Viele Menschen kennen das Gefühl, sich inmitten anderer fremd zu fühlen, selbst unter Bekannten. Dieses Gefühl der Isolation kann dazu führen, dass man sich selbst in Frage stellt und versucht, sich anzupassen, was jedoch oft zu innerer Zerrissenheit führt. Doch warum entsteht dieses Gefühl der Fremdheit und wie kann man damit umgehen?
Das Gefühl, nicht dazuzugehören
Das Gefühl, nicht in die Welt zu passen, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Manchmal liegt es daran, dass man sich von den Menschen um einen herum unterscheidet. Man sucht nach Verbindung, nach einem gemeinsamen Nenner, findet ihn aber nicht. Gespräche bleiben oberflächlich, Begegnungen höflich, aber nicht freundschaftlich. Dieses Gefühl der Fremdheit kann dazu führen, dass man sich selbst in Frage stellt und sich als "falsch" bewertet.
Der Versuch der Anpassung und seine Folgen
Um dazuzugehören und Verbundenheit zu spüren, versuchen viele, sich anzupassen. Sie übernehmen Rollen, Meinungen, Ansichten und Interessen anderer. Sie kleiden und benehmen sich wie die Menschen, die sie bewundern und zu denen sie gehören wollen. Der größte "Erfolg" ist für viele die Aufnahme in eine angesagte Clique. Doch das Vortäuschen einer falschen Identität kann die Seele kosten. Man fühlt sich fremder und einsamer denn je. Innerlich zerbricht man an der Maske, an der Lüge, jemand zu sein, der man nicht ist. Irgendwann weiß man nicht mehr, wer man eigentlich wirklich ist, wo man hingehört und wo das innere Zuhause ist.
Hochsensibilität als möglicher Grund für das Fremdheitsgefühl
Ein Schlüsselerlebnis für viele Betroffene ist die Begegnung mit dem Thema Hochsensibilität. Hochsensible Menschen haben ein feineres Gespür für Energien, Reize und Wahrnehmungen. Sie sehnen sich nach einem tieferen Austausch, beschäftigen sich viel mit Sinnfragen und brauchen oft viel Zeit für sich, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Sich fremd fühlen auf der Welt ist ein Gefühl, das viele hochsensible Menschen kennen.
Der Weg zur Verbundenheit: Die Beziehung zu sich selbst
Der Schlüssel zu einem Leben in Frieden und Verbundenheit mit anderen Menschen liegt darin, in Verbindung mit sich selbst zu kommen und in Verbundenheit mit sich zu leben. Der wichtigste Ort, an dem man ankommen muss, um inneren Frieden zu finden, ist in sich selbst. Wenn man mit sich verbunden ist, kann man selbstbewusst und selbstbestimmt seinen Weg gehen. Es ist wichtig zu erkennen, dass man so, wie man ist, genau richtig ist und dass man seinen Platz in der Welt und inmitten von Menschen finden wird.
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Selbstwertgefühl und Selbstliebe als Basis für Verbundenheit
Ein mangelndes Selbstwertgefühl und eine lieblose Beziehung zu sich selbst können weitere Gründe dafür sein, warum man sich fremd und allein unter seinen Mitmenschen fühlt. Ein wichtiger Schritt zu mehr Verbundenheit und Selbstsicherheit ist es, eine liebevolle Beziehung zu sich selbst zu entwickeln. Lerne, dich zu mögen. Dich in allem, was du bist, liebevoll anzunehmen. Dann wirst du eine Sicherheit in dir finden, die dich von innen trägt und schützt. Du wirst deinen Wert in dir finden, der dich dazu befähigt, selbstbewusst und gut für dich zu sorgen.
Das Umfeld spielt eine wichtige Rolle
Das Umfeld spielt eine wichtige Rolle dabei, wie wohl man sich fühlt. Wenn man häufig das Gefühl hat, sich fremd in der Welt zu fühlen oder häufig von Menschen umgeben ist, unter denen man sich unwohl fühlt, lohnt es sich, die Ursache ausfindig zu machen, um sich von dem erdrückenden Gefühl des Getrenntseins befreien zu können. Es wird in deinem Leben immer Menschen geben, mit denen du nicht auf einer Wellenlänge liegen wirst und unter denen du dich fremd fühlst.
Umgang mit nervigen Kleinigkeiten im Alltag
Neben dem Gefühl der Fremdheit im sozialen Umfeld können auch nervige Kleinigkeiten im Alltag die Lebensqualität beeinträchtigen. Der gedankenlose Kommentar einer Kollegin, Käse-Pampe statt Trüffel-Mayo zur Pommes-Bestellung, ein angeblich nicht zustellbares Paket, nachdem niemand geklingelt hat, eine Kinderwagenparade im Hauflur. Unser Alltag ist voller nerviger Kleinigkeiten, über die wir uns aufregen könnten - und das, ohne dass wir überhaupt dazu gekommen sind, ins Internet zu schauen.
Ursachen für die Reizbarkeit durch Kleinigkeiten
Investieren wir ungewollt mehr Kapazitäten in den Frust über Unbedeutendes, als es unserer generellen Priorisierung und Werteordnung entspricht, können vielfältige Gründe dahinter stecken.
- Vermeidungsstrategie: Manchmal kann eine Vermeidungsstrategie dahinterstecken, wenn wir uns über belanglose Dinge übermäßig stark aufregen, und ein Hinweis darauf sein, dass es Themen in unserem Leben gibt, denen wir uns nicht stellen möchten oder können.
- Druckabbau: Wenn wir akut geladen sind oder waren, unsere Wut aber nicht einfach ausleben konnten (weil wir zum Beispiel in einem sozialen Kontext steckten oder stecken, in dem es unangebracht wäre), können Lappalien eine Gelegenheit bieten, um Druck abzubauen.
- Unausgeglichenheit: Viele Menschen sind am wenigsten reizbar und am gelassensten, wenn sie ausgeruht sind und sich ihrer persönlichen Ziele, Werte und Prioritäten sicher und bewusst. Die meisten fühlen sich gelegentlich unausgeglichen und müssen da irgendwie durch. Und das macht viele anfällig dafür, sich über Kleinigkeiten aufzuregen.
- Verborgene Bedeutung: Einige Kleinigkeiten sehen wie welche aus, sind es in Wahrheit aber nicht. Oder verweisen wenigstens auf etwas, das uns wichtig ist.
- Gewohnheit: Was immer die ursprünglichen Gründe dafür gewesen sein mögen, aus denen wir angefangen haben, uns über Kleinigkeiten aufzuregen: Je öfter wir es tun, umso höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns daran gewöhnen.
Umgang mit der Reizbarkeit
Uns aufzuregen und genervt zu sein, selbst wenn es nur um Kleinigkeiten geht, ist nicht grundsätzlich falsch, ungesund, dumm oder schlecht. Was wir fühlen, hat stets einen Hintergrund und eine Berechtigung und kann uns eine wertvolle Lebenshilfe bieten. Sind wir von unserem eigenen Genervtsein genervt und wünschen uns, gelassener zu sein, ist es meist zielführender, uns mit den Gründen unserer Reizbarkeit zu befassen und bei ihnen anzusetzen, als uns nur darüber aufzuregen, dass wir uns aufregen.
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Die endlose Fragerei von Kindern
Ein weiterer Aspekt, der Eltern manchmal nerven kann, ist die endlose Fragerei ihrer Kinder. Liebe Mama,ich habe so viele Fragen! Jeden Tag ploppen mehr in meinem Kopf auf und wenn ich dich dann frage, warum die Pfütze von morgens abends verschwunden ist oder warum die Vögel zwitschern, versuchst du mir geduldig die Gründe dafür zu erklären. Aber Mama, manchmal sind deine Antworten einfach zu lang und zu kompliziert, sodass ich dir noch mehr Fragen stelle. Doch nach einiger Zeit werden deine Antworten dann immer kürzer, ehrlich gesagt, zu kurz, um sie zu verstehen, und dein Ton wird immer unfreundlicher. Dann habe ich das Gefühl, ich nerve dich mit meiner Fragerei - dabei will ich doch nur alles verstehen, was ich um mich herum wahrnehme.
Warum Kinder fragen
Kinder stellen Fragen, um die Welt um sie herum zu verstehen. Sie wollen wissen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Sie wollen die Zusammenhänge erkennen und ihren Platz in der Welt finden. Eltern sollten sich bemühen, die Fragen ihrer Kinder geduldig und verständlich zu beantworten. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, ist es wichtig, den Wissensdurst der Kinder zu fördern und ihnen zu helfen, die Welt zu entdecken.
Wenn Beziehungen zur Belastung werden
Auch in Beziehungen kann es zu Situationen kommen, in denen man sich vom Partner genervt fühlt. Die Tage der romantischen Verabredungen zum kurzen Espresso beim Türken um die Ecke sind vorbei, du hast den anderen mittlerweile in Zuständen gesehen, die all zu viel Überraschung und Romantik nicht mehr so zulassen. Und das muss nichts schlechtes bedeuten, denn Romantik ist nicht das Grundrezept für eine funktionierende Beziehung. Denn ja, Paare werden gemütlich und das kann im Kleinen beginnen. Aus „Ich liebe dich, mein Herz!“ wird eher so „Kaufst du noch Milch?“.
Die Komfortzone und ihre Tücken
Ist man für so viele Jahre ein Paar, verliert man leicht das Gefühl für die Notwendigkeit großer Gesten und ständiger Liebesbeschwörungen. Und an dieser Stelle liegt die Krux der Komfort-Zone: Rucki-zucki habt ihr einen ganzen Sonntag miteinander nur in der Unterhose verbracht. Das ist sehr gemütlich, ja. Aber nur, wenn ihr es beide macht und es so richtig geil findet. Ihr stoßt nämlich auch auf Tage, an denen ihr den Anderen in der schlabbrigen ausgewaschenen Unterbuxe seht und ihr merkt, dass das Unterhosen-Tag Nummer drei ist. Und dann sagt ihr was und zwar was saugemeines.
Ehrlichkeit und ihre Folgen
Das, was ihr sagt, wird direkter, unverblümter und ehrlicher. Mit mehr Gefühl kommt mehr Befindlichkeit - und auch mehr Wut. Ihr habt euch ja schließlich „für den Rest eures Lebens“ für den anderen entschieden, ergo soll der Rest des Lebens auch so sein, wie ihr es gerne hättet. Und darin liegt das Paradoxe: Viele Paare werfen dem Anderen vor, er würde nur noch an sich selbst denken.
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Individualität in der Beziehung bewahren
In jeder Beziehung passiert es, dass Partner irgendwie lautlos ineinander morphen, denn sie teilen die selben Lieblingskneipen, Lieblingsessen, Lieblingszukunftspläne. Vieles machen sie nur noch zu zweit: Theater, Filme und Essen gehen. Deshalb ist es immens wichtig, sich selbst dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Freundschaften zu pflegen und dem Anderen seinen Freiraum zu lassen. In einer gemeinsamen Wohnung können zwei eigene Zimmer Wunder bewirken. Lasst eurem Partner seine eigenen Entscheidungen und Vorlieben. Hört auf zu quengeln, wenn er grad nicht auf’s selbe Bock hat wie ihr. Und genießt Zeit für euch alleine, denn um so wertvoller wird dann wiederum die gemeinsam verbrachte Zeit.
Toxische Beziehungen erkennen und beenden
In manchen Fällen kann es vorkommen, dass Beziehungen toxisch werden. Toxische Beziehungen sind ungesunde Beziehungen. Das bedeutet, dass Du Dich im Laufe der Zeit in dieser Beziehung selbst verlierst. Oft findet emotionaler Missbrauch statt, Manipulation, emotionale, geistige oder auch körperliche Ausbeutung. Du wirst kleingemacht und verletzt. Dein Selbstwert schwindet mit der Zeit, genauso wie Deine Lebensfreude. Du weißt irgendwann nicht mehr, was richtig oder falsch ist. Du bist in Angst und Schuldgefühlen gefangen, Selbstzweifel quälen Dich. Du wirst immer unsicherer, versuchst passend zu sein und Dich anzustrengen, damit Dein Partner Dich liebt und weißt am Ende gar nicht mehr wer Du eigentlich bist.
Merkmale einer toxischen Beziehung
- Einseitigkeit: Eine toxische Beziehung hat kein inneres Gleichgewicht zwischen Ich und Du. Sie ist einseitig.
- Kontrollverlust: Du verlierst die Kontrolle über Dein Leben und Deine Entscheidungen. Dein Partner bestimmt, was Du tust und lässt.
- Achterbahnfahrt der Gefühle: Toxische Beziehungen haben oft einen On/Off-Charakter, sie gleichen einer emotionalen Achterbahnfahrt.
- Machtspiele: In toxischen Beziehungen geht es nicht mehr um Liebe, sondern um Macht.
- Falsche Grundannahmen: Du glaubst, dass das beziehungsuntaugliche Verhalten Deines Partners mehr mit Dir, als mit diesem selbst zu tun hat.
Der Ausstieg aus der toxischen Beziehung
Der Ausstieg aus einer toxischen Beziehung ist oft schwierig, aber notwendig, um das eigene Wohlbefinden und die Lebensqualität wiederzuerlangen. Es ist wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen und sich von Freunden und Familie unterstützen zu lassen.