Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte, heftige Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Diese Attacken gehen oft mit Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Geräuschempfindlichkeit einher. Für viele Betroffene stellen Migräneattacken eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität dar. Glücklicherweise gibt es verschiedene Therapieoptionen, darunter auch Infusionen, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können.
Die Rolle von CGRP bei Migräne
Ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Migräne ist das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP). CGRP ist ein Eiweißstoff, der von Nervenzellen freigesetzt wird und an der Entzündungsreaktion bei Migräne beteiligt ist. Während einer Migräneattacke sind die CGRP-Werte bei Betroffenen erhöht.
CGRP-Antikörper: Ein neuer Therapieansatz
In den letzten Jahren wurden monoklonale Antikörper entwickelt, die gegen CGRP oder dessen Rezeptor wirken. Diese Antikörper, bekannt als CGRP-Antikörper, stellen einen gezielten Therapieansatz zur Migräneprophylaxe dar. Sie unterbrechen den Signalweg des CGRP und können so die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
Eptinezumab (Vyepti): Ein intravenös verabreichter CGRP-Antikörper
Eptinezumab (Handelsname Vyepti) ist ein rekombinanter humanisierter Immunglobulin-G1(IgG1)-Antikörper, der spezifisch an CGRP bindet und dessen Wirkung hemmt. Im Januar 2022 wurde Eptinezumab in Deutschland zur Vorbeugung von Migräne bei Erwachsenen zugelassen, die an mindestens vier Tagen im Monat unter Migräne leiden.
Vorteile der intravenösen Verabreichung
Im Gegensatz zu anderen CGRP-Antikörpern, die subkutan (unter die Haut) injiziert werden, wird Eptinezumab intravenös als Infusion verabreicht. Dies ermöglicht einen schnelleren Wirkeintritt, da der Wirkstoff direkt in die Blutbahn gelangt und somit rasch therapeutische Spiegel erreicht. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit von Eptinezumab bereits am Tag der Infusion eintreten kann.
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Dosierung und Anwendung
Die empfohlene Dosis von Eptinezumab beträgt 100 mg, die alle 12 Wochen als intravenöse Infusion über einen Zeitraum von etwa 30 Minuten verabreicht wird. Bei Bedarf kann die Dosierung auf 300 mg gesteigert werden. Die Entscheidung über eine Dosiserhöhung sollte innerhalb von 12 Wochen nach Behandlungsbeginn getroffen werden.
Studienergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Eptinezumab wurden in zwei pivotalen Phase-III-Studien (PROMISE-1 und PROMISE-2) untersucht. PROMISE-1 umfasste Patienten mit episodischer Migräne, während PROMISE-2 Patienten mit chronischer Migräne einschloss. In beiden Studien führte Eptinezumab zu einer signifikanten Reduktion der monatlichen Migränetage im Vergleich zu Placebo.
- PROMISE-1 (Episodische Migräne): Die mittlere Reduktion der monatlichen Migränetage betrug etwa 4 Tage pro Monat. Etwa die Hälfte der Patienten, die 100 mg Eptinezumab erhielten, erlebten eine Halbierung ihrer monatlichen Migränetage.
- PROMISE-2 (Chronische Migräne): Die mittlere Reduktion der monatlichen Migränetage betrug etwa 8 Tage pro Monat. Der Anteil der Patienten, die eine Halbierung ihrer monatlichen Migränetage erreichten, lag etwas höher als in der PROMISE-1-Studie.
Eine Langzeitstudie (PREVAIL) untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Eptinezumab über einen Zeitraum von bis zu 96 Wochen. Die Ergebnisse dieser Studie bestätigten die anhaltende Wirksamkeit von Eptinezumab bei der Reduktion der Migränefrequenz.
In den klinischen Studien wurden auch die Sicherheit und Verträglichkeit von Eptinezumab untersucht. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Nasopharyngitis (Entzündung des Nasen-Rachen-Raums) und Überempfindlichkeitsreaktionen. In den meisten Fällen waren die Überempfindlichkeitsreaktionen mild bis moderat und konnten wirksam behandelt werden.
Eptinezumab bei Patienten mit Medikamentenübergebrauch
Patienten mit chronischer Migräne und gleichzeitigem Medikamentenübergebrauch (MOH) gelten als schwer behandelbar. Die Daten aus der PROMISE-2-Studie deuten darauf hin, dass Eptinezumab auch bei dieser Patientengruppe wirksam sein kann. Die Behandlung mit Eptinezumab führte zu einer signifikanten Reduktion der monatlichen Migränetage, unabhängig davon, ob die Patienten zuvor eine MOH-Therapie erhalten hatten.
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Weitere CGRP-Antikörper zur Migräneprophylaxe
Neben Eptinezumab sind noch weitere CGRP-Antikörper zur Migräneprophylaxe zugelassen:
- Erenumab (Aimovig): Blockiert den CGRP-Rezeptor.
- Galcanezumab (Emgality): Neutralisiert CGRP direkt.
- Fremanezumab (Ajovy): Neutralisiert CGRP direkt.
Diese Antikörper werden subkutan injiziert und haben unterschiedliche Dosierungsintervalle. Erenumab wird alle vier Wochen, Galcanezumab monatlich und Fremanezumab monatlich oder vierteljährlich verabreicht.
Die "Migräne-Spritze" im Überblick
Der Begriff "Migräne-Spritze" wird umgangssprachlich für Medikamente zur Vorbeugung von Migräneanfällen verwendet, die in Form von Fertigpens zur Verfügung stehen. Diese Fertigpens enthalten eine Injektionslösung mit einem der oben genannten CGRP-Antikörper. Die "Migräne-Spritze" wirkt, indem sie den Botenstoff CGRP oder dessen Rezeptor blockiert und so die Entstehung von Migräneanfällen verhindert.
Anwendung der "Migräne-Spritze"
Die Anwendung der "Migräne-Spritze" hängt vom jeweiligen Präparat ab. In der Regel wird die Injektion einmal monatlich oder alle drei Monate unter die Haut verabreicht. Ihr Arzt wird Ihnen die korrekte Handhabung zeigen und den Behandlungserfolg regelmäßig überprüfen.
Mögliche Nebenwirkungen der "Migräne-Spritze"
Wie bei allen Medikamenten können auch bei der Anwendung der "Migräne-Spritze" Nebenwirkungen auftreten. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
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- Rötungen an der Einstichstelle
- Verstopfung
- Übelkeit
- Schwindel
In seltenen Fällen können auch schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten. Es ist wichtig, dass Sie Ihren Arzt über alle auftretenden Beschwerden informieren.
Wann ist die "Migräne-Spritze" geeignet?
Die "Migräne-Spritze" ist für Erwachsene geeignet, die an mindestens vier Tagen im Monat unter Migräne leiden und bei denen andere vorbeugende Behandlungen nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden.
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die "Migräne-Spritze", wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehört, dass herkömmliche Therapien nicht ausreichend wirksam waren und die Migräne die Lebensqualität des Patienten erheblich beeinträchtigt.
Akute Migräneattacken behandeln
Es ist wichtig zu beachten, dass die CGRP-Antikörper, einschließlich Eptinezumab, nicht zur Behandlung akuter Migräneattacken geeignet sind. Sie dienen ausschließlich der Vorbeugung von Migräne. Zur Behandlung akuter Attacken stehen andere Medikamente zur Verfügung, wie z.B. Triptane.
RELIEF-Studie: Eptinezumab bei akuten Migräneanfällen?
Eine Phase-III-Studie (RELIEF) untersuchte, ob Eptinezumab auch zur Therapie akuter Migräneattacken eingesetzt werden kann. In dieser Studie erhielten Erwachsene mit Migräne Eptinezumab oder Placebo innerhalb von 1 bis 6 Stunden nach Beginn einer mittelschweren bis schweren Migräneattacke. Die Ergebnisse zeigten, dass Eptinezumab im Vergleich zu Placebo zu einer schnelleren Linderung der Kopfschmerzen und des am meisten belastenden Symptoms führte. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass Eptinezumab derzeit nicht zur Behandlung akuter Migräneattacken zugelassen ist.
Alternativen zur medikamentösen Migräneprophylaxe
Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Migräneprophylaxe beitragen können. Dazu gehören:
- Regelmäßiger Ausdauersport: Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren können die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
- Entspannungsübungen: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
- Gesunder Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, ausgewogene Ernährung und Stressmanagement können ebenfalls dazu beitragen, Migräneattacken zu vermeiden.
Die Schmerzklinik Kiel: Kompetenzzentrum für Kopfschmerztherapie
Die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel ist ein spezialisiertes Zentrum für die Therapie von Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen. Die Klinik bietet eine umfassende Diagnostik undTherapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.
Aufnahmeformalitäten
Für die Planung eines Aufnahmetermins in der Schmerzklinik Kiel sind folgende Schritte erforderlich:
- Ihr behandelnder Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Ihr Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
- Sie füllen den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Senden Sie alle Unterlagen und zusätzlich Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift.
Kostenübernahme
Die Kostenübernahme für die Behandlung in der Schmerzklinik Kiel ist je nach Krankenkasse unterschiedlich geregelt. Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetzwerk der Klinik vertraglich geregelt. Für Versicherte der AOK Schleswig-Holstein, der Techniker Krankenkasse, der Deutschen Angestelltenkrankenkasse, der Hanseatischen Krankenkasse HEK, der Landwirtschaftlichen Krankenkasse Schleswig-Holstein und Hamburg, der Knappschaft Bahn See, der BKK vor Ort und der E.ON Betriebskrankenkasse erfolgt die Kostenübernahme bei Vorliegen der Aufnahmebedingungen.
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