Dopamin: Funktion, Wirkung und Bedeutung für Motivation und Wohlbefinden

Dopamin, oft als "Glückshormon" bezeichnet, ist ein Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle in vielen Aspekten unseres täglichen Lebens spielt. Von der Steuerung der Bewegung bis hin zur Beeinflussung von Motivation und Belohnungssystem, Dopamin ist ein Schlüsselakteur im Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Funktionen von Dopamin, seine Auswirkungen auf unsere Gesundheit und wie wir seine Produktion auf natürliche Weise fördern können.

Einführung in Dopamin

Es ist Montag, trist und grau. Auf der Arbeit war es anstrengend. Das Thermometer zeigt nicht mehr sechs Grad an und jetzt fängt es auch noch an zu nieseln. Akute Unlust macht sich breit. Wenn da nur nicht diese Stimme im Kopf wäre. Sie hat etwas dagegen, den kompletten Abend auf dem Sofa zu fläzen, und bringt uns stattdessen dazu, die Laufschuhe zu schnüren. Diese Stimme spricht im Auftrag unseres Belohnungssystems im Gehirn. Ohne dieses Zentrum würden wir wohl so gut wie gar nichts machen: nicht essen, nicht trinken, uns nicht fortpflanzen und ganz bestimmt keinen Sport treiben oder mit dem Rauchen aufhören. Das Belohnungssystem ist maßgeblich dafür verantwortlich, warum wir uns aufraffen, Ziele zu verfolgen, selbst wenn der Weg dorthin beschwerlich und mit Hürden gepflastert ist.

Dopamin ist ein biogenes Amin aus der Gruppe der Katecholamine, das aus Tyrosin synthetisiert wird. Die Substanz ist ein wichtiger Neurotransmitter und die unmittelbare Vorstufe von Adrenalin und Noradrenalin. Dopaminerge Neurone kommen vor allem im Gehirn, aber auch in der Körperperipherie beispielsweise an den Nieren und am Herzen vor.

Das Belohnungssystem im Gehirn

Die Laufrunde, die Klausurvorbereitung, der Wäscheberg, der endlich abgetragen werden muss: Wir alle kennen die alltäglichen Dinge, zu denen man eigentlich keine Lust hat, die man aber trotzdem erledigt. Warum aber tun wir das? Damit das schlechte Gewissen verschwindet? Damit der Partner oder die Eltern nicht sauer werden? Sicher, das können entscheidende Gründe sein. Damit allein ist es aber nicht getan. Wir motivieren uns, weil wir wissen: Es lohnt sich. Es fühlt sich schlicht und ergreifend gut an, unbequeme und anstrengende Aufgaben abzuhaken.

Dieser ständige Belohnungsprozess im Gehirn läuft unbewusst ab, wenn wir Erfolge erzielen. Psychologen und Hirnforscher sprechen hierbei von der „Affektantizipation“: der Erwartung, dass Handlungen und Bemühungen von Erfolg gekrönt sind und wir anschließend mit Glücksgefühlen belohnt werden. Diese Aussicht motiviert uns zum Handeln.

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Wie Dopamin das Belohnungssystem beeinflusst

Dopamin ist der zentrale Botenstoff des Belohnungssystems: Wird eine Aufgabe erledigt, schüttet das Gehirn Dopamin aus, was Glücksgefühle erzeugt und uns motiviert, neue Ziele anzugehen. Ausgelöst werden die Hochgefühle durch ein ganz bestimmtes Hormon: Dopamin. Dieser auch als Glücks- und Motivationshormon bekannte Botenstoff wirkt sowohl über die Blut- als auch über die Nervenbahnen und setzt das Belohnungssystem in Gang. Dopamin leitet Reize unmittelbar ans Gehirn weiter und reagiert auf äußere Impulse: Es wird ausgeschüttet und verströmt gute Gefühle, wenn wir die Laufrunde oder Prüfung geschafft haben. Erst Dopamin sorgt also für einen Belohnungseffekt. Und einmal gespürt, wollen wir immer mehr davon.

Wir wollen dieses Gefühl erneut haben und setzen uns neue Ziele, gehen neue Herausforderungen an. Die Vorfreude auf die Glücksmomente spornen uns an. Denn im Zusammenspiel mit dem Wohlfühlhormon Serotonin befördert uns Dopamin in eine Belohnungsspirale. Also schnüren wir die Laufschuhe einige Tage später erneut, weil wir uns danach fit und leichter fühlen. Also räumen wir das Zimmer auf, weil wir uns danach freuen, wie ordentlich und übersichtlich es aussieht. Wir wollen etwas schaffen, weil es sich gut anfühlt. Es entsteht ein innerer Antrieb nach Belohnung, der uns agieren und Ziele erreichen lässt. Kurzum: Es entsteht Motivation. Motivation entsteht durch Erwartung der Belohnung („Affektantizipation“): Die Aussicht auf positive Gefühle lässt uns auch unangenehme Tätigkeiten in Angriff nehmen.

Dopamin und seine vielfältigen Funktionen

Dopamin ist weit mehr als nur ein "Glückshormon". Es ist ein vielseitiger Neurotransmitter, der eine Reihe von wichtigen Funktionen im Körper erfüllt:

  • Motorische Kontrolle: Dopamin spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der willkürlichen Bewegungen. Ein Mangel an Dopamin in bestimmten Hirnregionen führt zu Bewegungsstörungen, wie sie bei der Parkinson-Krankheit auftreten.
  • Motivation und Antrieb: Dopamin ist eng mit dem Belohnungssystem des Gehirns verbunden und beeinflusst unsere Motivation und unseren Antrieb. Es hilft uns, Ziele zu setzen und diese mit Entschlossenheit zu verfolgen.
  • Emotionale Reaktionen: Dopamin beeinflusst unsere Stimmung und unser emotionales Wohlbefinden. Es ist an der Entstehung von positiven Gefühlen wie Freude und Begeisterung beteiligt.
  • Kognitive Funktionen: Dopamin spielt eine Rolle bei kognitiven Prozessen wie Aufmerksamkeit, Konzentration und Lernen.
  • Hormonregulation: Dopamin beeinflusst die Hormonsekretion der Hypophyse durch Hemmung der Prolaktin-Sekretion.

Dopamin und Ernährung

Wer nichts dem Zufall überlassen will, der kann die Dopamin-Produktion auch mit der passenden Ernährung ankurbeln. Gerade Lebensmittel mit vielen Omega-3-Fettsäuren erhöhen die Versorgung, weil sie Strukturen für die Dopamin-Bahnen im zentralen Nervensystem aufbauen. Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in Fisch wie Lachs und Makrele zu finden, aber auch in hochwertigen Ölen, Leinsamen, Algen und Nüssen. Genauso empfehlenswert sind vitamin- und nährstoffreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, aber auch Vollkornprodukte, Reis und Kartoffeln, weil sie viele B- und C-Vitamine enthalten. Gezielt fördern lässt sich Dopamin durch kleine Erfolgserlebnisse und passende Ernährung: Schrittweise Zwischenziele (z. B. erst 1 km statt 5 km laufen) sowie Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren, B- und C-Vitaminen (Fisch, Nüsse, Obst, Gemüse, Vollkorn) kurbeln die Produktion an.

Es gibt viele dopaminhaltige Lebensmittel, die konsumiert werden können. Allerdings kann der Körper Nahrung nicht als Quelle benutzen, um Dopamin aufzunehmen, da es bei der Verdauung (zu) rasch abgebaut wird. Eine Dopaminsteigerung durch Lebensmittel ist also nicht möglich. Der Körper muss den Botenstoff selbst herstellen. Dopamin wird im Nervensystem und im Nebennierenmark unter anderem aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin gebildet. Doch ob es einen Effekt hat, phenylalaninhaltige Lebensmittel wie Fleisch, Nüsse oder Hülsenfrüchte zu sich zu nehmen, um den Dopaminspiegel zu steigern, darüber gibt es noch keine stichhaltigen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

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Die Psychiaterin empfiehlt stattdessen eine ausgewogene Ernährung, um den Stoffwechsel im Gehirn insgesamt zu stärken. „Die mediterrane Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse und Olivenöl und Fisch sowie weißem Fleisch hat eine stabilisierende Wirkung auf das Nervensystem.“ Dazu tragen unter anderem die Omega-3-Fettsäuren bei, die etwa in Fisch und Olivenöl enthalten sind.

Dopamin-Mangel: Ursachen und Auswirkungen

Das Verlangen nach Belohnung und die Aussicht auf Erfolg motivieren uns also zum Handeln. Was aber, wenn wir nie laufen gehen? Wenn der Wäscheberg immer größer wird? Wenn wir uns einfach nie motivieren können? Die zentrale Aufgabe von Dopamin ist es, Informationen ans Gehirn weiterzugeben. Befindet sich der Dopamin-Spiegel aber im Keller, bleiben Reize unbeantwortet - und eine Folge davon kann fehlende Motivation sein.

Ein Dopamin-Mangel kann verschiedene Ursachen haben: Dahinter können eine Unterversorgung mit bestimmten Vitaminen und Stoffen stecken. Aber auch der schlichte Umstand, schon lange kein Erfolgserlebnis mehr gehabt zu haben. Das Gehirn verlernt sozusagen, wie schön es sich anfühlt, Ziele zu erreichen.

Wenn zu wenig Dopamin im Körper und im Nervensystem vorhanden ist, kann sich das auf unterschiedliche Arten äußern: „Häufig stellt sich eine Art generelle Unlust ein. Man hat wenig Antrieb und sieht keine Freude darin, sich mit anderen Menschen zu treffen“, sagt Weidenauer. Neben der Stimmung können bei einem Dopaminmangel auch Depressionen auftreten und es gibt Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit. Doch wie kommt es überhaupt zu einem Dopaminmangel? „Das ist noch nicht ganz erforscht, aber soweit wir wissen, kann es ganz unterschiedliche Gründe haben. Häufig kommen mehrere Ursachen zusammen“, erklärt die Psychiaterin. Es wird eine genetische Veranlagung vermutet. „Wenn dann noch verschiedene äußere begünstigende Faktoren hinzukommen, entwickeln diese Menschen eher einen Dopaminmangel.“

Als besonders entscheidender Faktor gilt länger anhaltender Stress. „Das kann Stress im unmittelbaren Umfeld sein, etwa in der Familie oder in der Partnerschaft oder Unsicherheit am Arbeitsplatz. Es kann aber auch gesellschaftlicher Stress sein, etwa während eines Krieges oder während einer großen Wirtschaftskrise mit viel Unsicherheit“, sagt Weidenauer. Auch andere seelische Belastungen, Mangelernährung und Bewegungsarmut können mit einem Dopaminmangel einhergehen.

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Symptome eines Dopaminmangels

Ein Dopaminmangel kann sich durch verschiedene Symptome äußern, darunter:

  • Mangelnde Motivation und Antriebslosigkeit
  • Erschöpfung und Müdigkeit
  • Schwierigkeiten, Freude zu empfinden
  • Konzentrationsprobleme
  • Depressive Verstimmungen
  • Bewegungsstörungen (in schweren Fällen)

Krankheiten im Zusammenhang mit Dopaminmangel

Ein Dopaminmangel kann mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung stehen, darunter:

  • Parkinson-Krankheit: Hierbei sterben Dopamin-produzierende Zellen im Gehirn ab, was zu Bewegungsstörungen führt.
  • Depressionen: Ein Dopaminmangel kann zu depressiven Verstimmungen und Antriebslosigkeit beitragen.
  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung): Ein Ungleichgewicht im Dopaminsystem kann zu Konzentrationsproblemen und Hyperaktivität führen.

Wie kann man Dopamin aktivieren?

Um das Gehirn daran zu erinnern, wie schön Erfolgserlebnisse sind, sollte man sich zunächst kleine Zwischenziele stecken. Kann man sich zum Beispiel nicht überwinden, fünf Kilometer zu laufen, fängt man eben klein an. Einen Kilometer zu laufen ist besser als sich gar nicht aufzuraffen, denn das Gehirn schüttet Dopamin auch bei kleinen Erfolgen aus.

Und schon wächst die Motivation, weil der Körper das Glücksgefühl abspeichert und es wiederhaben will. Die Folge: Es kommt zu einem Rückkopplungseffekt und zu einer verstärkten Dopamin-Produktion. Je mehr kleine oder große Erfolge wir feiern, desto mehr Glückshormone schütten wir aus - und das Verlangen wächst und wächst. Also, was lernen wir daraus? Nicht so lange nachdenken, wann und wie man laufen oder aufräumen soll. Einfach anfangen!

Grundsätzlich wird die Produktion von Dopamin durch Tätigkeiten gesteigert, bei denen wir Lust empfinden. Doch der Grat zwischen einer gesunden Dopaminsteigerung und einer kurzfristig übermäßigen und auf Dauer eher schädlichen Überanregung des Dopaminsystems, etwa durch das schnelle Betrachten von Social-Media-Inhalten, ist schmal. Um das Dopaminsystem auf gesunde Weise anzuregen, empfehlen sich vor allem Sport und ausreichend Schlaf. Eine ausgewogene Ernährung kann das Nervensystem insgesamt stärken.

Natürliche Wege zur Dopaminsteigerung

Es gibt verschiedene natürliche Wege, um die Dopaminproduktion im Körper zu fördern:

  • Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Ausdauersport, kann die Dopaminausschüttung erhöhen und die Stimmung verbessern.
  • Ausreichend Schlaf: Schlafmangel kann das Dopaminsystem durcheinanderbringen. Umgekehrt ist laut Weidenauer davon auszugehen, dass ausreichend Schlaf sich positiv auf das Dopaminsystem auswirken kann: „Ausreichend Schlaf ist sehr wichtig für den Körper und das Gehirn insgesamt - er kann vermutlich auch helfen, den Dopaminhaushalt zu stabilisieren.“
  • Meditation und Entspannungstechniken: Stress kann die Dopaminproduktion hemmen. Meditation, Yoga und andere Entspannungstechniken können helfen, Stress abzubauen und die Dopaminproduktion zu fördern.
  • Musik hören: Genießen von Musik (die Hirnaktivität im Belohnungszentrum ist reich an Dopaminrezeptoren und wird dabei angesprochen).
  • Sonne tanken: Sonnenstrahlen fördern die Herstellung von Dopamin.
  • Kleine Erfolgserlebnisse: Sich zunächst kleine Zwischenziele stecken. Kann man sich zum Beispiel nicht überwinden, fünf Kilometer zu laufen, fängt man eben klein an. Einen Kilometer zu laufen ist besser als sich gar nicht aufzuraffen, denn das Gehirn schüttet Dopamin auch bei kleinen Erfolgen aus.

Dopamin-Überschuss: Mögliche Folgen

Nicht nur ein Dopaminmangel kann zu Beschwerden führen, auch ein Dopaminüberschuss beziehungsweise eine ständige Aktivierung des Dopaminsystems kann zum Problem werden. Zu einem kurzfristigen Dopaminüberschuss kann es kommen, wenn die Dopaminausschüttung in kurzer Zeit extrem stimuliert wird. „Je mehr Dinge man macht, die eine Dopaminausschüttung bewirken, desto weniger empfindlich wird das Gehirn für kleinere Reize“, sagt Weidenauer. In der Praxis könnte das bedeuten: Wer in jeder Pause im Alltag durch Instagram scrollt und jeden Abend eine Verabredung hat, für den sind das Scrollen auf Social Media und auch die Verabredungen irgendwann weniger „besonders“, sie sorgen für weniger Befriedigung. „Das kann im Laufe der Zeit zu einer Art Abstumpfung des Dopaminsystems führen.“

Ist die Balance des Körpers und Dopamins außer Kontrolle, können viele Nachteile für den Organismus entstehen.

Symptome eines Dopamin-Überschuss

Symptome eines Dopamin-Überschuss sind eine sehr intensive Wahrnehmung der Umwelt, zunehmende Unfähigkeit zwischen wichtigen und unwichtigen Empfindungen zu unterscheiden, Schlafprobleme, Wahnvorstellungen und manisches Verhalten. Hohe Dopaminwerte werden mit seelischen Erkrankungen, wie Psychosen, Schizophrenie, Drogenabhängigkeit und Angstzuständen, in Verbindung gebracht.

Dopamintoleranz

Häufig wird auch von einer Dopamintoleranz gesprochen. Damit ist gemeint, dass durch viele stimulierenden und kurzfristig Freude bereitende Reize Menschen das Gefühl entwickeln können, keine Freude mehr zu empfinden und nach immer größeren und neuen Vergnügen suchen. Häufig ist dies bei Personen der Fall, die viel digitale Medien konsumieren, Herausforderungen an Spielkonsolen suchen usw. Derartiges ist teils programmiert, um bei NutzerInnen hohe Dopamin-Ausschüttung hervorzurufen. Dabei können sich Verhaltenssüchte entwickeln, was dazu führen kann, dass Betroffene das Interesse an wichtigen Dingen oder diese vernachlässigen.

Dopamin Detox

Beim „Dopamin Detox“, auch Dopaminfasten genannt, zieht man sich für eine bestimmte Zeit in eine möglichst ruhige Umgebung zurück und vermeidet alles, was sonst eine Dopaminausschüttung stimuliert. „Wer immer unterwegs ist - online und offline -, könnte sich zum Dopamin Detox beispielsweise für ein Wochenende in eine ruhige Hütte im Wald zurückziehen, ohne Internet und mit abgeschaltetem Telefon“, sagt Psychiaterin Weidenauer.

Es gibt bislang keine aussagekräftigen Studien darüber, inwieweit ein solches Dopamin Detox tatsächlich den Dopaminhaushalt beeinflusst. „Man kann aber schon davon ausgehen, dass es eine gewisse Wirkung hat“, meint Weidenauer. „Es geht ja nicht nur um die Dopaminkonzentration, sondern auch um das eigene Wohlbefinden und die Zufriedenheit. Und die können durch ein solches Dopamin Detox in vielen Fällen gesteigert werden - wenngleich es vielen anfangs auch schwerfallen dürfte, die relative Reizarmut auszuhalten.“

Z.B. einmal pro Woche, Dopamin runterfahren: Kein PC, Smartphone, Spielkonsole, Fast Food, sondern spazieren, meditieren, schreiben lesen. Sich äußeren Reizen der digitalisierten Welt entgegensetzen und wieder mit „inneren Themen“ beschäftigen, mit Dingen die man aufschiebt und Erlebtes verarbeiten, Quality Time, Familie. Regelmäßig, langfristig im Alltag. Weniger interessantes vor dopaminlastiger Aktivität.

Dopamin als Medikament

Der Wirkstoff Dopamin gehört zur Gruppe der Katecholamine und wird therapeutisch bei Schockzuständen eingesetzt. Dopamin vermittelt motivations- und antriebssteigernde Effekte. Bei zu niedrigen oder zu hohen Spiegeln kann es zu parkinsonartigen oder manieförmigen Symptomen kommen.

Anwendung von Dopamin als Medikament

Für neurologische Indikationen (wie Parkinson) wird Dopamin nicht direkt eingesetzt. Stattdessen verabreicht man Vorläufer oder Analoga davon, da diese im Unterschied zu Dopamin die Blut-Hirn-Schranke überwinden können.

Zur Kreislaufstabilisierung wird der Wirkstoff bei Schockzuständen oder drohenden Schockzuständen eingesetzt. Diese können beispielsweise in folgenden Fällen auftreten:

  • Herzversagen und Herzinfarkt
  • Schweren Infektionen
  • Plötzlichem, starkem Blutdruckabfall

Nebenwirkungen von Dopamin als Medikament

Der rückläufige Einsatz von Dopamin erklärt sich durch das vergleichsweise hohe Nebenwirkungspotential. Injiziert bei Schockzuständen kommt es häufig (das heißt bei jedem zehnten bis hundertstem Patienten) zu Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Atemnot, Übelkeit bis hin zu Erbrechen sowie entweder zu starkem Blutdruckabfall oder zu übermäßigem Blutdruckanstieg.

Kontraindikationen

Dopamin wird hauptsächlich in der Notfallmedizin eingesetzt. Der behandelnde Arzt wird individuell abklären, ob ein Patient das Medikament aus bestimmten Gründen nicht erhalten darf.

Dopamin und Sucht

Der Botenstoff Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Suchtverhalten. Der Suchtmediziner Prof. Dr. Viele sind daran gewöhnt, es immer bei sich zu haben. Und wer kennt nicht das Gefühl, wenn das Handy in der Tasche klingelt oder vibriert und wir voller Erwartung nachgucken wollen, welche scheinbar wichtige Nachricht uns auf dem Bildschirm erwartet. Das alles erscheint alltäglich und völlig harmlos, ist aber bereits ein Beispiel für den Zusammenhang zwischen erlerntem Verhalten und Dopamin.

Viele Menschen glauben, dass Dopamin glücklich macht. Das ist ein großes Missverständnis, denn das ist nicht der Fall. Dopamin hat die Aufgabe, auf mögliche Belohnungen hinzuweisen, also eine belohnungsankündigende Wirkung. Das spielt beim Belohnungslernen eine große Rolle. Wenn wir etwas Positives erleben - wenn wir zum Beispiel hungrig sind und etwas essen oder wenn wir Zuwendung von einem anderen Menschen bekommen ­- dann wird Dopamin ausgeschüttet und markiert diese Situation als wichtig. Das heißt, wenn wir beim nächsten Mal an der Person vorbeigehen, die nett zu uns war, dann wird Dopamin ausgeschüttet, denn wir haben gelernt, dass es hier etwas Schönes geben könnte. Situationen, die mit Belohnungen einhergehen, werden gewissermaßen durch das Dopamin gelikt und dann im Suchtgedächtnis abgespeichert als etwas, das mit Belohnung verbunden ist.

Wie soziale Medien Lernmechanismen nutzen

Zunächst einmal: unser Gehirn muss Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Und das Wichtigste für Lebewesen sind einerseits Gefahren, andererseits aber auch belohnungsassoziierte Reize, sonst würden wir bei Hunger am Essen vorbeilaufen. Und deshalb führt ein Dopamin-Hoch zu einer selektiven Aufmerksamkeit. Dinge, die mit Dopamin markiert worden sind, werden immer wichtiger. Und so funktioniert das auch mit den sozialen Medien. Sie bekommen beispielsweise in sozialen Netzwerken nette Kommentare, dann assoziieren wir das mit dem Handy. Die Belohnungserwartung setzt dann in dem Moment ein, in dem wir aufs Handy gucken oder wenn das Handy vibriert. Das Handy im Raum wird dann immer wichtiger und die anderen Sachen, die im Raum sind, nimmt man weniger wahr - weil sie nicht so relevant sind wie das, was mit dem Dopamin markiert wurde, in diesem Fall das Handy.

Suchtverhalten

Das hat durchaus Aspekte von Suchtverhalten. Normalerweise ist unser Körper ganz gut vor so einer ausgeprägten selektiven Aufmerksamkeit geschützt. Aber natürlich werden die sozialen Netzwerke extra so konstruiert, dass sie immer wieder das Dopaminsystem anstacheln. Die sozialen Netzwerke nutzen unser Belohnungssystem des Gehirns und das kann in Extremfällen zu einer Ähnlichkeit mit klassischen Abhängigkeiten führen.

Typische Symptome von Suchtverhalten

  • Craving: Es besteht ein starker, schwer bezwingbarer Wunsch, das suchtartige Verhalten auszuüben oder das Suchtmittel zu konsumieren.
  • Toleranzentwicklung: Um den gleichen positiven Effekt zu erleben, sind höhere Dosen des Suchtmittels oder des suchtartigen Verhaltens erforderlich.
  • Vernachlässigung anderer Lebensbereiche: Dem Nachgehen der Sucht wird Vorrang vor anderen Interessen und Verpflichtungen gegeben.
  • Entzugssymptome: Bei Beendigung oder Reduktion des Konsums können körperliche und/oder psychische Entzugssymptome auftreten.
  • Kontrollverlust: Es wird zunehmend schwieriger, den Substanzkonsum oder das Ausmaß des süchtigen Verhaltens bezüglich Dauer und Intensität zu kontrollieren.
  • Anhaltender Konsum trotz bereits eingetretener Schäden: Der Substanzkonsum bzw. das Suchtverhalten wird fortgesetzt, obwohl es bereits zu schädlichen Folgen geführt hat.

Wann ist ärztlicher Rat einzuholen?

Wer sich sehr häufig unwohl und antriebslos fühlt, und es dafür keinen konkreten Grund gibt, sollte eine ärztliche Praxis aufsuchen. „Es muss dann nicht unbedingt ein Dopaminmangel dahinterstecken“, sagt Psychiaterin Weidenauer. Hohe Dopaminwerte werden mit seelischen Erkrankungen wie Psychosen, Schizophrenie, ADS und ADHS, Drogenabhängigkeit und Angstzuständen assoziiert. Wenn Sie Verdacht auf eine Erkrankung haben, so empfiehlt sich die Konsultation eines Arztes/einer Ärztin oder eines Psychotherapeuten/einer Psychotherapeutin.

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