Körper und Seele sind untrennbar miteinander verbunden. Seele und Körper hängen zusammen, sie arbeiten nicht getrennt voneinander. Fühlen wir uns beispielsweise gestresst oder haben wir Angst, hat das körperlich wahrnehmbare Folgen: Herzklopfen, schwitzige Hände, auf lange Sicht möglicherweise auch Kopfschmerzen. Umgekehrt können Gedanken und Gefühle unseren Körper aber auch beruhigen, unsere Wahrnehmung von Schmerzen verändern oder, im besten Fall, Kopfschmerzen verschwinden lassen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen innerer Wut und Migräne, untersucht die psychosomatischen Ursachen und bietet Strategien zur Bewältigung.
Die Rolle von Stress als Migräneauslöser
Druck in der Arbeit, eine Prüfung oder eine plötzliche Erkrankung des Kindes - jeder kennt solche stressigen Momente. Migränepatienten belasten sie häufig jedoch besonders, weil der Stress eine Attacke oder Spannungskopfschmerzen auslösen kann. Weiterhin bedrückt oftmals auch die Angst vor einer Migräne die Psyche so stark, dass das die Kopfschmerzen hervorruft. Stress wird von Patienten mit Abstand am häufigsten als Auslöser (Triggerfaktor) von Migräne genannt. Vor allem Belastungen im Beruf, aber auch Druck in der Freizeit sind Gründe, weshalb sich Befragte der Studie oft gestresst fühlen. Dabei fällt auf, dass eine Migräneattacke bei vielen Patienten meist nicht während der akut stressigen Situation auftritt, sondern erst in der nachfolgenden Entspannungsphase. Da die Erholung oft mit dem lang ersehnten Wochenende zusammenfällt, bezeichnen Mediziner diese Art von Migräne auch als „Wochenendmigräne“.
In emotional belastenden Situationen reagiert der Körper, indem er vermehrt das Hormon Cortisol ausschüttet. Dieses hat eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem und wird in der Medizin deshalb häufig auch zur Hemmung von Entzündungen verwendet. Mediziner vermuten, dass Schwankungen im Cortisol-Spiegel dafür verantwortlich sind, dass beim Nachlassen von Stress eine Migräne eintreten kann. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Menschen am Wochenende einen anderen Schlafrhythmus haben. Für Migräne-Patienten ist das ebenfalls ein möglicher Trigger. Nicht das absolute Stressniveau entscheidet, ob sich eine Migräne durch Stress anbahnt, sondern die Veränderung des Stressniveaus.
Was ist Stress überhaupt?
Um den Migräne-Auslöser Stress besser zu verstehen und psychosomatische Ursachen zu ergründen, ist vor allem eine Frage entscheidend: Was ist Stress eigentlich genau? Stress meint einen körperlichen Spannungszustand, der durch verschiedene Reize (wie die Angst, etwas nicht zu schaffen) ausgelöst werden kann. Der Körper versetzt sich in Alarmbereitschaft, indem er den Herzschlag beschleunigt, die Muskeln anspannt und die Durchblutung im Gehirn erhöht. Eigentlich sind das nützliche Reaktionen des Körpers, um akut die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Nimmt der Stress jedoch überhand und/oder bleibt er über einen längeren Zeitraum bestehen, kann er uns krankmachen.
Wann diese Belastungsgrenze erreicht ist, ist dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab - unter anderem von der Persönlichkeit oder dem erlernten Umgang mit Stresssituationen. Beispielsweise kann das gleiche Geschäftsessen für die eine Person anstrengend sein, während sich die andere wohlfühlt. Stress ist folglich ein sehr subjektives Empfinden, was die Untersuchung von seelischen Ursachen bei Migräne nicht unbedingt erleichtert. Gerade weil Stress für jeden etwas anderes bedeutet, ist es also wichtig, dass du deine individuellen Stressfaktoren ausfindig machst.
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Die Verbindung von Wut und Migräne
Liebe Frau Rösch,schon seit einiger Zeit trage ich die Frage mit mir herum, ob Sie vielleicht etwas zum Umgang mit Wut schreiben könnten.Ich kämpfe sehr mit angestauten Gefühlen, die durch ein Trauma ausgelöst wurden. Wenn ich mich heute ohnmächtig fühle, puscht das mit einem Mal die Gefühle hoch. Wenn ich eine Situation nicht ändern kann, fühle ich mich ohnmächtig und ausgeliefert. Es spielt keine Rolle in welcher Hinsicht ich mich ohnmächtig fühle. Ich gerate so sehr in innere Not, dass ich das Gefühl habe, dass Wut, Hass und Aggression sich überschlagen. Diese Gefühle kommen selten zum Ausdruck. Die Migräne ist mein einziges Ventil, diesen Druck wieder abzubauen. Darunter leide ich so sehr, dass ich gerne einen anderen Weg finden würde.
Einerseits versuche ich mich für etwas einzusetzen, wenn ich erkenne, dass mir etwas zusteht oder ich im Recht bin. Das ist nicht leicht, weil ich das bisher nie getan habe. Dadurch, dass ich mich mit dem Thema beschäftige und es nicht sofort wegdrücke, verstärkt sich der Druck noch. Andererseits habe ich versucht, der Wut einen Ausdruck zu geben. Da es mir nicht möglich ist, zu schreien oder irgendwie laut und ausdrucksstark zu werden, habe ich es zumindest einmal im Geiste versucht. Aber selbst das hat eine heftige Migräne zur Folge. Es gibt also keine Veränderung, wenn ich versuche mit der Wut irgendeinen Umgang zu finden. Im Gegenteil habe ich das Gefühl, dass mein Kopf zu zerspringen droht. Es hilft dann nur, mich völlig von dem Thema zu distanzieren und meditativ für Ruhe zu sorgen.
Die physiologische Reaktion auf Bedrohung und Wut
Wenn wir eine Bedrohung wahrnehmen, löst unser Limbisches System Alarm aus und stellt über die Stressreaktion Handlungsbereitschaft her. Wut ist die gesunde Reaktion auf Bedrohung. Haben wir noch Handlungsstrategien, spüren wir Wut, nähern uns der Gefahr und „kämpfen“. Diese Handlungsmöglichkeiten bezeichne ich als Kampfstrategien. Wenn man nun als Kind in eine Situation kommt, in der man sich bedroht fühlt, und der Angreifer ein Erwachsener ist, hat man keine Chance. Der Erwachsene wird mit seinem Verhalten dafür sorgen, dass das Kind sich nicht wehren kann. Wenn das nicht geht und die Bedrohung fortdauert, wird das Kind Angst bekommen und flüchten wollen. Aber auch das geht nicht. Und so ist es der Gewalt des Erwachsenen ausgeliefert. Bekommt Todesangst, fühlt sich ohnmächtig und dann schaltet das Gehirn um in die Notabschaltung. Das Kind kommt in einen von drei Zuständen. Entweder es reagiert panisch, schreit und weint bis zur Bewusstlosigkeit, oder kommt in die Schreckstarre und kann sich nicht mehr rühren. Im dritten Zustand werden alle Gefühle abgeschaltet.
Als Erwachsener kann einem dann noch etwas einfallen, was einem hilft. Wenn die Gewalt sich wiederholt, kommt der Körper immer wieder in einen Ausnahmezustand, der mit großer Muskelspannung einhergeht. Außerdem ist es eine häufige Strategie, Gefühle durch Anspannung zu unterdrücken. Kopfschmerzen können eine Folge sein. Wenn die Migräne dazu führt, dass das Kind hin und wieder keine Gewalt erfährt, dann kann es sein, dass das Hirn lernt, dass Kopfschmerzen ein Schutz sind. Wenn Wut Gefahr anzeigt, Kopfschmerzen aber Schutz, dann kann es sein, dass das Hirn diese Verbindung zusammenbringt und auf Wut mit Kopfschmerzen reagiert.
Strategien zur Bewältigung von Wut und Migräne
Folgende Dinge gilt es zu lernen, wenn man dieses Entstehungsmodell voraussetzt: Wut ist eine gesunde, gute und wünschenswerte Reaktion auf Bedrohung. Es gibt keinen Grund Wut zu unterdrücken. Wut in Verbindung mit geeigneten Verhaltensweisen stellt einen guten Schutz vor Gewalt dar. Wenn die Wiederholungen oft genug stattgefunden haben, dann ist der Kreislauf und jede Reaktion sehr gut gelernt und läuft entsprechend automatisch ab.
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Nachdem Sie geschildert haben, dass Sie schon Kopfschmerzen bekommen, wenn Sie sich nur vorstellen sich zu wehren, würde ich Ihnen empfehlen mal mit folgenden Gedanken anzufangen: „Ich bin erwachsen. Ich bin wertvoll. Ich darf mich wehren. Ich brauche keine Kopfschmerzen mehr zu meinem Schutz. Schreiben Sie sich das ab und hängen es irgendwo auf. Lesen Sie es immer wieder und denken darüber nach. Suchen Sie Argumente dafür, warum das die Wahrheit für Sie ist. Das ist ein Anfang. Ganz sanft sich die Erlaubnis geben, diese positiven und gesunden Gedanken zu denken und davon zutiefst überzeugt zu sein. Ich gehe davon aus, dass es in Ihrem Leben in der Gegenwart keine lebensbedrohlichen Situationen mehr gibt. Was es so schwierig macht ist, dass Ihr Gehirn gegenwärtige Situationen mit der Vergangenheit verwechselt. Das geht nur, indem man sich eine Situation nach der anderen anschaut.
Angst vor Migräne als Auslöser
Die ständige Angst vor der Migräne begleitet viele Patienten und belastet die Psyche. Denn die heftigen Kopfschmerzen, gepaart mit Übelkeit oder visuellen Störungen, werden oftmals zur Qual. Das kann soweit führen, dass die Betroffenen direkt nach einer überstandenen Migräne-Attacke Ängste entwickeln, dass bald eine neue ins Haus steht. In einer Untersuchung kam heraus, dass die Ängste umso größer sind, je häufiger Migräne-Attacken auftreten. Daher kann Angst durchaus als Triggerfaktor für Migräne fungieren. Durch die Empfindung gerät der Körper in eine Stresssituation, was wiederrum zu den Kopfschmerzen führt.
Betroffene machen sich beispielsweise in folgenden Situationen angstvolle Gedanken:
- Es steht ein wichtiger Termin auf der Arbeit an. Die Angst, dass eine Migräne-Attacke zum Ausfall führt, steigt so weit, dass es tatsächlich dazu kommt.
- Ein schöner Abend mit Freunden wird die ganze Zeit durch die Angst begleitet, dass sich die späte Uhrzeit oder das Gläschen Sekt am nächsten Tag rächen werden.
- Etwas im Leben verändert sich: Ein neuer Job oder ein Umzug kann durch ständige Angst begleitet werden, dass sich eine schmerzhafte Migräne ausbildet.
So entwickeln sich Ängste oftmals zur selbsterfüllenden Prophezeiung: Sie lösen einen derartigen Stress aus und belasten die Psyche, sodass eine Migräne-Attacke tatsächlich eintritt. Bei manchen Personen entstehen aus den Ängsten psychische Erkrankungen. Bei diesen Angststörungen nimmt die Furcht übermäßige Ausmaße an, die Betroffenen leiden unter Panikattacken oder Phobien. Weitere Zusammenhänge bestehen zu Depressionen und bipolaren Störungen.
Strategien zur Bewältigung von Migräne und Stress
Die Fähigkeit, Stress zu bewältigen, ist eine wesentliche Maßnahme zur Vorbeugung von Migräne. Aber wie gehst du im Alltag am besten damit um?
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- Struktur: Für Migränepatienten kann ein strikt geplanter Tagesablauf bei der Strukturierung der Aufgaben helfen. Achte jedoch darauf, dir nicht zu viel zuzumuten. Am besten planst du zwischendurch kleine Pausen ein - zum Beispiel für einen kurzen Spaziergang in der Mittagspause.
- Unterstützung: Gerade für Eltern ist es nicht einfach, Migräne und Kinder gleichzeitig zu bewältigen. Im Notfall, zum Beispiel wenn das Kind krank ist, ist es deshalb wichtig, wenn du dich auf Personen in deinem Umfeld, zum Beispiel die Großeltern oder gute Freunde, verlassen kannst.
- Bewegung: Daneben ist regelmäßiger Ausdauersport wie Walking oder Joggen - etwa drei bis viermal in der Woche - eine gute Möglichkeit, um Stress abzubauen.
- Entspannung: Außerdem kannst du Entspannungsübungen wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson erlernen, um für Körper und Geist etwas Gutes zu tun.
Weiterhin kann es hilfreich sein, sich vertraute Personen zu suchen, um über deine Unsicherheiten zu sprechen. Zusätzlich stehen spezielle Stressbewältigungskurse zur Verfügung, wo die psychosomatischen Ursachen deiner Migräne identifiziert werden und in denen du Verfahren kennenlernst, um stressigen Situationen gelassener zu begegnen.
Tipps gegen die Migräne-Angst
Wenn du ständig Angst vor Migräne hast oder gar Panik entwickelst, scheu dich nicht und such unbedingt einen Arzt auf. Es gibt eine Vielzahl an Therapien, die zur Behandlung infrage kommen. Dazu gehören zum Beispiel Psycho- und Verhaltenstherapien oder auch Medikamente.
Darüber hinaus haben wir einige Tipps, was du selbst gegen Angst vor Migräne tun kannst:
- Mehr Gelassenheit: Versuch, dein Leben nicht komplett nach deinen Ängsten zu gestalten. Wenn du Verabredungen absagst oder auf jede kleine Sünde verzichtest, weil du Angst vor Migräne hast, leiden Sozialleben und die Lebensqualität. Das führt wiederum zu Verspannungen und Unzufriedenheit. Stattdessen ist es ratsam zu lernen, mit den Triggern umzugehen und sich ihnen in kleinen Dosen immer mal wieder auszusetzen. So besteht die Chance, dass sich dein Körper daran gewöhnt.
- Sport: Kopfschmerzexperten sind überzeugt davon, dass regelmäßiger Sport eine Möglichkeit bietet, den Teufelskreis zu durchbrechen. Zwei- bis viermal Bewegung pro Woche von mindestens einer halben Stunde wird empfohlen. Ideal: Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Walking.
- Entspannungsübungen: Um die Angst vor Migräne zu bewältigen, lassen sich die gleichen Techniken wie zum Stressabbau verwenden. Entspannungsverfahren wie autogenes Training, aber auch Yoga oder Meditationen stehen zur Auswahl. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction - MBSR). Studien haben bestätigt, dass das Programm zur Stressbewältigung helfen kann, mit der Krankheit besser umzugehen und Stress, Angst und Depressionen zu reduzieren.
Psychotherapeutische Behandlungsansätze bei Kopfschmerzen
Wenn Ihnen vor allem die Schmerzen zu schaffen machen, sie aber nicht antriebslos sind, kann eine Verhaltenstherapie helfen. Bei dieser Therapieform sind schnell Erfolge zu sehen, denn sie zielt auf eine ganz konkrete Veränderung des Verhaltens in bestimmten Situationen. Haben Sie Spannungskopfschmerzen und fühlen sich außerdem abgeschlagen, unruhig, unter ängstlicher Spannung, ist eine Kombination aus Verhaltenstherapie und anderen psychotherapeutischen Verfahren sinnvoll, unter Umständen auch eine Psychoanalyse. Werden chronische Schmerzen nicht nur medizinisch, sondern auch psychotherapeutisch behandelt, treten sie seltener und weniger stark auf. Das belegen viele Studien. Die Schmerzgeplagten brauchen weniger Medikamente und haben gelernt, wie sie die Schmerzen im Alltag besser bewältigen.
Verhaltenstherapie bei chronischen Schmerzen
Menschen mit chronischen Schmerzen haben eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Sehr oft kommen verschiedene Verhaltensweisen, Einstellungen und Charaktereigenschaften eines Menschen zusammen, die den Schmerz ungünstig beeinflussen. Kopfschmerzkranke erleben die Pein und ihre Folgen oft als Katastrophe. Zudem stellen sie sich vor, es gäbe eine einzige Ursache für ihre Kopfschmerzen - zum Beispiel eine bestimmte Stelle im Körper, die nicht richtig funktioniere. Dabei fühlen sie sich oft machtlos, ein typischer Satz lautet: "Meine Halswirbelsäule ist kaputt, daher kommen meine Kopfschmerzen. Treten die Schmerzen häufiger auf, wirken sie sich auf viele Lebensbereiche der Betroffenen aus. Im Extremfall ziehen sich chronisch Schmerzkranke von allem zurück. Sie vernachlässigen ihre Partnerschaft, ihre Freunde, ihre Familie, ihre Arbeit. Sie haben keinen Spaß mehr am Sex. Stattdessen konzentrieren sie sich nur auf ihre Schmerzen und kennen nur noch dieses eine Thema. Sie schonen sich übermäßig aus Angst vor Schmerzattacken. Sie versuchen, ihre Kopfschmerzen mit Medikamenten in den Griff zu kriegen und wechseln oft den Arzt.
Bei einer Verhaltenstherapie versucht der Psychologe zunächst herauszufinden, was zu den chronischen Schmerzen geführt haben könnte. Ein weiterer Faktor könnten Erfahrungen aus der Kindheit sein: Manche Menschen lernen schon in der Familie, sich ständig mit Schmerzen zu beschäftigen. Eine Rolle spielt außerdem, wie jemand auf Stress reagiert und ob Stress mit negativen Gedanken verbunden ist. Außerdem nimmt jeder Mensch Schmerz anders wahr. Im nächsten Schritt der Therapie üben die Betroffenen, problematisches Verhalten zu verlernen und trainieren sich positives, gesundes Verhalten an. Das Ziel ist nicht unbedingt die absolute Schmerzfreiheit. Das wäre unrealistisch. Zwei Dinge müssen Kopfschmerzkranke in die Verhaltenstherapie mitbringen: die Bereitschaft, sich mit ihren Lebensumständen auseinander zu setzen, auch wenn dies nicht immer angenehm ist.
Spezielle Therapieansätze für Migränepatienten
Die Therapie wurde speziell für Menschen mit Migräne entwickelt. Viele Migränekranke drücken in ihrer Mimik, ihrer Gestik, ja, in ihrem gesamten Verhalten das genaue Gegenteil dessen aus, was sie innerlich wirklich fühlen. Sie verbergen Sorgen und Probleme sorgfältig vor anderen. Sie können sogar freundlich und heiter von schlimmsten Krisen und Belastungen erzählen. Äußeres und Inneres stimmt bei Ihnen nicht überein. In der Therapie lernen die Schmerzkranken, ihren Körper besser wahrzunehmen. Sie beobachten den Zusammenhang zwischen Ihren Gedanken und körperlichen Stresszeichen und versuchen, diese zu kontrollieren. Sie lernen, Gefühle durch reales Verhalten auszudrücken. Anspannung entsteht zum Beispiel durch seelischen Stress, unbewusste Ängste oder unterdrückte Wut. Migräneleidende setzen sich zudem oft einem hohen Leistungsdruck aus, möglicherweise kämpfen sie mit Problemen in der Partnerschaft oder sind durch den Beruf überlastet.
In einem Stressbewältigungstraining finden Betroffene zusammen mit einen Psychologen diejenigen Situationen heraus, die immer wieder Stress auslösen und auf die die Betroffenen entsprechend reagieren: mit übermäßiger Erregung und Unruhe. Schmerztagebücher und Stressanalysebögen können bei der Suche helfen. Sind die Stressfaktoren bekannt, geht es darum, sie auszuschalten, zu umgehen und umzudeuten. So helfen zum Beispiel eine effektivere Zeitplanung und eine bessere Tagesstruktur, Belastungen abzufangen. Nicht alle Stressursachen lassen sich wegplanen. In dem Training lernen Sie auch, wie Sie zukünftigem Stress begegnen können und wie Sie Ihre innere Balance finden können. Sie werden zudem vertraut gemacht mit einer Entspannungsmethode wie der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson. Sie hilft, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen. Schließlich lernen die Betroffenen in Rollenspielen, sich für ihre Interessen einzusetzen und sich besser gegen die Forderungen anderer abzugrenzen.
Biofeedback als Methode zur Schmerzlinderung
Biofeedback-Methoden melden zurück, was im Körper passiert. Meist können die Betroffenen das auf einem Monitor sehen, manche Verfahren arbeiten auch mit akustischen Signalen. Um Kopfschmerzen zu lindern, werden den Geplagten Sensoren im Kopfbereich angebracht. Sie zeichnen diejenigen Signale auf, die die darunter liegenden Muskeln abgeben. Bei Biofeedback-Verfahren für Kopfschmerzgeplagte messen die Sensoren die Spannung der Kopfmuskeln sowie den Pulsschlag des Herzens. Durch diese Rückmeldung lernen die Verkabelten, ihre eigenen Körperreaktionen besser wahrzunehmen und erfahren, wann Stress zu Verspannungen führt. Sobald dies geschafft ist, können sie versuchen, ihre körperlichen Reaktionen zu kontrollieren. Ob das gelingt oder nicht, zeigt der Monitor. Biofeedback ist vor allem für Menschen mit Spannungskopfschmerzen geeignet.