Multiple Sklerose im Fokus: Charaktere, Freundschaft und Akzeptanz

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Die Symptome sind vielfältig und können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Die Diagnose MS stellt nicht nur den Betroffenen selbst vor große Herausforderungen, sondern auch deren soziales Umfeld. Freundschaften und Beziehungen werden auf die Probe gestellt, und es zeigt sich, wer wirklich an der Seite des Erkrankten steht.

Freundschaften und MS: Eine Frage der Akzeptanz

Eine persönliche Erfahrung zeigt, wie wichtig Akzeptanz und Verständnis im Umgang mit MS-Erkrankten sind. Im Jahr 2014 lernte ich Alex kennen und wusste von seiner MS-Erkrankung, aber das hielt mich nicht im Geringsten davon ab, eine Freundschaft mit ihm einzugehen. Entweder nimmt man die Menschen, wie sie sind, oder man hält sich fern. Oftmals bekam ich mit, wenn Alex ganz offen über seine MS-Erkrankung sprach, dass die Leute zuerst total überrascht sind und dann solche Sätze fielen wie: „Was? Echt jetzt? Du? Das sieht man Dir gar nicht an. Und wie geht es Dir damit?!“

Es ist entscheidend, Menschen mit MS nicht aufgrund ihrer Erkrankung zu beurteilen oder auszugrenzen. Wahre Freunde stehen einem zur Seite, sind verständnisvoll und versuchen, einen aufzumuntern, wenn es einem mal nicht so gut geht. Am Anfang, als ich Alex kennenlernte, erzählte er mir, wie es war, als er die Diagnose MS bekam. Ich fragte natürlich auch, wie seine Freunde reagierten - da trennte sich wohl die Spreu vom Weizen. Denn einige, bei denen er es nie für möglich gehalten hätte, wandten sich tatsächlich ab. Engere Freundschaften gingen auseinander.

Wenn sich Wege trennen: Chronische Erkrankung als Belastungsprobe

Chronische Erkrankungen können bestehende Freundschaften belasten und sogar zum Bruch führen. Aufgrund meiner chronischen Erkrankung ist mir das Kinderkriegen nur schwer bis gar nicht möglich. Meine damaligen Freundinnen wussten davon, hatten mich aber immer wieder versucht zu motivieren, mich aufzumuntern und anzutreiben. Bis sie selbst schwanger wurden. Sie lernten Gleichgesinnte kennen, dann kam der Kindergarten, dann kam das zweite Kind. Sie lernten andere Mütter und Väter kennen und so gingen die Interessen weit auseinander. Die Zeit miteinander wurde immer weniger, der Kontakt wurde weniger und schließlich brach er ganz ab. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass es sie nicht mehr interessiert hatte, wie es mir geht, weil sie mit anderen Dingen beschäftigt waren. Das war sehr bitter für mich. Manchmal muss man Menschen aufgeben.

Diese Freunde haben es meiner Meinung nach, nicht verstanden - nicht wirklich gefragt, sich nicht bemüht, auch mal nachzuhaken, was es überhaupt für jemanden bedeutet, chronisch erkrankt zu sein. Nichts. Es ist schmerzhaft, solche Erfahrungen zu machen, geradezu verletzend und enttäuschend. Aber es zeigt uns den wahren Charakter von sogenannten „Freunden“. Es hat einen bestimmten Grund, warum sie den Weg mit uns nur bis dorthin geschafft haben. Manchmal muss man den Tatsachen einfach ins Auge sehen und loslassen. Ich sage dazu nur: Diese Menschen haben es nicht verdient, mit uns befreundet zu sein! Denn lieber einen oder zwei wahre Freunde, als solche, die nur dann da sind, wenn alles rund läuft oder nur, wenn es ihnen passt.

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Wahre Freunde: Ein Anker in schwierigen Zeiten

Umso schöner ist es, wenn man dann sieht, wer geblieben ist! Wahrscheinlich hat man gerade mit diesen Menschen nicht gerechnet, weil man vielleicht nicht so den engen Kontakt gepflegt, sich aber doch nie aus den Augen verloren hat. Diese Menschen stehen dann plötzlich da und setzen sich zu Dir, wenn du unten am Boden bist, statt Dir einfach nur zu zeigen, wie Du wieder aufstehst.

MS in der Fiktion: "In aller Freundschaft" als Spiegel der Realität

Die Thematik MS wird auch in der fiktiven Welt der Arztserie "In aller Freundschaft" aufgegriffen. Dort werden die Herausforderungen, mit denen MS-Patienten und ihr Umfeld konfrontiert sind, thematisiert.

Alina Carini: Familiäre Veranlagung und die Angst vor der Zukunft

In einer Folge der Serie wird die passionierte Eisläuferin Alina Carini in die Notaufnahme eingeliefert, nachdem sie sich beim Training verletzt hat. Nach einer notwendigen OP zeigt Alina auf einmal eine Sehstörung und gibt weitere neurologische Symptome an. Ihr schrecklicher Verdacht: Könnte sie die Multiple Sklerose ihrer Mutter geerbt haben? Ausgerechnet ein Fall mit familiärer Komponente - das triggert Florian, der den Tod seines Vaters durch Alzheimer miterleben musste und voraussichtlich selbst irgendwann erkranken wird. Sowohl Alina als auch Florian müssen sich mit ihrem schweren Erbe auseinandersetzen und lernen, mit ihrer bevorstehenden Zukunft umzugehen.

Melanie Jahnke: Der zerstörte Traum vom Medizinstudium

In einer anderen Episode wird Melanie Jahnke nach einem Unfall in die Sachsenklinik eingeliefert. Dr. Kreutzer diagnostiziert bei Melanie Multiple Sklerose. Arthur überbringt Melanie die Nachricht, dass sie die Zulassung zum Medizinstudium erhalten hat. Roland weiß nicht, wie er den beiden die schlechten Neuigkeiten vom bestehenden MS-Verdacht vermitteln soll. Weitere Untersuchungen erhärten leider den Verdacht. Dann klärt Roland Melanie über die Krankheit auf. Schließlich bemerkt sie zynisch, dass sie sich lieber tot gefahren hätte, als diese Krankheit zu akzeptieren.

Diese fiktiven Geschichten verdeutlichen die emotionalen und psychischen Belastungen, die mit einer MS-Diagnose einhergehen können. Sie zeigen auch, wie wichtig es ist, Betroffene in ihrem Kampf gegen die Krankheit zu unterstützen und ihnen Hoffnung zu geben.

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"Mongos": Theaterstück über Freundschaft und Akzeptanz

Das Theaterstück "Mongos" von Sergej Gößner erzählt die Geschichte von Ikarus und Francis, die sich in einer Reha-Klinik kennenlernen. Der eine sitzt im Rollstuhl, der andere hat eine besonders schlimme Form von Multipler Sklerose. Die beiden lernen sich in der Reha-Klinik kennen, nerven sich gewaltig und werden trotzdem beste Freunde. Ikarus im Rollstuhl ist der Draufgänger, der immerzu über Frauen und Sex reden möchte, Francis ist mehr von der Sorte kluger Poet. Ein bisschen erinnern die zwei an die Protagonisten aus Wolfgang Herrndorfs „Tschick“. Auch sie durchleben eine Art von Coming of Age, zwar nicht im Auto, dafür aber mit Krücken und im Rolli.

Das Stück thematisiert auf humorvolle und berührende Weise den Umgang mit Behinderungen und die Bedeutung von Freundschaft. Die Schauspieler schlüpfen vor aller Augen in die Rollen der „Krüppel“, die sie spielen. Sie stellen diese Behinderungen aber niemals aus, obwohl die körperlichen Einschränkungen ein wichtiges Thema sind. Die Bühne ist leer, manchmal gibt es Musik aus einem MP3-Player, den die Schauspieler selbst bedienen. Mehr ist da nicht, und mehr braucht es auch nicht, da die Schauspieler die zwei pubertären Burschen mit einer solch großen Präsenz spielen.

"Mongos" zeigt, wie Respekt geht: Sich als Menschen zu behandeln, genauso wie wenn sie keine Behinderung hätten. Vor diesem Hintergrund spielt sich in diesen knapp eineinviertel Stunden des Stücks „Mongos“ von Sergej Gößner vor allem die Annäherung zweier völlig unterschiedlicher Typen ab: Von der Ablehnung des Zwangsgenossen - es gibt anfangs fast keine echte gemeinsame Gesprächsbasis - bis hin zur Freundschaft.

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