Einführung
Die Basalganglien, eine Gruppe von Nervenzellen im Hirnstamm, spielen eine entscheidende Rolle bei der Steuerung und Feinabstimmung von Bewegungen. Schädigungen in diesem Bereich können zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, darunter auch solche, die bei der Parkinson-Krankheit auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Infarkten der Basalganglien mit Fokus auf Parkinson-ähnliche Symptome.
Was sind die Basalganglien?
Die Basalganglien sind eine Gruppe von subkortikalen Kernen, die tief in den Großhirnhemisphären liegen. Sie umfassen das Striatum (Nucleus caudatus und Putamen), Globus pallidus, Substantia nigra und den Nucleus subthalamicus. Diese Komponenten sind kompliziert miteinander verschaltet und wirken so motorikfördernd oder -hemmend.
Ursachen von Schädigungen der Basalganglien
Schädigungen der Basalganglien können verschiedene Ursachen haben:
- Infarkt: Ein Schlaganfall, der die Blutversorgung der Basalganglien unterbricht, kann zu einem Infarkt führen.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Erkrankungen wie die Multisystematrophie (MSA) oder die Chorea Huntington führen zum Absterben von Nervenzellen in den Basalganglien.
- Entzündungen: Entzündliche Prozesse im Gehirn können die Basalganglien schädigen.
- Vergiftungen: Bestimmte Substanzen können toxisch auf die Nervenzellen in den Basalganglien wirken.
- Morbus Fahr: Im CT festgestellte Verkalkungsprozesse der Basalganglien.
Multisystematrophie (MSA)
Die Multisystematrophie (MSA) ist eine seltene, rasch fortschreitende Erkrankung des Gehirns. Genaue Zahlen zur Häufigkeit der Multisystematrophie in Deutschland liegen nicht vor. Nach aktuellem Kenntnisstand geht man davon aus, dass etwa 2 bis 5 von 100.000 Einwohnern betroffen sind. Die Erkrankung tritt nur bei Erwachsenen ab 30 Jahren auf. Es gibt keine eindeutigen Hinweise, dass Multisystematrophie direkt vererbt wird. Dass sich die Erkrankung innerhalb einer Familie häuft, wurde nur in sehr seltenen Fällen beobachtet. Die Lebenserwartung bei Multisystematrophie beträgt nach dem Ausbruch der Erkrankung noch rund 10 Jahre. In einigen Fällen schreitet die MSA etwas langsamer voran und es kommt vor, dass Patienten mehr als 15 Jahre überleben.
Symptome der MSA
Die MSA kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen. Eine diagnostizierte MSA bedeutet jedoch nicht, dass alle genannten Symptome auftreten müssen. Da die ersten Symptome einer Multisystematrophie meist unspezifisch sind, können sie leicht anderen Erkrankungen zugeordnet werden. Die Multisystematrophie beginnt häufig mit Störungen des vegetativen Nervensystems. Während anfangs vereinzelte Symptome, wie zum Beispiel Blasenentleerungsstörungen oder bei Männern Impotenz auftreten, kommen im Krankheitsverlauf immer mehr Symptome hinzu.
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Neben motorischen Beeinträchtigungen durch eine erhöhte Muskelspannung (Rigor) und eine Bewegungsarmut (Bradykinese beziehungsweise Akinese) zeigen sich Gleichgewichts- und Gangstörungen. Im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich Parkinson-Symptome wie Muskelsteifheit und eine stark ausgeprägte Bewegungsarmut. Im Gegensatz zum idiopathischen Parkinson-Syndrom treten diese aber nicht nur einseitig auf. Die Sprache wird oft undeutlicher und verwaschener. Außerdem zeigen sich häufig kognitive Beeinträchtigungen und Schlafstörungen.
Es werden zwei Haupttypen der MSA unterschieden:
- MSA-P: Bei der Multisystematrophie vom Parkinson-Typ stehen ähnliche Symptome wie bei der Parkinson-Krankheit im Vordergrund.
- MSA-C: Von Multisystematrophie vom Typ C oder auch Multisystematrophie vom zerebellären Typ sprechen Ärzte, wenn Symptome wie Gleichgewichts- und Gangstörungen vorherrschen.
Bei beiden MSA-Typen treten zusätzlich Störungen des vegetativen Nervensystems auf.
Diagnose der MSA
Da die Krankheitszeichen der MSA zu Beginn oft unspezifisch sind und auch bei viel häufigeren Krankheiten auftreten können, ist der Hausarzt ein guter erster Anlaufpunkt. Die MSA-Diagnostik umfasst verschiedene Untersuchungen und Tests.
- Anamnese: Im Mittelpunkt der Anamnese stehen die aktuellen Beschwerden und die medizinische Vorgeschichte.
- Neurologische und körperliche Untersuchung: Der Neurologe überprüft das Gleichgewicht und die Bewegungssteuerung durch Kleinhirn und Hirnstamm mithilfe von speziellen Tests.
- Test der Kreislaufregulation beim Stehen: Charakteristisches Merkmal der MSA ist ein deutlicher Blutdruckabfall, wenn der Patient aus dem Liegen oder Sitzen aufsteht.
- MRT und/oder DAT-Scan: Diese beiden bildgebenden Untersuchungen werden nur durchgeführt, wenn sich durch die Voruntersuchungen schon ein begründeter Verdacht für MSA ergibt. In einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes kann der Verlust von Nervengewebe nachgewiesen werden.
Behandlung der MSA
Multisystematrophie ist leider nicht heilbar. Es gibt jedoch verschiedene Therapieansätze, um die Symptome zu lindern. Das Behandlungskonzept wird immer individuell auf den Patienten angepasst. Es gibt keine Leitlinie speziell für Multisystematrophie.
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- Physikalische Therapien: Physikalische Therapien nehmen bei der Behandlung der MSA eine wichtige Rolle ein. Physiotherapie trägt dazu bei, Beweglichkeit und Koordination zu verbessern, die Muskulatur zu stärken und das Fortschreiten von Bewegungseinschränkungen zu verlangsamen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Sturzprophylaxe. In der Ergotherapie werden gezielt Fertigkeiten trainiert, die Patienten in der Verrichtung alltäglicher Aufgaben unterstützen. Bei Schluckstörungen liegt der Schwerpunkt auf der sicheren Nahrungsaufnahme.
- Psychotherapie: Im geschützten Rahmen einer Psychotherapie können offen über ihre Sorgen und Ängste sprechen.
- Medizinisches Cannabis: Seit 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland zugelassen und auf Rezept möglich. Medizinisches Cannabis kann unter anderem bei Schmerzen, Schlafstörungen und psychischen Beschwerden eine mögliche Therapie-Option sein.
Parkinson-Symptome bei Schädigung der Basalganglien
Parkinson ist eine neurologische Erkrankung, bei der Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Mittelhirns absterben. Betroffen sind vor allem die sogenannten Basalganglien, welche die „Substantia nigra“ bilden - die dunkel gefärbte „schwarze Substanz“ des Gehirns. Sie produzierenden den Botenstoff Dopamin, der unter anderem für die Koordination der Muskelaktivitäten essenziell ist.
Schädigungen der Basalganglien, unabhängig von ihrer Ursache, können zu einer Reihe von Parkinson-ähnlichen Symptomen führen:
- Bradykinese/Akinese: Verlangsamung und/oder Verarmung der Bewegungen. Die Handschrift kann kleiner und unleserlicher werden, ein Symptom, das als Mikrografie bezeichnet wird.
- Rigor: Muskelsteifheit.
- Tremor: Zittern, meist in Ruhe. Ein rhythmisches Zittern in den Händen, Armen oder Beinen tritt häufig auf, obwohl die Person eigentlich ruhig und entspannt ist.
- Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen und erhöhte Sturzneigung. Im Zuge der MSA-Krankheit treten meist Gangunsicherheiten auf, die mit Stolpern und Stürzen einhergehen können.
Diagnose von Parkinson-Symptomen bei Basalganglien-Schädigung
Die Diagnose von Parkinson-Symptomen bei Basalganglien-Schädigung erfordert eine umfassende neurologische Untersuchung. Der Arzt wird die Krankengeschichte erheben, eine körperliche Untersuchung durchführen und verschiedene Tests zur Beurteilung der motorischen Funktionen durchführen. Bildgebende Verfahren wie MRT können eingesetzt werden, um die Struktur der Basalganglien zu beurteilen und andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. Da Parkinson auch durch einen Dopaminmangel ausgelöst werden kann, gehört ein entsprechender Test ebenso zum Standardverfahren.
Behandlung von Parkinson-Symptomen bei Basalganglien-Schädigung
Die Behandlung von Parkinson-Symptomen bei Basalganglien-Schädigung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Therapie kann medikamentöse, physiotherapeutische und ergotherapeutische Maßnahmen umfassen.
Medikamentöse Therapie
- Levodopa (L-Dopa): Das am häufigsten verschriebene Medikament. Es wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt und hilft, die Bewegungsprobleme zu reduzieren.
- Dopamin-Agonisten: Diese Medikamente ahmen die Wirkung von Dopamin nach und können entweder allein oder in Kombination mit Levodopa verwendet werden. Beispiele sind Pramipexol, Ropinirol und Rotigotin.
- MAO-B-Hemmer: Diese Medikamente verlangsamen den Abbau von Dopamin im Gehirn und können die Wirkung von Levodopa verlängern. Beispiele sind Selegilin und Rasagilin.
- COMT-Hemmer: Diese Medikamente verlängern die Wirkung von Levodopa, indem sie den Abbau von Dopamin blockieren. Beispiele sind Entacapon und Tolcapon.
- Anticholinergika: Diese können helfen, Tremor und Muskelsteifheit zu reduzieren, werden aber wegen ihrer Nebenwirkungen seltener verwendet.
Physiotherapie und Ergotherapie
Physiotherapie trägt dazu bei, Beweglichkeit und Koordination zu verbessern, die Muskulatur zu stärken und das Fortschreiten von Bewegungseinschränkungen zu verlangsamen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Sturzprophylaxe. In der Ergotherapie werden gezielt Fertigkeiten trainiert, die Patienten in der Verrichtung alltäglicher Aufgaben unterstützen.
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Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die bilaterale elektrische Stimulation des Nucleus subthalamicus des Globus pallidum oder Nukleus ventralis intermedius ist als ein neurochirurgisches Therapieverfahren das invasivste, aber effektivste. Die Tiefe Hirnstimulation im Nukleus subthalamikus ist medikamentösen Therapieverfahren im frühen und fortgeschrittenen Stadium überlegen und vermag Symptome um 50-60% zu verbessern bei simultaner Reduktion der oralen Therapie.
Leben mit Parkinson-Symptomen bei Basalganglien-Schädigung
Das Leben mit Parkinson-Symptomen bei Basalganglien-Schädigung kann eine Herausforderung sein. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, die Lebensqualität zu verbessern.
- Unterstützung im Alltag: Sobald Sie bemerken, dass Unterstützung im Alltag notwendig wird, sollten Sie Ihren möglichen Anspruch auf einen Pflegegrad prüfen. Damit stehen Ihnen bestimmte Leistungen der Pflegeversicherung zu, die den Pflegealltag erleichtern. Schon bei leichter Pflegebedürftigkeit können Ihnen erste Pflegeleistungen zustehen.
- Hilfsmittel: Neben medikamentösen und physikalischen Therapien können verschiedene Hilfsmittel das Leben mit MSA erleichtern und die Selbstständigkeit betroffener Menschen möglichst lange erhalten. Für bestimmte Hilfsmittel werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen, wenn eine Verordnung vom Arzt vorliegt.
- Wohnraumanpassung: Mit dem Fortschreiten der motorischen Beeinträchtigungen können Umbaumaßnahmen in der Wohnung notwendig werden, um die häusliche Pflege zu erleichtern beziehungsweise zu ermöglichen. Bei einem anerkannten Pflegegrad werden wohnumfeldverbessernde Maßnahmen unter gewissen Voraussetzungen von der Pflegekasse bezuschusst.
- Ernährung: Eine spezielle Diät ist bei Multisystematrophie nicht notwendig. Bei Problemen mit der Blutdruckregulation sollten üppige kohlenhydratreiche Mahlzeiten vermieden werden. Treten im Krankheitsverlauf Schluckstörungen auf, ist die Konsistenz der Speisen und Getränke anzupassen.
- Kommunikation: Mit Menschen in Kontakt zu treten, die ebenfalls von MSA betroffen sind, kann eine wertvolle Unterstützung sein. Die Betreiber des Blogs „Leben mit MSA“ veranstalten regelmäßig einen Online-Stammtisch.
- Patientenverfügung: Mit einer Patientenverfügung können Sie festlegen, welche medizinischen Maßnahmen Sie im Endstadium Ihrer Krankheit wünschen oder ablehnen. So stellen Sie sicher, dass Ihre Vorstellungen respektiert werden, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage sind, diese zu äußern. Das Dokument nimmt auch Ihren Angehörigen die Last ab, in dieser schwierigen Situation für Sie entscheiden zu müssen.
- Sturzprophylaxe: Um Stürze zu vermeiden, achten Sie darauf, langsam aufzustehen und sich bei Schwindel festzuhalten. Entfernen Sie Stolperfallen wie lose Teppiche und nutzen Sie Gehhilfen oder Haltegriffe für zusätzliche Stabilität.
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