Ich höre auf zu nerven: Ursachen, Symptome und Bewältigungsstrategien bei Geräuschempfindlichkeit

In unserer schnelllebigen Welt sind wir ständig einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt. Hektik im Alltag, Stress bei der Arbeit und ständiger Verkehrslärm können unser Nervensystem überlasten und zu einer Überreizung des Hörsystems führen. Dies kann sich in Form von Geräuschempfindlichkeit äußern, die als Hyperakusis, Misophonie oder Phonophobie bekannt ist. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Geräuschempfindlichkeit, ihre Ursachen, Symptome und mögliche Behandlungsansätze.

Hyperakusis: Überempfindlichkeit gegenüber Lautstärke

Hyperakusis ist eine ungewöhnliche Empfindlichkeit gegenüber normalen Umgebungsgeräuschen. Betroffene empfinden bereits geringe Lautstärken als unangenehm oder sogar schmerzhaft. Die Unbehaglichkeitsschwelle sinkt dabei auf einen Wert unter 80 dB ab. Dies kann zu einer Schreckreaktion mit Herzrasen, Schweißausbrüchen, Anstieg des Blutdrucks und trockenem Mund führen.

Ursachen:

  • Innenohr-Schwerhörigkeiten
  • Epilepsie-Formen
  • Vorzeichen einer Migräne
  • Medikamenten-Nebenwirkungen
  • Stress und psychische Belastungen

Behandlung:

Die Behandlung der Hyperakusis zielt darauf ab, die Geräuschempfindlichkeit zu reduzieren und den Betroffenen zu helfen, mit den Symptomen umzugehen. Dies kann durch eine Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken oder das Tragen von Rauschgeneratoren erreicht werden.

Misophonie: Der Hass auf bestimmte Geräusche

Misophonie ist eine selektive Geräuschempfindlichkeit, bei der bestimmte Geräusche, sogenannte Triggergeräusche, starke negative Reaktionen wie Wut, Ärger, Frustration, Abscheu, Ekel oder Angst auslösen. Typische Triggergeräusche sind Alltagsgeräusche wie Kauen, Schlucken, Atmen, Schniefen, Tippen auf Tastaturen oder das Klicken von Kugelschreibern.

Ursachen:

  • Neurologische Störung im Zentralnervensystem
  • Fehlinterpretation akustischer Reize im Gehirn
  • Verknüpfung von Geräuschen mit negativen Emotionen

Behandlung:

Für Misophonie gibt es keine spezifische Heilung. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und den Betroffenen dabei zu helfen, besser mit den emotionalen Reaktionen auf Triggergeräusche umzugehen. Dies kann durch eine kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken oder das Tragen von Geräuschunterdrückungskopfhörern erreicht werden.

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Phonophobie: Die Angst vor Geräuschen

Phonophobie ist die Angst vor bestimmten Geräuschen, unabhängig von Lautstärke oder Frequenz. Diese Angststörung wird nur von der Bedeutung des Geräuschs für die Betroffenen ausgelöst. Im Zusammenhang mit ihnen entstehen jedoch unangenehme Gefühle wie Angst, Scham oder Peinlichkeit. Um Situationen mit unangenehmen Geräuschen zu vermeiden, tragen manche Betroffene sogar einen Gehörschutz. Viele reduzieren ihre sozialen Aktivitäten, weil sie mit der Gesellschaft anderer Menschen negative Hörerlebnisse verbinden. Nicht selten mündet dies in eine soziale Isolation mit weitreichenden Konsequenzen.

Ursachen:

  • Traumatische Erlebnisse
  • Angststörungen
  • Psychische Belastungen

Behandlung:

Die Behandlung der Phonophobie umfasst in der Regel eine Psychotherapie, insbesondere eine Verhaltenstherapie. Ziel ist es, die Angst vor Geräuschen abzubauen und den Betroffenen zu helfen, sich wieder angstfrei in geräuschvollen Umgebungen zu bewegen.

Die Rolle von Stress und psychischen Belastungen

Stress und psychische Belastungen können die Geräuschempfindlichkeit verstärken. Sie können die Aufmerksamkeit auf bestimmte Geräusche richten, die dann als besonders unangenehm empfunden werden. So wird ein Kreislauf aus Angst vor Geräuschen und negativer Verstärkung in Gang gesetzt. Die Geräuschempfindlichkeit führt mehr und mehr zum Rückzug aus sozialen Aktivitäten, da auch normale Lautstärken zunehmend als unerträglich empfunden werden. Die Stressbelastung für das Nervensystem nimmt zu. Die Betroffenen geraten in einen Teufelskreis, in dem sich die Empfindlichkeit quasi selbst verstärkt.

Wenn der Alltag zur Belastung wird

Eine erhöhte Geräuschempfindlichkeit kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Betroffene ziehen sich oft aus sozialen Aktivitäten zurück, vermeiden bestimmte Orte oder Situationen und leiden unter Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und emotionaler Belastung.

Birgit Salewski betont: "Die Schlagzahl, mit der wir uns gerade alle immer wieder an neue Herausforderungen anpassen müssen, ist gefühlt höher denn je." Die Pandemie, Kriege und persönliche Herausforderungen können zu einer Überforderung führen, die sich in Geräuschempfindlichkeit äußern kann.

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Was tun, wenn alles zu viel wird?

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen alles zu viel wird und Sie bestimmte Dinge oder sogar den Alltag nicht mehr bewältigen können, sollten Sie unbedingt handeln. Eine dauerhafte Überforderung kann nicht nur zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Schlafstörungen, sondern auch zu anderen Krankheiten, wie Arterienverkalkung oder Magen-Darm-Erkrankungen führen.

Anzeichen für eine Überforderung:

  • Zunehmende Gereiztheit und Ungeduld
  • Schwarz-weiß-Denken
  • Schlaflosigkeit und Gedankenkreisen
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Sozialer Rückzug
  • Aufgabe von Hobbys und Freundschaften
  • Überdrehtheit und Aggressivität

Was Sie tun können:

  • Priorisieren Sie Ihren Alltag neu.
  • Misten Sie Ihren Kalender aus.
  • Reduzieren Sie die Flut von schlechten Nachrichten.
  • Sorgen Sie bewusst für Ausgleich, Ablenkung und freudige Momente.
  • Pflegen Sie soziale Kontakte.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe, wenn die Symptome anhalten.

Strategien zur Bewältigung von Geräuschempfindlichkeit

Es gibt verschiedene Strategien, die Betroffenen helfen können, mit ihrer Geräuschempfindlichkeit umzugehen und ihren Alltag besser zu bewältigen.

  • Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Tai Chi können helfen, Stress und Angst zu reduzieren.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Diese Therapieform hilft, negative Gedankenmuster und Verhaltensweisen zu identifizieren und zu ändern.
  • Geräuschunterdrückung: Das Tragen von Ohrstöpseln oder geräuschunterdrückenden Kopfhörern kann helfen, die Intensität von Geräuschen zu reduzieren.
  • Vermeidung von Triggern: Wenn möglich, sollten Situationen und Orte vermieden werden, die Triggergeräusche auslösen.
  • Offene Kommunikation: Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld über Ihre Geräuschempfindlichkeit und bitten Sie um Rücksichtnahme.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.

Der Einfluss von Medien und Hochsensibilität

Medien, insbesondere elektronische Medien, können eine zusätzliche Reizüberflutung verursachen, insbesondere bei Kindern. Hochsensible Menschen sind besonders anfällig für Reizüberflutung, da ihr Gehirn Reize intensiver verarbeitet.

Tipps für den Umgang mit Reizüberflutung:

  • Begrenzen Sie die Mediennutzung.
  • Schaffen Sie ruhige Umgebungen.
  • Planen Sie regelmäßige Ruhepausen ein.
  • Fördern Sie Entspannungstechniken.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf.

Wann ist professionelle Hilfe notwendig?

Wenn die Geräuschempfindlichkeit Ihren Alltag erheblich beeinträchtigt und Sie unter den Symptomen leiden, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ein Arzt oder Psychotherapeut kann Ihnen helfen, die Ursachen Ihrer Geräuschempfindlichkeit zu erkennen und eine geeignete Behandlung zu finden.

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