Diabetes mellitus ist eine heterogene Gruppe von Erkrankungen, die durch Hyperglykämie gekennzeichnet sind. Die klinische Einteilung umfasst Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes, andere Diabetesformen (Typ 3) und Gestationsdiabetes. Während Typ-1-Diabetes durch absoluten Insulinmangel gekennzeichnet ist, ist Typ-2-Diabetes vor allem durch Insulinresistenz geprägt. Etwa 1 % der Schwangeren in Deutschland leidet an vorbestehendem Diabetes, wobei der Anteil der Typ-2-Diabetikerinnen auf 10-30 % geschätzt wird. Die Prävalenz von Gestationsdiabetes ist in Deutschland steigend. Übergewicht bzw. Adipositas ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung von Gestationsdiabetes und Typ-2-Diabetes. Eine normoglykämische Stoffwechsellage während der Schwangerschaft ist für einen unkomplizierten Verlauf und Ausgang essentiell. Bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes sollte diese bereits vor der Konzeption angestrebt und erreicht werden. Schwangerschaften mit Diabetes mellitus gelten als Risikoschwangerschaften und erfordern enge gynäkologische Anbindung und interdisziplinäre Betreuung.
Schwangerschaftsrisiken bei Diabetes
Abhängig von der perikonzeptionellen Stoffwechseleinstellung haben Schwangere mit vorbestehendem Diabetes mellitus ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen, das mit der Höhe des HbA1c-Wertes korreliert. Betroffen sind insbesondere das kardiovaskuläre, das Skelett- und das zentrale Nervensystem, aber auch weitere und komplexe Fehlbildungen ohne einheitliches Muster sind beschrieben. Ungeplante Schwangerschaften bei Frauen mit vorbestehendem Diabetes mellitus weisen eine höhere Fehlbildungsrate auf als geplante Schwangerschaften. Das Risiko für Spontanaborte ist bei schlecht eingestelltem Diabetes ebenfalls erhöht. Diabetikerinnen haben zudem vermehrt uteroplazentare Versorgungsprobleme mit daraus resultierenden Erkrankungen wie Präeklampsie. Auch die Frühgeburtenrate ist deutlich erhöht. Die perinatale Morbidität des Säuglings korreliert mit den mütterlichen Blutzuckerwerten. Typische neonatale Komplikationen bei unzureichend eingestelltem mütterlichem Blutzucker sind u.a.
Diabetes und Kinderwunsch
Bereits drei Monate präkonzeptionell ist ein HbA1c-Wert von < 7 %, bei fehlendem Hypoglykämierisiko möglichst von < 6,5 % anzustreben. Empfohlen sind zudem eine Folsäuresupplementierung drei Monate vor Konzeption bis zum Abschluss der 12. Schwangerschaftswoche sowie eine Jodsubstitution während der gesamten Schwangerschaft.
Präexistenter Diabetes mellitus in der Schwangerschaft
Beim präexistenten insulinpflichtigen Diabetes mellitus sollten die Strategien der Insulintherapie frühzeitig mit den behandelnden Ärzten besprochen werden. Bei einem nicht-insulinpflichtigen Typ-2-Diabetes sollten orale Antidiabetika bzw. GLP-1-Analoga auf Humaninsulin bzw. Insulinanaloga umgestellt werden. Eine Metformin-Therapie kann eine alternative Therapieoption für Typ-2-Diabetikerinnen in der Schwangerschaft darstellen. Der HbA1c-Wert sollte regelmäßig kontrolliert und die Blutzuckerzielwerte in der Selbstmessung mit der Patientin besprochen werden. Da ein erhöhtes Präeklampsierisiko besteht, sollte ein kombiniertes Ersttrimester- und Präeklampsiescreening erfolgen sowie eine Prophylaxe mit ASS 150 mg/d angesprochen werden. Empfohlen sind eine frühe Feindiagnostik Ende des 1. Trimenons sowie eine weiterführende Ultraschalluntersuchung im 2. Trimenon.
Gestationsdiabetes
Beim Gestationsdiabetes wird zunächst eine Lebensstilintervention mit Änderung der Ernährung und Bewegung empfohlen. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichend sein, erfolgt auch beim Gestationsdiabetes eine intensivierte konventionelle Insulintherapie, aber auch nur Basalinsuline oder kurzwirksame Insuline können eine Option darstellen. Metformin kann nach individueller Indikationsstellung und Nutzen-Risiko-Abwägung off-label erwogen werden. Auch beim Gestationsdiabetes ist eine enge fachärztliche Anbindung erforderlich.
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Medikamentöse Therapie - Insuline
Humaninsuline sind die Diabetesmedikamente mit der längsten Markterfahrung in der Schwangerschaft, sowohl Normalinsulin als auch NPH-Insuline können in der Schwangerschaft verwendet werden. Aber auch für den Einsatz von Insulinanaloga in der Schwangerschaft gibt es inzwischen Daten. Einige dieser Studien wurden vom Hersteller finanziert und sind unter seiner Mitwirkung durchgeführt und ausgewertet worden. Weder bei Humaninsulinen noch bei den Insulinanaloga wird ein relevanter plazentarer Übergang erwartet. Insulin lispro und Insulin aspart sind die am besten untersuchten kurzwirksamen Insulinanaloga. Zum Insulin glulisin gibt es bislang nur Surveillance Daten, die noch keine differenzierte Risikobewertung ermöglichen. Die langwirksamen Insulinanaloga mit den meisten Erfahrungen sind Insulin detemir und Insulin glargin. Das neueste Analogon, Insulin degludec, erwies sich in einer Studie mit schwangeren Typ-1-Diabeterinnen als nicht unterlegen gegenüber Insulin detemir. Bei einem Diabetes mellitus Typ 1 und insulinpflichtigen Diabetes mellitus Typ 2 können nach aktueller Leitlinienempfehlung sowohl Humaninsulin als auch Insulinanaloga eingesetzt bzw. fortgesetzt werden. Eine Umsetzung der Insulinanaloga in der Schwangerschaft ist in der Regel nicht notwendig. Neben der Datenlage spielen der individuelle Krankheitsverlauf und das Ziel einer möglichst optimalen Blutzuckereinstellung sowie die Vermeidung von Blutzuckerschwankungen eine entscheidende Rolle für die Therapieentscheidung. Dies sollte bei einer Nutzen-Risiko-Abwägung der schlechter untersuchten Insuline bedacht und mit der Patientin besprochen werden. Auch beim Gestationsdiabetes können Insulinanaloga indiziert sein. Prinzipiell ist zu beachten, dass sich der Insulinbedarf während der Schwangerschaft ändert.
Medikamentöse Therapie - Orale Antidiabetika und GLP-1-Analoga
Metformin und Glibenclamid sind die oralen Antidiabetika mit den meisten Daten in der Schwangerschaft. Bei Metformin bestehen keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko oder andere unerwünschte Effekte bei Mutter und Kind. Im März 2022 wurde Metformin von der Europäischen Arzneimittelkommission für die Anwendung beim Diabetes mellitus Typ 2 in der Schwangerschaft zugelassen. Bei hoher Insulinresistenz kann Metformin entsprechend auch eine Option in der Schwangerschaft darstellen und darf fortgesetzt werden. Eine bestehende Glibenclamid-Therapie sollte wegen des geringen Erfahrungsumfangs im 1. Trimenon nicht fortgeführt werden. Zudem zeigte Glibenclamid im Vergleich zu Metformin eine höhere Rate an unerwünschten Schwangerschaftsoutcomes wie Makrosomie und neonataler Hypoglykämie. Die Datenlage zu weiteren Antidiabetika ist insgesamt für eine Risikobewertung noch nicht ausreichend. Sowohl Humaninsuline als auch Insulinanaloga können zur Behandlung eines Diabetes mellitus in der Schwangerschaft angewendet werden. Die meisten Daten liegen zu den kurzwirksamen Analoga Insulin aspart und Insulin lispro vor sowie zu den langwirksamen Insulin detemir und Insulin glargin. Der individuelle Krankheitsverlauf und die aktuelle Stoffwechselsituation sind entscheidend für die Auswahl der medikamentösen Therapie.
Epilepsie in der Schwangerschaft
Anfallsleiden sind relativ häufig: Etwa jede zweihundertste Schwangere ist betroffen. Von einigen älteren Mitteln gegen Epilepsie weiß man, dass sie zu Fehlbildungen beim Baby führen können. Dazu gehören Valproinsäure, Carbamazepin, Phenobarbital oder Phenytoin. Valproinsäure scheint besonders riskant zu sein. Schwangere sollten auf die genannten Mittel verzichten. Stattdessen sollten Schwangere mit einer Epilepsie neuere Antiepileptika wie Lamotrigin und Levetiracetam einnehmen. Einige Antiepileptika führen dazu, dass die „Pille“ schneller abgebaut wird und Frauen ungewollt schwanger werden. Experten empfehlen daher, dass Frauen, die diese Antiepileptika einnehmen, nicht-medikamentös verhüten, beispielsweise mit einer Spirale. Als Epileptikerin sollten Sie Ihrem Neurologen Bescheid sagen, dass Sie schwanger werden wollen, sodass er mit Ihnen notwendige Umstellungen der Medikation besprechen und einleiten kann.
Risikoschwangerschaft: Was bedeutet das?
Der Begriff „Risikoschwangerschaft“ bedeutet nicht automatisch, dass Probleme auftreten werden. Er sagt vielmehr, dass eine Schwangerschaft besonders eng und aufmerksam überwacht wird, um Mutter und Kind die bestmögliche Sicherheit zu geben.
Gründe für die Einstufung als Risikoschwangerschaft
- Alter der Mutter: jünger als 18 oder älter als 35 Jahre
- Medizinische Vorgeschichte: vorangegangene Fehlgeburten, Frühgeburten, Kaiserschnitt oder Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt, Erkrankungen der Mutter
- Mehrlingsschwangerschaften wie Zwillinge, Drillinge etc.
- Vorerkrankungen der Mutter
Vorerkrankungen und ihre Auswirkungen
Verschiedene gesundheitliche Probleme, mit denen die werdende Mutter bereits in die Schwangerschaft startet oder die sie im Verlauf entwickelt, können die Schwangerschaft beeinflussen. Dazu gehören:
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- Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Sie erhöhen das Risiko für die Präeklampsie und müssen engmaschig kontrolliert und gegebenenfalls medikamentös eingestellt werden.
- Diabetes (Typ 1, Typ 2 oder Schwangerschaftsdiabetes): Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann sowohl bei der Mutter als auch beim Baby zu Komplikationen führen. Bei der Schwangeren steigt beispielsweise das Risiko für Bluthochdruck oder Präeklampsie.
- Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) als auch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) der Mutter können eine ernsthafte gesundheitliche Gefahr für das Baby darstellen und dessen Entwicklung beeinträchtigen.
- Autoimmunerkrankungen: Viele Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Multiple Sklerose verlaufen in der Schwangerschaft anders: Manche Erkrankungen verbessern sich, während andere sich verschlechtern.
- Infektionskrankheiten: Tritt eine Schwangerschaft ein, stellt sich das Immunsystem um, damit das Baby nicht als Fremdkörper abgestoßen wird. Das ist auch der Grund, warum Schwangere oft anfälliger für Infektionen sind.
Weitere Komplikationen
Auch wenn Frauen zu Beginn der Schwangerschaft vollkommen gesund sind, können im Verlauf besondere Situationen auftreten, die eng überwacht werden müssen.
- Blutungen in der frühen Schwangerschaft: Meist harmlos, können aber auch ein Hinweis auf eine Fehlgeburt oder eine Eileiterschwangerschaft sein.
- Plazenta praevia: Der Mutterkuchen liegt vor dem Muttermund beziehungsweise weniger als zwei Zentimeter von ihm entfernt.
- Plazentainsuffizienz: Eine Funktionsstörung des Mutterkuchens, die dazu führt, dass das Baby nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen oder Sauerstoff versorgt wird.
- Vorzeitige Plazentalösung: Ein medizinischer Notfall, der sofort ärztliche Hilfe erfordert.
- Zu wenig oder zu viel Fruchtwasser (Fruchtwasseranomalie): Die Menge des Fruchtwassers kann ebenfalls Hinweise auf Komplikationen liefern.
- Wachstumsverzögerungen des Babys: Das geschätzte Gewicht oder das tatsächliche Geburtsgewicht ist geringer als das Gewicht von 90 Prozent der Kinder zum selben Zeitpunkt der Schwangerschaft.
- Vorzeitige Wehen oder Muttermundschwäche: Riskant, weil mit ihnen eine Frühgeburt droht.
- Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen: Verschiedene Erkrankungen in der Schwangerschaft zusammengefasst, bei denen Bluthochdruck und gegebenenfalls noch weitere Symptome auftreten.
Lebensstil- und Umweltfaktoren
Auch Lebensstil- und Umweltfaktoren können eine Rolle dafür spielen, dass eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft wird. Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum bergen ein hohes Risiko für die gesundheitliche Entwicklung des Ungeborenen und sollten unbedingt unterlassen werden. Starkes Untergewicht (BMI < 18,5) wie auch starkes Übergewicht (BMI ≥ 30) können ebenfalls Schwangerschaft und Geburt beeinträchtigen. Bekannt ist heute zudem, dass dauerhafter Stress oder starke Ängste der Mutter ebenfalls einen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes haben können.
Betreuung bei Risikoschwangerschaft
Wird eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft, wird das im Mutterpass vermerkt. Für die werdende Mutter bedeutet das:
- Häufigere Vorsorgeuntersuchungen
- Zusätzliche Ultraschalluntersuchungen
- Spezielle Blut- und Urintests (je nach Diagnose)
- Gegebenenfalls Betreuung durch eine spezialisierte Praxis oder Klinik
- Bei Komplikationen: stationärer Krankenhausaufenthalt und wenn nötig Entscheidung über Kaiserschnitt beziehungsweise Geburtseinleitung
Perinatalzentren
Wenn eine Schwangerschaft oder Geburt mit besonderen Risiken verbunden ist, kann eine Entbindung in einem Perinatalzentrum sinnvoll sein. Das sind medizinische Einrichtungen, die über eine besondere Ausstattung und spezialisierte Teams zur Betreuung von Risikoschwangerschaften sowie zur Versorgung von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen verfügen.
Neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern von Müttern mit Diabetes
Eine aktuelle Studie bestätigt eine Korrelation zwischen Diabetes von Schwangeren und verschiedenen neurologischen Entwicklungsstörungen ihrer Kinder. Egal ob Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes - Zuckererkrankungen von Frauen während der Schwangerschaft können das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen beim Kind erhöhen. Dazu zählen neben Autismus, die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Entwicklungsverzögerungen, geistige Behinderungen, Zerebralparesen und Epilepsie.
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Frauen mit Typ-1-Diabetes hatten demnach überdurchschnittlich häufig Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, geistigen Behinderungen und Epilepsie. Typ-2-Diabetes war mit einem erhöhten Risiko für Autismus, ADHS, Entwicklungsverzögerungen, geistigen Behinderungen, zerebralen Lähmungen und Epilepsie assoziiert. Schwangerschaftsdiabetes war laut der vorliegenden Daten mit einem erhöhten Risiko für Autismus, ADHS und Entwicklungsverzögerungen verbunden.
Chronische Erkrankungen und Kinderwunsch
Vor einigen Jahrzehnten wurde Frauen mit chronischen Erkrankungen häufig noch von einer Schwangerschaft abgeraten. Mittlerweile ist die Medizin glücklicherweise ein ganzes Stück weiter, sodass sich auch Frauen mit bestimmten Grunderkrankungen ihren Kinderwunsch erfüllen können, ohne dabei Risiken eingehen zu müssen.
Planung ist wichtig
Am besten sollten die behandelnden Ärzte schon von Anfang an mit einbezogen werden. Besteht ein Kinderwunsch, können entsprechende Vorbereitungen beispielsweise in Bezug auf die Medikation getroffen werden. Denn Medikamente sollten in keinem Fall ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Gemeinsam kann nach einer Lösung gesucht werden, die weder Einfluss auf den Kinderwunsch noch auf den Krankheitszustand der Mutter nimmt. Es wird geprüft, wie gut die Erkrankung eingestellt und unter Kontrolle ist. Kommt es ungeplant zu einer Schwangerschaft, sollten die behandelnden Mediziner möglichst schnell mit ins Boot geholt werden. Je nach Art und Schwere der Erkrankung gilt es besondere Hinweise und Maßnahmen zu beachten und umzusetzen.
Spezifische Erkrankungen und Schwangerschaft
- Diabetes: Während einer Schwangerschaft kann der Blutzuckerspiegel stark variieren. Der Blutzucker sollte daher häufiger gemessen werden, um entsprechend reagieren zu können.
- Bluthochdruck: Ist die Erkrankung gut eingestellt, kommt es in der Regel nicht zu Komplikationen. In manchen Fällen kann dieses Krankheitsbild allerdings auch während der Schwangerschaft entstehen - die Rede ist von der sogenannten „Präeklampsie“.
- Schilddrüsenerkrankungen: Die Einstellung mit entsprechenden Schilddrüsenhormonen ist besonders wichtig, da der Körper diese während einer Schwangerschaft in größeren Mengen benötigt.
- Rheuma: Einige Frauen berichten sogar über eine Besserung der Beschwerden während der Schwangerschaft. Die Einnahme von Medikamenten muss mit dem Rheumatologen besprochen und gegebenenfalls angepasst werden.
- Multiple Sklerose: Auch hier kann sich die Schwangerschaft positiv auf die Beschwerden auswirken.
- Epilepsie: Durch körperliche/hormonelle Veränderungen, wie z. B. der Eintritt einer Schwangerschaft kann das Auftreten von Krampfanfällen begünstigt werden. Nicht alle Wirkstoffe sind für Schwangere geeignet.
Antiepileptika in der Schwangerschaft und psychische Störungen der Kinder
Eine Studie hat den Zusammenhang von Antiepileptika in der Schwangerschaft und psychischen Störungen von Kindern untersucht. Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft mit Valproat behandelt wurden, entwickelten bis zum 18. Lebensjahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 42,1 % eine psychiatrische Störung. Die Einnahme von Topiramat während der Schwangerschaft erhöht das Risiko, dass die Kinder ADHS entwickeln, und die Einnahme von Levetiracetam während der Schwangerschaft erhöht das Risiko der Kinder, ADHS oder Angststörungen zu entwickeln. Lamotrigin, Carbamazepin und Oxcarbazepin erhöhten das Risiko für psychische Erkrankungen dagegen nicht.
Familienplanung bei chronischen Erkrankungen
Schwangerschaften sollten insbesondere bei chronisch erkrankten Frauen möglichst nicht spontan auftreten, sondern in Rücksprache mit dem Arzt geplant werden. Die meisten chronischen Erkrankungen müssen in der Schwangerschaft weiterbehandelt werden. In manchen Fällen beeinflusst die Schwangerschaft den Krankheitsverlauf aufgrund von Veränderungen des Hormonhaushalts, des Immunsystems oder der metabolischen Situation.
Erbkrankheiten
Ist bei einem Elternteil oder einem nahen Verwandten eine Erbkrankheit aufgetreten, besteht oft die Sorge, dass diese Erkrankung an das Kind weitergegeben wird. In vielen Fällen lässt sich die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Erbkrankheit auftritt, durch Spezialisten für Humangenetik näher bestimmen.
Krebs und Fertilität
Umso wichtiger wird der Erhalt der Fruchtbarkeit bei der Therapie von onkologischen Erkrankungen im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Ärzte sollten dies frühzeitig mit dem Patienten besprechen.
Verhütung bei chronischen Erkrankungen
Bei Multipler Sklerose (MS), Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Asthma sowie Diabetes mellitus gibt es bezüglich der Wahl einer geeigneten Kontrazeptionsmethode keine grundsätzlichen Einschränkungen. Haben die Frauen Risikofaktoren für Thrombosen, zum Beispiel starkes Übergewicht, sollte bei hormonellen Kontrazeptiva aber eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Bewertung erfolgen.
Schwangerschaft und spezifische chronische Erkrankungen
- Multiple Sklerose (MS): Eine Schwangerschaft wirkt sich für deren Dauer oft sogar positiv auf die Schubrate aus. Einige MS-Therapeutika sind jedoch während der Schwangerschaft ungeeignet.
- Diabetes: Eine optimierte Krankheitseinstellung vor und während der gesamten Schwangerschaft ist auch bei Frauen mit Diabetes ganz entscheidend. Nach Möglichkeit sollte bereits vor, spätestens aber mit Eintritt der Schwangerschaft auf eine Therapie mit Humaninsulin umgestellt werden.
- Rheumatische Erkrankungen: Bei einigen rheumatischen Erkrankungen, unter anderem dem SLE, besteht ein höheres Risiko sowohl für die Mutter als auch den Feten. Bei der Rheumatoiden Arthritis (RA) hingegen ist die Erkrankungsaktivität in der Schwangerschaft tendenziell vermindert, verschlechtert sich aber nach der Geburt.
- Asthma: Die Frau sollte ihre Therapie wie gewohnt fortsetzen, um eine gute Asthmakontrolle aufrechtzuerhalten, sowie Faktoren, die eine Exazerbation begünstigen (wie extreme körperliche Anstrengung oder Infektionen), möglichst vermeiden.
- Epilepsie: Spezielles Augenmerk erfordert die antiepileptische Therapie bei Frauen im gebärfähigen Alter. Einerseits wirken einige Antiepileptika nachgewiesen teratogen, was eine sichere Verhütung nötig macht. Andererseits muss das Interaktionspotenzial zwischen Antiepileptika und hormonellen Kontrazeptiva beachtet werden.
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Bei gut kontrollierter Erkrankung ist die orale Einnahme hormoneller Kontrazeptiva meist möglich. Im akuten Schub oder bei schweren Verläufen kann jedoch die Magen-Darm-Passage so weit beschleunigt sein, dass eine sichere Kontrazeption nicht gewährleistet ist.
Interview mit Dr. med. Kleinwechter zum Thema Diabetes und Schwangerschaft
Dr. med. Kleinwechter, ehemals im Diabetologikum Kiel tätig und ehemaliger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), beantwortet wichtige Fragen zum Thema Diabetes und Schwangerschaft.
Was sollte ich als Diabetikerin bei der Schwangerschaftsplanung beachten?
Sie erfahren alle wichtigen Punkte durch ein Gespräch mit ihrer Frauenärztin und auch mit ihrem Diabetologen.
Welche Blutzuckerwerte sind in der Schwangerschaft ungefährlich?
Nach heutiger Erkenntnis ist es so, dass Blutzuckerwerte vor den Hauptmahlzeiten unter 95 liegen sollten und etwa eine Stunde nach der Mahlzeit, wo Spitzenwerte auftreten, unter 140.
Sind die Blutzuckerspritzen in der Schwangerschaft gefährlich für mein Kind?
Ich kann Sie beruhigen, einzelne Blutzuckerspitzen haben keine nachteilige Auswirkung auf das Kind.
Wie scharf sollte der Blutzucker in der Schwangerschaft eingestellt werden?
Der Blutzucker sollte in der Schwangerschaft streng normal eingestellt werden: vor den Hauptmahlzeiten 65-95 und als Spitzenwert nach den Mahlzeiten unter 140.
Ich habe Diabetes und bin schwanger. Wie oft die Augen kontrollieren?
Sie sollten nach Diagnose der Schwangerschaft extra zum Augenarzt gehen und dann alle drei Monate bis zur Geburt.
Ich habe Tabletten wegen Typ-2-Diabetes. Darf ich diese weiter nehmen?
In Deutschland und in Dänemark tauschen wir Tabletten gegen Insulin, weil Insulin seit Jahrzehnten zu dieser Frage am besten untersucht ist.
Darf ich in der Schwangerschaft langwirksame Insulinanaloga spritzen?
Von den zur Verfügung stehenden langwirksamen Insulinanaloga ist Levemir am besten untersucht.
Welches kurzwirksame Insulinanalogon ist in der Schwangerschaft am besten?
Am besten in der Schwangerschaft untersucht ist das Novorapid, das kann heute uneingeschränkt empfohlen werden.
Was sind die Ursachen für die Unterzuckerungen bei Diabetes in der Schwangerschaft?
Hierzu zählt einmal die hormonelle Umstellung durch die Schwangerschaft selber, es gibt eben zusätzliche Hormone die gegen das Insulin an arbeiten. Zusätzlich wird ja schärfer eingestellt und diese schärfere Blutzuckereinestellung führt dazu, dass die wahrgenommenen Körpersignale für die Unterzuckerung nur noch abgemildert und in vielen Fällen auch gar nicht mehr wahrgenommen werden.
Diabetes und Schwangerschaft. Brauchen Zwillinge doppelt so viel Insulin?
Der Bedarf ist nicht doppelt so hoch, sondern 50% höher als bei einem Einzelkind. Zwillingskinder brauchen nur zwischen der 14. und 30. Schwangerschaftswoche mehr Insulin, danach sinkt der Bedarf wieder.
Ich habe einen Magenbypass wegen Adipositas. Darf ich damit schwanger werden?
Wichtig ist, dass Sie für die Schwangerschaft Nahrungszusatzstoffe, Vitamine und auch Spurenelemente brauchen, um keinen Mangel zu haben. Und da aber die Gewichtsabnahme nach einem klassischen Magenbypass etwa 40kg im ersten Halbjahr nach der OP besteht, sollte man möglichst in dieser Zeit nicht schwanger werden.
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