Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der bis zu eine von vier Frauen im gebärfähigen Alter betroffen ist. Während der Schwangerschaft bessern sich die Symptome bei bis zu 80 % der Betroffenen spontan. Dennoch haben etwa 25 % der Migränepatientinnen auch während der Schwangerschaft weiterhin Attacken. Schwere Migräneverläufe während der Schwangerschaft bedingen eine >50% höhere Wahrscheinlichkeit für Präeklampsie, Frühgeburt oder geringes Geburtsgewicht und bewirken eine Risikoschwangerschaft. Daher ist es wichtig, die Risiken und Behandlungsoptionen von Migräne während der Schwangerschaft zu kennen, um eine sichere und gesunde Schwangerschaft und postpartale Periode für Mutter und Kind zu fördern.
Ursachen und Verlauf von Migräne in der Schwangerschaft
Die Ursachen für Migräne in der Schwangerschaft sind noch nicht ausreichend erforscht und beruhen vor allem auf individuellen Faktoren. Hormonelle Veränderungen, insbesondere Schwankungen des Östrogenspiegels, spielen eine Rolle. Ein niedriger Östrogenspiegel kann eine mögliche Ursache für Migräne sein. Die hohen Östrogenwerte, die natürlicherweise in der Schwangerschaft auftreten, können die Migräne aber auch lindern.
Auch die Veränderungen im Kreislauf der Frau während der Schwangerschaft können Migräne begünstigen. Der Körper versorgt nun nicht nur den eigenen, sondern auch den des Kindes mit Blut, was zu Veränderungen von Puls und Blutdruck führt. Das Gehirn reagiert auf diese veränderte Blutversorgung unterschiedlich, in manchen Fällen mit Migräne.
Persönliche Trigger, die einen Migräne-Anfall begünstigen können, bleiben während der Schwangerschaft oft bestehen. Zu den möglichen Auslösern gehören beispielsweise Stress und Wetteränderungen.
Bei Patientinnen, die schon vor der Schwangerschaft von Migräne betroffen waren, bessern sich die Symptome in der Schwangerschaft oft. Vermutlich hängt dieser positive Verlauf mit den veränderten Hormonspiegeln der werdenden Mütter zusammen. Eine Besserung der Migräne-Symptome tritt bei etwa 50 bis 80 Prozent der schwangeren Patientinnen auf. In seltenen Fällen, besonders wenn vor der Schwangerschaft noch keine Migräne bestand, begünstigt die Schwangerschaft eine Migräne. Dann treten möglicherweise auch neue Symptome auf. Ob eine Migräne, die in der Schwangerschaft neu aufgetreten ist, wieder nachlässt, kann man nicht vorsehen.
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Auch wenn Sie schon vor der Schwangerschaft von Migräne betroffen waren, zeigen sich die Migräne-Symptome in dieser Zeit möglicherweise anders. „Gewohnte“ Symptome können fehlen, neue dazukommen. Auch hier gibt es individuelle Unterschiede. Bei vielen Frauen hält diese positive Entwicklung auch während der Stillzeit an. Bei anderen nimmt die vermeintliche Immunität gegen Migräne nach der Geburt mit der Zeit wieder ab. Das wird von individuellen Faktoren bestimmt. Migräne kann in der Stillzeit auch wieder verstärkt auftreten, die beiden Faktoren begünstigen sich aber nicht gegenseitig.
Risiken von Migräne in der Schwangerschaft
Schwangere Frauen mit einer Migräneanamnese weisen ein höheres Risiko für komplizierte Schwangerschaftsverläufe auf. Sie sollten entsprechend sorgfältig informiert, überwacht und behandelt werden. Bei Frauen mit Migräne generell die Wahrscheinlichkeit einer Präeklampsie, eines niedrigen Geburtsgewichtes des Kindes, einer Frühgeburt, einer Plazentaablösung und einer psychischen Erkrankung während der Schwangerschaft höher ist. Das Risiko ist bei einer schweren Migräne >50% erhöht. Eine schwere Migräne begründet eine Risikoschwangerschaft.
Schwere Migräneverläufe während der Schwangerschaft bedingen eine >50% höhere Wahrscheinlichkeit für Präeklampsie, Frühgeburt oder geringes Geburtsgewicht. Sie bewirken eine Risikoschwangerschaft. Schwangerschaft und Migräne haben Hyperkoagulabilität gemeinsam: Während der Schwangerschaft ist Hyperkoagulabilität ein bedeutender Risikofaktor für schwerwiegende kardiovaskuläre Zwischenfälle, einschließlich venöser Thromboembolien und zerebrovaskulären Insulten. Es besteht ein 13-fach höheres Risiko für eine hypertensive Störung. Ein schwerer Migräneverlauf kann ein individuelles Beschäftigungsverbot notwendig machen.
Es besteht ein 13-fach höheres Risiko für eine hypertensive Störung. Ein schwerer Migräneverlauf kann ein individuelles Beschäftigungsverbot notwendig machen.
Nicht-medikamentöse Behandlungen von Migräne in der Schwangerschaft
Nichtpharmakologische Ansätze sollten bei Migräne in der Schwangerschaft immer als Erstbehandlung versucht werden. Leichte Migräneattacken können in der Schwangerschaft nichtmedikamentös durch Reizabschirmung, Ruhe, Entspannung und Eispackungen behandelt werden.
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Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf den nicht-medikamentösen Maßnahmen. Leichte sportliche Aktivitäten wie Schwimmen, Yoga, Gymnastik oder Spaziergänge sind zu empfehlen, bewährt haben sich Entspannungsübungen. Auch auf einen regelmäßigen Schlaf sollte geachtet werden.
Zwei Liter Flüssigkeit sollten Schwangere mindestens jeden Tag zu sich nehmen. Ideal sind hier Wasser, Früchte- oder Kräutertee, sowie verdünnte Fruchtschorlen. Sinkt der Blutzuckerspiegel ab (was er in der Schwangerschaft häufig tut), kündigen sich häufig Kopfschmerzen an. Essen Sie über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten und packen Sie sich bei Spaziergängen oder während der Arbeit für unterwegs kleine Snacks wie Früchte, Müsliriegel oder Nüsse in die Tasche. Es empfiehlt sich auch die Ernährungsgewohnheiten zu überprüfen. Durch die gesündere und bewusstere Ernährung und durch den Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft verringern sich oft die Häufigkeit und die Schwere der Schmerzanfälle.
Sollte es zu akuten Kopfschmerzen und Migräneanfällen kommen, wirkt eine kalte Kompresse auf Stirn, Schläfe oder im Nacken. Auch professionelle Massagen durch einen Physiotherapeuten können verspannte Regionen im Nacken oder Rücken sanft lösen und können Kopfschmerzen und Migräne vorbeugen. Sie sollten jedoch einen Physiotherapeuten wählen, der Erfahrung mit der Massage von Schwangeren hat. Alternativ kann Pfefferminzöl mit leichtem Druck auf Schläfen, Stirn und Nacken einmassiert werden. Nach Absprache mit dem Arzt können auch Vitamin-B2- oder Magnesiumpräparate helfen, der Migräne vorzubeugen.
Weitere geeignete Vorgehensweisen, Schmerzen ohne Medikamente angehen zu können, werden nachfolgend angeführt.
- Bei Kopfschmerzen: Spaziergänge und frische Luft. Kompressen auf Stirn und Nacken Leichte Massage von Schläfen, Stirn und Nacken mit Pfefferminzöl. Ausreichendes Trinken und regelmäßiges Essen. Rauchen und Alkohol sollen vermieden werden. Ausreichende Ruhepausen und genug Schlaf. Entspannungstechniken können helfen, Kopfschmerzen sogar vorzubeugen. Akupunktur kann wirken, Behandler muss aber über bestehende Schwangerschaft informiert werden.
- Bei Rücken- und Gelenkschmerzen: Wärme kann Verspannungen lösen und wirkt wohltuend auf Muskeln und Gelenke. Bei Schmerzattacken oder Dauerschmerzen können ein warmes Bad, eine Wärmflasche oder ein erhitztes Kirschkernkissen Wunder wirken. Schwangere Frauen sollten zur Entlastung der Muskeln und Gelenke regelmäßige Ruhepausen in ihren Alltag einzubauen. Schwere körperliche Arbeiten - beispielsweise schweres Heben oder Tragen - sollten mit fortschreitender Schwangerschaft unterbleiben. Stress und psychische Belastungen führen zu Verspannungen und können Schmerzzustände auslösen oder verstärken. Eine frühzeitig erlernte Entspannungstherapie ist in der Schwangerschaft daher besonders wichtig. Massagen oder bestimmte Yoga-Formen sind geeignet. Bewegung lindert. Gezielte Übungen zur Kräftigung des Rückens, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen, Aqua-Gymnastik oder Yoga sind als Ausgleichssport in der Schwangerschaft besonders gut geeignet. Wichtig sind auch regelmäßige Übungen zur Kräftigung des Beckenbodens. Zur Entlastung der Bauch- und Rückenmuskulatur leisten Bauchtücher oder ein Stützgürtel gute Dienste. Schonende, ganzheitliche Bewegungsabläufe, wie sie beispielsweise bei der Wassergymnastik geübt werden, können Schmerzen lindern. Wenn Sie als Schwangere unter Ischiasschmerzen (Nervenschmerz, oft im unteren Rücken mit Ausstrahlung ins Bein) leiden, sollten Sie keinesfalls den Schmerz durch eingeschränkte Bewegung und lang anhaltende Ruhephasen zu vermeiden versuchen. Dies bewirkt oft eine Verstärkung der Verspannung und verstärkt noch die Schmerzen.
Medikamentöse Behandlungen von Migräne in der Schwangerschaft
Akutmedikamente gegen Migräne sollten nur dann bei Schwangeren angewendet werden, wenn der zu erwartende Nutzen für die Mutter ein mögliches Risiko für das Kind überwiegt. Eine Grundregel sollte dabei sein, die niedrigste wirksame Dosis und die kürzeste Behandlungsdauer anzustreben. Eine Selbstmedikation sollte in der Schwangerschaft vermieden werden und eine ärztliche Verlaufs- und Erfolgskontrolle erfolgen. Sorgfältige und umfassende perikonzeptionelle Beratung ist essentiell, um eine sichere und gesunde Schwangerschaft und postpartale Periode für Mutter und Kind zu fördern.
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Paracetamol und Ibuprofen sind für die Behandlung von Migräneattacken in der Schwangerschaft Mittel der ersten Wahl. In der Stillzeit ist es Ibuprofen. Die ausreichend hohe Dosierung ist entscheidend: Paracetamol soll mit mindestens 500 mg, besser 1000 mg bis zu maximal viermal am Tag gegeben werden, von Ibuprofen sollte bis zu viermal pro Tag 600 mg verabreicht werden.
Für die Auswahl der medikamentösen Attackentherapie erfordert eine individuelle Abwägung des zu erwartenden Nutzens und des möglichen Risikos für die Schwangere und das ungeborene Kind. Eine standardisierte generelle Erstlinientherapie ist aufgrund der sehr unterschiedlichen klinischen Symptomatik der Migräne und der erforderlichen Differentialtherapie nicht zielführend. Eine medikamentöse Attackentherapie sollte nur dann erfolgen, wenn der angestrebte Nutzen überwiegt. Für die Abwägung des individuellen Nutzens ist zunächst die Kenntnis und der Vergleich der zu erwartenden Wirksamkeit Grundlage.
Aus der Zusammenstellung ergibt sich, dass bzgl. des zu erwartenden Nutzens bei Behandlung der akuten Migräneattacke in der Schwangerschaft Sumatriptan zu präferieren ist. Der Einsatz sollte möglichst früh im Anfall erfolgen. Bestehen schwere Übelkeit und Erbrechen mit gestörter Aufnahme im Magen, kann der subkutane Einsatz von Sumatriptan 6 mg erwogen werden. Es sind auch geringere subkutane Dosierungen in 3 mg oder als Apothekenrezeptur in 2 und 4 mg verfügbar. Für die anderen Triptane liegen weniger umfangreiche Daten vor, weshalb die Aufstellung auf Sumatriptan beschränkt bleibt.
Die aktuelle Fachinformation von Sumatriptan weist keine Kontraindikation von Sumatriptan in der Schwangerschaft aus; sie verweist mit der Formulierung „Das Arzneimittel sollte nur dann bei Schwangeren angewendet werden, wenn der zu erwartende Nutzen für die Mutter ein mögliches Risiko für das Kind überwiegt“ auf die individuelle Nutzenabwägung. Ähnliche Formulierungen finden sich auch bei den anderen Triptanen; Frovatriptan wird als Ausnahme in der Schwangerschaft nicht empfohlen. Alternativen in den ersten zwei Schwangerschaftsdritteln mit moderatem Nutzen bei leichten und mittelschweren Migräneattacken sind Ibuprofen und ASS. Diese Medikamente sollten jedoch nicht ab der 20. Für Paracetamol ist der geringste Nutzen zu erwarten.
Gegen Übelkeit ist Dimenhydrinat (Vomex A®) das Mittel der ersten Wahl. Dies gilt sowohl für die Schwangerschaft, als auch für die Stillzeit. Da ein wehenfördernder Effekt diskutiert wird, sollte es bei Frühgeburtsgefährdung zurückhaltend eingesetzt werden. Es geht nur in sehr geringen Mengen in die Muttermilch über. Aus der großen Gruppe der Triptane, die üblicherweise gegen Migräne verabreicht werden, liegen für Sumatriptan die besten Ergebnisse in Schwangerschaft und Stillzeit vor.
Medikamente und Trimester
Die Empfehlung für oder gegen den Einsatz von Medikamenten hängt vom Trimester ab, in dem sich die Schwangere befindet. Je nach Schwangerschaftswoche ist die kindliche Entwicklung in einem anderen Stadium, sodass manche Medikamente entweder nicht mehr schädlich sind oder aber noch keinen Schaden anrichten. Aus diesem Grund sind - je nach Trimester - unterschiedliche Medikamente zugelassen oder kontraindiziert.
Paracetamol ist zwar während der ganzen Schwangerschaft erlaubt, sollte jedoch die letzte Option für eine Behandlung von Migränekopfschmerzen sein. Wenn kein anderes Medikament zur Verfügung steht, ist Paracetamol jedoch das Mittel der Wahl. Bei starken Schmerzen wird Paracetamol nicht empfohlen. Zudem wirkt Paracetamol bei Migräne-Symptomen nicht besonders gut.
Paracetamol sollte in der Schwangerschaft nicht leichtfertig eingenommen werden. Paracetamol ist plazentagängig und es ist möglich, dass das ungeborene Kind in der Folge mit Entwicklungsstörungen zu kämpfen hat. Bei Fragen und vor der Einnahme von Paracetamol sollten Sie unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin sprechen.
Triptane sind bei der Behandlung von Migräne-Schmerzen eine beliebte Alternative zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen. Sie sind auch in der Schwangerschaft zugelassen. In der Schwangerschaft ist Sumatriptan die erste Wahl.
Bei Übelkeit und Erbrechen sind in der Schwangerschaft Medikamente wie Metoclopramid und Ondansetron sinnvoll. Ondansetron sollte allerdings nicht leichtfertig verschrieben werden (strenge Indikationsstellung). Metoclopramid und Ondansetron sind nicht an ein bestimmtes Trimester gebunden und dürfen während der ganzen Schwangerschaft eingesetzt werden.
Bestand vor der Schwangerschaft bei einem Medikament eine Unverträglichkeit, sollte dieses Mittel auch während der Schwangerschaft nicht zum Einsatz kommen. Umgekehrt darf zum Beispiel Ibuprofen, das vor der Schwangerschaft gut vertragen wurde, auch während der Schwangerschaft eingenommen werden. Wenden Sie sich bei Unsicherheiten immer an Ihren behandelnden Arzt oder Ihre Ärztin.
In den verschiedenen Schwangerschaftsphasen dürfen die folgenden Medikamente angewandt werden:
- 1. Trimester: Acetylsalicylsäure (besser bekannt als ASS), Ibuprofen und Metamizol dürfen besonders in den ersten beiden Trimestern zum Einsatz kommen. Das sind allgemeine Schmerzmittel, die vor allem den Kopfschmerz bei einer Migräne-Attacke, aber auch andere Schmerzen lindern.
- 2. Trimester: Auch im 2. Trimester sind ASS, NSAR (zu denen Ibuprofen gehört) und Metamizol als Schmerzmittel zugelassen. Sie schädigen den Fötus in seiner Entwicklung nicht.
- 3. Trimester: Im 3. Trimester werden ASS, NSAR (wie Ibuprofen) und Metamizol nicht empfohlen.
Spezifische Medikamente und ihre Risiken
- Paracetamol: Galt bisher als das sicherste Schmerzmittel in der Schwangerschaft. Aufgrund aktueller Studien ist jedoch ein sorgfältiges Umdenken bzgl. der Einnahme von Paracetamol durch die Schwangere und Kontakt des Ungeboren mit dem Arzneimittel scheint später bei den Kindern zu einem bedeutsam erhöhten Risiko für die Entwicklung von Asthma und Atemwegserkrankungen sowie möglicher Unfruchtbarkeit bei Jungen zu führen. Besonders bedenklich ist der begründete Verdacht eines signifikant erhöhten Risikos für die Entwicklung der Lageanomalie des Hodens bei Jungen (Kryptorchismus). Bei den Betroffenen kann dies später zu einer verminderten Zeugungsfähigkeit und erhöhtem Risiko für das Auftreten von bösartigen Hodentumoren führen. Die Spermienanzahl und die Spermienvitalität im späteren Leben können reduziert werden. Die kombinierte Einnahme von zwei Schmerzmitteln bei Schwangeren war mit einer siebenfach erhöhten Rate eines Kryptorchismus der neugeborenen Jungen verbunden.
- Ibuprofen: Wirkt bei Erwachsenen erst ab einer Dosierung von 400 mg, besser 600 mg, so dass Sie, wenn Sie sich in der Schwangerschaft zur Einnahme dieses Medikamentes entschieden haben, nicht zu niedrig herangehen sollten: Die Einzeldosis von 600 mg kann drei - bis viermal pro Tag eingenommen werden, wenn es sich um starke Schmerzen handelt, die anders nicht zurückgehen. Ibuprofen sollte jedoch wie alle diese Nicht-Opioid - Schmerzmittel jenseits der 28. SSW nur unter besonderer Vorsicht angewandt werden, da es in späteren Phasen der Schwangerschaft zu einer Veränderung des Kreislaufssystems des Ungeborenen führen kann.
- Opioide: Sie dürfen bei starken und stärksten Schmerzen, z.B. bei schweren Tumorschmerzen, nach einem Unfall oder einer Operation, auch in der Schwangerschaft gegeben werden, wobei das immer eine Arztentscheidung sein muss. Bitte beachten Sie, dass Sie generell Schmerzmittel nur bei zwingender Notwendigkeit einnehmen und den Einsatz von Kombinationspräparaten (das sind Arzneimittel mit mehreren Wirkstoffen) auf jeden Fall vermeiden.
Migräneprophylaxe in der Schwangerschaft
Einige wirksame Arzneimittel für die Prophylaxe und Therapie der Migräne sind am besten bereits bei bestehendem Kinderwunsch umzustellen. Andere sind in Grenzen zulässig, wenn die Schwangerschaft gut betreut wird. Eine unkontrollierte Selbstmedikation ist zu vermeiden.
Sofern klinisch notwendig, gelten Metoprolol, Propranolol und Amitriptylin als Mittel der Wahl, während Topiramat und Valproinsäure, wegen der bekannten Teratogenität kontraindiziert sind. Valproinsäure soll, wenn möglich, nicht bei Frauen im gebärfähigen Alter eingesetzt werden.
- Metoprolol und Propranolol: Sollen in geringstmöglicher Dosis eingesetzt werden, da es sonst beim Kind (besonders während der Geburt) zu einem verlangsamten Herzschlag (Bradykardie) kommen kann. Nach einer Exposition während des 3. Trimesters sollen Neugeborene auf Bradykardie, Hypotonie und Hypoglykämie überwacht werden.
- Amitriptylin: Soll, insbesondere im 1. und 3. Trimester, nur eingesetzt werden, wenn klinisch notwendig. Wird Amitriptylin bis zur Geburt eingenommen, kann es beim Neugeborenen in den ersten Tagen zu Anpassungsstörungen kommen, weshalb auf etwaige Anzeichen geachtet werden soll.
- Topiramat: Darf in der Schwangerschaft nicht zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt werden. Es verursacht Entwicklungsstörungen beim heranwachsenden Kind.
- Flunarizin: Für Flunarizin gibt es keine Sicherheitsdaten während der Schwangerschaft. Daher soll eine Anwendung vermieden werden.
- Botox (OnabotulinumtoxinA): Soll in der Schwangerschaft zurückhaltend eingesetzt werden, da keine ausreichenden Informationen über die Anwendung beim Menschen vorliegen.
Magnesium als Alternative?
Neben den zur Migräneprophylaxe eingesetzten Arzneimitteln wie Betablockern, Calcium-Kanalblockern, Antiepileptika und Antidepressiva könnte Magnesium eine nebenwirkungsarme Alternative sein. In Interventionsstudien konnte nachgewiesen werden, dass beispielsweise eine i.v.-Magnesiumgabe bei Migräneanfällen zu einer signifikanten Verminderung der Schmerzsymptomatik führen kann. Auch die orale Magnesiumsupplementierung zur Prophylaxe und Behandlung einer Migräne erwies sich in teils randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studien als vielversprechend.
Magnesium kann als Alternative oder Ergänzung zu schulmedizinischen Therapien in Betracht gezogen werden, insbesondere für Patienten, die eine konventionelle Behandlung ablehnen oder nicht gut vertragen. Die Akzeptanz und Verträglichkeit einer Magnesiumtherapie werden als äußerst positiv bewertet. Besonders empfehlenswert sind organische Verbindungen des Biofaktors, wie beispielsweise Magnesiumorotat, aufgrund ihrer guten Bioverfügbarkeit.
Kopfschmerzen als Anzeichen für schwangerschaftsbedingte Erkrankungen
Viele Menschen haben hin und wieder Kopfschmerzen - auch Schwangere. Manchmal können die Kopfschmerzen aber auf eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung hinweisen. Besonders in der zweiten Schwangerschaftshälfte kann eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung wie zum Beispiel Präeklampsie hinter den Kopfschmerzen stecken.
Nach der 20. Schwangerschaftswoche sollten Frauen mit Kopfschmerzen immer und sofort mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen. Es sollte ausgeschlossen werden, dass die Kopfschmerzen Anzeichen für eine Präeklampsie sind.
Unter folgenden Umständen sollte Sie immer sofort zu einer Ärztin oder einem Arzt oder in eine Klinik gehen:
- Die Kopfschmerzen treten sehr stark und plötzlich auf.
- Die Kopfschmerzen fühlen sich anders an als sonst.
- Die Kopfschmerzen werden auch nach der Einnahme von Schmerzmitteln nicht besser.
- Sie nehmen einen veränderten Geisteszustand bei sich wahr und fühlen sich zum Beispiel verwirrt oder unruhig.
- Sie sehen unklar oder verschwommen.
- Ihr Nacken ist steif.
Schmerztherapie in der Stillzeit
Die folgenden Schmerzmittel, die nach einem Kaiserschnitt zur Verfügung gestellt werden, sind als unbedenklich, auch in der Stillzeit, eingestuft worden. Dazu gehören: Ibuprofen, Paracetamol, und bei starken, andauernden Schmerzen auch Piritramid (Dipidolor®) in Einzeldosen. Die Schwangere sollte allerdings auch vor medikamentöse Hilfen in der Phase nach der Geburt keine übertriebenen Ängste haben: Schmerzen sorgen dafür, dass die Schwangere sich schlecht bewegen kann. Schmerzen sorgen dafür, dass die Schwangere ihr Baby kaum heben kann. Schmerzen sorgen dafür, dass die Muttermilch viel schlechter fließt.
Tendenziell wird die Giftigkeit von Medikamenten in der Muttermilch eher überschätzt. Dies hat oft zur Folge, dass die junge Mutter entweder auf ein für sie wichtiges Arzneimittel oder auf das Stillen verzichtet. Dabei ist das auch bei schweren chronischen Krankheiten oft nicht nötig. So können durchaus Schmerzmittel und einige altbewährte Mittel gegen rheumatische Krankheiten - die sich manchmal in der Schwangerschaft bessern und danach heftig zurückmelden - oder gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ohne ernsthafte Bedenken genommen werden. Mütter sollen bei medikamentöser Schmerztherapie nicht grundsätzlich zum Abstillen gedrängt werden.
Bestimmte Vorgaben sollten eingehalten werden:
- Einnahme von Analgetika grundsätzlich direkt nach dem Stillen oder abends
- Konzentration der Medikamente in der Muttermilch ist nach ein bis zwei Halbwertzeiten nur noch gering
- Medikamentenwechsel (z.B.
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