Das Innere Saum Limbische System: Funktion, Anatomie und Bedeutung für das menschliche Verhalten

Die Frage nach den Antrieben menschlichen Verhaltens gehört zu den wichtigsten Fragen unserer Existenz. In diesem Zusammenhang werden traditionell Verstand und Gefühle als Gegensatz betrachtet. Der Mensch, obwohl biologisch mit Tieren verwandt, wird durch Vernunft und Denken über diese erhoben und seit der antiken griechischen Philosophie als Vernunftwesen, als animal rationale, definiert. Es ist jedoch seit jeher klar, dass die Ratio nicht ausschließlich das menschliche Verhalten lenkt, sondern dass Gefühle und niedere Triebe oft über Verstand und Vernunft triumphieren. Die Verbesserung des Menschengeschlechts wird daher im Sieg des Verstandes und der Vernunft über Triebe und Gefühle gesehen. Diese Vorstellung ist tief in unser philosophisches und wissenschaftliches Denken eingegangen, wobei man durchaus von einer Gefühlsfeindlichkeit der Wissenschaft sprechen kann.

Das limbische System, ein faszinierendes und komplexes Netzwerk tief in unserem Gehirn verankert, spielt eine entscheidende Rolle in der Steuerung und Verarbeitung unserer emotionalen Reaktionen, Lernprozesse und der Bildung von Erinnerungen. Die Entdeckung des limbischen Systems markierte einen Wendepunkt im Verständnis der menschlichen Psychologie und Neurologie. Früher glaubte man, dass Emotionen und Gedanken voneinander getrennt seien, doch die Erforschung des limbischen Systems hat gezeigt, dass diese beiden Aspekte unseres Seins tief miteinander verwoben sind.

Definition und historische Entwicklung

Der Begriff „limbisches System“ ist sehr unscharf und bezeichnet eine Gruppe von Strukturen, die mit der Verarbeitung von Emotionen und mit Gedächtnisprozessen befasst sind. Welche Strukturen und Areale zum limbischen System zählen, lässt sich nicht eindeutig sagen - die Angaben variieren entsprechend der Position und des Konzeptes des jeweiligen Autors.

Die älteste Definition stammt von dem französischen Arzt Paul Broca (1824 - 1880). Er postulierte 1878, es gebe in der Großhirnrinde ein Areal, das sich vom restlichen Cortex grundlegend unterscheide - und von dem Broca fälschlicherweise annahm, es sei ausschließlich für das Riechen zuständig. Weil sich dieses Areal ringförmig um den Thalamus und Anteile der Basalganglien legt, wählte er den lateinischen Begriff „limbus“, was so viel bedeutet wie „Saum“ oder „Rand“. Unter dem Begriff des Lobus limbicus wurden von P. Broca verschiedene Strukturen der mittleren und basalen Großhirnoberfläche zusammengefasst, die sich wie ein Saum (Limbus) um den Hirnstamm legen.

1949 formulierte der US-amerikanische Mediziner und Hirnforscher Paul McLean die Theorie, das limbische System sei das Zentrum unserer Emotionen und stelle damit - ungefähr wie eine biologische Matrjoschka-Puppe - ein emotionales Gehirn im Gehirn dar. Seine inzwischen überholte Theorie unterfütterte er auch mit evolutionären Thesen: Zuerst, so glaubte er, sei das grobe Überleben des Reptiliengehirns gekommen, dann die emotionale Steuerung des limbischen Systems und ganz zuletzt erst hätten sich die höheren kortikalen Bereiche entwickelt. Nichts davon trifft zu. McLean ging davon aus, dass zusätzlich zu den von Broca bestimmten Arealen auch die Amygdala und das Septum am limbischen System beteiligt seien.

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Heutzutage zählen die meisten Wissenschaftler zum limbischen System den Hippocampus, den Gyrus cinguli, den Gyrus parahippocampalis, die Amygdala und das Corpus mamillare. Auch wird die Erweiterung des limbischen Systems um das Riechhirn - inklusive Septum - und Teile des Thalamus diskutiert. Spätestens hier wird klar: Das limbische System definiert sich nicht topographisch über die lokale Nähe der Strukturen, sondern über ihre funktionalen Verbindungen. Und tatsächlich sind die beteiligten Strukturen eng miteinander verknüpft.

Die Entdeckung und Entwicklung des Konzepts des limbischen Systems ist ein Paradebeispiel für den fortschreitenden Charakter der Wissenschaft. Von den ersten Beobachtungen Brocas bis zu den detaillierten Analysen durch Papez, MacLean und viele andere Forscher hat sich unser Verständnis dieses Schlüsselbereichs des Gehirns kontinuierlich erweitert.

Anatomie des limbischen Systems

Das limbische System besteht aus einer eng vernetzten Gruppe von Hirnarealen, die in verschiedene Bereiche des Großhirns, aber auch des Hirnstamms aussenden. Wichtige Bestandteile sind Hippocampus, Gyrus cinguli, Gyrus parahippocampalis, Amygdala und Corpus mamillare.

Es besteht aus zwei ineinander gelagerten, ringartig verknüpften Systemen: innerer Ring (Allokortex) und äußerer Ring (Mesokortex).

Die Strukturen des LS sind in multiplen Erregungskreisen organisiert und als neuronales Substrat der Emotionen und der Bildung des Gedächtnisses von Bedeutung. Das LS ist mit Teilen des Hypothalamus so eng verbunden, dass diese dem «System» oft zugerechnet werden. Auch mit dem temporalen präfrontalen Neokortex bestehen enge Verbindungen, sodass beide oft als Teile des LS angesprochen werden.

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Die anatomische Gliederung des limbischen Systems erfolgt in:

  • Hippocampus (Schläfenlappen)
  • Fornix
  • Corpus mamillare (gehört zum Zwischenhirn)
  • Gyrus cinguli (eigener Lappen des Großhirns, Endhirn)
  • Gyrus dentatus
  • Corpus amygdaloideum (Mandelkern, Amygdala, Schläfenlappen)
  • Kerne des Thalamus (gehört zum Zwischenhirn)
  • Gyrus parahippocampalis mit Area entorhinalis (Schläfenlappen)
  • Septum pellucidum
  • Teile des Riechhirns
  • Indusium griseum (Balken)
  • Teile des präfrontalen Kortex

Hippocampus

Der Hippocampus, oft als das Herz des Gedächtnisses bezeichnet, ist für die Verarbeitung und Speicherung neuer Erinnerungen unerlässlich. Er ermöglicht es uns, räumliche Orientierung zu entwickeln und Erfahrungen langfristig abzuspeichern. Seine geschwungene Form, die an das Seepferdchen (griechisch: Hippokampos) erinnert, hat ihm seinen Namen gegeben.

Der Allocortex (Archicortex) umfaßt den Hippocampus selbst (Ammonshorn, Seepferdchen), den Gyrus dentatus und das Subiculum. Er grenzt medial an den Balken und den Hirnstamm; seitlich, im Übergangsbereich zum Isocortex liegt der Periallocortex (= Periarchicortex, =Mesocortex). Dieser umfaßt Gyrus cinguli und Gyrus parahippocampalis.

Der Hippocampus besteht vorwiegend aus eng gepackten Doppelpyramidenzellen. Ihre buschigen Dendritenverzweigungen erstrecken sich sowohl in Richtung auf die piale (apikale Dendriten) wie auch auf die ventrikuläre (basale Dendriten) Oberfläche. Im Gyrus dentatus finden sich anstelle der Pyramidenzellen kleine, dicht gepackte Körnerzellen. Sie entwickeln ihre Dendritenverzweigungen in nur eine Richtung (auf die äußere Molekularschicht).

Afferenzen aus dem Cortex entorhinalis erreichen den Hippocampus über zwei Verbindungen: den Tr. alveolaris und den Tr. perforans. Afferenzen aus dem Ncl. septalis erreichen den Hippocampus über den Fornix (septohippocampale Verbindung). Kommissurenverbindungen vermitteln einen Faseraustausch mit dem kontralateralen Hippocampus. Die Efferenzen des Hippocampus verlaufen über den Fornix. Sie erreichen (neben dem vorderen Kern des Thalamus und der Area septi) vor allem das Corpus mamillare. Von dort ziehen Axone über Thalamus (Ncl. anterior), Gyrus cinguli, Gyrus parahippocampalis (mit Regio entorhinalis) zum Hippocampus zurück.

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Amygdala

Die Amygdala, oft als das Alarmzentrum des Gehirns bezeichnet, ist entscheidend für die Verarbeitung und Interpretation emotionaler Reize, insbesondere solcher, die mit Furcht und Freude assoziiert sind. Sie hilft uns, auf potenzielle Bedrohungen zu reagieren, indem sie emotionale Reaktionen und Erinnerungen an emotionale Ereignisse steuert.

Der Mandelkern (Amygdala) liegt vor dem Unterhorn des Seitenventrikels im vorderen dorso-medialen Teil des Temporallappens. Er wird vom Allocortex (periamygdalare Rinde) bedeckt und grenzt an den Uncus des Hippocampus. Im kaudalen Abschnitt lagert sich ihm der Schwanz des Ncl. caudatus an. Der Mandelkern selbst gliedert sich in einen kortikalen und einen subkortikalen Hauptkern und den kleinen Ncl.

Der kortikale (oder kortiko-medialer) Hauptkern ist beim Menschen schlecht entwickelt. Der subkortikale (oder basolateraler) Hauptkern ist (beim Menschen) der größte und bestdifferenzierte Teil. Er umfaßt einen ventralen, medialen, intermediären und lateralen Unterkern. Letzterer grenzt an die ventralen Ausläufer des Claustrum.

Thalamus

Der Thalamus fungiert als zentrale Schaltstelle für sensorische Informationen, die von den Sinnesorganen kommend, an die entsprechenden Bereiche des Gehirns weitergeleitet werden. Er filtert Informationen, sodass nur die wichtigsten Reize unsere Aufmerksamkeit erregen.

Hypothalamus

Der Hypothalamus, kaum größer als eine Perle, spielt eine überproportionale Rolle bei der Regulation lebenswichtiger Körperfunktionen und Verhaltensweisen.

Gyrus Cinguli

Als Gyrus cinguli wird die Windung bezeichnet, die an der Medialfläche des Großhirns über dem Balken liegt. Er wird vom Sulcus corporis callosi und Sulcus cinguli eingerahmt. Der Gyrus cinguli setzt sich vor und unter dem Balken nach vorne fort, und läßt sich hinter und unter dem Balken verfolgen (Isthmus cinguli, Gyrus parahippocampalis).

Septumkerne

Die Septalkerne liegen beim Menschen direkt unterhalb des Septum pellucidum direkt neben der Kreuzungsstelle der vorderen Kommissur. Sie werden in eine Area septi lateralis und medialis unterteilt . Die Area septi med. ist gleichbedeutend mit dem Kern des diagonalen Bandes. Gemeinsam mit dem Ncl. basalis (Meynert) bildet er die magnozelluläre cholinerge Neuronengruppe des Endhirns.

Über die Area septi bestehen Beziehungen zum limbischen System, zum extrapyramidal-motorischen und sensiblen Systemen. Über den Ncl. habenulae (hab) ist die limbische Vorderhirnregion unter Umgehung des Hypothalamus mit der limbischen Mittelhirnregion (LMR) verbunden.

Funktionen des limbischen Systems

Zahlreiche Studien legen nahe, dass das limbische System unser affektives Verhalten zumindest teilweise kontrolliert und damit Gefühle und Sexualität beeinflusst. Zudem spielt es eine zentrale Rolle bei der Abspeicherung von Gedächtnisinhalten und ist so an Lernprozessen beteiligt. Das LS steuert das emotionale Verhalten und damit das Motivationsgefüge von Mensch und Tier. Global dient es der Adaptation an sich laufend ändernde Umwelten.

Die Einzelfunktionen des Limbischen Systems sind aufgrund des hohen Vernetzungsgrades seiner Instanzen schwer zu erfassen. Lokale Reizungen oder Läsionen innerhalb der einzelnen Strukturen des Limbischen Systems führen in der Regel zu multiplen Effekten, die sich oft auch an anderen Stellen auslösen lassen (z.B. Interaktion zwischen Mandelkern und Hypothalamus). Andererseits ist dieselbe limbische Funktion (z.B. ein bestimmter emotionaler oder motivationaler Zustand) durch Aktivitätsänderung in ganz verschiedenen, oft weit voneinander entfernten Teilen des Limbischen Systems auslösbar. Schließlich wirken sich verschiedene Anteile des Limbischen Systems konkurrierend oder gegensinnig auf Verhaltensäußerungen aus.

Emotionale Verarbeitung

Das limbische System, oft als das emotionale Gehirn bezeichnet, spielt eine zentrale Rolle in der Verarbeitung unserer Gefühle und Stimmungen, der Bildung unseres Gedächtnisses, sowie in unserem Verhalten und unserer Motivation. Die Amygdala spielt eine besonders wichtige Rolle bei der Bewertung der emotionalen Bedeutung von Reizen und ist entscheidend für unsere Reaktionen auf potenzielle Bedrohungen. Diese emotionale Verarbeitung ist nicht nur für unsere unmittelbare Reaktion auf Ereignisse wichtig, sondern auch für die Art und Weise, wie wir Erinnerungen bilden.

Gedächtnisbildung

Der Hippocampus ist eine weitere zentrale Komponente des limbischen Systems, die entscheidend für die Bildung neuer Erinnerungen ist. Er ermöglicht es uns, Erlebnisse und Informationen über längere Zeiträume hinweg zu speichern, was für das Lernen unerlässlich ist. Emotionen verstärken die Gedächtnisbildung, indem sie bestimmte Ereignisse mit emotionaler Bedeutung versehen, was uns hilft, wichtige Informationen besser zu speichern und zu erinnern.

Der Papez-Kreis läuft vom Hippcampus über den Fornix zu den Corpora mamillaria und weiter über den Thalamus zum Gyrus cinguli, der seinerseits wieder zurück zum Hippocampus projiziert. Damit schließt sich ein Kreis, der essentiell für das Gedächtnis ist: Wird er durch Operationen oder Läsionen unterbrochen, verlieren die Patienten die Fähigkeit zum Abspeichern von neuen Gedächtnisinhalten. Zwar erinnern sie ihre Vergangenheit - je älter die Erinnerung, umso besser -, doch der Weg vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis ist zerstört.

Verhalten und Motivation

Das limbische System hat auch einen tiefgreifenden Einfluss auf unser Verhalten und unsere Motivation. Der Hypothalamus spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Hunger, Durst, Müdigkeit und der Sexualtriebe. Darüber hinaus beeinflusst das limbische System unsere Entscheidungsfindung, indem es emotionale Bewertungen und Erinnerungen in den Entscheidungsprozess einfließen lässt. Diese emotionalen und erinnerungsbasierten Einflüsse können uns helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, indem sie uns ermöglichen, die potenziellen Folgen unserer Handlungen zu antizipieren.

Einfluss von Gewohnheiten und Therapien auf das limbische System

Es ist faszinierend zu sehen, wie unsere täglichen Gewohnheiten und bestimmte therapeutische Ansätze dieses komplexe Netzwerk beeinflussen können.

Eine ausgewogene Ernährung ist fundamental für die Gesundheit des Gehirns und insbesondere für die Funktion des limbischen Systems. Bestimmte Nährstoffe, wie Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien, Vitamine und Mineralien, sind essentiell für die Neurogenese (die Bildung neuer Neuronen) und die Neuroplastizität (die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und anzupassen). Lebensmittel, die reich an diesen Nährstoffen sind, können also positiv auf unsere emotionale Regulation und Gedächtnisleistung einwirken.

Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein weiterer Schlüssel zur Unterstützung des limbischen Systems. Bewegung fördert die Freisetzung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin, die unsere Stimmung und unser Wohlbefinden verbessern. Zudem wird durch Bewegung die Produktion von Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) angeregt, einem Protein, das für die Bildung neuer Gehirnzellen und die Verbesserung der kognitiven Funktionen entscheidend ist.

Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf ist essenziell für die Regeneration des Gehirns und die optimale Funktion des limbischen Systems. Während des Schlafs finden wichtige Prozesse statt, die zur Konsolidierung von Gedächtnisinhalten und zur emotionalen Verarbeitung beitragen.

Chronischer Stress ist ein signifikanter Risikofaktor für die Dysregulation des limbischen Systems. Stress induziert die Freisetzung von Cortisol, einem Hormon, das in hohen Konzentrationen neurotoxisch wirken und die Strukturen des limbischen Systems schädigen kann.

Psychopharmaka können gezielt auf die Neurotransmitter im Gehirn einwirken und so die Funktion des limbischen Systems modulieren. Antidepressiva, Anxiolytika und Stimmungsstabilisatoren sind Beispiele für Medikamente, die bei der Behandlung von psychischen Störungen, die mit einer Dysfunktion des limbischen Systems einhergehen, eingesetzt werden.

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine wirksame Methode, um Gedanken-, Gefühls- und Verhaltensmuster, die das limbische System negativ beeinflussen, zu identifizieren und zu modifizieren. Forschungen haben auch neuartige Therapieansätze hervorgebracht, wie die transkranielle Magnetstimulation (TMS) und die tiefe Hirnstimulation (THS), die direkt auf das limbische System abzielen können, um dessen Aktivität zu modifizieren.

Störungen des limbischen Systems

Störungen des LS führen zu Störungen der emot. Verhaltensweisen und beim Tier zu Störungen des artspezif. Verhaltens. Im Rahmen von Epilepsie und Psychosen kommt es beim Menschen nicht selten zu Störungen des LS, wobei deutliche Verhaltensänderungen auftreten: Wutanfälle (Ärger), Kaubewegungen, Störungen des Verständnisses, Angstgefühle (Angst), Änderung der sexuellen Erregbarkeit, Geruchshalluzinationen. Hinzu kommen vegetative Reaktionen wie Änderung des Blutdrucks, der außer- und innersekretorischen Drüsenfunktionen.

Läsionen, die das limbische System betreffen, führen in der Regel zu einer Vielzahl von Defiziten, z.B. Depressionen, Angststörungen oder auch Angstverlust, bipolare Störungen, Orientierungsstörungen, Spracheinschränkungen und Gedächtnisprobleme.

Experten gehen davon aus, dass bei Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen die Funktion des limbischen Systems verändert ist. So liegen bei Erkrankten die Konzentrationen der Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Noradrenalin deutlich außerhalb der Normwerte.

Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven

Das limbische System, oft als das emotionale Zentrum unseres Gehirns beschrieben, bleibt ein faszinierendes Forschungsgebiet, das Wissenschaftler weltweit in seinen Bann zieht. Mit Fortschritten in der Technologie und einem tieferen Verständnis der neurologischen Vorgänge eröffnen sich neue Perspektiven und Möglichkeiten, die Geheimnisse dieses komplexen Systems zu entschlüsseln.

Die moderne Forschung hat bemerkenswerte Fortschritte in der Entschlüsselung der Funktionsweise des limbischen Systems gemacht. Mit Hilfe fortschrittlicher Bildgebungstechniken wie fMRT (funktionelle Magnetresonanztomographie) und PET (Positronen-Emissions-Tomographie) können Forscher nun die Aktivität und Vernetzung innerhalb des limbischen Systems in Echtzeit beobachten. Ein besonders spannender Bereich ist die Erforschung der Neuroplastizität innerhalb des limbischen Systems. Neuere Studien zeigen, dass bestimmte Bereiche des limbischen Systems, wie der Hippocampus, eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Regeneration und Anpassung aufweisen.

Innovative Forschungsansätze versuchen, die Grenzen des bisher Bekannten zu erweitern. Ein Beispiel ist die Nutzung von KI und maschinellem Lernen, um komplexe Muster in den Aktivitätsdaten des limbischen Systems zu erkennen. Ein weiterer zukunftsweisender Ansatz ist die Verbindung von genetischen Informationen mit bildgebenden Verfahren, um die Auswirkungen genetischer Faktoren auf die Struktur und Funktion des limbischen Systems besser zu verstehen.

Die Zukunft der Forschung zum limbischen System verspricht spannende Durchbrüche und die Möglichkeit, tief verwurzelte Rätsel zu lösen. Eine der größten Herausforderungen bleibt das vollständige Verständnis der komplexen Interaktionen zwischen den verschiedenen Komponenten des limbischen Systems und deren Zusammenarbeit mit anderen Teilen des Gehirns. Ein weiterer spannender Forschungsbereich ist die Untersuchung der Evolution des limbischen Systems und seiner Rolle bei der Entwicklung von sozialen Bindungen und Emotionen in der Menschheitsgeschichte.

Stress und das limbische System

Während unser Nervensystem durchaus für kurzzeitigen Stress ausgelegt ist, kann chronischer oder traumatischer Stress erhebliche Folgen haben. Denn im Überforderungsmodus verändern sich die Verarbeitungsstrategien im Gehirn.

Traumatischer Stress, also unvollendete Stressreaktionen führen dazu, dass die Betroffenen die gleichen starken Emotionen und Körperempfindungen immer wieder erleben. Das fühlt sich dann an, als würde das Trauma hier und jetzt wieder stattfinden.

Ob eine Situation gefährlich ist oder nicht, entscheidet das Gehirn über zwei verschiedene Wege.

Wenn (innere oder äußere) Sinnesreize zum Thalamus gelangen, filtert er sie und leitet sie sowohl zur Amygdala als auch zum Neokortex weiter.

In der Amygdala wird schnell und automatisch entschieden, ob eine Gefahr besteht. Dazu gleicht der Hippocampus den Sinnesreiz mit früheren Erlebnissen ab und gibt diese Information an die Amygdala. Wenn der Reiz als gefährlich eingestuft wird, sorgt sie für die Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol) und aktiviert das autonome Nervensystem. Damit wird eine Stressreaktion ausgelöst. Durch die Aktivierung des Sympathikus (des „aktiven“ Teil des autonomen Nervensystems) bereitet sich der Körper für Kampf und Flucht vor.

Das Großhirn (also der präfrontale Kortex) verarbeitet die Information ebenfalls, ist jedoch beim sorgfältigen und detaillierten Abwägen etwas langsamer. Daher ist die Stressreaktion häufig schon angeschoben, bevor - hoffentlich - die Einsicht ankommt, dass die Situation keine Gefahr darstellt.

Wenn der präfrontale Kortex dann erkennt, dass die vermeintliche Schlange doch nur ein Ast auf dem Boden ist, wird der Alarm über den Parasympathikus (den Teil des autonomen Nervensystems, der für Ruhe zuständig ist) abgestellt.

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