Medikamente gegen Nervenschmerzen im Gesicht: Ein umfassender Überblick

Nervenschmerzen im Gesicht, insbesondere die Trigeminusneuralgie, können eine erhebliche Belastung darstellen. Ein Windhauch kann bereits ausreichen, um einen elektrisierenden Schmerz wie einen Blitz durch das Gesicht zu schießen. Diese Attacken zählen zu den stärksten Schmerzen überhaupt. Glücklicherweise gibt es verschiedene Medikamente und Behandlungsansätze, um die Beschwerden zu lindern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapiemöglichkeiten bei Nervenschmerzen im Gesicht, insbesondere im Hinblick auf die medikamentöse Behandlung.

Was sind Nervenschmerzen im Gesicht?

Nervenschmerzen im Gesicht, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch Schädigungen oder Erkrankungen der Nervenstrukturen. Im Gesichtsbereich ist häufig der Trigeminusnerv betroffen, der für die Wahrnehmung von Berührungs- und Schmerzreizen verantwortlich ist. Eine Schädigung dieses Nervs kann zu intensiven, oft unerträglichen Schmerzen führen.

Trigeminusneuralgie: Eine spezielle Form von Gesichtsschmerz

Die Trigeminusneuralgie ist eine spezielle Form von Gesichtsschmerz, die durch Schäden am Trigeminusnerv verursacht wird. Dieser Nerv besteht aus drei Ästen, die die Stirnpartie und die Gesichtsbereiche um den Unter- und Oberkiefer versorgen. Häufig sind der Unter- und Oberkieferast geschädigt, was sich durch Schmerzen in dem Bereich äußert, den der jeweilige Ast versorgt. In der Regel ist nur eine Gesichtshälfte betroffen.

Ursachen von Nervenschmerzen im Gesicht

Nervenschmerzen im Gesicht können verschiedene Ursachen haben:

  • Klassische (primäre) Trigeminusneuralgie: In den meisten Fällen wird die Trigeminusneuralgie durch ein Blutgefäß verursacht, das auf den Trigeminusnerv drückt. Dieser Druck beeinträchtigt den Nerv derart, dass er Reize nicht wie gewohnt weiterleiten kann.
  • Sekundäre (symptomatische) Trigeminusneuralgie: Selten sind andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Hirntumore, Hirnmetastasen oder Gefäßmissbildungen die Ursache für die Nervenschmerzen. Auch Kopfverletzungen können den Trigeminusnerv beeinträchtigen. Besonders bei jüngeren Patienten sollte bei starken Schmerzen im Gesicht immer auch an Multiple Sklerose gedacht werden.
  • Idiopathische Trigeminusneuralgie: Liegen wiederkehrende anfallsartige einseitige Gesichtsschmerzattacken vor, die die Kriterien für eine Trigeminusneuralgie erfüllen, und wird weder eine klassische noch eine symptomatische Diagnose bestätigt, so spricht man von einer idiopathischen Form. Als idiopathisch werden Erkrankungen ohne bekannte Ursache bezeichnet.
  • Weitere Ursachen: Operationen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich oder zahnärztliche Eingriffe können den Trigeminusnerv ebenfalls schädigen.

Symptome von Nervenschmerzen im Gesicht

Typische Symptome von Nervenschmerzen im Gesicht sind:

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  • Blitzartig einschießende Schmerzen: Die Schmerzen werden oft als elektrisierend, stechend und scharf beschrieben.
  • Extreme Intensität: Die Schmerzen einer Trigeminusneuralgie zählen zu den stärksten Schmerzen, die es gibt.
  • Kurze Schmerzattacken: Die Attacken dauern meist nur wenige Sekunden bis Minuten, können aber mehrmals täglich auftreten.
  • Triggerfaktoren: Minimale Reize wie Sprechen, Rasieren, Kauen, Zähneputzen, Berührungen, kaltes Wasser oder ein kalter Luftzug können die Schmerzen auslösen. Auch Stress kann eine Rolle spielen.
  • Episodischer Verlauf: Die Schmerzen treten oft in Episoden auf, mit schmerzfreien Phasen zwischen den Attacken. Allerdings können die Abstände zwischen den Schmerzphasen im Verlauf der Erkrankung kürzer werden und die Beschwerden stärker.
  • Einschränkungen im Alltag: Betroffene vermeiden oft alltägliche Aktivitäten wie Essen, Sprechen oder soziale Kontakte, um Schmerzen zu vermeiden.
  • Psychische Belastung: Die starken Schmerzen können zu depressiven Verstimmungen, Ängsten und sozialer Isolation führen.
  • Veränderung der Hautsensibilität: Häufig nehmen Betroffene Reize entweder besonders intensiv oder nur noch sehr schwach wahr - Wärme, Druck, Kälte und Berührungen spüren sie dann entweder übermäßig stark oder deutlich vermindert. Betroffene klagen auch häufig über ein störendes Kribbeln - als liefen tausende Ameisen über die Haut. Auch brennende und stechende Schmerzen sind ein häufiges Symptom.

Spezifische Symptome der Trigeminusneuralgie

Typisch für die Trigeminusneuralgie ist, dass die Schmerzen sehr stark sind und blitzartig einschießen. Diese können sich elektrisierend und stechend anfühlen. Solche Schmerzattacken dauern nur wenige Sekunden, in Ausnahmen auch etwas länger. Oft werden die Attacken durch leichte Berührungen oder alltägliche Aktivitäten wie Zähneputzen ausgelöst. Nach einem Anfall ist die Haut der betroffenen Gesichtshälfte oft gerötet und fühlt sich warm an.

Diagnose von Nervenschmerzen im Gesicht

Aufgrund der charakteristischen Symptomatik ist eine Trigeminusneuralgie für einen Neurologen in der Regel leicht zu diagnostizieren. Die Diagnose von Nervenschmerzen im Gesicht umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt über den Verlauf, die Dauer, Ausprägung und Auslöser der Gesichtsschmerzen.
  • Neurologische Untersuchung: Um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
  • Bildgebende Verfahren: Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann durchgeführt werden, um andere Ursachen wie Tumore oder Multiple Sklerose auszuschließen. Eine dreidimensionale (3D) Time-of-Flight-Magnetresonanz-Angiografie (3D TOF MRA) in Kombination mit einer hochauflösenden T2-gewichteten Bildgebung (HR T2WI) kann hilfreich sein, um Kompressionen des Trigeminusnervs zu erkennen.
  • Schmerztagebuch: Ein Schmerztagebuch kann helfen, Triggerfaktoren zu identifizieren und die Wirksamkeit der Behandlung zu dokumentieren.

Medikamentöse Behandlung von Nervenschmerzen im Gesicht

Die medikamentöse Therapie ist oft der erste Schritt bei der Behandlung von Nervenschmerzen im Gesicht. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden können:

Antiepileptika (Antikonvulsiva)

Antiepileptika sind Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurden, aber auch bei Nervenschmerzen wirksam sein können. Sie dienen dazu, die Erregbarkeit von Nerven zu verringern und so Schmerzattacken vorzubeugen.

  • Carbamazepin: Carbamazepin ist ein häufig eingesetztes Antiepileptikum zur Behandlung der Trigeminusneuralgie. Es wirkt vermutlich durch die Hemmung der Reizweiterleitung. Carbamazepin hat dämpfende, beruhigende, antidepressive und muskelentspannende Wirkungen und ist in der Regel äußerst wirksam. Allerdings besteht bei diesem Medikament ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit, allergische Reaktionen, Veränderungen des Blutbildes und der Leberfunktion, Verringerung der Blutsalze und Magen-Darm-Probleme.
  • Oxcarbazepin: Oxcarbazepin ist ein weiteres Antiepileptikum, das bei Nervenschmerzen eingesetzt werden kann. Es hat ein ähnliches Wirkungsprofil wie Carbamazepin, aber möglicherweise weniger Nebenwirkungen.
  • Gabapentin und Pregabalin: Diese Medikamente werden ebenfalls zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt und können die Schmerzweiterleitung im Rückenmark hemmen.

In der Regel wird die Schmerztherapie mit einer niedrigen Dosierung begonnen und so lange erhöht, bis bei der betroffenen Person keine Schmerzen mehr auftreten. Die Nebenwirkungen können reduziert werden, indem das Medikament auf mehrere Dosen über den Tag verteilt eingenommen wird. Die unterschiedlichen Substanzen können eventuell auch kombiniert zum Einsatz kommen. Ist der Patient vier bis sechs Wochen schmerzfrei, wird die Dosis stufenweise reduziert.

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Antidepressiva

Antidepressiva können ebenfalls bei Nervenschmerzen eingesetzt werden, da sie die Schmerzweiterleitung im Gehirn beeinflussen können.

  • Amitriptylin und Duloxetin: Diese Antidepressiva werden gezielt zur Schmerzlinderung eingesetzt und beeinflussen die Aktivität der Nervenzellen und der schmerzleitenden Nervenbahnen.

Weitere Medikamente

  • Baclofen: Ein Muskelrelaxans, das bei manchen Patienten mit Trigeminusneuralgie helfen kann.
  • Opioide: In schweren Fällen können Opioide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, allerdings bergen sie ein hohes Suchtpotential und sollten nur unter strenger ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

Rezeptfreie Medikamente

Bei der Behandlung von Schmerzen, die durch Nervenverletzungen oder -schäden hervorgerufen werden (sog. neuropathische Schmerzen), sind rezeptfreie Schmerzmittel in der Regel nicht wirksam. Rezeptfreie Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac wirken vor allem dann gut, wenn der Schmerz durch eine Entzündung hervorgerufen wird. Statt lange mit Schmerzmitteln aus der Selbstmedikation herum zu probieren, sollten sich Patienten mit neuropathischen Schmerzen frühzeitig an einen Arzt wenden.

Gegen Nervenschmerzen haben sich die Präparate Keltican Forte und Milgamma Protekt als hilfreich erwiesen: Bei Keltican Forte handelt es sich um ein diätetisches Lebensmittel, das reich an Vitamin B12, Folsäure und Uridinmonophosphat ist. Milgamma Protekt ist hingegen ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Benfotiamin. Suchen Sie ein anderes rezeptfreies Medikament, das Nervenschmerzen lindert, können Sie alternativ homöopathische Mittel ausprobieren. Dazu gehören beispielsweise Schmerzöle: Inhaltsstoffe wie Lavendelöl oder Quarz oleosum D9 regen den Stoffwechsel und den Wärmeorganismus an. Wenn Sie Tabletten bevorzugen, finden Sie auch Mittel gegen Nervenschmerzen in Tablettenform. Fragen Sie diesbezüglich jedoch sicherheitshalber Ihren behandelnden Arzt.

Alternative Behandlungsansätze

Neben der medikamentösen Therapie gibt es verschiedene alternative Behandlungsansätze, die bei Nervenschmerzen im Gesicht in Betracht gezogen werden können:

  • Mikrovaskuläre Dekompression (MVD): Eine Operation, bei der ein Blutgefäß, das auf den Trigeminusnerv drückt, durch ein Kunststoffstück (z.B. Teflon) vom Nerven entlastet wird. Die frühe Erfolgsrate liegt hoch. Rund acht von zehn Patienten sind nach dem Eingriff schmerzfrei, weitere zwei haben geringere Beschwerden. Nach zehn Jahren profitieren allerdings nur noch sieben von zehn Operierten.
  • Perkutane Operationsverfahren: Hierbei wird der Nervus Trigeminus im Bereich des Ganglion Gasseri entweder thermisch (Thermokoagulation), chemisch (Glyzerinrhizolyse) oder mechanisch (Ballonkompression) geschädigt. Der Zugangsweg erfolgt durch die Haut seitlich des Mundwinkels durch eine Schädelöffnung unter Durchleuchtung.
  • Radiochirurgische Behandlung (Gamma-Knife-Behandlung): Der Trigeminusnerv wird am Abgang mit einer hohen Strahlendosis einmalig bestrahlt, um eine Teilschädigung des Nervs zu verursachen.
  • Psychotherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, besser mit den Schmerzen und der seelischen Belastung umzugehen.
  • Multimodale Schmerztherapie: Eine strukturierte Behandlung, bei der Fachleute aus den Bereichen Medizin, Physiotherapie und Psychologie zusammenarbeiten.
  • Akupunktur: Einige Studien deuten auf positive Effekte von Akupunktur bei der Behandlung von Trigeminusneuralgie hin, aber grundlegende Belege fehlen bisher noch.

Wichtige Hinweise zur Behandlung von Nervenschmerzen im Gesicht

  • Frühzeitige Diagnose und Behandlung: Je früher Nervenschmerzen im Gesicht diagnostiziert und behandelt werden, desto besser sind die Erfolgsaussichten.
  • Individuelle Therapie: Die Behandlung sollte individuell auf die Ursache, Symptome und Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden.
  • Spezialisierte Zentren: Patienten sollten sich in spezialisierten Zentren beraten und behandeln lassen, die eine große Palette an Verfahren anbieten.
  • Realistische Erwartungen: Es ist wichtig zu wissen, dass die Behandlung von Nervenschmerzen im Gesicht oft langwierig ist und nicht immer zu vollständiger Schmerzfreiheit führt.
  • Begleitende Maßnahmen: Neben der medikamentösen und interventionellen Therapie können auch begleitende Maßnahmen wie Physiotherapie, Entspannungstechniken und psychologische Unterstützung hilfreich sein.

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