Infusionstherapie bei Migräne: Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist, die oft von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden. Für Patienten mit häufigen Migräneattacken, insbesondere wenn etablierte Prophylaktika nicht ausreichend wirken, können Migräne-Spritzen und Infusionstherapien eine vielversprechende Option darstellen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte der Infusionstherapie bei Migräne, einschließlich der Wirkstoffe, Anwendungsgebiete, Anwendung, Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen.

Was sind Migräne-Spritzen?

Als Migräne-Spritzen werden Migräne-Medikamente bezeichnet, die in Form von Fertigpens zur Verfügung stehen. Diese Einwegspritzen sind bereits mit der Injektionslösung befüllt. Derzeit sind vier Wirkstoffe zugelassen:

  • Erenumab: Wird alle vier Wochen unter die Haut gespritzt.
  • Galcanezumab: Wird einmal monatlich unter die Haut gespritzt.
  • Fremanezumab: Wird einmal monatlich oder alle drei Monate unter die Haut gespritzt.
  • Eptinezumab: Wird alle 12 Wochen intravenös als Infusion verabreicht.

Migräne-Spritzen enthalten monoklonale Antikörper. Das sind spezielle Eiweiße (Proteine), die nur an eine bestimmte Zielstruktur binden. Monoklonale Antikörper unterscheiden sich damit von körpereigenen Antikörpern. Diese sind polyklonal, sie können also an mehrere Zielstrukturen binden.

Die „Anti-Migräne-Spritzen“ wirken nur, wenn man sie regelmäßig verwendet. Sie beugen Migräne-Kopfschmerzen vor, helfen aber nicht bei akuten Attacken. Das Migräne-Medikament Sumatriptan kann auch unter die Haut gespritzt werden. Anders als monoklonale Antikörper wirkt es aber nicht vorbeugend, sondern nur bei akuten Attacken. Umgangssprachlich sind mit dem Ausdruck „Migräne-Spritze“ aber monoklonale Antikörper gemeint.

Wirkungsweise von Migräne-Spritzen

Die in der Spritze enthaltenen monoklonalen Antikörper wirken, indem sie an den Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor binden und diese Bindungsstellen inaktivieren. Aufgrund ihrer spezifischen Wirkung werden Sie als CGRP-Antikörper bezeichnet.

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CGRP spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräne-Anfällen, da es gefäßerweiternd und entzündungsfördernd wirkt. Viele Menschen, die unter Migräne leiden, produzieren diesen Botenstoff im Überschuss. Die monoklonalen Antikörper unterbrechen den Signalweg an einer bestimmten Stelle und verhindern so das Auftreten einer Migräne-Attacke.

CGRP-Antikörper werden im Körper sehr langsam abgebaut. Es reicht deshalb aus, wenn man sie - je nach Präparat - monatlich oder sogar nur alle drei Monate verabreicht. Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab werden über das Unterhautfettgewebe aufgenommen, während Eptinezumab direkt in die Blutbahn injiziert werden muss. Für den Abbau der CGRP-Antikörper sind eiweißspaltende Enzyme verantwortlich. Sie zerlegen die Antikörper in ihre Einzelteile, die anschließend wiederverwertet oder vom Körper ausgeschieden werden.

Anwendungsgebiete der Migräne-Spritze

Die Migräne-Spritze wird bei Erwachsenen zur Vorbeugung von Migräne, die an mindestens vier Tagen pro Monat auftritt, angewendet.

Anwendung der Migräne-Spritze

Wie die Migräne-Spritze anwendet wird, hängt vom jeweiligen Präparat ab. Ihr Arzt zeigt Ihnen die korrekte Handhabung. Außerdem wird er den Behandlungserfolg regelmäßig überprüfen und gemeinsam mit Ihnen besprechen.

Erenumab: Spritzen Sie eine Einzeldosis Erenumab alle vier Wochen unter die Haut. Der Fertigpen enthält normalerweise 70 Milligramm Injektionslösung. Reicht die Menge nicht aus, kann Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt auch 140 Milligramm verordnen. Injizieren Sie Erenumab in den Bauch oder Oberschenkel. Wenn Ihnen eine andere Person Erenumab verabreicht, kann das Medikament auch in die Außenseite des Oberarms gespritzt werden.

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Galcanezumab: Die Behandlung mit Galcanezumab beginnt mit einer Anfangsdosis von 240 Milligramm. Anschließend werden alle vier Wochen 120 Milligramm unter die Haut gespritzt. Sie können Galcanezumab in den Bauch oder den Oberschenkel injizieren. Wenn Ihnen eine andere Person die Spritze verabreicht, ist dies auch an der Außenseite des Oberarbs oder im Gesäßbereich möglich.

Fremanezumab: Fremanezumab ist in zwei Dosierungen erhältlich: Erfolgt die Injektion monatlich, erhalten Betroffene 225 Milligramm. Bei Anwendung alle drei Monate werden 675 Milligramm (aufgeteilt in drei Pens / Spritzen) verabreicht. Fremanezumab soll in den Bauch, Oberschenkel oder Oberarm gespritzt werden.

Wechseln Sie bei allen Präparaten zur Selbstinjektion regelmäßig die Einstichstelle. Wenn Sie eine Injektion vergessen, holen Sie diese möglichst rasch nach. Spritzen Sie in keine geröteten oder verhärteten Hautareale.

Eptinezumab: Eptinezumab muss - im Gegensatz zu den drei anderen CGRP-Antikörpern - von medizinischem Fachpersonal verabreicht werden. Der Wirkstoff wird nicht in das Unterhautfettgewebe gespritzt, sondern als intravenöse Infusion verabreicht. Normalerweise werden 100 Milligramm Eptinezumab als intravenöse Infusion alle 12 Wochen gegeben. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann diese Dosis bei Bedarf auf 300 Milligramm steigern. Eine Infusion dauert ungefähr 30 Minuten.

Gegenanzeigen von Migräne-Spritzen

Migräne-Spritzen darf man im Allgemeinen nicht anwenden, wenn man überempfindlich oder allergisch auf den Wirkstoff oder einen anderen Bestandteil des Medikaments reagiert. Auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schwangere und Stillende sollen nicht mit Migräne-Spritzen behandelt werden.

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Wechselwirkungen von Migräne-Spritzen

Es sind keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt.

Abgabevorschriften von Migräne-Spritzen

Migräne-Spritzen sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz rezeptpflichtig.

Nebenwirkungen von Migräne-Spritzen

Als Nebenwirkungen beschreiben Ärzte u.a. Rötungen an der Einstichstelle, Übelkeit, Verstopfung oder Schwindel.

Infusionstherapien gegen Migräne

Infusionstherapien bieten eine gezielte Behandlung für Migräne, indem sie Medikamente direkt in die Blutbahn leiten, was eine schnelle und effektive Linderung ermöglicht.

Hier sind einige gängige Infusionstherapien und ihre Wirkungsweisen:

  • Hydrationstherapie: Beseitigt Dehydration, ein häufiger Migräneauslöser.
  • Elektrolyt-Infusionen: Balancieren essentielle Mineralien wie Magnesium, die Migräne auslösen können.
  • Vitamininfusionen: Hochdosierte Vitamine, insbesondere Vitamin B und C, können Migräneanfälle reduzieren.
  • Schmerzmittelinfusionen: Direkte Verabreichung von Analgetika für schnelle Schmerzlinderung.

Diese Therapien werden individuell angepasst, um die spezifischen Bedürfnisse der Patienten zu erfüllen und eine effektive Linderung der Migränesymptome zu gewährleisten.

Eptinezumab: Ein intravenös verabreichter CGRP-Antikörper

Eptinezumab (Handelsname Vyepti) ist seit Januar 2022 in Deutschland zur Vorbeugung von Migräne zugelassen. Es kommt für Erwachsene infrage, die mindestens vier Tage im Monat Migräne haben. Eptinezumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der gegen das vasoaktive Neuropeptid Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) gerichtet ist und dessen Bindung an seinen Rezeptor blockiert. Eptinezumab wird alle 12 Wochen mittels intravenöser Infusion in einer Dosis von 100 mg verabreicht. Falls erforderlich kann die Dosis auf 300 mg gesteigert werden.

In den beiden Studien PROMISE-1 und PROMISE-2 ließ sich die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Eptinezumab nachweisen. In den Studien nahm die Zahl der durchschnittlichen monatlichen Migränetage im Vergleich zu Placebo bei beiden Dosierungen ab dem ersten Tag nach der Infusion ab.

Weitere Therapieansätze bei Migräne

Neben Migräne-Spritzen und Infusionstherapien gibt es weitere Therapieansätze, die bei der Behandlung von Migräne eingesetzt werden können:

  • Konventionelle Therapie: Für nicht vorbehandelte Personen sowie Patientinnen und Patienten, bei denen mindestens eine vorbeugende Therapie nicht ausreichte oder nicht vertragen wurde, kommt abhängig vom bereits ausprobierten Wirkstoff, eine sogenannte konventionelle Therapie mit den Wirkstoffen wie Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin oder Clostridium botulinum Toxin Typ A infrage.
  • Muskelentspannende, medikamentöse Therapie: Eine wirksame Methode zur Reduktion der Migräneanfälle ist die gezielte Entspannung bestimmter Muskeln. Dies kann durch verschiedene nicht-invasive Verfahren erreicht werden, die langfristig die Häufigkeit und Intensität der Attacken verringern.
  • Regelmäßiger Sport: Regelmäßiger Sport, vor allem Ausdauersport kann tatsächlich sehr hilfreich sein, um die Häufigkeit von Migräne-Attacken zu reduzieren und die Beschwerden zu lindern.
  • Stressmanagement: Es hilft auch, den Stress im Alltag auf ein Minimum zu reduzieren und auf ausreichend Schlaf und eine ausgewogene, gesunde Ernährung zu achten. Regelmäßig durchgeführte Muskelentspannungsübungen, wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, können ebenfalls helfen.

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