Ilses Welt: Dokumentarfilme und Initiativen zur Unterstützung von Menschen mit Demenz

Demenz ist eine Herausforderung, die nicht nur Betroffene, sondern auch Angehörige und die Gesellschaft als Ganzes betrifft. Sophie Rosentreter, ehemals Model und Fernsehmoderatorin, hat sich nach persönlichen Erfahrungen dem Thema Demenz verschrieben und mit ihrer Firma "Ilses weite Welt" Projekte ins Leben gerufen, die Aufklärung leisten und den Umgang mit Demenz erleichtern sollen.

Der Deutsche Pflegepreis würdigt Engagement im Bereich Demenz

Der Deutsche Pflegepreis ist eine bedeutende Auszeichnung, die jährlich im Rahmen des Deutschen Pflegetags in Berlin verliehen wird. Er würdigt Menschen und Projekte, die sich in besonderem Maße für eine bessere Versorgung und das Wohl von Pflegebedürftigen und Pflegenden einsetzen. Im Jahr wurde Sophie Rosentreter in der Kategorie „Freund der Pflege“ für ihr Engagement und ihren öffentlichen Einsatz im Themenfeld Pflege ausgezeichnet. Lutz Bandte, Geschäftsführer der Schlüterschen Verlagsgesellschaft und Mitglied der Jury, betonte, dass Sophie Rosentreter sich aus persönlichen Erfahrungen heraus für demenzkranke Menschen einsetzt. Durch ihr Engagement entstand die Idee, mit „Ilses weite Welt“ Filme zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zugeschnitten sind. Sie rückt die Krankheit des Vergessens ins Bewusstsein der Gesellschaft - das wird mit dem Preis honoriert.

"Ilses weite Welt": Filme für Menschen mit Demenz

Die Filme von "Ilses weite Welt" sind speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zugeschnitten. Sie verzichten auf komplexe Handlungen und setzen stattdessen auf Bilder, die Erinnerungen wecken und zur Kommunikation anregen. Die Filme sollen die Sinne anregen und Betroffenen und Angehörigen schöne gemeinsame Momente schenken. Sophie Rosentreter erklärt, dass die Filme in Zusammenarbeit mit Experten, Angehörigen, Pflegern und Betroffenen entwickelt wurden, um einen Zugang zur Welt der Demenz zu ermöglichen. Zu den Filmen gibt es Begleitmaterialien wie ein Buch mit Redensarten, Märchen und Liedern, sowie Fotokarten und haptische Gegenstände.

Ein Beispiel für die Arbeit von "Ilses weite Welt" ist der Film "Hunde - unsere treuen Freunde". Dieser Film begleitet Hunde in verschiedenen Situationen, die beruhigend oder aktivierend wirken können. Er zeigt unter anderem drei Wochen alte Golden Retriever Welpen und ihre Mutter, Lehrerin Frau Gäbert und ihre Hunde bei ihrem Alltag auf dem Bauernhof. Die entspannenden Bilder und die sanfte, klassische Musik sollen positive Emotionen wecken und Erinnerungen hervorrufen.

"Demenz mit Hoffnung begegnen": Ein Dokumentarfilm für Angehörige

Sophie Rosentreter hat mit ihrem Dokumentarfilm „Demenz mit Hoffnung begegnen“ einen neuen Ansatz in der Kommunikation und Beziehung von demenziell veränderten Menschen und ihren Angehörigen geschaffen. Der Film soll Pflegenden Ängste nehmen und Pflegebedürftigen noch ein paar schöne Momente bescheren. Rosentreter, die selbst neun Jahre lang ihre demente Großmutter pflegte, kennt die Gefühle, die mit der Pflege einhergehen: „Als Omi ins Heim musste, war es fast schlimmer als ihr Tod zwei Jahre später. Wir hatten das Gefühl, versagt zu haben.“ Sie und ihre Familie nahmen in den ersten sieben Jahren der Pflege ihrer Großmutter keine Hilfe an. „Wir dachten, wir müssten das alleine schaffen. Es war doch unsere Omi.“

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In Zusammenarbeit mit einer Expertengruppe für Demenz möchte Sophie Rosentreter aufklären, das Thema Demenz enttabuisieren und den Angehörigen das schlechte Gewissen nehmen. Fragen wie: „Wie erreiche ich die Betroffenen?“, „Wie schenke ich Lebensfreude im Alltag?“ oder „Wie fühlt sich die Krankheit an?“ werden thematisiert und beantwortet. Gemeinsam mit den jeweiligen Experten führt Rosentreter in die Theorie ein und „übersetzt“ diese anschließend in die Praxis, dabei werden seltene Einblicke in die Demenz und das Leben demenziell Veränderter gewährt. Der Dokumentarfilm entstand in Zusammenarbeit mit der AOK Rheinland/Hamburg und wurde der Juni-Ausgabe der Mitgliedszeitschrift Vigo beigelegt.

Schulungen und Aufklärung für einen leichteren Umgang mit Demenz

"Ilses weite Welt" bietet seit 2012 auch Schulungen zum Thema Demenz an. Ziel ist es, aufzuklären und einen leichteren Umgang mit der Krankheit zu ermöglichen. Die Schulungen bestehen aus Grundkursen, Aufbaukursen und "Wir! Schulungen". Im Grundkurs werden die Teilnehmer abgeholt und erhalten Wissen rund um das Krankheitsbild Demenz, nicht aus medizinischer Sicht, sondern auf der Beziehungsebene. Im Aufbaukurs geht es um Beschäftigung, Kommunikation und gängige Methoden der Begegnung. In der "Wir! Schulung" werden alle Beteiligten an einen Tisch geholt, um die jeweiligen Kompetenzen der einzelnen Zielgruppen bewusst zu machen und zu stärken und so ein neues Wir-Gefühl zu vermitteln.

"Demenz ist eine gesellschaftliche Haltung"

Sophie Rosentreter betont, dass Demenz nicht nur eine Krankheit ist, sondern auch eine gesellschaftliche Haltung widerspiegelt. In unserer Gesellschaft werden ältere Menschen oft nicht mehr gebraucht und integriert. Rosentreter plädiert dafür, Menschen mit Demenz eine Aufgabe zu geben, sie weiter in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. Sie schlägt vor, Frauen, die gern gekocht haben, in der Küche helfen zu lassen, Männer Nägel sortieren zu lassen und sie mit Kindern in Kontakt zu bringen. Der Verstand nehme ab, die Seele aber bleibe und die gelte es zu erreichen - durch Zuwendung und Liebe.

Fehler in der Pflege als Chance für die Zukunft

Sophie Rosentreter und ihre Familie haben bei der Pflege ihrer Großmutter Fehler gemacht, aus denen heute andere lernen können. Sie betont, dass es wichtig ist, sich Hilfe zu holen und sich nicht zu scheuen, Unterstützung anzunehmen. Die Dokumentation „Demenz mit Hoffnung begegnen“ und die Arbeit von "Ilses weite Welt" sind ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung und Enttabuisierung des Themas Demenz. Sie zeigen, dass es möglich ist, auch mit Demenz ein erfülltes Leben zu führen und dass Liebe, Wertschätzung und eine Aufgabe entscheidend sind.

Ilses weite Welt GmbH: Demenz mit Leichtigkeit begegnen

Ilses weite Welt GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, rund um das Thema Demenz aufzuklären und diesem schweren Thema mit Leichtigkeit zu begegnen, die andere Seite der Medaille zu zeigen und Hoffnung zu geben. Im Heim beobachtete Sophie Rosentreter, wie die Menschen immer gerne vor dem Fernseher geparkt werden, aber mit dem herkömmlichen Fernsehprogramm völlig überfordert sind und sich in ihre eigene Welt zurückziehen. Da sie aus der Filmbranche kommt, entstand die Idee, Filme für Menschen mit Demenz zu machen, die keine komplexen Handlungen aufweisen, sondern Bilder die Erinnerungen wecken und zum Gespräch einladen.

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Das Beschäftigungskonzept von Ilses weite Welt

Die Filme von Ilses weite Welt sind ein Türöffner in die Welt der Demenz. Zu diesen neuartigen Filmen gibt es Begleitmaterial, wie ein Buch mit Redensarten, Märchen und Liedern, sowie Fotokarten und haptischen Gegenständen. Mit diesem Konzept möchte Ilses weite Welt Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen helfen, schöne gemeinsame Momente zu erleben und die Kommunikation zu erleichtern. Sophie Rosentreter wendet sich an die Gesellschaft in der Hoffnung aufzuklären: „Da die Gesellschaft nicht auf uns zukommt, liegt es an uns auf Sie zu zugehen oder auch zu ihr nach Hause zu kommen.“ Sophie Rosentreter und die AOK beweisen mit diesem Projekt, dass es ein Zeichen von Stärke ist, sich Hilfe zu holen.

Ein Ratgeber für den Alltag mit Demenz: "Zahncreme auf Spaghetti"

Im Oktober erscheint der Ratgeber „Zahncreme auf Spaghetti“. Zusammen mit anderen Autoren und Autorinnen klärt Sophie Rosentreter darin über den alltäglichen Umgang mit Dementen auf. Ursprünglich sollte sich das Buch vor allem an die Hauswirtschaft in stationären Einrichtungen richten, nun aber ist es für jeden Betroffenen gedacht. Die Kernbotschaft lautet wieder: Gebt den Menschen Wertschätzung und eine Aufgabe. „Da kann dann der Heimbewohner auch beim Zusammenlegen der Wäsche helfen.“

Die gnädige Grenze der Demenz

„Irgendwann“, so erzählt Rosentreter, „kommen die Dementen an eine gnädige Grenze.“ Dann nämlich vergessen sie, dass sie nicht mehr so können, wie sie wollen, und sie leben in der Erinnerung als sie zwischen fünf und 25 Jahren waren. Deswegen rufen so viele nach ihren Müttern, erkennen Ehepartner und Kinder nicht - und sie trauen sich eine Menge zu - auch sexuell. „Mal machen sie jungen Pflegerinnen oder Pflegern ganz eindeutige Avancen, ein anderes Mal entwickeln sich neue Liebschaften unter den Pflegeheimbewohnern, was für den pflegenden Ehepartner sehr schmerzlich ist.“

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