gefunden haben. Bislang gibt es keinen Überblick, der die verfügbaren Medikamente miteinander vergleicht und Auskunft darüber gibt, wie sie im Vergleich zueinander wirken.
Ibuprofen als Schmerzmittel
Ibuprofen ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), das zur Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die Bildung von Prostaglandinen hemmt, Substanzen, die an der Entstehung von Schmerzen und Entzündungen beteiligt sind. Ibuprofen ist ein häufig verwendeter analgetischer Wirkstoff.
Koffein als Wirkverstärker
Koffein ist ein Stimulans, das das zentrale Nervensystem anregt und Müdigkeit reduziert. Es kommt natürlich in Kaffee, Tee, Guarana und Cola vor. Koffein hat vielfältige Wirkungen im peripheren und zentralen Nervensystem. Es stimuliert das zentrale Nervensystem, und das macht Sie wach und munter. Aber Koffein kann noch mehr: Es verstärkt die Wirkung von Schmerzmitteln deutlich.
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Koffein wirkt in den üblichen Dosierungen (50 bis 200 mg) hemmend auf G-Protein-gekoppelte Adenosinrezeptoren, wodurch Ermüdungserscheinungen aufgehoben und die geistige Leistungsfähigkeit erhöht wird. Die positive Wirkung von Coffein bei Kopfschmerzen ist bedingt durch eine Senkung des Liquordrucks und eine Kontraktion von Hirngefäßen. Adenosin ist ein Botenstoff, der in allen Zellen vorkommt. Er blockiert die Ausschüttung belebender Neurotransmitter wie Noradrenalin oder Dopamin. Bei einigen Kopfschmerzarten, vor allem bei Migräneattacken, steigt der Adenosin-Spiegel im Blut an. Der Botenstoff heftet sich an die Oberflächen von Rezeptoren im Gehirn. Und hier kann Koffein wirken, denn es besitzt genau diese Rezeptoren. Das funktioniert, weil es chemisch Ähnlichkeit mit Adenosin hat.
Die Wirkungsweise von Koffein im Überblick
- Stimuliert das zentrale Nervensystem
- Verengt die Blutgefäße, die durch die Kopfschmerzen erweitert sind
- Beeinflusst die Bildung von Serotonin
- Verstärkt die Muskelbewegungen im Magen
- Regt die Freisetzung des schmerzlindernden Hormons Noradrenalin im Gehirn an
Synergieeffekte: Ibuprofen und Koffein im Zusammenspiel
Die Kombination von Ibuprofen und Koffein kann die schmerzlindernde Wirkung von Ibuprofen verstärken und beschleunigen. Studien haben gezeigt, dass Koffein die schmerzstillende Wirkung von NSAR um ca. 40% verstärken kann. Zudem kann die Kombination die Magenmotilität erhöhen, was die Aufnahme von Akutmedikamenten beschleunigt und deren Wirksamkeit verbessert.
Klinische Studien belegen die Vorteile
Eine randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Studie verglich die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit dieser Kombination mit Ibuprofen, Coffein und Placebo bei akuten, mäßig starken bis starken Schmerzen. Die Prüfpräparate wurden bei insgesamt 562 Patienten getestet, die sich einer Weisheitszahnextraktion unterzogen. Dieses Schmerzmodell ist weit verbreitet, die Wirksamkeit hier ist prädiktiv für andere akute Schmerzen wie z. B. Migräne- und Spannungskopfschmerz. Die Kombination war allen anderen Behandlungen bezüglich der Schmerzlinderung über 8 Stunden, dem Wirkeintritt, der Responderrate, sowie der Einnahme eines Notfall-Analgetikums deutlich überlegen; Sicherheit und Verträglichkeit wurden gezeigt. Somit stellt die Kombination aus Ibuprofen und Coffein eine überlegene Therapie-Option gegenüber Ibuprofen zur Behandlung akuter Schmerzen dar.
Die Schmerzreduktion war um 30%-50% stärker als bei dem Mono-Präparat. Die Patienten berichteten für die Kombination eine relevante Schmerzlinderung 39 Minuten früher als für Ibuprofen alleine. Bereits beim ersten Messzeitpunkt nach 15 Minuten war die Schmerzlinderung der Kombination der von Ibuprofen signifikant überlegen. Die Kombination verschaffte wesentlich mehr Patienten eine deutliche Schmerzlinderung als Ibuprofen alleine (71% versus 53%). Zudem mussten mit Ibuprofen 32% der Patienten ein zusätzliches Notfall-Schmerzmittel einnehmen, weil die Wirkung nicht ausreichte, und mit der Kombination lediglich 16% der Patienten.
Vorteile der Kombination im Überblick
- Schnellere Schmerzlinderung
- Stärkere Schmerzlinderung
- Höhere Wirksamkeit bei mehr Patienten
- Reduzierter Bedarf an zusätzlichen Schmerzmitteln
- Gute Verträglichkeit
Anwendungsgebiete und Dosierung
Die Kombination von Ibuprofen und Koffein eignet sich zur kurzzeitigen symptomatischen Behandlung von akuten mäßig starken Schmerzen, wie Zahnschmerzen oder Kopfschmerzen. Eine übliche Dosierung für Erwachsene beträgt 400 mg Ibuprofen und 100 mg Koffein. Das Dosierungsintervall sollte sechs Stunden nicht unterschreiten. Die maximale Tagesdosis beträgt 1200 mg Ibuprofen und 300 mg Koffein.
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Wichtige Hinweise zur Einnahme
- Bei einer Einnahme während oder nach einer Mahlzeit verzögert sich der Wirkeintritt, jedoch wird die Verträglichkeit erhöht.
- Ohne ärztlichen Rat nicht länger anwenden als in der Packungsbeilage vorgegeben!
- Packungsbeilage beachten.
Alternativen zu Ibuprofen
Eine neue Vergleichsstudie zeigt, dass einige Schmerzmittel nachweislich wirksamer sind als Ibuprofen. Ein Forschungsteam der American Academy of Neurology und einer Klinik in Minnesota hat die Daten von 300 000 Patienten erhoben, die während eines Untersuchungszeitraums von sechs Jahren eine Smartphone-App für die Auswahl und Dokumentation ihrer Medikamente gegen Migräne nutzten.
Die Studie ergab, dass einige Migränemedikamente bei der Behandlung zwei- bis fünfmal so wirksam sein können wie Ibuprofen - insbesondere die Wirkstoffklassen Triptane, Ergotika und Antiemetika sollen hier positiv herausgestochen haben.
Die drei wirksamsten Medikamentenklassen gegen Migräne
Die Studie ergab, dass die drei wirksamsten Medikamentenklassen im Vergleich zu Ibuprofen Triptane, Ergotika und Antiemetika waren. Triptane waren laut Studie fünfmal wirksamer als Ibuprofen, Ergotika dreimal wirksamer und Antiemetika zweieinhalbmal wirksamer. Betrachtet man die einzelnen Medikamente, so ragten offenbar drei Schmerzmittel hinsichtlich ihrer Wirksamkeit heraus: Eletriptan, Zolmitriptan und Sumatriptan. Alle drei gehören, wie ihr Name verrät, zur Klasse der Triptane, die in der akuten Migränetherapie gegen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen eingesetzt wird.
In der vorliegenden Studie erwies sich das Kopfschmerzmittel Eletriptan als sechsmal wirksamer als Ibuprofen, Zolmitriptan war fünfeinhalbmal und Sumatriptan fünfmal so wirksam. Die Fachleute stellten fest, dass die Teilnehmer Eletriptan in 78 Prozent der Fälle als hilfreich empfanden - Zolmitriptan in 74 Prozent und Sumatriptan in 72 Prozent der Fälle. Ibuprofen nahmen die Patientinnen und Patienten hingegen nur in 42 Prozent der Fälle als wirksam wahr.
Andere NSAR waren demzufolge zu 94 Prozent wirksamer als Ibuprofen, bei den Mitteln Ketorolac, Indomethacin und Diclofenac lagen die Angaben zur Wirksamkeit bei um die 60 Prozent (Ketorolac 62, Indomethacin 57, Diclofenac 56 Prozent wirksamer als Ibuprofen). Paracetamol hingegen empfanden die Untersuchten nur in 37 Prozent der Fälle als hilfreich, und es erwies sich in der Migränetherapie als 17 Prozent weniger wirksam als Ibuprofen. Interessanterweise erwies sich eine gängige Kombination von Medikamenten zur Behandlung von Migräne, nämlich Aspirin, Paracetamol und Koffein, als um 69 Prozent wirksamer als Ibuprofen, was das Manko des für sich genommen weniger wirksamen Paracetamols wieder ausgleicht.
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Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
OTC-Analgetika mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol, Phenazon oder Propyphenazon müssen mit folgendem Warnhinweis gekennzeichnet werden: „Bei Schmerzen oder Fieber ohne ärztlichen Rat nicht länger anwenden als in der Packungsbeilage vorgegeben!“