Nach der Entfernung eines Hirntumors kann es in manchen Fällen zu einer wiederkehrenden Ansammlung von Flüssigkeit im Gehirn kommen. Dieses Phänomen, oft als Hydrozephalus bezeichnet, kann verschiedene Ursachen haben und erfordert eine sorgfältige Diagnose und Behandlung. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten eines Hydrozephalus nach Tumorentfernung im Gehirn.
Was ist ein Hydrozephalus?
Ein Hydrozephalus, umgangssprachlich auch als "Wasserkopf" bekannt, ist eine Erkrankung, bei der sich übermäßig viel Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) im Schädelinneren ansammelt. Normalerweise wird der Liquor in den Hirnkammern (Ventrikeln) produziert, zirkuliert um das Gehirn und Rückenmark und wird dann wieder in den Blutkreislauf aufgenommen. Ein Ungleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss des Liquors führt zu einem Hydrozephalus.
Ursachen für wiederkehrende Flüssigkeit nach Tumorentfernung
Ein Hydrozephalus kann sich nach einer Tumorentfernung aus verschiedenen Gründen entwickeln:
- Verstopfung der Liquorwege: Tumore können die natürlichen Abflusswege des Liquors blockieren. Auch nach der Entfernung des Tumors können Narben oder Gewebeveränderungen die Zirkulation behindern. Eine solche Blockade kann durch Tumore, Blutgerinnsel, Membranen (Gewebebrücken) oder Narbengewebe verursacht werden.
- Unzureichende Absorption von Liquor: Nachdem der Liquor das Gehirn umspült hat, wird er in das venöse Blutsystem aufgenommen. Ist dieser Prozess gestört, etwa durch Entzündungen oder Blutungen, kann sich Nervenwasser ansammeln.
- Kommunikationsstörung: Nicht selten fließt der Liquor normal durch die Hirnkammern, kann aber im Subarachnoidalraum nicht richtig zirkulieren, was zu einer Ansammlung führt.
- Entzündungen und Blutungen: Operationen im Gehirn können Entzündungen und Blutungen verursachen, die den Liquorfluss beeinträchtigen und zu einer Ansammlung führen.
- Verstärkte Produktion von Liquor: In sehr seltenen Fällen wird zu viel Liquor im Gehirn produziert.
Es ist zu beachten, dass die genauen Auslöser des Hydrocephalus in vielen Fällen nicht eindeutig bestimmt werden können, oft wirken auch mehrere Faktoren zusammen.
Arten von Hydrozephalus
Es gibt verschiedene Arten von Hydrozephalus, die sich in ihrer Ursache und ihrem Verlauf unterscheiden:
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- Kommunizierender Hydrozephalus (Hydrocephalus communicans): Der Liquorfluss zwischen den Hirnkammern und dem Subarachnoidalraum ist nicht blockiert. Das Problem liegt meist in der unzureichenden Aufnahme des Liquors. Auslöser können etwa Entzündungen, Blutungen oder Infektionen sein.
- Nichtkommunizierender Hydrozephalus (Hydrocephalus occlusus oder obstruktiver Hydrocephalus): Der Liquorfluss ist zwischen den Hirnkammern durch eine Blockade oder Verengung gestört. Dies kann beispielsweise durch einen Tumor, eine Fehlbildung oder durch Entzündungsgewebe verursacht werden.
- Normaldruckhydrocephalus (NPH, Normal Pressure Hydrocephalus; Sonderform des kommunizierenden Hydrocephalus): Wie der Name schon sagt, ist bei dieser Art der Druck im Schädelinneren normal. Die genaue Ursache des NPH ist oft unbekannt. Hauptsymptome sind Gangunsicherheit, Gedächtnisstörungen oder Inkontinenz.
- Hydrocephalus e vacuo: Hierbei handelt es sich nicht um einen Hydrocephalus im eigentlichen Sinne, sondern um die Folgen einer Hirnatrophie, also der Abnahme des Hirnvolumens.
Symptome eines Hydrozephalus
Die Symptome eines Hydrozephalus können je nach Alter des Patienten, der Art des Hydrozephalus und der Geschwindigkeit, mit der sich die Flüssigkeit ansammelt, variieren.
Symptome bei Erwachsenen
- Anhaltende Kopfschmerzen
- Sehbeeinträchtigungen
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Müdigkeit
- Schwindel
- Übelkeit und Erbrechen
- Lähmungen
- Sprachstörungen
- Persönlichkeitsveränderungen
- Veränderungen beim Sehen, Riechen, Hören oder beim Tasten
- Krampfanfälle
- Müdigkeit bis hin zu Bewusstseinsstörungen
Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern
- Übermäßiges Wachstum des Kopfumfangs
- Vorgewölbte Fontanelle (weiche Stelle am Kopf)
- Gespannt wirkende Kopfhaut
- Schläfrigkeit oder Reizbarkeit
- Erbrechen
- Fütterungsschwierigkeiten
- Blick nach unten (Sonnenuntergangszeichen)
- Entwicklungsverzögerungen
- Schrilles Schreien
- Unruhe
- Lethargie
- Trinkunlust/Nahrungsverweigerung
- Schiefhaltung des Kopfes bei Lähmung von Hirnnerven
Diagnose eines Hydrozephalus
Zum Erkennen eines Hydrocephalus (Gehirnwassersucht) sind eine sorgfältige medizinische Untersuchung und spezifische bildgebende Verfahren erforderlich. Die Diagnose basiert auf den Anzeichen der Betroffenen, der Anamnese und den Ergebnissen der bildgebenden Diagnostik.
- Neurologische Untersuchung: Ein Arzt/eine Ärztin wird zunächst die klinischen Symptome und die medizinische Vorgeschichte der Betroffenen bewerten.
- Bildgebende Verfahren:
- Computertomographie (CT): Eine CT-Aufnahme des Gehirns kann schnell und einfach eine Erweiterung der Hirnventrikel zeigen.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Eine MRT bietet noch detailliertere Bilder und kann die Ursache des Hydrozephalus besser darstellen.
- Ultraschall: Bei Säuglingen mit offenen Fontanellen kann ein Ultraschall des Gehirns durchgeführt werden, um die Ventrikel zu beurteilen.
- Lumbalpunktion (LP): Bei dieser Prozedur wird eine kleine Menge Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit aus dem Wirbelsäulenkanal entnommen, um den Liquordruck zu messen und den Liquor auf Anomalien zu untersuchen.
In einigen Fällen können zusätzliche Tests durchgeführt werden, um den Liquorfluss zu beurteilen oder die Reaktion des Gehirns auf temporäre Veränderungen im Liquordruck zu bewerten.
Behandlung eines Hydrozephalus
Die Behandlung eines Hydrozephalus zielt darauf ab, den Liquorabfluss wiederherzustellen und den Druck im Gehirn zu senken. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die je nach Ursache und Schweregrad des Hydrozephalus eingesetzt werden:
- Externe Ventrikel-Drainage (EVD): Eine externe Ventrikel-Drainage (EVD) ist ein Notfallverfahren. Sie kann schnell gelegt werden kann, ist aber keine dauerhafte Therapiemöglichkeit. Bei der EVD führt man einen Schlauch in die Hirnventrikel, um Liquor abzulassen. Um den Schlauch (Katheter) zu legen, muss ein kleines Loch in die Schädeldecke gebohrt werden. Der Katheter kann nach dem Eingriff noch für einige Tage liegen bleiben, um weiteres Hirnwasser abtropfen zu lassen. Die EVD ist ein invasives Verfahren und infektionsanfällig.
- Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die Liquorproduktion zu reduzieren oder die Flüssigkeitsausscheidung zu fördern. Mit Furosemid und Acetazolamid stehen zwei harntreibende Medikamente zur Verfügung, um die Flüssigkeitsausscheidung des Körpers erhöhen. Die Behandlung mit diesen Medikamenten muss engmaschig kontrolliert werden, weil sie Nebenwirkungen haben und zum Beispiel die Mineralstoffe im Körper (Elektrolythaushalt) beeinflussen. Besonders Acetazolamid ist bei Neugeborenen problematisch. Daher eignet sich die pharmakologische Therapie nicht als Langzeitbehandlung, sondern nur für den kurzfristigen Einsatz.
- Ventrikulozisternostomie (VCS): Eine Ventrikulozisternostomie wird empfohlen, wenn der Hydrocephalus durch eine Verstopfung in den Abflusswegen des Liquors entsteht, etwa durch Tumore, Blutungen oder Infektionen. Mit Hilfe eines sehr kleinen Endoskops kann präzise die Ursache der Liquorflussbehinderung beseitigt werden. Bei diesem Verfahren legt man einen Verbindungsschlauch zwischen die Hirnventrikel und die Cisternae subarachnoidales. In diesen natürlichen Erweiterungen wird normalerweise der Liquor abgebaut. Weil es zu Komplikationen wie Blutungen, Infektionen und Fisteln kommen kann, wird dieses Verfahren selten angewandt. Der Eingriff ist nur sinnvoll, wenn lediglich der Transport oder die Zirkulation gestört sind, nicht der Abbau des Hirnwassers.
- Liquor-Shunt: Der Liquor-Shunt wird am häufigsten eingesetzt. Er ist bei einem Hydrocephalus das Therapiemittel erster Wahl. Ein Shunt ist ein Schlauchsystem mit zwischengeschaltetem Ventil, welches bei einem gewissen Eröffnungsdruck ein Abfließen des Liquors meist in den Bauchraum hinein gewährleistet. Es gibt verschiedene Arten:
- Der ventrikuloperitoneale Shunt leitet das Hirnwasser aus den Liquor-Räumen in die Peritonealhöhle im Bauch.
- Der ventrikuloatriale Shunt verläuft von den Hirnventrikeln zum Vorhof des Herzens. Er wird nur eingesetzt, wenn es zu Komplikationen beim ventrikuloperitonealen Shunt kommt.
- Theoretisch kann man einen lumboperitonealen Shunt einsetzen, der den Wirbelkanal und die Peritonealhöhle verbindet. Diese Variante kommt nur zum Einsatz, wenn die Liquor-Räume im Gehirn nicht gut zugänglich sind.
Ein Liquor-Shunt besteht aus drei Komponenten: Ein abführender Schlauch leitet das Hirnwasser aus den Liquor-Räumen, ein Ventil reguliert den Fluss und ein zuführender Schlauch leitet den Liquor in die Peritonealhöhle (oder in den Vorhof des Herzens). Oft bauen die Ärzte kurz vor dem Ventil noch ein Reservoir ein. Damit kann man Liquor für Untersuchungen entnehmen und den Abfluss besser steuern. Bei Erwachsenen kann man den Liquor-Shunt im Körper implantieren, dann ist das Schlauchsystem von außen kaum sichtbar. Weil Kinder mit der Zeit aus dem System „herauswachsen“, muss der Shunt außen verlaufen, um an die Körpergröße angepasst zu werden. Eine regelmäßige ambulante Nachsorge ist Pflicht: Dabei messen die behandelnden Ärzte den Kopfumfang und fragen nach dem Befinden oder den Beschwerden. Das Ventil muss regelmäßig neu eingestellt werden, damit immer die richtige Menge an Hirnwasser abfließen kann.
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Prognose
Die Prognose eines Hydrozephalus hängt von der Ursache, der Art und dem Schweregrad der Erkrankung sowie vom Zeitpunkt der Diagnose und Behandlung ab. Bei frühzeitiger Diagnose und adäquater Behandlung können viele Patienten ein normales Leben führen. Unbehandelt kann ein Hydrozephalus zu schweren neurologischen Schäden und sogar zum Tod führen.
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