Manuelle Lymphdrainage: Indikationen, Anwendung und Nutzen, insbesondere bei Migräne

Die manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine spezielle Therapieform, die in der Physiotherapie Anwendung findet. Sie dient vor allem als Ödem- und Entstauungstherapie ödematöser Körperregionen, wie Körperstamm und Extremitäten (Arme und Beine), welche nach Traumata oder Operationen entstehen können. Obwohl die Anwendung bei Migräne nicht zu den klassischen Indikationen gehört, gibt es Hinweise auf positive Effekte, die im Folgenden näher beleuchtet werden.

Was ist Manuelle Lymphdrainage?

Die Manuelle Lymphdrainage ist die geeignete Therapie zur Behandlung lymphostatischer Ödeme, die sich durch ungenügende Transportkapazität der Lymphgefäße bei normaler lymphpflichtiger Last kennzeichnen. Darunter fallen angeborene (primäre) sowie sekundäre Lymphödeme. Die klassische Indikation ist das sekundäre Lymphödem des Armes nach Brustkrebsoperationen.

Die MLD ist eine Therapieform der physikalischen Anwendungen. Die ML ist die geeignete Therapie zur Behandlung lymphostatischer Ödeme, die sich durch ungenügende Transportkapazität der Lymphgefäße bei normaler lymphpflichtiger Last (auch „Niedrigvolumeninsuffizienz“) kennzeichnet. Darunter fallen angeborene (primäre) sowie sekundäre Lymphödeme.

Die Vodder-Methode

Die vier Grundgriffe nach Vodder, die in Zusammenarbeit mit Günther Wittlinger entwickelt wurden, sind: stehender Kreis, Pumpgriff, Schöpfgriff und Drehgriff. Diese werden an die verschiedenen Körperregionen angepasst. Durch verschiedene Grifftechniken soll das Lymphsystem aktiviert werden, indem vor allem die Pumpleistung der Lymphgefäße, genauer der Lymphangione, verbessert wird. Die Frequenz der Lymphangione beträgt unter Ruhebedingungen ca. 10-12 Kontraktionen pro Minute, dies kann auf bis zu 20 gesteigert werden. Der Therapeut erzeugt durch die Griffe mit ihrem wechselnden Druck einen Reiz für das Gewebe. Die glatten Muskelzellen der Lymphangione beantworten diesen Reiz mit erhöhter Pumpfrequenz.

Wirkungsweise

Durch verschiedene Grifftechniken soll das Lymphsystem aktiviert werden, indem vor allem die Pumpleistung der Lymphgefäße, genauer der Lymphangione, verbessert wird. Die Frequenz der Lymphangione beträgt unter Ruhebedingungen ca. 10-12 Kontraktionen pro Minute[1], dies kann auf bis zu 20 gesteigert werden. Der Therapeut erzeugt durch die Griffe mit ihrem wechselndem Druck (Druckphase mit Quer- und Längsdehnung der Haut bzw Nullphase - nur Hautkontakt wird gehalten) einen Reiz für das Gewebe. Weitere Wirkungen neben der entödematisierenden sind die sympathikolytische (Patienten werden ruhig, Anregung des Magen-Darm-Traktes), die schmerzlindernde (Mechanismus der Gate-Control-Theorie)[4] und die tonussenkende Wirkung auf die Skelettmuskulatur. Die Druckrichtung ergibt sich aus den von der Manuellen Lymphdrainage erreichbaren Lymphgefäßen und muss immer in Richtung Extremitätenwurzel (Arm, Bein) bzw allg. zum Terminus (Endstation des Lymphgefäßsystems in der Vereinigung der Vena subclavia und der Vena jugularis interna im Bereich des Schlüsselbeines) zielen. Dadurch wird die Lymphe zu den zentralen großen Lymphstämmen geleitet.[5] Außerdem kann der Therapeut eiweißreiche Ödemflüssigkeit durch das oberflächliche Lymphgefäßsystem, dass den Körper wie ein Netz überzieht über die sog. Wasserscheiden von einem gestauten Körperareal in ein gesundes Areal verschieben.

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Die manuelle Lymphdrainage bewirkt dabei keine Mehrdurchblutung wie in der klassischen Massage. Die ML hat 3 wichtige Effekte, die alle wissenschaftlich untersucht und bestätigt worden sind:Die Manuelle Lympdrainage hat einen sehr grossen beruhigenden Charakter. Oftmals schlafen die PatientInnen bereits nach wenigen Minuten ein. Rhythmischer, monotone Abfolgen und eine gute Therapeutenhand sind Grundvoraussetzung für diesen Behandlungserfolg.

Indikationen für Manuelle Lymphdrainage

Die Indikationen der manuellen Lymphdrainage sind sehr vielfältig, denn sie greift mit ihrer Wirkung in völlig unterschiedliche physiologische Funktionen des menschlichen Körpers ein. Sie stellt eine Alternative oder wesentliche Ergänzung zu bisherigen Therapien aus dem großen Katalog der physikalischen Therapie dar.

Zu den Hauptindikationen gehören:

  • Lymphödeme: Umfangreiche Lymphödeme der Extremitäten. Das können primäre oder sekundäre Lymphödeme sein, wie sie z. B. nach Ablatio mammae mit Entfernung der axillären Lymphknoten auftreten; oder nach Strahlenschädigung der axillären oder inguinalen Lymphknoten, oder der iliakalen oder lumbalen Lymphbahnen. Wenn hier die manuelle Lymphdrainage auch nur in wenigen Fällen völlige Ödemfreiheit erzielen kann, so schafft sie doch durch die Verringerung des Ödemausmaßes eine deutliche Besserung des Allgemeinbefindens. Die Kombination von ML, Kompressionsverband und Bewegungstherapie führt zu einer optimalen Ödemreduktion.

  • Traumatische Schädigungen: Haematome, Distorsionen, Muskelfaserriß, Behandlung nach Luxationen.

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  • Frakturen: Die ML-Therapie der Haematome bei Frakturen ist ein wesentlicher Beitrag, um der Sudeckschen Dystrophievorzubeugen. Auch bei der operativen Versorgung von Frakturen kann vor und nach der Operation die manuelle Lymphdrainage eingesetzt werden.

  • Sudecksche Dystrophie: Die Sudecksche Dystrophie ist in allen Stadien eine wichtige Indikation für die manuelle Lymphdrainage. Hier spielt neben der Entödematisierung die schmerzlindernde Wirkung der ML eine große Rolle. Dadurch werden relativ bald passive und aktive Bewegungsübungen möglich.

  • Narbenbehandlung: Bei einer bereits bestehenden Narbe wird eine Wiederherstellung des gestörten Lymphabflusses erzielt. Wenn Operationsnarben Lymphbahnen unterbrechen und sich dort lokale Ödeme bilden, lassen sich die Ödeme abdrainieren und bei der Narbenbehandlung die Verbindung der unterbrochenen Lymphbahnen wiederherstellen. Hyperkeratotische Narben verlieren Juckreiz und Rötung und werden weich. Oft werden durch die Behandlung operative Narbenkorrekturen überflüssig. Besonders bewährt hat sich die manuelle Lymphdrainage nach kosmetischen Operationen.

  • Rheumatische Erkrankungen: Durch die schmerzlindernde Wirkung sowie durch die Entödematisierung kann eine bessere Beweglichkeit erzielt werden. Soweit es sich um subakute Krankheitsbilder handelt, sind die Regeln der Behandlung bei chronischer Entzündung zu beachten: Beginn mit kurzer Behandlungszeit und langsamer Steigerung. Treten keine Zeichen einer akuten Reaktion auf, kann auf die volle Behandlungszeit gesteigert werden. Hier bieten sich vor allem die rheumatischen Gelenkserkrankungen zur Behandlung an.

  • Weichteilrheumatismus: Die Krankheiten der Gruppe des Weichteilrheumatismus (wie Tendinitis, Tendoperiostitis, Tendovaginitis, Bursitis, Periarthritis, Periarthrosen, Carpaltunnelsyndrom) zeichnen sich durch gute Behandlungsergebnisse bei relativ langer Einzelbehandlungszeit aus.

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  • Zahnheilkunde: In der Zahnheilkunde wird die ML als wirksame Kombination bei Kieferregulation verwendet und nach Zahnextraktionen und Operationen erfolgreich eingesetzt.

  • Chronische Entzündungen: Bei chronischen Entzündungen (wie chronischer Schnupfen, chronische Tonsillitis, chronische Sinusitis, chronische Bronchitis) bringt die manuelle Lymphdrainage gute Behandlungserfolge.

  • Neurologische Erkrankungen: Erfahrungsgemäß ergeben Krankheiten, die mit lokalen Ödemen im Cerebralbereich(Schlaganfall, Schädel-Hirntrauma) einhergehen, ein Einsatzgebiet für die ML. Innerhalb des knöchernen Schädels finden sich keine Lymphgefäße. Die dort entstehende lymphpflichtige Last wird über die Virchow-Robinschen Räume in den Gefäßwänden und über die Arachnoidalscheiden entlang der Riechnerven und Sehnerven zu den Lymphgefäßen von Hals und Gesicht abdrainiert. Durch die Mundinnendrainage ist eine cerebrale Entstauung möglich. Auf diesem Wege lassen sich Commotio cerebri, Apoplexie, Kopfschmerz, Migräne und das Menieresche Syndrom günstig beeinflussen. Auch Krankheiten, die mit lokalen Ödemen im Bulbus, Rückenmark oder im Verlauf der peripheren Nerven einhergehen, zeigen unter ML-Therapie deutliche Besserung.

  • Dermatologie: In der Dermatologie läßt sich die ML bei Akne und Rosacea erfahrungsgemäß mit Erfolg einsetzen.

  • Postthrombotisches Syndrom: Ödematöse Veränderungen beim postthrombotischen Syndrom können ebenso abdrainiert werden, wie auch Ulcera cruris verschiedener Genese (venös, arteriell und diabetisch) durch ML zur Abheilung gebracht werden.

  • Weitere Indikationen: Es gibt noch eine Reihe anderer lndikationen, die auf neueren Erfahrungen mit der ML beruhen, als Beispiel seien genannt Mastodynie, die sogenannte "Cellulitis", Fibromyalgie, Sklerodermie. Bei Milchstau im Wochenbett, so zeigt es eine Studie des EVK in Düsseldorf, kommt es nach ein bis max. zwei ML-Behandlungen zum Milcheinschuß. Die bis dato dort eingesetzten Medikamente wurden nicht mehr verordnet. Vodders manuelle Lymphdrainage kommt aber auch den Gesunden zugute.

Indikationen / Beschwerden bei denen die MLD angewendet werden kann:

  • Lymphödem
  • Phlebo-lymphostatisches Ödem
  • Posttraumatisches/postoperatives Ödem
  • Lipödem/Lipolymphödem
  • Zyklisch-idiopathisches Ödem
  • Bewegungsapparat-Erkrankungen bei rheumatischen Erkrankungen
  • Sklerodermie
  • Weitere Indikationen sind sämtliche orthopädischen und traumatologischen Erkrankungen, die mit einer Schwellung einhergehen (z. B. Verrenkungen, Zerrungen, Verstauchungen, Muskelfaserrisse).

Manuelle Lymphdrainage bei Migräne

Obwohl die wissenschaftliche Evidenz für die Anwendung der MLD bei Migräne begrenzt ist, gibt es einige Überlegungen, die diese Therapieform als potenziell hilfreich erscheinen lassen.

Mögliche Wirkmechanismen

  • Entstauung im Kopfbereich: Wie bereits erwähnt, können durch die Mundinnendrainage cerebrale Entstauungen erreicht werden. Dies könnte bei Migräne von Vorteil sein, da einige Theorien eine Beteiligung von Entzündungsprozessen und erhöhter Flüssigkeitsansammlung im Gehirn vermuten.

  • Schmerzlinderung: Die schmerzlindernde Wirkung der MLD, die auf dem Mechanismus der Gate-Control-Theorie beruht, könnte bei Migräneattacken helfen, die Schmerzen zu reduzieren.

  • Sympathikolytische Wirkung: Die sympathikolytische Wirkung der MLD kann zu einer Entspannung führen, was bei Migräne, die oft mit Stress und Anspannung einhergeht, von Vorteil sein kann.

Studienlage

Es gibt nur wenige Studien, die die Wirksamkeit der MLD bei Migräne untersucht haben. Einige Studien deuten auf eine mögliche Reduktion der Migränefrequenz und -intensität hin, jedoch sind diese Ergebnisse nicht eindeutig und bedürfen weiterer Forschung.

Praktische Anwendung

Bei der Behandlung von Migräne mit MLD werden spezielle Griffe angewendet, die auf den Kopf- und Halsbereich abzielen. Ziel ist es, den Lymphabfluss aus dem Kopf zu fördern und so die Entstauung zu unterstützen.

Kontraindikationen

Es gibt jedoch auch Kontraindikationen, die beachtet werden müssen:

  1. Jedes metastasierende oder generalisierte carcinomatöse Krankheitsgeschehen ist von der ML-Therapie auszuschließen.
  2. Akute Entzündungen (bakteriell, viral oder durch andere Fremdkörper) sind für die ML-Therapie nicht geeignet.
  3. Jede Thrombose mit Emboliegefahr stellt eine absolute Kontraindikation dar.

Man unterscheidet absolute und relative Kontraindikationen: zu den absoluten zählen unbehandelte Malignome, rezente Thrombosen bzw Thromboembolien, akute septische Entzündungen sowie dekompensierte Herzinsuffizienz (NYHA III bzw IV). Relative Kontraindikationen sind z.b. chronische Entzündungen, abgelaufene thrombosen, Hypotonie, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Schwangerschaft oder Asthma bronchiale.

Außerdem gibt es Krankheitsbilder, bei denen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten sind.

Weitere Therapiemöglichkeiten

Neben der Manuellen Lymphdrainage gibt es eine Vielzahl weiterer Therapiemöglichkeiten, die bei verschiedenen Beschwerdebildern eingesetzt werden können.

Krankengymnastik

Die Krankengymnastik ist eine Therapiemöglichkeit innerhalb der Physiotherapie, mit der verschiedenste Beschwerdebilder aus vielen medizinischen Fachbereichen therapiert werden. Sie umfasst sowohl aktive als auch passive Therapieformen, die nur von ausgebildeten Physiotherapeuten durchgeführt werden darf. Ziel der Krankengymnastik ist es, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des Körpers zu verbessern.

Je nach Beschwerden und Krankheitsbild des Patienten stehen dem Physiotherapeuten unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:

  • Förderung der Beweglichkeit durch aktive und funktionelle Übungen
  • Vermeidung von Versteifungen und Schmerzen durch passive Mobilisation
  • Stärkung von geschwächten Muskeln durch kräftigende Übungen zur Haltungs- und Koordinationsverbesserung
  • Entspannungsübungen für verspannte Muskeln zur Wiederherstellung optimaler muskulärer Voraussetzungen
  • Atemübungen zur Unterstützung der Atmung bei Atemwegserkrankungen (Lockerung, Mobilisation, Sekretlösung, Erleichterung der Atmung)

Mit Hilfe eines individuell erstellten Übungsplans, wird dem Patienten ebenfalls gezeigt, wie er seinen Beschwerden im Alltag mit gezielten Übungen entgegenwirken kann. Dies sollte bestenfalls während und nach einer Krankengymnastikbehandlung erfolgen, um langfristig eine Verbesserung zu erzielen.

Manuelle Therapie

Die Manuelle Therapie befasst sich mit der gezielten Untersuchung und Behandlung von Funktionsstörungen/Fehlfunktionen des Bewegungsapparates (Gelenke, Nerv- und Muskelsystem). Bekannte Beschwerden, die eine Manuelle Therapie erfordern sind zum Beispiel:

  • Kopfschmerzen
  • Kiefergelenksstörungen
  • Rücken- und „Bandscheiben“beschwerden
  • Schmerzen im Bereich der Schulter
  • Arthrose, z.B. in Hüfte, Knie oder Wirbelsäule
  • Nacken- und Halswirbelsäulenprobleme
  • Nervenirritationen wie z.B. Einschlafen der Hände, Ischiasbeschwerden
  • Knieschmerzen, z.B. nach Kreuzbandverletzungen oder Meniskusschaden
  • Sehnenbeschwerden allgemein

Manuelle Therapie ist außerdem hilfreich bei der Nachbehandlung von Operationen, Sportverletzungen, Unfällen sowie der Arbeitsplatzberatung und der sportspezifischen Beratung und Bewegungsanalyse.

Es werden in der Beweglichkeit eingeschränkte Gelenke, Weichteile und Nerven mobilisiert, um Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Anschließend erfolgt i.d.R. ein aktives Stabilisationstraining,bei dem der Patient durch individuelle Übungen aktiv dazu beiträgt, das neu gewonnene Bewegungsausmaß zu erhalten. Ziel des Behandlungskonzeptes: Wiederherstellung des Zusammenspieles zwischen Gelenken, Muskeln und Nerven. Die Manuelle Therapie darf nur von speziell dafür weitergebildeten Physiotherapeuten durchgeführt werden.

Sportphysiotherapie

Der Begriff Sportphysiotherapie umfasst sämtliche Behandlungen, die auf eine optimale präventive und rehabilitative Betreuung von Profi- und/oder Hobbysportlern abzielen. Die Verletzungsprävention ist ebenso wichtig wie die Rehabilitation nach Verletzungen und Unfällen. Speziell ausgebildete Physiotherapeuten gestalten Rehabilitationspläne, damit verletzte Sportler im Trainings- und Wettkampfalltag zu alter Stärke zurückfinden. Das Ziel der Sportphysiotherapie ist es, zur Gesundheit des Menschen beizutragen und die sportliche Betätigung zu unterstützen.

Die Sportphysiotherapie bestitzt die Kompetenz, Verletzungen vorzubeugen, Funktionen wiederherzustellen oder durch die richtigen Behandlungen die sportliche Leistung positiv zu beeinflussen.

Prävention

Unter „Prävention“ versteht man in der Physiotherapie alle Maßnahmen, die eine Verletzung oder Erkrankung zu verhindern versuchen. Dazu gehört beispielsweise ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten/der Patientin um mögliche Risikofaktoren aufzudecken. Hier ist eine zielgerichtete und detaillierte Befundung notwendig, denn nur so kann eine optimale Prävention im Rahmen der Therapie erreicht werden.

Rehabilitation

Nach einem Unfall oder einer Verletzung wieder zurück in die Sportart (return to sports)? Dieser Wunsch steht bei vielen Patienten und Patientinnen im Leistungs- und Breitensport auf der Wunschliste ganz oben. Um dafür eine Basis zu schaffen, ist es sinnvoll, sich als Sportler professionell und aktiv betreuen zu lassen. Durch vielfältige physiotherapeutische Maßnahmen kann die Rehabilitation und die Eingliederung in den Trainings- und Wettkampfalltag verkürzt werden. Eine ganzheitliche Therapie und ein Training nach Plan, angepasst an den gesundheitlichen Fortschritt sind hier die Maßstäbe.

KG-ZNS

Die neurologische Krankengymnastik (KG-ZNS) umfasst die physiotherapeutische Behandlung aller Patienten mit Erkrankungen des Zentralen-Nervensystems (Gehirn oder Rückenmark)oder - viel seltener - mit globalen Störungen des peripheren Nervensystems (alle anderen Nerven). Sie ist eine Spezialform der Krankengymnastik und erfordert eine spezielle Zusatzqualifikation eines Physiotherapeuten. Es gibt einige verschiedene Möglichkeiten der Einflussnahme durch den/die Therapeuten/in. Allen gemeinsam ist jedoch, dass versucht wird, mit bestimmten Reizen und/oder Bewegungen eine Verbesserung oder den Erhalt von bestimmten Bewegungsmustern zu erzielen.

Mithilfe spezieller Techniken und Fachwissen werden Körperfunktionen und die Einschränkungen im Alltag untersucht, die aufgrund von angeborenen oder erworbenen Schädigungen des Nervensystems entstanden sind. Dabei gibt es für Erwachsene und Kinder verschiedene Konzepte: Bobath, Vojta oder PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation). Ziel dieser Konzepte ist es, gestörte Haltungs- und Bewegungsmuster neu zu schulen, Schmerzen zu lindern und die Bewegungssicherheit im Alltag zu verbessern. Neben der Schulung der Gleichgewichtsreaktion, ist es auch wichtig, das Zusammenspiel zwischen Nervensystem und Muskulatur zu verbessern.

PNF

PNF steht für „Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation“. Ihr Körper verfügt über unterschiedliche Sinnesorgane. Durch Stimulierung dieser Propriozeptoren (Empfangs- und Aufnahmeeinrichtungen der Tiefensensibilität) wird das System von Nerven und Muskeln derart aktiviert, dass Bewegungsmuster angebahnt bzw. unterstützt werden. Durch diese Wirkunksweise wissen Sie ohne hinzusehen, ob Sie zum Beispiel Ihr Knie gerade strecken oder beugen.

Die PNF-Therapie regt diese Rezeptoren in Gelenken, Muskeln und Sehnen durch gezielte Stimulation an und aktiviert sie. Das Zusammenspiel zwischen Rezeptoren, Nerven und Muskeln basiert auf "neuromuskulärem" Wirkungsmechanismus. Durch die Stimulation wird vor allem die Wahrnehmung gefördert, sodass im Vorfeld erkannte pathologische Muster in physiologische dreidimensionale Bewegungen umgesetzt werden können ("Fazilitation").

Ziele: Koordinierung physiologischer Bewegungsabläufe, Abbau pathologischer Bewegungsmuster, Normalisierung des Muskeltonus, Muskelkräftigung, Muskeldehnung, Schmerzreduktion/Freiheit, Funktionsverbesserung.

Bekannte Beschwerden, die eine PNF- Therapie erfordern sind zum Beispiel:

  • Rückenmarkserkrankungen mit Tetra- und Paraparesen
  • Koordinationsstörungen der Kopf- und Halsmuskeln (Atmung, Schlucken, Gesichtsparesen, Kopfschmerzen)
  • Tonusstörungen (Paresen, Plegien, Spastik, z.B. Zentralparesen, Multiple Sklerose)
  • Muskelerkrankungen oder Schwäche
  • Kräftigung schwacher Muskulatur nach Fraktur, sowie Verletzungen von Bändern und Sehnen
  • Sportverletzungen, Kontrakturen
  • Degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule und der Gelenke
  • Zustand nach Implantationen von Gelenkendoprothesen

Gerätegestütztes Training (KGG)

Die gerätegestützte Krankengymnastik (KGG) ist eine aktive Behandlungsform der Physiotherapie, bei der medizinische Trainingsgeräte,Zugapparate aber auch freie Körpergewichtsübungen eingesetzt werden. Das Ziel dieser Therapieform ist die Verbesserung von Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination. Die Krankengymnastik am Gerät ist ein wichtiger Bestandteil in der Prävention und Rehabilitation.

Zusätzlich zu eingesetzten Geräten oder Zugapparaten im Rahmen der gerätegestützten Krankengymnastik ist es sinnvoll, Eigenübungen als Heimprogramm zu vermitteln, sodass auch zu Hause kontinuierlich, unterstützend und zielgerichtet weitertrainiert werden kann. Der Physiotherapeut erarbeitet je nach Krankheitsbild des Patienten einen individuellen Behandlungsplan. Im Fokus steht dabei die Erarbeitung funktioneller und automatisierter Bewegungsmuster. Die gerätegestützte Krankengymnastik kann nur von speziell dafür weitergebildeten Physiotherapeuten in besonders ausgestatteten Praxen durchgeführt werden.

Cranio-Sacrale-Therapie

Craniosacrale Therapie ist die am häufigsten ausgeübte manuelle Form der Osteopathie. Sie wird daher richtigerweise auch Craniosacrale Osteopathie genannt. Der Therapeut versucht bei dieser Therapieform über sanfte Einwirkungen auf den Kopf, über die Halswirbelsäule bis zum Steißbein Blockaden in Skelett, Muskulatur und Gewebe zu lösen oder zu lindern. Im Begriff "Cranio Sacral" stecken die Bedeutungen "Schädel" (Cranium) und "Steißbein" (Sacrum). Diese Flüssigkeit nährt, bewegt und schützt unser Nervensystem - vom Schädel (Cranium) bis zum Kreuzbein (Sacrum). Da der Craniosacrale Rhythmus sich über das Bindegewebe im ganzen Körper ausbreitet, ist er überall tastbar.

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