Hirnhautentzündung und Enzephalitis: Symptome, Ursachen und Behandlung mit Fokus auf Sehstörungen

Meningitis (Hirnhautentzündung) und Enzephalitis (Gehirnentzündung) sind seltene, aber ernste Infektionen des Gehirns, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Auslöser sind meistens Bakterien und Viren. Besonders wichtig ist es, eine bakterielle Meningitis schnell zu erkennen und zu behandeln. Sie beginnt abrupt, führt zu einer schnellen Verschlechterung der Gesundheit und endet unbehandelt tödlich. Antibiotika können diesen Verlauf stoppen.

Definition und Überblick

Meningitis und Enzephalitis sind schwerwiegende Infektionen der Hirnhäute (Meningen) bzw. des Hirngewebes. Die Erkrankungen können viele verschiedene Ursachen haben. Die häufigsten Erreger sind Bakterien bei der Meningitis (vor allem Pneumokokken und Meningokokken) sowie Viren bei der Enzephalitis (insbesondere das Herpes- und Windpocken-Virus). Der Verdacht auf Meningitis oder Enzephalitis soll stets zügig im Krankenhaus abgeklärt werden. Bis zur endgültigen Diagnose wird jede infektiöse Hirnhautentzündung wie eine bakterielle Meningitis mit Antibiotika behandelt. Bei ihr entscheidet die schnelle und richtige Antibiotikagabe über Leben und Tod.

Bei einer Meningitis entzünden sich die Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). Meist wird diese Entzündung durch Viren oder Bakterien verursacht. Typische Symptome der Hirnhautentzündung sind starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Nackensteifigkeit, Übelkeit und Erbrechen, mitunter auch Bewusstseinsstörungen. Eine Meningitis ist ein medizinischer Notfall, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss.

Das Gehirn und das Rückenmark bilden das zentrale Nervensystem. Hier werden etwa Sinneswahrnehmungen weitergeleitet und verarbeitet, Bewegungen koordiniert und wichtige Funktionen wie die Atmung und der Herzschlag gesteuert. Gehirn und Rückenmark sind von schützenden Häuten umgeben, den Meningen. Bei einer Meningitis entzünden sich diese Hirn- und Rückenmarkshäute. Greift die Entzündung zusätzlich auf das Gehirn über, spricht man von einer Meningoenzephalitis. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, vom Säugling bis zum älteren Erwachsenen.

Ursachen von Meningitis und Enzephalitis

Die Auslöser der Meningitis sind vielfältig, meist verursachen Bakterien oder Viren die Entzündung. Entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) spielen eine zunehmende Rolle in der Neurologie. Entzündliche Erkrankungen können erregerbedingt durch Bakterien, Pilze, Protozoen und Viren sowie nicht erregerbedingt/autoimmun (wie Multiple Sklerose, Vaskulitis) auftreten.

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Bakterielle Meningitis

Mögliche Erreger einer bakteriellen Meningitis sind zum Beispiel:

  • Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae): Vorausgehen kann eine Entzündung im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, wie eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung.
  • Meningokokken (Neisseria meningitidis): Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und sind sehr ansteckend. Menschen mit einer Meningokokken-Meningitis müssen deshalb schnell isoliert werden.
  • Bakterielle Hirnhautentzündungen werden bei allen Menschen, die älter als 6 Wochen sind, hauptsächlich von Pneumokokken und Meningokokken verursacht. Meningokokken kommen in mehreren Untertypen vor. Eine untergeordnete Rolle spielen Bakterien wie Haemophilus, Listerien, Staphylokokken und Enterobakterien. Haemophilus influenzae Typ B (Hib) wurde erfolgreich durch die Einführung einer Impfung zurückgedrängt. Listerien haben in der Schwangerschaft eine besondere Bedeutung. Da sie das Ungeborene gefährden können, wird Schwangeren vom Verzehr bestimmter Speisen wie Rohmilchprodukten und rohem Fleisch abgeraten.

Die Übertragungswege der Meningitis sind abhängig vom Erreger. Pneumo- und Meningokokken werden häufig über Tröpfchen beim Niesen oder Husten aufgenommen. Sie müssen aber nicht unmittelbar zu einer Hirnhautentzündung führen, sondern können die Schleimhaut besiedeln, bis ein geschwächtes Immunsystem die Verbreitung über die Blutbahn begünstigt. In anderen Fällen bestand eine Infektion im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und anschließend wurden die Bakterien weiterverbreitet. Auch eine Übertragung der Erreger bei Verletzungen und Operationen ist möglich.

Risikofaktoren für eine bakterielle Hirnhautentzündung sind u. a. Alkohol- und Drogenmissbrauch, Operationen und Verletzungen im Kopfbereich, Immunschwäche, Diabetes, Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich (Mittelohrentzündung, Nebenhöhlenentzündung) in der Mundhöhle oder im Herzen (Endokarditis).

Virale Meningitis und Enzephalitis

Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) sind meist viral bedingt. Virale Gehirn- oder Hirnhautentzündungen sind insgesamt häufiger als bakterielle.

Mögliche Erreger einer viralen Meningitis sind zum Beispiel:

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  • Enteroviren: Sie sind die häufigste Ursache für virale Hirnhautentzündungen.
  • Herpesviren: Insbesondere das Herpes-simplex-Virus (HSV) und das Varizella-Zoster-Virus (der Erreger von Windpocken und Gürtelrose) können eine schwere Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns) verursachen. Eine der häufigsten sporadischen Enzephalitiden Westeuropas ist die HerpesSimplex-Virus-Enzephalitis (HSVE). Die Symptome einer HSVE sind Kopfschmerzen, Fieber, quantitative und/oder qualitative Bewusstseinsstörungen. Schon bei dem Verdacht auf eine HSVE muss die antivirale Therapie mit Aciclovir rasch eingeleitet werden. Unbehandelt verläuft sie meist tödlich. Diese Patienten müssen auf einer neurologischen Intensivstation behandelt werden. Auch bei der HSVE gilt „time is brain“.
  • FSME-Virus: Das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus wird durch Zeckenstiche übertragen. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch Zecken übertragen und zählt ebenfalls zu den häufigeren viralen Gehirnentzündungen in Deutschland. Menschen, die in FSME-Risikogebieten wohnen (in Teilen von Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen) und sich viel im Freien aufhalten, wird auch zu einer FSME-Impfung geraten.
  • Viele Viren, die Krankheiten im Kindesalter auslösen, können ebenfalls das Hirn befallen, z.B. die Erreger von Mumps, Röteln, Masern oder Windpocken.

So vielfältig wie die auslösenden Erreger sind auch die Übertragungswege. Oftmals liegt eine Tröpfcheninfektion zugrunde. In tropischen Gebieten werden verschiedene Krankheitserreger, die eine Enzephalitis verursachen können, durch Stechmücken übertragen.

Ein besonderes Merkmal der viralen Infektionen ist die Möglichkeit, dass eine schon einmal durchgemachte Erkrankung reaktiviert wird. Dabei kann das betroffene Organsystem wechseln, wie es das Beispiel einer Herpesinfektion zeigt. Dies ist allerdings nur bei einem geschwächten Immunsystem möglich.

Weitere Ursachen

Manchmal sind auch Bakterien verantwortlich für eine Gehirnentzündung: Borrelien, die von Zecken im Rahmen einer Borreliose übertragen werden, oder Tuberkulose- und Syphilis-Bakterien. Bei Aids-Patienten oder frisch Organtransplantierten können sogar Parasiten oder Pilze die Blut-Hirn-Schranke passieren.

Autoimmunologische Prozesse, wenn der Organismus also nicht in der Lage ist, bestimmte Strukturen als körpereigene zu erkennen, können am Nervensystem Entzündungen hervorrufen. Das Immunsystem, das eigentlich krankmachende Einflüsse (wie Bakterien) ausschalten soll, produziert in diesen Fällen Antikörper gegen Gewebestrukturen des eigenen Körpers, zum Beispiel gegen bestimmte Teile des Nervensystems. Häufige Krankheitsbilder durch erregerbedingte Infektionen des Gehirns sind die Neuborreliose und die Gürtelrose. Im Zusammenhang mit immunsuppressiven und immunmodulatorischen Therapien treten Infektionen des ZNS häufig bei immungeschwächten Patienten auf wie die progressive multifokale Leukenzephalopahtie (PML) bei der Multiplen Sklerose.

Besonders tückisch ist, wenn die Gehirnentzündung durch die Immunreaktion des eigenen Körpers ausgelöst wird. In einer Übersichtsarbeit [1] wird die Inzidenz autoimmuner Enzephalitiden mit einer Inzidenz von 8-15 Patienten/1.000.000/Jahr angegeben, demnach erkranken in Deutschland jährlich ca. 640-1.200 Menschen. Sie betrifft in der Regel jüngere Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, die Inzidenz beträgt lt. einem Review aus dem Jahr 2019 [2] 1,5/1.000.000. Der Körper bildet IgG-Antikörper gegen eine Untereinheit der sogenannten NMDA-Rezeptoren, die besonders im zentralen Nervensystem eine Rolle spielen. Am Anfang der Erkrankung sind die Anzeichen leicht und grippeähnlich, nach einigen Tagen stellen sich dann z.T. schwere psychiatrische Symptome ein, die einer Schizophrenie ähneln (Psychosen, Verwirrtheit, Halluzinationen, Wahnzustände). Nach einigen Wochen kommen neurologische Symptome hinzu, wie Hyperkinesen (unwillkürliche Bewegungen), Mutismus (Stummheit, obwohl die organische Sprechfähigkeit vorhanden ist), Schluckstörungen oder epileptische Anfälle.

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Symptome von Meningitis und Enzephalitis

Die Anzeichen einer Meningitis können sich schnell entwickeln. Die ersten Anzeichen einer Meningitis sind meist starke Kopfschmerzen, hohes Fieber und Abgeschlagenheit. Charakteristisch ist die Nackensteifigkeit, die aber bei Säuglingen auch fehlen kann. Sie wird durch die entzündeten Hirn- und Rückenmarkshäute hervorgerufen und auch als Meningismus bezeichnet. Dabei ist das Beugen des Kopfes zur Brust aufgrund entzündungsbedingter Schmerzen kaum möglich. Oft treten zusätzlich Übelkeit, Erbrechen und hohe Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen und Licht (Lichtscheue) auf. Verwirrtheit, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit sind ebenfalls möglich. Bei einer Infektion mit Meningokokken können sich auch kleine punktförmige Flecken an der Haut zeigen, verursacht durch Blutungen.

Allerdings treten nicht immer alle vier Symptome gemeinsam auf. Weitere häufige Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Lichtscheu) sowie epileptische Anfälle. Bei einer durch Meningokokken verursachten Meningitis ist ein Warnsignal ein typischer Hautausschlag, der als kleine, rote oder violette Flecken (Petechien) beginnt. Sie können sich zu größeren Einblutungen entwickeln (Purpura fulminans) und deuten darauf hin, dass die Blutgerinnung durch die Infektion gestört ist. Das kann Zeichen einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) sein.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft untypisch. Bei Verdacht auf eine Meningitis sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen oder den Notruf (112) wählen. Achten Sie auf diese Warnzeichen: plötzliche starke Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit, das bedeutet Sie können den Kopf nicht mehr nach vorne zur Brust beugen.

Die virale Meningitis lässt sich von der bakteriellen im Anfangsstadium oft nicht sicher unterscheiden, sie macht sich aber meist langsamer und weniger heftig bemerkbar.

Eine Enzephalitis kann mit allen Symptomen einer Hirnhautentzündung einhergehen. Meist entwickeln sie sich jedoch weniger rasch. Die Symptome bei Neugeborenen und Säuglingen sind oftmals unscheinbarer: Sie werden auffällig mit Fieber oder wahlweise einer erniedrigten Körpertemperatur unter 35 °C, Schlappheit, Reizbarkeit, Erbrechen, Durchfall und Krämpfen.

Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) sind schwere Erkrankungen. Es kann zu Bewusstseinsstörungen, Wahrnehmungsstörungen (z.T. auch Halluzinationen), epileptischen Anfällen und/oder sogenannten fokalen neurologischen Ausfällen, wie z.B. Sprachstörungen, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen kommen.

Sehstörungen als Symptom

Neben den genannten allgemeinen Symptomen können bei Meningitis und Enzephalitis auch Sehstörungen auftreten. Diese können vielfältig sein und umfassen:

  • Doppelbilder
  • Verschwommenes Sehen
  • Gesichtsfeldausfälle
  • Lichtempfindlichkeit
  • Augenmuskellähmungen

Das Auftreten von Sehstörungen deutet auf eine Beteiligung des Gehirns oder der Hirnnerven hin und sollte umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Warnzeichen

  • plötzliche starke Kopfschmerzen,
  • Fieber
  • Nackensteifigkeit
  • Sehstörungen
  • Bewusstseinsstörungen

Bei diesen Warnzeichen sollte umgehend ärztliche Hilfe geholt werden.

Diagnose von Meningitis und Enzephalitis

Fieber, Nackensteifigkeit und Bewusstseinsveränderungen lenken den Verdacht auf eine Infektion des Gehirns. Eine schnelle Abklärung im Krankenhaus ist geboten. Um eine Meningitis schnell und sicher festzustellen, sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Neben der körperlichen Untersuchung wird Blut abgenommen und unter anderem auf Entzündungswerte und mögliche Erreger untersucht. Außerdem wird Nervenwasser aus dem Lumbalbereich, dem Bereich der unteren Lendenwirbelsäule, entnommen (Lumbalpunktion). So kann der Arzt oder die Ärztin feststellen, ob Bakterien oder Viren die Meningitis verursacht haben - was entscheidend für die weitere Behandlung ist. In manchen Fällen kann auch ein CT oder MRT erforderlich sein, um einen erhöhten Druck im Gehirn auszuschließen.

Die Untersuchung des Rückenmark- und Hirnwassers bringt meist Gewissheit. Diese sog. Lumbalpunktion, bei der das Nervenwasser über eine Nadel gewonnen wird, die zwischen zwei Wirbelkörpern im unteren Rücken eingebracht wird, ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Im Nervenwasser zeigen sich entzündliche Veränderungen, und verschiedene Tests zur Bestimmung der Krankheitserreger können durchgeführt werden. Auch im Blut können auffällige Entzündungswerte und Krankheitserreger nachgewiesen werden. Ergänzend werden bildgebende Verfahren (Computertomografie oder Magnetresonanztomografie) eingesetzt. Möglichst frühzeitig sollte auch eine HNO-ärztliche Untersuchung erfolgen, um mögliche Entzündungsherde im Mittelohr oder den Nasennebenhöhlen ausfindig zu machen.

Behandlung von Meningitis und Enzephalitis

Die Therapie hängt entscheidend vom Erreger ab.Patienten und Patientinnen mit Verdacht auf eine bakterielle Meningitis werden sofort im Krankenhaus, meist auf einer Intensivstation, aufgenommen. Sie erhalten Antibiotika über die Vene und zusätzlich wird oft ein Kortisonpräparat gegeben. Es kann bei Pneumokokken-Meningitis die Sterblichkeit und bei einer Meningokokken-Meningitis das Risiko für Folgeschäden wie einen Hörverlust senken. Die meisten viralen Hirnhautentzündungen werden symptomatisch mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten behandelt. Eine wichtige Ausnahme ist die durch Herpesviren (Herpes-simplex-Virus, Varizella-Zoster-Virus) verursachte Enzephalitis. Hier ist eine sofortige intravenöse Therapie mit dem antiviralen Medikament Aciclovir lebensrettend und muss bereits bei Verdacht begonnen werden.

Patient*innen mit Hirnhautentzündung werden im Krankenhaus, anfangs häufig auf der Intensivstation, behandelt. Noch bevor die gesamte Diagnostik abgeschlossen ist, wird bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis ein Antibiotikum über die Vene verabreicht. Zusätzlich erhält die erkrankte Person eine Kortisoninfusion (Dexamethason), die die entgleiste und gefährliche Entzündungsreaktion abschwächen soll. Später, wenn der genaue Erreger bekannt ist, wird die Antibiotikatherapie weiter angepasst. Im Durchschnitt erfolgt die antibiotische Therapie über 10-14 Tage. Es ist zu beachten, dass auch eine Enzephalitis in der Anfangsphase häufig wie eine bakterielle Meningitis behandelt wird. Erst wenn mit großer Sicherheit festgestellt wurde, dass Viren das Krankheitsbild verursachen, werden die Antibiotika abgesetzt. Zudem werden Medikamente, die gegen Viren wirksam sind (meist Aciclovir), verabreicht. Im Krankenhaus werden auch die möglichen Komplikationen überwacht und behandelt.

Meningokokken-Erkrankte sind bis 24 Stunden nach Beginn der Antibiotika-Therapie ansteckend und werden daher für diese Zeit isoliert. Zudem kann es sein, dass auch engen Kontaktpersonen in Familie, Kindergarten oder Schule vorbeugend eine Antibiotikabehandung empfohlen wird. Bei der viralen Meningitis werden in erster Linie die Symptome behandelt, unter anderem durch Sicherstellung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, Schmerzmittel, fiebersenkende Medikamente sowie Arzneimittel gegen Übelkeit.

NMDA-Rezeptor-Enzephalitis

Ein relativ neues Krankheitsbild ist die NMDA-Rezeptor-Enzephalitis, die häufig nicht gleich erkannt wird. An der Charité laufen derzeit Studien zu ihren Folgeerscheinungen, kognitive Defizite sind demnach häufig. Doch eine Erholung der kognitiven Funktionen ist auch viele Jahre nach der Erkrankung möglich. „Was die Patientinnen und Patienten erleben, kann für sie und ihre Angehörigen traumatisch sein, insbesondere, wenn sie nicht gleich eine Diagnose und Therapie erhalten, sondern als primär psychiatrisch erkrankt eingestuft werden. Daher ist es so wichtig, die NMDAR-Enzephalitis bekannter zu machen. Mit der richtigen Diagnose kann eine Immuntherapie eingeleitet werden, die in den meisten Fällen zu einer schnellen klinischen Verbesserung führt“, erklärt Prof. Dr. Die NMDAR-Enzephalitis wurde erstmals 2007 beschrieben und hat, so der Experte, aufgrund ihrer Seltenheit noch keinen ausreichend hohen Bekanntheitsgrad, mitunter auch nicht bei Medizinern. Noch immer sei daher von einer Dunkelziffer auszugehen. Neben der Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung für das Krankheitsbild, ist die Erforschung ein weiteres wichtiges Anliegen. Prof. Carsten Finke, ebenfalls von der Charité - Universitätsmedizin Berlin, befasst sich mit den Krankheitsfolgen der NMDAR-Enzephalitis, die allgemein unterschätzt werden. In einer Pilotstudie [3] zeigte er, dass die Mehrzahl der Patienten auch Jahre nach der Erkrankung noch unter kognitiven Defiziten leiden. „Das demonstriert, wie wichtig die frühzeitige Diagnose ist, die mit speziellen Tests auf Antikörper verlässlich gestellt werden kann. Mittlerweile wurden diese Erkenntnisse auch an einem größeren Patientenkollektiv bestätigt, die Daten haben wir zur Publikation eingereicht.

Prävention

Es stehen einige Maßnahmen zur Verfügung, mit denen Sie das Infektionsrisiko für eine Hirnhaut- und Hirnentzündung reduzieren können. Dennoch ist eine Enzephalitis-Prävention nur bedingt möglich, denn letztlich man kann sich nicht vor allen Ursachen schützen. Gegen einen Teil der Erreger kann man sich schützen (z.B. vor HIV und Syphilis durch ‚Safer Sex‘), gegen andere gibt es Impfungen, z.B. gegen Typhus, Tollwut, Masern, Röteln, und nun auch gegen SARS-CoV-2.

Schutzimpfungen

Impfungen gegen Meningokokken vom Typ C, Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ b sind Bestandteil der von der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) empfohlenen Grundimmunisierung für Kinder. Sie schützen vor Infektionen beziehungsweise schweren Verläufen der durch diese Erreger ausgelösten Erkrankungen. Damit reduzieren die Impfungen auch das Risiko für eine bakterielle Meningitis stark. Die Impfung gegen Meningokokken C wird für alle Kinder im Alter von zwölf Monaten empfohlen. Eine fehlende Impfung sollte bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Die STIKO (Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut) empfiehlt allen Kindern ab 2 Monaten die Impfung gegen Haemophilus (als Teil der Sechsfach-Impfung), Pneumokokken und Meningokokken der Gruppe B, gegen Gruppe-C-Meningokokken ab 12 Monaten. Diese Impfungen sind sehr sicher und haben dazu geführt, den Meningitis-Verursacher Haemophilus fast gänzlich zurückzudrängen. Auch Meningokokken-Infektionen sind seltener geworden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlung für die Sechsfachimpfung im Säuglingsalter aktualisiert und empfiehlt statt dem bisherigen 3+1-Impfschema das reduzierte „2+1-Impfschema". Die Impfungen sollten im Alter von 2, 4 und 11 Monaten erfolgen. Personen ab 60 Jahren oder mit bestimmten Vorerkrankungen wird eine Impfung gegen Pneumokokken empfohlen. In bestimmten Fällen sollte nach mindestens 6 Jahren eine zweite Impfung verabreicht werden.

Reiseimpfungen: Aufgrund der regionalen Häufung von Meningokokken im sog. Meningitisgürtel (Länder südlich der Sahara von Senegal bis Äthiopien) sowie in Saudi-Arabien wird Reisenden in diese Länder eine spezielle Schutzimpfung empfohlen (ACWY-Impfung). Pilger nach Mekka müssen ab dem 2. Lebensjahr bei der Einreise nach Saudi-Arabien eine ACWY-Impfung nachweisen. Auch bei Reisen in Länder mit Meningitis-Epidemien ist eine Impfung sinnvoll.

Schützend im Hinblick auf eine Enzephalitis wirken u. a. Impfungen gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), die japanische Enzephalitis sowie Tollwut. Viele von der STIKO empfohlene Kinderimpfungen (z. B. Windpocken, Masern) schützen vor dem mit diesen Viruserkrankungen verbundenen Risiko einer Enzephalitis. Da auch die saisonale Grippe (Influenza) eine Enzephalitis auslösen kann, schützt die Grippe-Impfung davor.

Umgang bei Kontakt mit Erkrankten

Isolierung von erkrankten Personen: Patientinnen mit einer Meningokokken-Meningitis oder einer infektiösen Enzephalitis werden im Krankenhaus isoliert. Antibiotika-Prophylaxe: In den meisten Fällen wird engen Kontaktpersonen von Meningitis-Patientinnen die Einnahme eines Antibiotikums über 1-2 Tage zur Vorbeugung nahegelegt. Impfung nach Kontakt: Kontaktpersonen von Erkrankten mit Meningokokken-Meningitis wird zusätzlich eine Meningokokken-Impfung empfohlen.

Prognose und Komplikationen

Ohne die richtige Behandlung führt eine bakterielle Meningitis fast immer zum Tod. Abhängig vom Erreger versterben selbst bei antibiotischer Therapie bis zu 30 % der Erkrankten.Komplikationen sind häufig. Dazu zählen eine Schwellung des Gehirns, eine Druckerhöhung im Gehirn, Krampfanfälle, Schlaganfall, Abszesse im Gehirn sowie eine Blutvergiftung (Sepsis). Die Prognose ist schlechter bei fortgeschrittenem Alter und bestimmten Vorerkrankungen. Hirninfektionen durch Viren haben eine etwas bessere Prognose. Hier kann es nach durchgemachter Infektion zu erneuten Ausbrüchen kommen, da sich das zugrunde liegende Virus im Körper verstecken kann.

Meningitis ist eine schwere Erkrankung, die sowohl akute Komplikationen als auch bleibende Schäden verursachen kann.

Akute Komplikationen

Mögliche Komplikationen sind zum Beispiel:

  • Hirnödem: Eine Schwellung des Gehirns, die zu einem lebensbedrohlichen Anstieg des Hirndrucks führen kann.
  • Epileptische Anfälle
  • Schlaganfälle durch Entzündungen der Blutgefäße im Gehirn.
  • Systemische Komplikationen: zum Beispiel eine Blutvergiftung oder Gerinnungsstörungen.

Langzeitfolgen

Auch nach überstandener Krankheit können dauerhafte Beeinträchtigungen zurückbleiben. Eine überstandene Gehirn- oder Hirnhautentzündung hinterlässt leider oft bleibende Schäden, die die tägliche Lebensführung in unterschiedlichem Ausmaß einschränken. Am häufigsten sind kognitive Schäden, Persönlichkeitsveränderungen, epileptische Anfälle, bleibende Muskelschwächen, ein sog. Wasserkopf bei Kindern sowie Seh- und Hörstörungen.

  • Hörschäden: Hörverlust bis hin zur Taubheit ist eine der häufigsten Folgen, besonders nach einer Pneumokokken-Meningitis. Eine frühzeitige audiologische Untersuchung nach der Erkrankung ist daher sehr wichtig.
  • Neurologische Defizite: Dazu zählen Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen (Ataxie) und epileptische Anfälle.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Viele Betroffene klagen über Probleme mit der Konzentration und der Merkfähigkeit.

Nach überstandener Infektion werden daher Kontrolluntersuchungen empfohlen.

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